DIE GEDICHTE
WALTHERS VON DER
VOGELWEIDE
HERAUSGEGEBEN
von
H. PAUL
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Die Gedichte
Weither*^ von der Vogelweide
Herausgegeben
Herrn an n Paul
Fünfte Auflage
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Halle (Saale)
Verlag von Max Niemeyer
1921
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.]
Altdeutsche toxtbibliothek, herausgegreben von H.Paul
Nr. 1
Vorrede zur ersten aufläge.
Dem zwecke der Sammlung entsprechend, die mit diesem
bände eröffnet wird, bin ich lediglich bestrebt gewesen, die
gedichte Walthers durch eine möglichst billige und handliche
ausgäbe leicht zugänglich zu machen. Ich mache nicht den
ansprach, damit etwas wesentliches für die kritik und er-
klärung geleistet zu haben. Meine arbeit hat hauptsächlich
darin bestanden, aus der masse der aufgestellten Vermutungen
das wenige sichere oder wenigstens plausible herauszusuchen.
Bei der herstellung des textes habe ich mich enger
an die handschriftliche Überlieferung angeschlossen als alle
früheren herausgeber. Ich will damit nicht in allen fällen
die richtigkeit derselben als zweifellos hinstellen, aber ich
meine, daß wir immer auf einem festeren boden bleiben,
wenn wir eine überlieferte lesart, die uns einiges bedenken
erregt, stehen lassen, als wenn wir sie durch eine conjectur
ersetzen, die willkürlich aus verschiedenen möglichkeiten aus-
gewählt ist. Am wenigsten habe ich da, wo der Sinn keinen
anstoss erregt, unerwieseneu metrischen Voraussetzungen zu
liebe ändern mögen. In der beseitigung orthographischer
und dialektischer eigenheiten der handschriften bin ich weiter
gegangen als Lachmaun, um das Verständnis eines textes,
der auch von anfängern gebraucht werden soll, nicht un-
nötig zu erschweren. Im übrigen lege ich auf die von mir
gewählte Schreibweise kein besonderes gewicht, da ich sehr
wol weiss, wie wenig wir im stände sind ein abbild von der
wirklichen spräche des dichters zu geben. Die anmer-
kungen, die auf das knappste mass beschränkt werden
mussten, dienen hauptsächlich dazu über die den gedichten
zu gründe liegenden politischen und persönlichen Verhältnisse
aufschluss zu geben.
Die wichtigsten punkte, in denen ich in bezug auf text-
kritik, erklärung und datierung der lieder von den bisherigen
herausgeben! abgewichen bin, sind im achten bände der Bei-
träge zur gesch. d. deutsch, spr. u. lit. näher erörtert.
Freiburg i. B., october 1881.
Vorrede zur zweiten aufläge.
Der text dieser aufläge ist, abgesehen von berichtigungen
der druckfehler und einigen Veränderungen der Schreibweise,
an folgenden stellen geändert: 2 23. 28. 4 13. 14. 16. 20. 21.
24. 28. 31 27. 33 2. 5. 14. 15. 16. 56 3. 5. 12. 17. 57 5. 12. 13.
17. 42. 91 32. Die änderuugen sind zum grossen teile durch
die Wolfenbütteler bniclistücke veranlasst. In der einleitung
und den anmerkungen ist die neuere literatur nachgetragen,
sonst war zu Veränderungen wenig anlass. Das glossar hat
einige berichtigungen und erweiterungen erfahren.
München, 13. october 1894.
Vorrede zur dritten aufläge.
Der text ist, abgesehen von notwendigen berichtigungen,
fast unverändert geblieben. In der einleitung und in den an-
merkungen ist die neue literatur berücksichtigt. Die zweite
aufläge der textausgabe von Wilmauns ist mir erst zugegangen,
nachdem der druck grösstenteils vollendet war. Für beihilfe
bei der correctur bin ich herru dr. P. Wilhelm zu dank ver-
pflichtet.
München, mal 1905.
Vorrede zur vierten aufläge.
Die aufläge unterscheidet sich von der vorhergehenden
nur durch kleine berichtigungen und zusätze, namentlich solche,
die durch die neuere literatur notwendig geworden sind,
München, jannar 1911.
Vorrede zur fünften aufläge.
Zu dieser aufläge gilt dasselbe wie zur vierten. Zur her-
stellung des textes konnte ich die eigenen äugen nicht ge-
brauchen. Unterstützt haben mich frau dr. Löwenfeld und
fräulein Annemarie Deditius (frau dr. Köhler). Die correctur
ist besorgt von herrn dr. Eudolf Blümel und herm dr. Arthur
Hübscher.
München, mai 1921.
U. Paul.
Einleitung.
1. Walthers leben, i)
Die kenntnis der lebensumstände Walthers von der
Vogelweide verdanken wir fast auscliliesslich den an-
deutungen in seinen gedichten. Nur wenige sonstige
Zeugnisse stehen uns zu geböte.
^) Gesamtdarstellungen von Walthers leben, die eine
selbständige bedeutung in anspruch nehmen dürfen, sind die
folgenden. L. Uhland, Walther von der Voarelweide, ein alt-
deutscher dichter, Stuttgart 1822; wider abgedruckt in Uhlands
Schriften zur geschichte der dichtung und sage, bd. 5, Stutt-
gart 1870. V. d. Hagen, Minnesinger IV, 160—190. M. Rieger,
Das leben Walthers von der Vogelweide, Giessen 1863.
E. Menzel . Das leben Walthers von der Vogelweide , Leipzig
1865. W. Wilmanns, Leben und dichten Walthers von der Vogel-
weide, Bonn 1882. Neu bearbeitet unter dem titel: Walther von
der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns.
Vierte vollständig umgearbeitete aufläge, besorgt von Victor
Michels. Erster band: Leben und dichten Walthers von der
Vogelweide, Halle 1916. A. Schönbach, Walther von der
Vogel weide. Ein dichterleben, Dresden 1890 (populär). ^ Berlin
1910. K. Burdach, Allgemeine deutsche biographie 41, 35 — 92.
Derselbe, Walther von der Vogelweide. Philologische und
liistorische forschungen I, Leipzig 1900. Ders., Der mythische
und der geschichtliche Walther = Deutsche rundschau 113,
38—65. 237 — 256 (Was Burdach neues bringt, scheint mir
grösstenteils entweder verfehlt zu sein oder nur den wert von
Vermutungen zu haben, weshalb es auch von mir nicht überall
berücksichtigt ist. Vgl. die anzeigen von Hampe, Archiv f.
d. stud. der neueren spr. 109, 152 und von Dieterich. Literaturbl.
f. germ. u. rom. philol. 1903, 269). Const. Heisterbergk,
W. V. V., Dresden 1910 (populär mit Auswahl in Original
und Übersetzung). R. Wustmann, W. v. d. V., Strassburg
1912 (verfehlt). Man vgl. ausserdem die einleitungen zu den
ausgaben von Pfeiffer und Wilmanns. Mit einzelnen umständen
in Walthers leben und der Chronologie seiner gedichte be-
schäftigen sich 0. Abel, Zschr. f. deutsches altert. IX, 138.
Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 1
lieber sein gelturtsjahr können wir nur auf grund
späterer feststehender daten aus seinem leben eine un-
gefähre Vermutung wageu. Wir werden dadurch auf
ca. 11 60 — 70 geführt. Seine heimat hat man in den
verschiedensten gegenden Deutschlands gesucht; so in
der Schweiz 1), in Franken'^), in Oestreich^), in Böhmen*).
Mit besonderer entschiedenheit ist die ansieht geltend
gemacht, dass er aus Tirol stamme, wo an mehreren
örtlichkeiten der name Vogelweide haftet. Zuerst ent-
schied sich Pfeiffer ■>) für ein Vogelweide , das er in
einem unter der regierung des grafen Meinhard von
Tirol (t 1295) geschriebenen urharbuche nachwies, und
das im Eisack- oder oberen Wiptale zwischen Schellen-
berg und Mittenwalde gelegen haben muss. Später
wurden ansprüche erhoben für den Innervogelweiderhof
im Layener Ried, ö) Indessen ist Vogelweide als orts-
nnd Personenname und das davon abgeleitete Vogel-
Wilmanns ib. XIH, 249. Nagele, Germania XXIV, 151. 298.
XXXII, 165. 257 (wertlos) , dazu noch ein progr. der staats-
oberrealschule zu Marburg a. D. : Studien zu Walther von der
Vogelweide (1892). Paul, PBB VllI, 161. P. Apetz, Chrono-
logische begrenzung der von Walther von der Vogelweide in
seinen Sprüchen verwandten töne, .Jenaer diss. 1881. P. Walther,
Germ. XXXII, 197. 299 (wertlos). Koppmann, Germ. XXXVI. 258
(verfehlt). Rieger, Zschr. f. d. altert. 47, 225. Singer, PBB
44. 451. G. van Poppel, Realien zu Walther von der Vogel-
weide, Neopbilologus 2, 190. Ausserdem vgl. man die an-
merkungen zu den ausgaben von Lachmann, Pfeiffer und
Wilmanns und zu der Übersetzung von Simrock. ' ) Zuerst
Waser in seiner ausgäbe von Stumpfs Schweizerchronik vom
jähre 1606. In neuerer zeit H. Kurz, Ueber Walthers von der
Vogelweide heimat und herkunft, Aarau 1863. ^) Oberthür,
Die minue- und meistersinger aus Franken, Würzburg 1818,
s. 80. Wackernagel in den anmerkungen zu Simroeks Über-
setzung II, 194. Pfeiffer, Germania V, 1. ^) Lachmann zu
34, 18 und 124, 7 seiner ausgäbe (erst in der zweiten aufläge).
Vgl. Lambel, B!l. des Vereins für landeskunde in Niederöster-
reich. NF. 26, 1-50. 224-292. 27,110—127. 28,24 — 65.
*) H. Kaliwich, Böhmen die heimat Walthers von der Vogel-
weide? (Mitt. d. Vereins f. gesch. der Deutschen in Böhmen
32. 93 und besonders, Prag 1893). ^) In der einleitung zu
seiner ausgäbe s. XIX, sechste aufl. s. XXV. ") Zuerst von
A. Spiess und J. Haller. Vgl. über diese Ansprüche besonders
weider als personenname anch anderweitig nachzuweisen i),
und die sonst für Tirol geltend gemachten gründe sind
nicht stichhaltig. 2) Wir müssen eingestehen, dass uns
die heimat des dichters unbekannt ist.
Walther stammte wahrscheinlich aus einem dienst-
mannengeschlechte. Dass er die ritterwürde erworben
hat, ist an sich nach der sitte der zeit wahrscheinlich.
Es würde sich mit Sicherheit aus 2, 3. 3, 3. 4, 3 unserer
ausgäbe ergeben, wenn die echtheit der betreffenden
lieder über allen zweifei erhaben wäre, und wenn wir
sie mit notwendigkeit auf ein reales liebesverhältnis des
dichters beziehen müssten. Schwerlich aber würde ihm
sonst der titel herre übereinstimmend von den Zeit-
genossen und den jüngeren ihm der zeit nach noch nicht
zu fern stehenden dichtem und handschriftenschreibern
beigelegt sein, noch weniger würde er sich selbst den-
selben angemasst haben. Denn, dass er einer freiherr-
lichen familie entstammt wäre, wonach ihm dieser titel
von geburt zugestanden hätte, ist doch wohl aus-
geschlossen. Irgend ein besitztum oder lehen scheint
er von hause aus nicht gehabt zu haben. Er war auf
die gnade anderer angewiesen.
Sein bildungsgang wird der gewöhnliche eines
ritters gewesen sein. Es ist nicht wahrscheinlich, dass
er schulmässig in der gelehrsamkeit der zeit unter-
richtet ist .3) Es kann sein, dass er nicht einmal lesen
P. Anzoletti, Zur heimatfrage Walthers von der Vogelweide,
Bozen 1876 u. Walther von der Vogelweide und der Inner-
vogelweiderhof bei Klausen in Tirol (Progr.), Bozen 1890.
0. Redlich, Mitteilungen des inst. f. österr. geschichtsforschung
Xni, 160. J. Zingerle, Germania XX. 257. Ficker ib. 271.
Klaar. Mitt. des Instituts f. ö.str. geschichtsforsch. 6, 265.
0. V. Zingerle, Ueber unbekannte Vogelweidhöfe in Tirol, Inns-
bruck 1909. 1) Vgl. Scheins, ZfdA XIX, 239. J.M.Wagner,
ib. Palm , Zfdph V, 208. Ed. Jacobs, Beiträge zur deutschen
Philologie (Halle 1880;, s. 205. Wolkan, Germ. XXXI , 481.
ß. Müller, Blätter des Vereins für landeskunde von Xieder-
österreich, NF. XXII, 196. Lambel, ib XXVI, 5 ff. =•) Vgl.
Schönbach, AfdA IV, 6; Zarncke, PBB 11,574. ») Anders
Burdach, Walther, s. 28 und Wilmanns- Michels s. 74 ff.
und schreiben gelernt hat. Die paar lateinischen brocken,
die bei ihm vorkommen, und die theologische gelehr-
samkeit seiner religiösen dichtungen waren geraeingut,
das man sich auch ohne schule aneignen konnte.
Walther sagt 75, 138, dass er in Oesterreich die
sangeskunst erlernt habe. Sein hauptlehrer darin (an
einen förmlichen Unterricht werden wir allerdings nicht
zu denken haben) war Reinraar, zum unterschied von
andern dichtem des gleichen namens „der alte" bei-
benannt, welcher identifiziert zu werden pflegt mit „der
von liagenan", die Gottfried von Strassburg in seinem
Tristan 4777 ff. als die erste unter allen nachtigallen,
d. h. unter allen minnesingern preist. Reinmar lebte
am östreichischen hofe in einer Stellung, die wir wohl
als die eines hofdichters bezeichnen können. In eine
ähnliche Stellung scheint auch Walther eingetreten zu
sein. Er war so in der ersten zeit seiner dichterischen
tätigkeit der sorge um seinen unterhalt enthoben, indem
ihm alles, was er brauchte, von dem herzöge zu teil
ward. Wann Walther zuerst nach Wien gekommen
ist, lässt sich nicht ausmachen. 68, 13 erwähnt er
Friedrich von Oestreich (1194 — 98) als seinen gönner.
Es ist aber wahrscheinlich, dass er schon unter dessen
vater, Leopold VI., am hofe geweilt hat. In dem liede
92, 1 rechnet er vierzig jähre oder noch mehr, während
deren er von minne gesungen habe. Wir können dies
lied aber nicht bestimmt datieren, sondern eben nur
aus dieser äusserung schliessen, dass es den spätesten
lebensjahren des dichters angehören muss, wozu der
ganze ton stimmt, i) Nach der Stellung, welche Walther
in der entwicklung der lyrik einnimmt, ist es nicht
wohl gestattet den anfang seines dichtens viel über 1190
hinaus zurückzuschieben.
') Ohne zureichenden grund setzt es Rieger (Leben
Walthers s. 75 ff.), dem früher auch Wilmanns beistimmte, in
das jähr 1217, was einen so frühen anfangspunkt für die dich-
terische tätigkeit Walthers ergeben würde, wie er mit dem,
was wir sonst von der entwicklung des minnesanges wissen,
nicht zu vereinbaren ist.
Herzog Friedrich starb am 15. oder 16. april in
Palästina. Ihm folgte sein bruder Leopold VII. Zwischen
diesem und Walther scheint ein missverhältnis bestanden
zu haben, wovon wir die Ursache nicht kennen. Denk-
bar wäre es, dass Reinmar dazu beigetragen hat, zu
dem Walther in ein feindseliges Verhältnis geraten war,
wie aus den ihm gewidmeten klagestrophen (71, 1)
hervorgeht. In folge davon war es für Walther un-
möglich, länger in dem früheren Verhältnisse in Wien
zu bleiben, und er sah sich genötigt anderswo ein unter-
kommen zu suchen. Da er 68, 13 den tod Friedrichs
als den anfangspunkt seines Unglücks bezeichnet, so
müssen wir wol annehmen, dass er Wien erst verlassen
hat, nachdem die nachricht von diesen trauerfall dort
angelangt war. Möglich ist es allerdings, dass er schon
vorher einmal einen ausflug von da unternommen hat.
Walther ergreift jetzt, soviel wir wissen, als der
erste unter den ritterlichen dichtem, das gewerbe eines
fahrenden spielmanns. ') Als solcher treibt er sich mehr
als zwanzig jähre lang in den verschiedensten gegenden
umher. 75, 161 bezeichnet er die flüsse Seine und Mur
(in Steiermark), Po und Trave als grenzen, innerhalb
deren er das leben der menschen beobachtet habe.
52, 30 spricht er sogar von vielen ländern, die er ge-
sehen habe, und räumt Deutschland den vorzug vor
allen ein. Der ausdruck ist wol etwas übertrieben, um
die ehre Deutschlands kräftiger hervortreten zu lassen.
Wir sind ausser stände die ganzen Wanderungen des
dichtere im einzelnen zu verfolgen. Dazu reichen die
mannigfachen anhaltspunkte doch nicht aus, die uns
allerdings durch seine gedichte geboten werden. Die
darin enthaltenen andeutungen sind vielfach zu un-
bestimmt und für uns nicht mehr verständlich. Wir
sind ja aber auch gar nicht berechtigt zu erwarten.
•) Anders fasst Burdach, Walther s. 38 ff. die Stellung
des dichters während dieser periode auf. Er nimmt au, dass
er nach und nach zu verschiedenen fürsten in ein kündbares
Vasallen Verhältnis getreten sei.
dass er auf jeden einigermassen wichtigen umstand
seines lebens irgendwo anspielen müsste. Von vorn-
herein muss es als verfehlt betrachtet werden, wenn
man, wie es gewöhnlich geschieht, die Wanderungen
Walthers und seine beziehungen zu fürstenhöfen auf
denjenigen kreis einschränkt, auf den wir durch die
erhaltenen gedichte gewiesen werden. Das einzige, erst
neuerdings bekannt gewordene, anderweitige zeugnis
über Walthers Wanderungen in dieser periode zeigt ihn
uns im jähre 1203 an einem orte und in einer be-
ziehung, wovon bis dahin niemand etwas vermuten
konnte. Es ist sehr geeignet die übliche art sein leben
zu konstruieren zu diskreditieren.
Walther hat an mehreren höfen längere zeit verweilt
und vielleicht hier und da auf ein dauerndes Verhältnis
gerechnet. Dass er aber irgendwo jähre lang hinter-
einander sich aufgehalten habe, ist eine zwar nicht
widerlegbare, aber auch nicht beweisbare annähme.
Seine normale läge stellt er 75, 77 und 76, 38 aus-
drücklich so dar, dass er von tag zu tag genötigt sei
sein quartier zu wechseln. Den versuch Walthers
lebensjahre auf einen thüringischen, meissnischen, öst-
reichischen etc., auf enthalt, respektive mehrere thü-
ringische, östreichische auf enthalte zu verteilen, hätte
man niemals machen sollen Ich verzichte auf eine
derartige Chronologie, indem ich die höfe aufzähle, zu
denen sich eine beziehung Walthers für diese periode
nachweisen lässt.
Ich beginne mit dem deutschen königshofe. Gleich
nachdem er Oestreich verlassen hatte, scheint sich
Walther zu Philipp von Schwaben gewendet zu haben,
in dessen Interesse er bereits den spruch 67, 1 ge-
dichtet hatte. Er war zugegen wahrscheinlich bei der
ersten krönung Philipps am 8. sept. 11,98 (68, 1) und
sicher bei dessen Weihnachtsfeier in Magdeburg 1199
(68,2.5). Aus 68,13 geht hervor, dass er geradezu
unter das hofgesinde Philipps aufgenommen war. Das
Verhältnis könnte nicht von langer dauer gewesen sein,
wenn die annähme richtig wäre, dass er schon im jähre
1200 wider den Wiener hof aufgesucht hätte, doch könnte
der betreffende Aufenthalt erst in das Jahr 1203 fallen
(vgl. zu 69, 1); für das jähr 1203 ist uns sicher bezeugt,
dass er nicht mehr in der Umgebung Philipps weilte,
sondern auf der Wanderschaft begriffen war. In den
neuerdings aufgefundenen reiserechnungen') Wolfgers
von Ellenbrechtskirchen, bischofs von Passau, seit 1204
Patriarchen von Aquileja, findet sich unter andern aus-
gaben auch folgende verzeichnet: Sequenti die apud
Zeize . . . Walthero cantori de Vogelweide pro pellicio
.F. soL Jongos. Walther erhält also vom bischof fünf
solidi zur anschaffung eines pelzkleides geschenkt. Hinter
Zeiee ist ein stück fortgerissen; nach den voranstehenden
und folgenden Ortschaften kann es nicht zweifelhaft
sein, dass wir es zu Zeizemurum zu ergänzen haben.
Zeizemüre, jetzt Zeiselmauer, liegt am rechten uEer der
Donau zwischen Tulln und Klosterneuburg. Eine
weitere Untersuchung über die rechnungen ergibt, dass
die Schenkung am 12. nov. 1203 erfolgte. 2) Hieraus
erhellt die Unrichtigkeit der früher gangbaren annähme,
dass sich Walther um diese zeit noch an dem hofe
Philipps befunden habe. In Philipps Interesse dichtete
er noch nach dem 29. juni 1201 den spruch 67, 25.
Zwei ermahnungen an Philipp, die wahrscheinlich einer
späteren zeit angehören (68, 37. 70% 1) zeigen ihn
nicht gerade in des königs dienste.
') Zuerst entdeckt von A. Wolf im communicalarchiv zu
Cividale und vollstäudig veröffentlicht von J. Zingerle, Eeise-
rechnungen Wolfgers von Ellenbrechtskirchen, bischofs von
Passau, Patriarchen von Aquileja. Heilbronu 1877. Vgl. die
frühere abhandlung von Zingerle in der Germania XXI, 193.
^) So hat Zingerle zuerst den termin bestimmt. Winkelmann in
der Germania XXIII, 236 ff. nimmt das jähr 1199 an. Dagegen
ist Zarncke in den berichten der könijrl. sächs. gesellschaft
der Wissenschaften, phil.-hist. classe 1878 für die ansetzung
Zingerles eingetreten. Vgl. noch gegen Zarncke für Winkel-
mann die abhandlung von A. Nagele, Germania XXIV, 892 ff.
und dagegen wider Zarncke. ebenda XXV, 71. Dazu jetzt
die ausführliche Untersuchung von P. Kalkhoff, Wolfger von
Passau 1190 — 1204, Weimar 1882 (Strassburger diss.).
Nach Philipps tode hat sich auch Walther der all-
gemeinen anerkennung Ottos nicht entzogen. In per-
sönliche beziehung zu diesem scheint er erst nach
dessen rückkehr aus Italien im märz 1212 getreten zu
sein. Der spruch, mit welchem er den heimkehrenden
begrüsst (73, 1), scheint der erste unter den in Ottos
interesse verfassten zu sein. Beweisen lässt es sich
freilich nicht, dass nicht auch einige schon gedichtet
sein können, während Otto noch in Italien weilte. Otto
war am 4. Oktober 1209 zum kaiser gekrönt, aber bald
darauf in folge eines angriffs auf das königreich Sicilien
mit papst Innocenz zerfallen. Dieser sprach am 18. nov.
1210 den bann über ihn aus und reizte die deutschen
fürsten zum abfall von ihm. Eine fürstenversammlung
zu Nürnberg beschloss im September 1211 die erhebnng
Friedrichs von Sicilien zum deutschen könig. Ottos
rückkehr brachte die aufrührer zunächst wieder zur
Unterwerfung. Aber als Friedrich, der an ihn ergangenen
auff orderung folgend, im sept. 1212 in Deutschland
erschien, fiel ihm rasch ein grosser teil der fürsten zu.
Am 5. dec. ward er zu Frankfurt gewählt und am 9. dec.
zu Mainz gekrönt. In dem kämpfe der beiden parteien
vertritt Walther energisch die sache des kaisers gegen
den papst. Hierher gehören die Sprüche 73, 13 — 48
75, 1 — 70 und wahrscheinlich auch 69, 46. Die spitze
kehrt sich dabei überall gegen den papst und die geist-
lichkeit, die person Friedrichs wird nirgends angegriffen.
Wir wissen nicht, ob sich Walther während dieser po-
litischen tätigkeit dauernd in der Umgebung Ottos auf-
gehalten hat. Jedenfalls ward sie nach seiner eigenen
auffassung im dienste Ottos ausgeübt, und er hielt sich
für berechtigt, eine belohnung dafür zu verlangen. Seine
bitte ihm ein heimwesen zu verschaffen (75, 71)0 blieb
erfolglos. Mit entrtistung über den undank Ottos (vgl.
76, 1 — 20) wendet er sich schliesslich wie fast alle
•) Dass es Otto ist, an den sie gerichtet ist, steht aller-
dings nicht vollkommen fest, aber der hinweis auf das schach
scheint auf die bedrohung durch einen gegenkönig zu deuten.
früheren anhänger desselben von ihm ab und tritt zu
Friedrich über. Kurze zeit vor den übertritt gehört
vielleicht die Strophe 70^, 15, in der sich schon Un-
zufriedenheit mit der politik Ottos ausspricht.
Friedrich zeigte sich gleich im anfang freigebig
gegen den dichter, welcher selbst bekennt, dass er noch
durch nichts eine belohnnng von ihm verdient habe
(76, 3). Diese gunstbezeugungen scheinen aber vorüber-
gehend gewesen zu sein, und wir sehen auch nicht, dass
Walther dem könige in den ersten jähren durch seine
tätigkeit irgend etwas genützt hat, worauf er höhere
ansprüche hätte begründen können. Erst kurz vorher,
ehe Friedrich zur kaiserkrönung nach Italien zog (im
frühling 1220), zu einer zeit, wo er Walthers dienste
sehr gut brauchen konnte, scheint sich dieser an ihn
mit der nämlichen bitte gewendet zu haben, die ihm
früher von Otto abgeschlagen war (76, 31). Er erhielt
einen lehen von Friedrich, wofür er seinen dank mit lautem
jnbel ausspricht (76, 41). Bald darauf jedoch klagt er,
dass ihm nichts davon übrig bleibe, womit er den
zehnten bezahlen könne, i) Jedenfalls aber hatte er
nun eine gesicherte existenz, und die periode der un-
steten Wanderschaft war abgeschlossen. Auf grnnd der
nachrichten über Walthers grabmal hat man vermutet,
dass sein lehen in Würzburg gelegen habe.
Wenden wir uns jetzt zu den sonstigen beziehungen
Walthers in diesem Zeiträume, so ist zunächst hervor-
zuheben, dass er, wenngleich er den Wiener hof als
dauernde heimat hatte aufgeben müssen, doch wiederholt
auf kürzere oder längere zeit dahin zurückgekehrt ist. 2)
Diesem hofe wider anzugehören ist nach einer undatier-
baren Strophe (71, 53) eins von den drei hauptzielen
seiner Sehnsucht. Nach einer anderen undatierbaren
Strophe (75, 111) ist Leopolds hof einer von den dreien,
') Wenig wahrscheinlich ist die abweichende auffassung
von Burdach, Walther s. 40. 82. ") Vgl. Wackemell, Walther
von der Vogelweide in Oestreich. Innsbruck 1876. Dazu
Schönbach, AfdA IV, 1. WackemeU, Zfdph XI, 62.
iü
wo ihm stets ein unterkommen gesichert ist. Daraus
lässt sich wol auf ein häufigeres ab- und zugehen
Walthers schliessen. Als er mit seinem höfischen ge-
sange kein gehör mehr finden kann, wendet er sich
an Leopold als seine letzte Zuflucht (75, 121. 131).
Die bitte an den freigebigen herzog auch seiner zu
gedenken (69, 16) und der vergleich zwischen dem
früheren glänze und dem dermaligen verfall des hofes
(69, 31) werden jetzt gewöhnlich noch in die zeit von
Walthers ständigem aufenthalt in Wien gesetzt, sind
aber wahrscheinlich bei späteren besuchen entstanden.
Bestimmtere anhaltspunkte für die Zeitbestimmung geben
uns 69, 1. 75, 141. 76,21. 69, 1 könnte 1200 oder
1203 verfasst sein (s. die anm). 76, 21 ist zur be-
grüssung des herzogs bei seiner rtickkehr vom kreuz-
zuge verfasst, aus 75, 141 geht hervor, dass Walther
sowohl zu einer zeit, wo Leopold die kreuzfahrt noch
nicht angetreten, aber schon beschlossen hatte, als auch
einige zeit nach seiner rückkehr in Wien gewesen ist.
Daraus folgt aber nicht, dass er auch in der ganzen
Zwischenzeit während der abwesenheit Leopolds dort
verweilt hat. Leopold brach im juni 1217 nach Pa-
lästina auf und kehrte im juli 1219 zurück. Indessen
muss bemerkt werden, dass sich die beiden Sprüche
auch auf den kreuzzug beziehen können, den Leopold
im jähre 1212 gegen die spanischen Saracenen und die
Albigenser unternahm. Er entledigte sich damit eines
gelübdes, von dem schon in einem an ihn gerichteten
schreiben des papstes vom 25. febr. 1208 die rede ist,
wobei es ursprünglich und noch im jähre 1210 auf eine
fahrt nach Palästina abgesehen war. Die Sparsamkeit
Leopolds, auf die 75, 141 gedeutet wird, lässt sich
demnach schon auf die zeit von 1208 an beziehen.
Noch ist ein an Leopold gerichteter spruch zu erwähnen
(75, 151), welchen Lachmann als den ausdruck eines
definitiven Zerwürfnisses zwischen diesem und dem dichter
auffasst und daher als den letzten auf den östreichischen
hof bezüglichen spruch betrachtet. Man kann dabei
aber auch an einen harmlosen scherz denken, und dann
11
fehlt jeder anhält zu einer Zeitbestimmung. Ein aufent-
halt Walthers in Oestreich ist uns endlich durch die
reiserechnungen Wolfgers (vgl. oben s. 7) für den 12.
nov. 1203 bezeugt. Es ist wahrscheinlich, dass er sich
damals auf dem wege von Wien befand.
75, 111 ff. preist Walther neben Leopold zwei
andere gönner, bei denen ihm stets ein unterkommen
gesichert ist. Den einen bezeichnet er als den veter,
d. h. nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch oheim
Leopolds. Gemeint ist wahrscheinlich herzog Heinrich,
bruder Leopolds VI., der zu Mödling seinen sitz halte,
gestorben 1223. Dass mit dem hiderlen loatriarken
Berthold von Andechs, seit 1218 patriarch von Aqui-
leja, gemeint sein müsse, ist eine annähme, die man ohne
grnnd immer widerholt hat. Es liegt näher an seinen Vor-
gänger Wolfger zu denken, zumal da jetzt bezeugt ist,
dass derselbe schon als bischof von Passau den dichter
beschenkt hat. Ein anderer benachbarter fürst, dessen
freigebigkeit Walther häufig erfahren hat (nach 75, 91),
ist der herzog von Kärnten (Bernhard 1202 — 56).
Aber dass er sich längere zeit hinter einander an dessen
hofe aufgehalten habe, ist aus den beiden auf ihn be-
züglichen Strophen (75, 91. 101) nicht zu schliessen.
Neben dem Wiener ist es der glänzendste unter
den deutschen höfen dieser zeit, der des landgrafen
Hermann von Thüringen, an welchem Walther am
meisten verweilt zu haben scheint. Wir haben darüber
ausser seinen eigenen gedichten das zeugnis Wolframs
von Eschenbach. Dieser beschwert sich in seinem
Parzival über die vielen unwürdigen unter dem hof-
gesinde Hermanns und fährt dann fort (297, 24): des
muoz her Walther singen 'giioten tac, hoese unde guot';
offenbar der anfang eines verlorenen liedes, das Walther
am Thüringer hofe vorgetragen hat. Die zeit, in
welcher Wolfram diese anspielung machte, lässt sich
ungefähr danach bestimmen, dass er an einer späteren
stelle (379, 17) von den noch sichtbaren spuren der
Verwüstung des Erfurter Weingartens spricht. Diese
Verwüstung war offenbar die folge der kämpfe des
12
Jahres 1203, in welchem Erfurt durch Philipp ein-
genommen wurde, der dann darin von den anhängern
Ottos belagert wurde. ') Da demnach diese stelle nicht
lange nach der belagerung gedichtet ist, so ist auch die
frühere spätestens nicht lange nach derselben entstanden,
vielleicht sogar noch etwas eher. Da wir nun Walther
im nov. 1203 in Oestreich finden, so ist sehr wahr-
scheinlich, dass er schon vorher einmal am Thüringer
hofe verweilt hat. 2) Dass er mehrmals dort war, geht
aus 75, 84 klar hervor. Nach dem ersten, vielleicht
nur kurzen, chronologisch nicht genauer bestimmbaren
aufenthalte scheint die Schilderung des hofes entworfen
zu sein, die 68, 49 gegeben wird. Bei einem späteren
aufenthalte bezeichnet sich der dichter als ingesinde
des landgrafen (75, 81j; das deutet auf längeres ver-
weilen. Nach Eisenach weisen noch die Spottgedichte
auf Gerhard Atze (71, 66. 72, 1). Walthers freund-
schaftliche beziehung zu Hermann zeigt die fürbitte, die
er im jähre 1212 für ihn bei Otto einlegt (74, 29).
Engere beziehungen hat Walther auch zu dem
Schwiegersohne Hermanns, dem markgrafen Dietrich IV.
von Meissen (1195 — 1220), gehabt. Im Interesse des-
selben wirkt er bei Otto IV. nach dessen rückkehr aus
Italien (73, 10). Vielleicht hat er sich unmittelbar
vorher an Dietrichs hofe aufgehalten. Dieser bringt
ihm ein problematisches geschenk aus Franken (70^, 1),
vielleicht bei der rückkehr nach hause, wo er Walther
gelassen hatte; notwendig ist das aber nicht aus den
Worten zu schliessen. Später beschwert sich Walther
über die Undankbarkeit des Meissners 74, 1 — 28. Auf
aufenthalt in Meissen deutet die erwähnung des klosters
Tolerlü (55, 35).
Die beziehung zu dem grafen von Katzenellen-
bogen (78, 1. 9) setzt man gewöhnlich in die zeit nach
der belehnung Walthers, aber ohne zureichenden grund.
') Burdach, Walther s. 60 nimmt beziehung auf die
kämpfe des Jahres 1204 an. Es lässt sich abernicht nachweisen,
dass Erfurt unter denselben derart gelitten hätte wie 1203.
'") Vgl. WackerneU, Germania XXII, 280.
13
Die alt, wie sich dieser um des grafen gunst bemüht,
weist eher auf eine zeit, wo er derselben noch recht
bedtirftig war. Es ist daher auch nicht ganz sicher,
dass Diether II. gemeint ist und nicht vielmehr etwa
sein Vorgänger Diether I. Wann Walther den 77, 1
erwähnten abstecher nach Tegernsee gemacht hat, lässt
sich nicht bestimmen. Die beziehung zu dem herzog
Ludwig von Baiern, die man nach 70*^, 3 angenommen
hat, ist höchst problematisch.
Indem Walther das lehen von Friedrich erhielt,
übernahm er damit wol, wenn auch nur stillschweigend,
die Verpflichtung fortan in dessen interesse tätig zu sein.
Dazu war zunächst durch den beabsichtigten kreuzzug
veranlassung gegeben. Friedrich hatte bei seiner krönung
zu Aachen am 25. juli 1215 das kreuz genommen.
Nach widerholtem aufschub des termins brach er im
angust 1220 nach Italien auf, zunächst zur kaiser-
krönung, die am 22. nov. durch papst Honorins voll-
zogen wurde. Der kreuzzug sollte sich ursprünglich
gleich daran anschliessen, wurde aber weiterhin zu
widerholten malen aufgeschoben. Wahrscheinlich kurz
vorher, ehe Friedrich nach Italien aufbrach, ist str. 76, 61
gedichtet gegen die gegner des königs, durch die ihm
mannigfache hemmnisse in den weg gelegt wurden.
Vielleicht wurde sie auf dem hoftage zu Frankfurt im
april 1220 vorgetragen. Erst nach der kaiserkrönung
sind 73, 49 und 61 gedichtet. Wenigstens werden sie
mit grösserer Wahrscheinlichkeit auf Friedrich als auf
Otto bezogen. Auch 78, 17 ff. weist in die zeit des
bevorstehenden kreuzzuges, ohne dass sich eine nähere
bestimmung geben liesse.
Dass sich Walther während des kaisers abwesenheit
in Italien eifiig um die politischen angelegenheiten
kümmerte, kann wol aus 79, 9 ff. gefolgert werden. Er
pflegte danach die hoftage zu besuchen. Vom kaiser
wird er geehrt durch Übersendung eines geschenkes,
welches allgemeinen neid erregt (79, 1). In einem
nahen Verhältnis steht er zu erzbischof Engelbert von
Köln, der von Friedrich vor seinem abgange als vormund
14
seines sohnes Heinrich und Joiter der regierung in
Dentscliland bestellt war. i) Die rücksichtslose ge-
rechligkeitspflege, durch welche derselbe die Ordnung
aufrecht erhielt, zog ihm viele feinde zu. Diesen an-
feindungen gegenüber preist ihn Walther in str. 79, 17.
Nach 70, 25 ff. hat er von ihm einen schwierigen auf-
trag erhalten, dem er sich bei aller kunst, über die er
verfügt, nicht gewachsen fühlt. Worin derselbe bestand,
ist nicht ersichtlich. Nach der ermordung Engelberts
durch seinen neffen Friedrich von Altena-Isenburg und
dessen helfershelfer (7. nov. 1225) widmet ihm Walther
einen nachruf mit starken Verwünschungen des mörders
(79, 33).
Die letzten datierbaren dichtungen Walthers be-
schäftigen sich wider mit dem kreuzzuge. Als Friedrich
im jähre 1227 ernstliche anstalten zur Sammlung eines
kreuzheeres macht, unterstützt er ihn. Er ermahnt den
landgrafen Ludwig von Thüringen, der dem kaiser das
beer aas Deutschland zuführen sollte, zur eile (79, 41).
Ludwig zog am 24. juni von Eisenach aus und langte
im juli bei dem kaiser an. Der bann, den Gregorius IX.
am 29. sept. über Friedrich aussprach, gab dem dichter
von neuem gelegenheit im interesse des letzteren gegen
die kurie zu wirken. Er ermahnt ihn den kreuzzug
schleunigst auszuführen und sich durch nichts iire
machen zu lassen (79, 57), fordert die räche gottes
heraus gegen die christlichen gegner Friedrichs, die ihn
jetzt hindern wollen dem heiligen lande zu hilfe zu
kommen (79, 49), klagt wider wie früher über das ver-
derben, welches der weltliche besitz über die kirche
gebracht hat (79, 65), nnd bedroht die geistlichkeit mit
angriffen auf das kirchengut (70, 73). Während in
diesen gedichten mehr die politische Parteinahme in den
*) A. Daffis in seiner schrift 'Zur lebensgeschichte
Walthers von der Vogelweide (Berlin 1854)' hat die be-
hauptung aufgestellt, dass Walther dem erzbischof als er-
zieher des jungen Heinrich beigegeben gewesen sei, vgl. anm.
zu 84, 1 ff. So viel beistimmung auch diese ansieht gefunden
hat, so entbehrt sie doch jedes festen anhalts.
15
Vordergrund tritt, zeigen andere die tiefe religiöse
erregung Walthers, die ihm den kreuzzug in dieser
Periode zur wichtigsten herzensangelegenheit machte.
Die religiös -weltschmerzliche Stimmung, die auch in
anderen dichtungen Walthers aus seinen letzten lebens-
jahren widerliehrt (vgl. die töne 91. 92. 93), erscheint
in Verbindung mit der kreuzzugsbegeisterung in den
liedern 80 und 81. Ein drittes lied (82) ist direkt
zur anfeueruug der pilger gedichtet, ein viertes (83)
ist ausdruck der freude bei der ankunft im heiligen
lande. Trotzdem hat Lachmann und andere nach ihm
nicht zugeben wollen, dass Walther an dem kreuzzuge
teil genommen habe. Sie halten also die in dem letzten
liede vorausgesetzte Situation für eine fingierte. So
wenig aber eine solche Aktion durchaus undenkbar sein
mag, so sind doch anderseits die gründe, die man
angibt, weshalb Walther den kreuzzug nicht mitgemacht
haben könne, nicht stichhaltig. Er wird erst l'J28 zu-
zusammen mit dem kaiser die fahrt angetreten haben.
Bei dem heere, welches im sept. 1227 hinüber fuhr,
kann er sich nicht befunden haben, da er nach der
bannung Friedrichs noch in Deutschland weilte.
Dass Walther den kreuzzug nicht lange überlebt
hat, ist wahrscheinlich. In eine spätere zeit weist keine
sichere Spur mehr in seinen gedichten (vgl. zu 71, 27.
85, 1). Nach angaben, die zwar der zeit seines todes
schon einigermassen fern stehen, aber doch ziemlich
glaubwürdig sind, ist er zu Würzburg im kreuzgang des
Neumünsters begraben. -) In dem sogenanten manuale
des Michael de Leone, welches im jähre 1354 in Würz-
bnrg zusammengestellt ist, findet sich folgende notiz.
De milite walthero. dicto von der vogelweide se-
pulto in ambitu novimon. h> h> {wohl aufzulösen novi-
monasterii herbipolensis) in suo epytafio sculpti erant
iati versus subscripti.
') Vgl. zum folgenden Oberthür, Die minne- und meister-
sänger aus Franken s. 30. Reuss, Walther von der Vogel-
weide, eine biographische skizze, Würzburg 1843. Pfeiffer,
Germania V, 10. Jetzt besonders Zarncke, PBB VII, 582.
16
Pascna qui uolucrum . viuus walthere fniati.
Qoi flos eloquij . qui Palladis os. obiisti.
Ergo quod anreolam probitas taa possit (l. poscit) habere.
Qui legit . hie . dicat . deus istius miserere.
Die gleiche notiz mit unwesentlichen abweichnngen findet
sich in der grossen samraelhandschrift des Michael Leone,
die um die nämliche zeit entstanden ist. Dieselbe hand-
schrift enthält auch eine deutsche notiz: Herr WaltJier
von der vogelweide begraben ze Wimeburg, zu dem Nuwe-
munster in dem grasehove. Spätere überliefemngen sind
ganz sagenhafter natur. In Würzburg existierte im
jähre 1323, wie urkundlich nachgewiesen ist, eine curia
dicta zu der Vogelwaide. Aber eine beziehung derselben
zu unserem dichter ist nicht erweislich.
2. Walthers Stellung
in der gescliichte der deutschen lyrik.
Die deutsche kunstlyrik des 12. und 13. jahrh. hat
drei verschiedene ausgangspunkte. Drei verschiedene
richtungen gehen zunächst selbständig neben einander
her, jede durch einen besonderen stand vertreten. Die
geistlichen versuchen sich in nachbildnngen der la-
teinischen hymnen und Sequenzen. Die gewerbsmässigen
Sänger, die spielleute bilden eine wesentlich lehrhafte
lyrik aus. Moralische betrachtungen, vielfach an volks-
tümliche Sprichwörter angelehnt, mitunter in das gewand
der fabel oder parabel eingekleidet, bilden den haupt-
stoff ihrer dichtungen; daneben reflexionen über ihre
persönlichen Verhältnisse und lob- und scheltlieder der
grossen. Die ritter endlich bilden eine den von Süd-
frankreich ausgegangenen eigentümlichen idealen ihres
Standes entsprechende liebeslyrik aus. Sie lehnen sich
dabei in form und Inhalt zunächst an die heimische
lyrik des volkes an, weiterhin aber an die kunstlyrik der
Provenzalen und Nordfranzosen. Von diesen entlehnten
sie wahrscheinlich auch die gattung des kreuzliedes.
Als Walther zuerst auftrat, bestand noch ein
scharfer gegensatz zwischen ritterlicher und spiel-
männischer dichtung. Zu der Verschiedenheit der Stoffe
17
waren allmählich auch bedeutende formale Verschieden-
heiten hinzugekommen. Ein charakteristischer unter-
schied bestand auch darin, dass für die didaktische
lyrik der spielleute die früher allgemein übliche ein-
strophigkeit der gedichte meist festgehalten, für die
minnelyrik der ritter mehrstrophigkeit die regel ge-
worden war. Simrock hat für die beiden gattun2,en die
bezeichnungen spruch und lied eingeführt, wobei ihm
einstrophigkeit als wesentliches erkennnngszeicben für
den ersteren, mehrstrophigkeit für das letztere gilt. Der
bequemlichkeit halber wollen wir uns auch dieser be-
zeichnungen bedienen, es mnss aber bemerkt werden,
dass sie willkürlich gewählt sind und nicht der termino-
logie der dichter selbst entsprechen, bei denen vielmehr
liet die bedeutung Strophe hat. Und ferner darf man
sich nicht zu der ansieht verleiten lassen, dass der
Spruch im Simrockschen sinne nur gesprochen, nicht
gesungen sei. Auch die behauptuug, dass der spruch
im gegensatz zum liede ohne begleitung eines Saiten-
instrumentes vorgetragen sei, ist aus der luft gegriffen.
Die Stellung der ritterlichen dichter zum publikum
war eine ganz andere als die der spielleute. Der minne-
sang wurde ursprünglich nicht berufsmässig und für
lohn ausgeübt. Die meisten minnesinger, auch die des
dreizehnten Jahrhunderts, waren dilettanten, zum teil
aus den vornehmsten kreisen. Doch war man bereits
vor Walther auch zu einer berufsmässigen ausübung
übergegangen. Reinmar war in dieser wie in anderen
beziehungen der Vorgänger Walthers. Es ist sehr wahr-
scheinlich, dass er seine aufnähme an den östreichischen
hof seiner liederdichtung verdankte, also gewissermassen
dafür besoldet ward. Als folge einer solchen Stellung
dürfen wir eine gewisse annähernng an dte poesie der
spielleute betrachten. In die minnelieder mischen sich
reflexionen über die allgemeinen und des dichters per-
sönliche angelegenheiten, jedoch beschränkt auf die
Verhältnisse des höfischen gesellschaftskreises, der das
publikum des dichters bildet und seine Stellung zu
demselben.
Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 2
18
Die bedeutung Walthers beruht nun zu einem guten
teile eben darauf, dass er die kluft zwischen ritterlicher
und spielmännischer dichtung überbrückt hat, indem er,
ausgehend von dem Standpunkte, auf welchen Reinmar
die erstere gestellt hatte, auch das Stoffgebiet und die
formen der letzteren für sich erobert hat. Und da sich
damit auch Stoffe und formen der geistlichen dichtung
vereinigen, so fliessen in Walther überhaupt alle früher
getrennten richtungen der kunstlyrik zusammen. Sie
bleiben dabei auch nicht unvermittelt in seiner person
nebeneinander stehen, sondern durchdringen sich gegen-
seitig. Dabei verwischen sich auch die grenzlinien
zwischen lied und spruch.
Walthers liederdichtung hat sich zuerst wahrschein-
lich ziemlich eng an die höfische kunstweise Reinmars
angeschlossen, i) Es war das früher nicht die herr-
schende ansieht. Vielmehr begegnete man gewöhnlich
der entgegengesetzten, dass Walther von einer volks-
mässigeren weise ausgegangen sei. Die entscheidung
über diese frage hängt zusammen mit der über die
frage nach den realen Verhältnissen, die den rainne-
liedern Walthers zu gründe liegen. Den hauptanhalts-
punkt dazu geben die lieder 12 und 16. Das erstere,
an ein mädchen niederen Standes gerichtet, preist die
liebe, die keine rücksicht auf rang und Schönheit nimmt.
Das letztere zeigt den dichter in begriff, sich einer vor-
nehmen dame zu widmen. Hier wird die niedere minne,
der er früher gehuldigt, verworfen und die hohe als das
walire ideal hingestellt. Man hat danach versucht,
die gesamten minnelieder Walthers auf diese beiden Ver-
hältnisse zu beziehen und sie in zwei gruppen zu ver-
teilen, eine ältere, lieder der niederen, und eine
1) Diese ansieht wird vertreten von Burdach in seinem
buche „Reinmar der alte und Walther von der Vogelweide"
(Leipzig 1880). Die eigentümliche art, wie der verf. den ent-
wicklungsgang Walthers auffasst, ist sehr beachtenswert, wenn
dabei auch nicht selten über das ziel hinausgeschossen ist.
Vgl. dazu Paul, PBB VIII, 171. Burdach ib. 461. Paul
ib. 471. Burdach, AfdA VIII, 370. Paul, PBB IX, 147.
19
jüngere, lieder der hohen minne. *) Andere lassen auf
das zweite Verhältnis noch ein drittes folgen. 2) Uns
scheint es ein vergebliches beginnen, die zahl der minne-
verhältnisse Walthers zu bestimmen oder gar die lieder
unter die einzelnen Verhältnisse zu verteilen. Da Walther
den minnesang berufsmässig und bis in seine späten
lebensjahre hinein betrieb, so ist es überhaupt zweifel-
haft, ob allen seinen liedern reale Verhältnisse zu gründe
liegen. An der tatsache, dass Walther einmal in seinem
leben von der niederen minne zur hohen überging, ist
allerdings nicht zu rütteln. Aber daraus folgt weder,
dass das neue Verhältnis das letzte, noch dass das
frühere Verhältnis das erste gewesen ist, das Walther
in seinen liedern besungen hat. Es steht nichts im
wege anzunehmen, dass der niederen minne schon ein
Verhältnis zu einer adeligen dame vorangegangen ist, in
das Walther nach der heiTSchenden ritterlichen sitte,
vielleicht ohne tiefere neigung, vielleicht nur um einen
gegenständ für seine poesie zu haben, getreten sein mag.
Wir können diese annähme nicht gut entbehren, weil es
nach dem ganzen Charakter der wenigen lieder Walthers,
die auf niedere minne deuten und ein volkstümlicheres
gepräge tragen, nicht denkbar ist, dass diese seine ersten
versuche sein sollten.
Wir betrachten demnach diejenigen lieder Walthers
als die ältesten, welche sich am wenigsten von der
manier Reinmars entfernen. Der in der schule des
letzteren gewonnene grundcharakter bleibt zwar auch
den meisten späteren minneliedern, wird aber durch
anderweitige einfiüsse und durch die eigene originale
Schöpfungskraft wesentlich modifiziert, und manches tritt
ganz aus dem rahmen der älteren ritterlichen kunst-
dichtung heraus. Von höfischen dichtem, die wesentlich
anderer natur waren als Reinmar, haben Heinrich von
') Weiske, Weimarer Jahrb. 1, 357. Rieger, Leben
Walthers 57. Wackernagel and Rieger in ihrer ausgäbe.
■■') Wilmanns, der einen östreichischen und einen thüringischen
minnedienst unterscheidet; Simrock, der auf die hohe eine
gemässe rainne folgen lässt.
20
Morungen ') und Wolfram von Eschenbach einigen einflnss
auf ihn gehabt. Wie mit dem letzteren am thüringischen
hofe, 80 mag er vielleicht mit dem ersteren am meiss-
nischen in persönliche bertihrung gekommen sein. Einfluss
der lyrik des Volkes 2) zeigt sich besonders in 13. 14.
40. 54. Bedeutender noch wird die Wirkung gewesen
sein, welche die beschäftigung mit der Spruchdichtung,
wie er sie in der schule der spielleute erlernt hatte,
auf seinen minnesang gehabt hat. Betrachtungen über
die zustände in der höfischen gesellschaft drängen sich
bei Walther viel mehr in den Vordergrund als bei
Reinmar.
In der Spruchdichtung hat Walther das ganze bis
dahin bearbeitete gebiet umspannt. Er hat insbesondere
eine gattung, wozu vor ihm wahrscheinlich nur erst
schwache ausätze gemacht waren, die politische dichtung
in grossartigster und nach ihm nicht wieder erreichter
weise ausgebildet. Wir dürfen Walthers politische
Sprüche nicht als blosse äusserungen seiner privat-
meinung betrachten. Sie haben vielmehr einen gewissen
offiziellen Charakter, vertreten das Interesse und den
Standpunkt eines fürsten oder einer politischen partei,
sind vielleicht von daher ihrem Inhalte nach geradezu
eingegeben. Sie spielen in den politischen kämpfen
der zeit eine ähnliche rolle wie heutzutage die leit-
artikel der parteizeitungen. Für die gewalt, mit der
sie wirkten, gibt uns der ausspruch eines gegners das
beste Zeugnis, vgl. zu 75, 51.
Des religiösen dementes hatten sich die spielleute
nach dem muster der geistlichen schon vor Walther
bemächtigt, die ritter wenigstens in der gattung der
kreuzlieder. Indessen lässt sich wol behaupten, dass
Walther neben Wolfram von Eschenbach epochemachend
für die ausbreitung der religiösen dichtung unter dem
laienstande geworden ist. Wir würden in seinen dich-
1) Vgl. Werner AfdA VIT, 125 ff., wo aber auch manches
ungehörige beigebracht wird. V Dieser einfluss wird besonders
von Burdach betont und jedenfalls zu hoch angeschlagen.
21
tungen nicht das universelle bild der mittelalterlichen
anschanungen haben, wie es uns jetzt vorliegt, wenn
nicht auch diese Seite darin reichlich vertreten wäre.
Während aber bei Wolfram religion und weltleben sich
friedfertig miteinander vertragen, erscheint bei Walther
der gegensatz beider, wie er für mittelalterliches leben
und mittelalterliche dichtung so charakteristisch ist, in
seiner ganzen Schroffheit. Sie liegen mehr nach- als
nebeneinander. Auf unbefangene, sorglose hingebung
an die freude der weit folgt allmähliche abkehrung
unter erschütternden Seelenkämpfen, i)
Es kann hier nicht unsere aufgäbe sein, eine voll-
ständige Charakteristik von Walthers eigenart und den
mittein seiner darstellung zu entwerfen. 2) Ich hebe
nur als besonders charakteristische momente hervor die
neigung zum humor, die sinnliche kraft des ausdrucks,
die Vorliebe für Personifikation und allegorie, die geist-
reiche Zuspitzung der gedanken, die meisterhafte be-
herrschung der metrischen form.
Welche anerkennung Walther bei seinen Zeit-
genossen fand, zeigt eine stelle im Tristan Gottfrieds
von Strassburg. Dieser kommt auf die minnesinger zu
sprechen, die er als nachtigallen bezeichnet, und wirft
die frage auf, wer ihre anführerin sein soll, seitdem
die von Hagenau verstummt ist. Er fährt dann fort:
') Kaum noch erwähnt zu werden braucht die annähme
von W. Grimm, dass Walther auch der Verfasser der unter
dem namen Freidanks überlieferten Bescheidenheit sei. Vgl.
dairegen Pfeiffer, Zur deutschen litterat Urgeschichte s. 37
(wider abgedruckt in Freie Forschung, s. 163). ^) Die schrift
von Wigand, Der stil Walthers von der Vogelweide (Marburg
1879) genügt nicht den an eine solche arbeit zu stellenden
forderungen. Ueber mehrere punkte handelt Burdach, Reinmar
und Walther. Einen ausführlichen abschnitt über Walthers
Stil enthält die zweite au.sgabe von Wilmauns, die dann in die
durch V. Michels veröffentlichte Neubearbeitung von Walthers
Leben übergegangen ist. Vgl. noch E. Hamann, Der humor
Walthers von der Vogelweide, diss. Rostock 1889. H. Wood,
Unconventional uses of natural imagery in the poems of W.
V. d. V. (American Journ. of. Philol. XI, 200). E. Gärtner,
Die epitheta bei W. v. d. V. diss. Kiel, 1911.
22
wer leitet nu die lieben schar? (4794)
wer wiset diz gesinde?
ich wsene ich si wol vinde
diu die baniere vüeren sol:
ir raeisterinne kan ez wol,
diu von der Vogelweide.
hei wie diu über beide
mit hoher .stimme schellet!
waz Wunders si gestellet!
wie spaehe si organieret!
wie si ir sanc wandelieret,
ich meine ab in dem döne
da her von Zitherone,
da diu gotinne Minne
geblutet üfe und inne.
diu ist da ze hove kameraerin.
diu sol ir leitserinne sin.
diu wiset si ze wünsche wol.
diu weiz wol wä si suochen sol
der minnen melodie.
Walther wird also hier als der erste lebende sänger
hingestellt, wiewohl ausschliesslich auf seinen rainnesang
rticksicht genommen wird. Walthers schüler, Ulrich
von Singenberg, hat ihm folgenden nachruf gewidmet:
Uns ist unsers sauges meister an die vart,
den man e von der Vogelweide nande,
Diu uns nach im allen ist vil unerspart.
nu waz frumt swaz er e der weite erkande?
Sin höher sin ist worden kranc.
nu wünschen irae dur sinen werden hövescheu saue,
sit dem sin fröude si ze wege,
daz sin der süeze vater nach genäden pflege.
Mit andern verstorbenen dichtem zusammen wird er
gepriesen von dem Marner und von Reinmar von Brennen-
berg, die ihn ausdrücklich als ihren meister bezeichnen,
von Rubin, Hermann dem Damen, Hugo von Trimberg
(Jier Walther von der Vogelweide, stver des vergoeze,
tcete mir leide). ^) Fraueulob nennt ihn mit Reinmar
und Wolfram. Er gehört nach der sage zu den Sängern,
die am Wartburgkrieg teilnehmen. Sein name lebt in
der tradition der meistersinger fort. Zahlreich sind
») Vgl. V. d. Hagen, Minnesinger IV, 184 ff. 871 ff.
23
die nachabmungen seiner gedichte und eatlehnungen
aus denselben bei den lyrischen und didaktischen dichtem
des dreizehnten Jahrhunderts. Die von ihm hergestellte
Vermittlung zwischen ritterdichtung und Spielmanns-
dichtung ist von bleibender Wirkung gewesen. Es folgt
auf ihn eine anzahl ritterlicher dichter, die sich mit
Spruchdichtung befassen, und eine noch grössere zahl
bürgerlicher dichter, die neben dem spruch den minne-
sang pflegen.
3. Die Überlieferung und kritisclie beliandlung
der gedichte Walthers.
Die lieder Walthers i) sind wie die der übrigen
minnesinger in der regel zuerst einzeln oder in kleinen
grnppen von gleicher strophenform und melodie^) ver-
breitet, einerseits durch mündliche Überlieferung, ander-
seits durch aufzeichnung auf einzelne blätter, die neben
dem text auch die melodie zu enthalten pflegten. Es
haben sich dann Sammler gefunden, welche eine anzahl
von liedern teils des gleichen, teils verschiedener Ver-
fasser in ein liederbuch vereinigten. Aus diesen lieder-
büchern endlich sind gegen ende des dreizehnten und
im vierzehnten Jahrhundert grössere Sammlungen ent-
standen. Von diesen sind uns mehrere erhalten, während
die einzelaufzeichnungen und die kleineren liederbücher
verloren gegangen sind, und sind nun die hauptquellen
für unsere kenntnis Walthers wie der übrigen minne-
singer. Die drei wichtigsten sind die Heidelberger
handschrift n. 357 (A nach Lachmanns bezeichnung),
die Weingartener, jetzt Stuttgarter (B), die Heidelberger,
früher Pariser, auch als Manessische bezeichnet, die
umfänglichste unter allen (C). In geringerem masse
kommt in betracht die Weimarer handschrift (F) und
in noch geringerem die Heidelberger n. 350 (D). Eine
sehr reichhaltige Zusammenstellung Waltherscher lieder
enthält ferner eine grosse Sammelhandschrift, die sich
') Vgl. zum folgenden Wilmanns ZfdA XIII, 217. 2) Die
mittelhochdeutsche bezeichnung dafür ist dön oder icise.
24
nicht bloss auf lieder beschränkt, nämlich die schon oben
erwähnte Würzburger (jetzt Münchener) hs. des Michael
Leone (E). Ausserdem sind eine anzahl lieder hie und
da zerstreut überliefert. Ich verweise dafür auf. das
vollständige Verzeichnis in Lachmanns ausgäbe, i)
Bei solcher art der Überlieferung musste die
reinheit und Vollständigkeit des textes erheblich leiden.
Dass wir manchen verlust zu beklagen haben, macht
schon der Umstand wahrscheinlich, dass unter den
wenigen auf uns gekommenen Zitierungen Waltherscher
gedichte eine ein verlorenes lied trifft (Parz. 297, 24,
vgl. oben s. 10). Unter den überlieferten liedern sind
mehrere fragmentarisch, vgl. namentlich 53, 25. 41. 105.
Wenn Walther von manchen diensten spricht, die er
dem Meissner erwiesen habe (74, 15), so wird man
daraus zu schliessen haben, dass er noch andere Sprüche
in dessen Interesse gedichtet hat als 73, 1. Ferner aber
konnte manches von seinem eigentum auf fremden namen
und umgekehrt manches fremde auf den seinigen über-
tragen werden. So gibt es eine nicht ganz kleine zahl
von Strophen, um deren Verfasserschaft sich nach den
verschiedenen Überlieferungen mit dem namen Walthere
') Eine bereicherung des handschriftlichen materials
brachten: Wolfenbüttler bruchstücke der gedichte Walthers
von der Vogelweide, aufgefunden von G. Mlcbsack, zum druck
befördert von F. Zarncke (Ber. der sächs. gesellsch. d. wiss.,
phil.-hist. classe 1883), mit U bezeichnet, 0. v. Heinemann,
ZfdA 32, 87 (mit W bezeichnet). Dazu kommt jetzt ein
pergamentdoppelblatt, das wir mit 0 bezeichnen, veröffentlicht
von Jostes, ZfdA 53, 348. Es enthält nr. 83, eine anzahl
Strophen des tones 76 (lOH) und den Anfang von 70 b. Der
ertrag für die texlkritik ist nicht erheblich. Wichtiger
sind vielleicht die beigefügten melodien, deren wert aber
verschieden beurteilt wird, vgl. E.. Molitor, Sammelbände der
internationalen Musikgesellschaft XII, s. 475, R. Wustmann
ib. XIII, s. 247, R. Molitor ib. XIII, s. 506. Ferner enthält ein aus
Heiligenstadt stammendes pergamentblatt, das von Degerin,
ZfdA 53, 337 veröffentlicht ist, und das wir mit R bezeichnen,
ausser dem brucbstück eines sonst unbekannten Spruches 76,
31 ff., 76, Iff. und den anfang von 76, 71. Die R und 0
gemeinsame Strophe zeigt starke Übereinstimmung in den
lesarten.
25
der einee anderen dichters streitet. So der name Rein-
mars: 102. 103, Hartmanns von Aue: 3, Leutolds von
Seven: 25. 28. 41, Ulrichs von Singenberg: 106, 51.
Weitere fälle der art sind von Lachmann in der ein-
leitung zu seiner ausgäbe s. XI angegeben. Andere
Strophen sind zwar nur unter Walthers namen, aber
auch nur in einer einzigen handschrift überliefert, und
auch bei diesen fehlt eine ausreichende äussere be-
glaubigung für ihre echtheit. Trotz anwendung aller
hilfsmittel der kritik ist nicht immer eine sichere ent-
scheidung zu treffen, und es bleibt eine beträchtliche
masse von Strophen, die mit voller bestimmtheit dem
dichter weder zu- noch abgesprochen werden können,
wenn auch die Wahrscheinlichkeit der echtheit oder un-
echtheit eine mannigfach abgestufte ist. Wie wir uns
in dieser hinsieht vielfach bescheiden müssen, so sind
wir auch nicht im stände, den text durchgängig von den
mannigfachen verderbungen zu reinigen, denen derselbe
im laufe der Zeit ausgesetzt gewesen ist, und ihn in
seiner ursprünglichen gestalt wider herzustellen. Wo
uns nicht wenigstens mehrere von einander unabhängige
Überlieferungen vorliegen, bewegen wir uns auf einem
sehr unsicheren boden. Besondere Schwierigkeiten macht
es auch, die ursprüngliche reihenfolge der Strophen her-
zustellen, indem die handschriften mitunter sehr von
einander abweichen.') Es hängt das damit zusammen,
dass der gedankenzusammenhang zwischen den Strophen
oft nur ein loser ist, so dass auch eine sichere ent-
scheidung über Zusammengehörigkeit oder nichtZusammen-
gehörigkeit nicht immer möglich ist.
In der neuzeit ist, von einigen früheren flüchtigen
erwähnungen abgesehen, Bodmer der erste gewesen, der
die gedichte Walthers wieder aus der Vergessenheit
hervorgezogen hat. In seinen 1748 erschienenen Proben
der alten schwäbischen poesie wurden auch gedichte
Walthers mitgeteilt, und in seiner 1758/9 erschienenen
Sammlung von minnesingern der ganze Inhalt der Pariser
») Darüber handelt Wilmanns, ZfdA Xin, 229.
2tj
liederhandscbrift. Nachdem dann Gleim (1773. 9) und
einige mitglieder des Hainbundes, später Tieck (1803)
sich in der erneuerung mehrerer lieder Walthers ver-
sucht hatten und Uhlands Schrift über ihn (1822) ein
anschauliches bild geliefert hatte, erschien im jähre
1827 die erste kritische ausgäbe von K. Lachmann, die
grundlage für alle späteren ausgaben und noch immer
die einzige, die den vollständigen kritischen aj^arat
bietet. Die zweite ausgäbe (1843) hat im text wenige
Veränderungen erfahren, mehr in den anmerkungen,
namentlich Zusätze. Die dritte (1853) und vierte (1864),
die von Haupt besorgt sind, und die fünfte (1875), die
von Müllenhoff besorgt ist, lassen Lachmanns arbeit
unangetastet, geben aber einige wertvolle zusätze und
berichtigungen, die sechste (1891) ist unverändert. In
der siebenten, besorgt von Carl von Kraus (1907), sind
die Varianten einer durchgängigen revision unterzogen,
einige druckfehler im text berichtigt und auf grund des
neuen materiales auch einige änderungen im texte vor-
genommen. Ausserdem sind bis jetzt folgende ausgaben
erschienen: von v. d. Hagen in seinen Minnesingern
(Leipzig 1838) I, 222 ff.; von Wackernagel und Rieger
(Giessen 1862); von Pfeiffer, (Leipzig 1864, siebente
aufläge, besorgt von Herm. Michel 1911) mit erläuterndem
kommentar für weitere kreise; von Wilmanns (Halle 1869)
mit kommentar für studierende, zweite vollständig um-
gearbeitete ausgäbe (1883), dritte ausgäbe (1912), text-
ausgabe (Halle 1886), zweite ausgäbe (1905); von
Simrock (Bonn 1870) mit einleitenden Vorbemerkungen
und einigen erläuterungen; von Bartsch (Leipzig 1875.
•U906), Schulausgabe mit Wörterbuch; von Pf äff in
Kürschners National -litteratur 8, 2 2. Von auswählen
sind zu nennen Bartsch, Deutsche liederdichter des
zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1864,
zweite aufläge, Stuttgart 1879, dritte 1894, vierte,
Berlin 1901 nr. XXI; Bechstein, Walthers v. d. Vogel-
weide und seiner schüler ausgewählte gedichte, Stutt-
gart 1879. 2 1893. An Lachmanns ausgäbe schliesst
sich an das Glossarium zu den gedichten Walthers v. d.
27
Vogelweide von Hornig, Quedlinburg 1844. Eine voll-
ständige Übersetzung hat zuerst Simrock geliefert, Berlin
1833, siebente ausgäbe Leipzig 1883, durchgesehen von
Morgenstern, Berlin 1906. Die erste aufläge enthält
wertvolle erläuterungen von Wackernagel, die später
nicht wider abgedruckt sind. Andere Übersetzungen
sind die von Koch (1848), Weiske (1852), Pannier
(1876), Schroeter (1881), Samhaber (1882), Kleber
(1899), Zoozmann (1907). Eine gut lesbare auswahl
bietet Eigenbrodt (Halle 1898).
Von abhandlungen, die sich mit kritik und erklärung
der gedichte Walthers beschäftigen, sind noch zu er-
wähnen: PfeLffer, Germania V, 21; Bartsch ib. VI, 187;
Paul, PBB II, 550. VIII, 192; Fasching, Germania XXII,
429. XXIII, 34 (zu den religiösen dichtungen); Lucae,
ZfdA XXXin, 254; Hildebrand, ib. XXXVIH, 1; Mettin,
PBB. XVIII, 536 (ziemlich wertlos); Schönbach, ZfdA
39, 337 und Beiträge zur erklärung altd. dichtwerke II,
Wien 1902 (=^ Sitzungsberichte der Wiener akad.,
philos.-historische klasse 145, IX); Wallner, ZfdA 39, 184.
429. 40, 335 und PBB 33, 1. 35, 191. 43, 178 (meist
verfehlt); Bech, AfdA 22, 128; Rieger, ZfdA 46, 381.
47, 56; Frantzen im Album Kern 309 (nicht über-
zeugend); Herrn. Möller, AfdA 36, 197; Starr Willard
Cutting, Modern Philology 12, 101; Braune, PBB 40, 216.
345. 41, 189. 42, 123; H. Fischer, Germ.-Rom. Monats-
schrift 7, 157; Jellinek, PBB 43, 1; Singer, ibid. 44, 451.
Man vgl. auch die rezensionen von Bartsch in den
Jahrbüchern f. phil. und paed., zweite abteilung, jahrg.
1869, s. 407 und von Hildebrand, ib. 1870, s. 73.')
Auf anderes wird in den anraerkungen verwiesen, über
die nachwirkung Walthers handelt Hugo Roesing, Die
nachwirkung Walthers v. d. Vogelweide auf die lyrische
und didaktische poesie des mittelalters. Diss. Strass-
burg 1911.
') Auf eine anzahl stellen wird auch bezug genommen
in der abhaudlung von Wolfram, Kreuzpredigt und kreuzlied,
ZfdA XXX, 89.
28
Eine orientiernng über die bis dahin erschienene bereits
ziemlich beträchtliche literatur gibt die schrift von Leo, Die
gesamte literatur Walthers von der Vogel weide, Wien 1880.
Es erübrigt noch die grundsätze darzulegen, die bei
der anordnung der gedichte in unserer ausgäbe befolgt
sind. Ich habe wie die handschriften und die bis-
herigen ausgaben die Strophen des gleichen tones bei
einander gelassen. Dadurch ist eine konsequente an-
ordnung nach sachlichen gesichtspunkten von selbst
ausgeschlossen. Doch ist eine solche soweit angestrebt,
als sie nicht durch die Ordnung nach tönen und durch
die natur der gedichte selbst unmöglich gemacht wird.
Ich habe zunächst die ganze masse unter zwei haupt-
abteilungen gebracht, welche den Stoffen nach einiger-
massen dem früheren gegensatz zwischen ritterlicher
und spielmännischer dichtung entsprechen. Die erste
umfasst die minnelieder, die naturlieder und diejenigen
lieder, die sich mit den Verhältnissen der höfischen
geselligkeit beschäftigen. Voran stehen die reinen
minnelieder, und zwar kommen zuerst diejenigen, die
ihrem Charakter nach den Reinmarischen am nächsten
verwandt sind, dann die auf niedere minne, dann die
übrigen auf hohe minne bezüglichen. Es folgen dann
diejenigen töne, in denen der minnesang mit reflexionen
über die gesellschaftlichen Verhältnisse untermischt ist;
endlich diejenigen, die gar keine beziehung auf ein
minneverhältnis enthalten. Die zweite hauptabteilung
umfasst die gedichte, die sich mit moral, religion,
politik und persönlichen angelegenheiten des dichters
beschäftigen, sämtliche Sprüche im Simrockschen sinne,
aber auch eine anzahl lieder und den leich. Hier stehen
diejenigen töne voran, in denen sich Strophen finden,
die mit einiger Sicherheit datierbar sind, und zwar in
der reihenfolge, wie die vermutlich ältesten datierbaren
Strophen der einzelnen töne chronologisch auf einander
folgen. Ebenso sind dann innerhalb jedes tones die
datierbaren Strophen vorangestellt, soweit wie möglich
in chronologischer folge. Hoffentlich wird man diese
weise der anordnung einigermassen rationell finden.
1 (L. 91 17).
Junger man, wis hohes muotes
durch diu reinen wol gemuoten wip.
Fröuwe dich libes unde guotes,
unde wirde dinen jungen lip.
Ganzer fröude hast da niht, 5
so man die werdekeit von wibe an dir niht siht.
Er hat rehter fröude kleine,
der sie von guoten wiben niht ennimt,
Offenbare, stille und eine,
und als ez der mäze danne zimt. 10
Dar an gedenke, junger man,
und wirp nach herzeliebe: da gewinnest an.
Ob dus danne niht erwirbest,
du mnost doch iemer deste tiurre sin.
Dazt an fröuden niht verdirbest, 15
daz kumt allez von der frouwen din.
Du wirst also wol gemuot,
daz du den andern wol behagest, swie si dir tuot.
Ist aber daz dir wol gelinget,
so daz ein guot wip din genäde hat, 20
Hei waz dir danne fröuden bringet,
so si sunder wer vor dir gestät:
Halsen, triuten, bi gelegen.
von 80 rdhter herzeliebe mnost du fröuden pflegen.
Sich, nu hab ich dich geleret 25
des ich selbe leider nie gepflac.
1 Iff. Die echtheit dieses und des folgenden liedes, die
beide nur in C tiberliefert sind, ist mehrfach angezweifelt.
Doch wird ihr geringer poetischer wert eher daraus zu er-
klären sein, dass sie zu den ersten versuchen Walthers gehören.
30 1 27 — 2 32
Ungelücke mir verkeret
daz ein sselic man volenden mac.
Doch tuot mir der gedinge wol
und der wille, den ich hän, deichznoch erwerben sol. 30
2 (L. 112 35).
Frouwe, vernemt durch got mir ditze maere:
ich bin ein böte und sol in sagen,
Ir sült wenden einem ritter swaere,
die er lange hat getragen.
Daz sol ich iu künden so: 5
ob ir in weit fröuden riehen,
sicherlichen
des wirt manic herze fro.
Frouwe, enlät iuch des so niht verdriezen,
ir engebt im höhen muot. 10
Des mügt ir und alle die wol geniezen,
den ouch fröude sanfte taot.
Da von wirt sin sin bereit,
ob ir in ze fröuden bringet,
daz er singet 15
iuwer ere und werdekeit.
Fronwe, sendet im ein höhgemüete,
Sit an iu sin fröude stät.
Er mac wol geniezen iuwer güete,
Sit diu tugent und ere hat. 20
Frouwe, gebt im hohen muot.
weit ir, sin truren ist verkeret,
daz in leret
daz er daz beste gerne toot.
'Ja möhte ich michs an in niht wol geläzen, 25
daz er wol behuote sich.
Krumbe wege die gent bl allen sträzen
da vor got behüete mich.
Ich wil nach dem rehten varn,
ze leide im der mich anders lere. 30
swar ich kere,
da müeze mich doch got bewarn.'
3 1 — 3 30 31
8 (1— 16=MF 214 34. 17— 32=L. s. 217. 33— 40=L. 120 16).
Dir hat enboten, frouwe guot,
sin dienest der dir es wol gan,
Ein ritter der vil gerne tuot
daz beste daz sin herze kan.
Der wil dnrch dinen willen disen sumer sin 5
vil hohes muotes verre üf die genäde din.
daz solt du minnecliche enpfän, daz ich mit gnoten
so bin ich willekomen dar. [mseren var:
'Du solt im, böte, min dienest sagen:
swaz ime ze liebe müge geschehen, 10
Daz möhte niemen baz behagen,
der in so selten habe gesehen.
Und bite in daz er wende sinen stolzen lip
da man im löne: ich bin im ein vil vremedez wip
zenpfänne sus getane rede. swes er ouch anders
danne gert, 15
daz tuon ich, wan des ist er wert.'
Min erste rede dies ie vernam,
die enpfienc si deiz mich dühte guot,
ünz si mich nähen zir gewan;
zehant bestuonts ein ander muot. 20
Swie gerne ich wolte, ich enmac von ir niht kernen:
diu gröze liebe hat so vaste zuo genomen,
daz si mich niht enlsezet fri: ich muoz ir eigen iemer
nu enruoche, est doch der wille min. [sin.
Swer gibt daz minne Sünde si 25
der sol sich e bedenken wol.
Ir wont vil manic ere bi,
der man durch reht geniezen sol.
Und volget michel stsete und dar zuo saelikeit.
daz iemer iemen missetuot, daz ist ir leit. 30
3 1 ff. Die fünf Strophen dieses tones sind in E unter
Walthers namen überliefert, die vierte auch in s, die fünfte
auch in C. Die drei ersten stehen in AC unter Hartmann
von Aue. Ueber die gründe für Walthers autorschaft vgl.
Beiträge II, 173. Auf 3 25 bezieht sich 47 21.
32 8 81-4 24
die valschen minne meine ich niht; diu möhte unminne
beizen baz.
der wil ich iemer sin gehaz.
Sit deich ir eigenllchen sol,
die wile ich lebe, sin undertän,
Und si mir mac gebüezen wol 35
den kumber den ich durch sie hän
Geliten nu lange und iemer also llden mnoz,
dez mich enmac getroesten nieman, si entuoz,
so sol si nemen den dienest min, und bewar dar
under mich,
dazs an mir ouch niht versüme sich. 40
4 (L. 113 31).
'Mir tuot einer slahte wille
sanfte, und ist mir doch dar under w6:
Ich minne einen ritter stille;
dem enmag ich niht versagen me
Des er mich gebeten hat: 5
tuon ichs niht, mich dunket daz miu niemer werde rät.
Dicke dunke ich mich so staete
mines willen: so mir daz geschiht,
Swie vil er mich denne bsete,
al die wlle so enhulfe ez niht. 10
leze hän ich den gedanc:
waz hilfet daz? der muot ist küme eines tages lanc.
Wold er mich vermiden mere!
ja versuochet er mich alze vil.
Ouwe des fürht ich vil sere, 15
daz ich müeze volgen swes er wil.
Gerne het ichz nu getan,
wan deichz im muoz versagen und wlbes ere sol begän.
In getar vor tüsent sorgen,
die mich tougen in dem herzen min 20
twingent äbent unde morgen,
leider niht getuon des willen sin.
Daz ichs iemer einen tac
sol g;efristen, deist ein klage diu mir ie bi dem herzen lac.
4 25 — 5 30
33
Sit daz im die besten jähen 25
daz er also schone künne leben,
So hän ich ouch im vil nähen
mime herzen eine stat gegeben,
Da noch nieman in getrat,
sie hänt daz spil verlorn, er eine tuot in allen mat.' 30
6 (L. 71 35).
Mich hat ein wunneclicher wän
und ouch ein lieber friundes trost
in senelichen knmber bräht:
Sol der mit frönde an mir zergän,
so enwirde ichs anders niht erlöst, . 5
ezn kome alz ich mirz hän gedäht
Umb ir vil minneclichen lip,
diu mir enfremedet alliu wip,
wan deichs alle durch sie eren muoz.
jo enger ichs anders lönes niht
Mit valscheloser güete lebt
ein man der mir wol iemer mac
gebieten s'naz er . . wil.
Sin stsete mir mit fröude gebt,
wan ich sin vil schone enpflac:
daz kumt von grozer liebe vil.
Mir ist an ime, des muoz ich jehen,
ein schoenez wibes heil geschehen,
diu sselde wirt uns beiden schin.
sin tugent hat ime die besten stat
Die mine fröude hat ein wip
gemachet stsete und endelös
von schulden al die wile ich lebe.
Genäde suoche ich an ir lip:
enpfähe ich wunnecllchen tröst,
der mac wol heizen friundes gebe.
Ein mannes heil mir da geschach,
da si mit rehten triuwen sprach,
ich müese ir herzen nähe sin.
nu endarf es nieman wunder nemen
Walth. V. d. Vogelweide. *. aufl.
von ir dekeiner, wan
[ir gruoz. 10
15
erworben in dem
[herzen miu. '20
ii>
ob äne sorge lebet
[daz min. 30
3
34 6 1—38
6 (L. 95 17).
Waz ich doch gegen der schocnen zit
gedinges unde wänes hän verlorn!
Swaz kumbers an dem winter lit,
den wände ich ie des sumers hän verhorn.
Sus sazte ich allez bezzernnge für: 5
swie vil ich trostes ie verlür,
60 hat ich doch ze fröuden wän.
dar under misselanc mir ie:
in vant so stsete fröude nie,
sin wolte mich e ich sie län. 10
Muoz ich nu sin nach wäne frö,
son heize ich niht ze rehte ein sselic man.
Dem ez sin saelde flieget so,
daz im sin herzeliep wol guotes gan.
Hat ouch der selbe fröuderichen sin, 15
des ich nu leider äne bin,
son spotte er niht dar umbe min,
ob im sin liep iht liebes tuot:
ich wa»re ouch gerne höhgemuot,
möht ez mit liebes hulden sin. 20
Er sselic man, si sselic wip,
der herze ein ander sint mit triuwen bi!
Ich wil daz daz ir beider lip
getiuret und in hoher wirde si,
Vil sivlic sin ir jär und al ir zit! 25
er ist ouch sselic sunder strit,
der nirat ir tugende rehte war,
so daz ez in sin herze get.
ein ssolic wip, diu sich verstet,
diu sende ouch guoten willen dar. 30
Sich waenet maneger w^ol begen
so daz er guoten wiben niht enlebe:
Der töre kan sich niht versten
waz, ez fröude und ganzer wirde gebe.
Dem lihtgemuoten dem ist iemer wol 35
mit liliten dingen, als ez sol;
swer Avirde und fröude erwerben wil,
der diene guotes wibes gruoz.
6 39—7 23 35
swen si mit willen grüezen muoz,
der hat mit fröuden wirde vil. 40
Ja heiTe, wes gedenket der
dem ungedienet ie vil wol gelanc?
Ez si ein si, ez si ein er,
swer also minnen kan, der habe undanc,
Und da bi guoten dienest übersiht. 45
ein saelic wip diu tuot des niht;
diu merket gnotes mannes site;
da scheidet si die bcesen von.
so ist ein tumbiu so gewon
daz ir ein tnmber volget mite. 50
7 (L. 96 29).
Staete ist ein angest und ein not;
in weiz niht ob si ere si:
si git michel ungemach.
Sit daz diu Liebe mir gebot
daz ich Stjete waere bi, ' 5
waz mir leides sit geschach!
Lät mich ledic, liebe min fro Staete.
wan ob ich sis iemer bsete,
so ist si staeter vil dann ich,
ich muoz von miner staete sin verlorn, diu Liebe
en underwinde ir sich. 10
Wer sol dem des wizzen danc,
dem von staete liep geschiht,
nimt der staete gerne war?
Dem an staete nie gelanc,
ob man den in staete siht, 15
seht, des staete ist lüter gar.
Also habe ich staete her gerungen:
nochn ist mir leider niht gelungen,
daz wende, saelic frouwe min,
daz ich der valschen ungetriuwen spot von m^ner
staete iht müeze sin. 20
ilet ich niht miner fröuden teil
an dich, herzeliep, geleit,
so möht es wol werden rät.
3*
36 7 24-8 18
Sit nn min frönde und al mtn heil,
dar zuo al min werdekeit 25
niht wan an dir einer stät,
Sült ich danne min herze von dir scheiden,
80 müest ich mir selben leiden:
daz wsere mir niht guot getan.
doch solt du gedenken, saelic wip, daz ich nu lange
kumber hän. 30
Frouwe, ich weiz wol dlnen rauot:
daz du gerne stsete bist,
daz hab ich befunden wol.
Ja hat dich vil wol behuot
der vil reine wibes list 35
der guotiu wip behüeten sol.
Alsus fröut mich din saelde und ouch din ere,
und enhän niht fröude mere.
nu sprich, bin ich dar an gewert?
du solt mich, frouwe, des geniezen län, daz ich so
rehte hän gegert. 40
8 (L. 13 33).
Maneger fraget waz ich klage,
unde gibt des einen daz ez iht von herzen g6.
Der verliuset sine tage:
wand im wart von rehter liebe nie weder wol noch we:
Des ist sin geloube kranc. 5
swer gedachte waz diu minne braehte,
der vertrüege minen sanc.
Minne ist ein gemeinez wort,
und doch ungemeine mit den werken: dest also.
Minne ist aller tugende ein hört: 10
4ne minne wirdet niemer herze rehte fr6.
Sit ich den gelouben hän,
frouwe Minne, fröut ouch mir die sinne,
mich müet, sol min trost zergän.
Min gedinge ist, der ich bin 15
holt mit rehten Iriuwen, dazs ouch mir daz selbe si.
Triuget dar an mich min sin,
eo ist minem wäne leider lützel fröuden bl.
8 19—9 20 37
Neinä herre! sist so guot,
swenne ir gtiete erkennet min gemüete, 20
daz si mir daz beste tuot.
Wiste si den willen min,
liebes unde guotes des wurd ich von ir gewert.
Wie möht aber daz nu sin,
Sit man valscher minne mit so süezen worten gert, 25
daz ein wip niht wizzen mac
wer si meine? disiu not alleine
tuot mir manegen swseren tac.
Der diu wip alrerst betrouc,
der hat beide an mannen und an wiben missevam. 30
In weiz waz diu liebe touc,
Sit sich friunt gein friunde niht vor valsche kan bewavn.
Frouwe, daz ir sselic sit!
lät mit hulden mich den gruoz verschulden,
der an friundes herzen lit. 35
9 (L. 120 25).
Weder ist ez übel, oder ist ez guot,
daz ich min leit verhelen kan?
Man siht mich dicke wol gemuot:
so trüret manic ander man,
Der minen schaden halben nie gewan: 5
so gebäre ich dem geliche
als ich si . . fröndenriche.
nn müeze ez got gefüegen s6
daz ich noch von wären schulden werde fro.
Wie kumet daz ich so manegem man 10
von siner not geholfen hän,
Und ich mich selben niht enkan
getrcesten, mich entriege ein wän?
Ich minne ein wip, diust guot und wol getan:
diu lät mich aller rede beginnen. 15
ich kan aber endes niht gewinnen,
dar nmbe wsere ich nu verzaget,
wan dazs ein wenic lachet so si mir versaget.
Si sehe dazs innen sich bewar
(si schinet üzen fröudenrich), 20
38 9 21—10 12
Dazs an den siten iht irre var:
80 wart nie wip so minneclich:
Sost eht ir lop vil frouwen lobes entwich;
ist nfich ir wirde gefurrieret
diu schoene diu sie üzen zieret, 25
kan ich ir denne gedienen iht,
des wirt bi solhen eren ungelönet niht.
Swie noch min fröude an zwivel stät,
den mir diu guote mac vil avoI
Gebäezen, ob sis willen hat, 30
son ruoche eht waz ich knmbers dol.
Si fraget des mich nieman fragen sol,
wie lange ich welle an ir beliben:
sist iemer mer vor allen wiben
ein wernder tröst ze fröuden mir. 35
nu mtieze mir geschehen als ich geloube an ir.
Genuoge kunnen deste baz
gereden daz si bi liebe sint:
Swie dicke ich ir noch bi gesaz,
80 wesse ich minner danne ein kint; 40
Ich wart an allen minen sinnen blint.
, des wser ich anderswä betoeret:
si ist ein wip diu niht gehoeret,
und guoten willen kan ersehen,
den hau ich, so mir iemer müeze liep geschehen. 45
10 (L. 115 6).
Herre got, gesegene mich vor sorgen,
daz ich vil wunnecliche lebe!
Wil mir ieman sine fröude borgen,
daz i'm ein ander wider gebe?
Die vind ich vil schiere ich weiz wol wä; 5
wan ich liez ir wunder da;
der ich vil wol mit sinnen
getrüwe ein teil gewinnen.
AI min fröude lit an einem wibe:
der herze ist ganzer tugende vol, 10
Und ist 80 geschaffen an ir libe
daz man ir gerne dienen sol.
10 13-12 4 39
Ich erwirbe ein lachen wol von ir.
des muoz si gestaten mir.
wie mac siz behüeten? 1^
ich fröuwe mich nach ir güeten.
Als ich under wilen zir gesitze.
80 si mich mit ir reden lät,
So benimt si mir so gar die witze,
daz mir der lip alnmbe gät.
Swenne ich iezuo wunder rede kan, 20
gesihet si mich einest an,
so hän ichs vergezzen.
Vraz wolde ich dar gesezzen?
11 (L. 100 3).
Ich gesprach nie wol von gnoten wiben,
was mir leit, ichn wurde fro.
Sende sorge künde ich nie vertriben
minneclicher danne also.
Wol mich, daz ich in hohen muot •'>
mit minem lobe gemachen kan, und mir daz sanfte tuotl
Ouwe wolte ein saelic wip aleine,
80 getrürte ich niemer tac,
Der ich diene, und hilfet mich vil kleine
Bwaz ich sie geloben mac. 1^
Daz ist ir liep und tuot ir wol:
wan si vergizzet iemer min, so man mir danken sol.
Frömdiu wip diu dankent mir vil schone,
dazs iemer saelic müezen sin!
Daz ist wider miner frouwen löne ,15
mir ein kleinez denkelin.
Si habe den willen den si habe,
min Wille ist guot, und klage diu werc, get mir an
den iht abe.
12 (L. 49 25).
Herzeliebez frouwelin,
got gebe dir hiute und iemer guot.
Kunde ich baz gedenken din,
des hete ich willeclichen muot.
40 12 5-13 8
Waz sol ich dir sagen me, 5
Avan daz dir nieman holder ist dann ich? da von ist
mir vil Ave.
Sie verwlzent mir daz ich
80 nider wende minen sanc.
Daz sie niht versinnent sich
waz liebe si, des haben undanc! 10
Sie getraf diu liebe nie.
die da nach dem guote und nach der schoene minnent,
we wie minnent die?
Bi der schoene ist dicke haz:
zer schoene niemen si ze gäch.
Liebe tuot dem herzen baz: 15
der liebe get diu schoene nach.
Liebe machet schoene wip:
desn mac diu schoene niht getuon, sin machet niemer
Ich vertrage als ich vertruoc [lieben llp.
und als ich iemer wil vertragen. 20
Du bist schoene und hast genuoc:
waz mtigen sie mir da von gesagen?
Swaz sie sagen, ich bin dir holt,
und nxme din glesin vingerlin für einer küneginne golt.
Hast du triuwe und staetekeit, 25
BÖ bin ich des an angest gar,
Daz mir iemer herzeleit
mit dinem willen widervar.
Hast aber du der zweier niht,
son müezest du mir niemer werden, onwe danne, ob
daz geschiht! 30
13 (L. 74 20).
'Nemt, frouwe, disen kränz:'
also sprach ich zeiner wol getanen maget;
'So zieret ir den tanz
mit den schcenen bluomen, als irs üffe traget.
Het ich vil edele gesteine, 5
daz mües üf iuwer honbet,
obe ir mirs geloubet.
set mine triuwe, daz ichz meine.
13 9 — 14 2 41
[Frouwe,] ir sit so wol getan,
daz ich in min schapel gerne geben wil, 10
So ichz aller beste hän.
wizer unde röter bluomen weiz ich vil;
Die Stent niht verre in jener heide,
da sie schone entspringent
und diu vogelin singent: 15
da süle wir sie brechen beide.'
Si nam daz ich ir bot,
einem kinde vil gelich daz ere hat.
Ir Wangen wurden rot,
same diu rose, da si bi der liljen stät. 20
Do erschampten sich ir liebten ougen:
doch neic si mir vil schöne,
daz wart mir ze löne:
wart mtrs iht mer, daz trage ich tougen.
Mich dühte daz mir nie 25
lieber wurde, danne mir ze muote was.
Die bluomen vielen ie
von den boumen bi uns nider an daz gras.
Seht, dö muost ich von fröuden lachen,
do ich so wunnecliche 30
was in troume riche,
dö tagete ez unde muose ich wachen.
Mir ist von ir geschehen,
daz ich disen sumer allen meiden muoz
Vast und er dougen sehen: 35
lihte wirt mir miniu: so ist mir sorgen buoz.
Waz obe si get an disem tanze?
frouwe, durch iuwer güete
rucket üf die hüete.
ouwe gesaehe ichs under kränze! 40
14 (L. 39 11).
'Linder der linden
an der heide,
14 Iff. Vgl. Schade, Wissenschaftl. monatsbl. 111,107.
Saran, Beitr. zur gesch. d. deutschen spräche 24, 83 (über den
Rhythmus).
4ii 14 3 — 15 2
da unser zweier bette was,
Da' müget ir vinden
schöne beide 5
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schöne sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen 10
zuo der ouwe:
dö was min friedel komen e.
Da' wart ich empfangen,
here frouwe,
daz ich bin saelic iemer me. 15
Küster mich? wol tüsentstunt:
tandaradei,
seht wie rot mir ist der munt.
Dö het er gemachet
also riebe 20
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
innecliche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bi den rosen er wol mac, 25
tandaradei,
merken wä mirz houbet lac.
Daz er bi mir Isege,
wessez iemen
(nu enwelle got!), so schämt ich mich. 30
Wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er nnd ich,
Und ein kleinez vogelin:
tandaradei, 35
daz mac wol getriuwe sin.'
15 (L. 45 37).
So die bluomen üz dem grase dringent,
same si lachen gegen der spilden sunnen.
15 3 — 16 4 43
in einem meien an dem morgen fruo,
Und diu kleinen vogelin wol singent
in ir besten wise die si kunnen, 5
waz wnnne mac sich da genozen zuo?
Ez ist wol halp ein himelriche.
snln wir sprechen waz sich deme geliche,
8Ö sage ich waz mir dicke baz
in minen ougen hat getan, und taete ouch noch,
gesajhe ich daz. 10
Swä ein edeliu frouwe schcene reine,
wol gekleidet unde wol gebunden,
durch kurzewile zuo vil liuten gät,
Hovelichen hohgemuot, niht eine,
umbe sehende ein wenic under stunden, 15
alsam der snnne gegen den Sternen stät, —
Der meie bringe uns al sin wunder,
waz ist da so wunnecHches under,
als ir vil minneclicher lip?
wir läzen alle bluomon stän und kapfen an daz
werde wip. 20
Nu wol dan, weit ir die wärheit schouwen!
gen wir zuo des meien hochgezite!
der ist mit aller siner krefte komen.
Seht an in und seht an werde frouwen,
wederz ir daz ander überstrite; 25
daz bezzer spil, ob ich daz hau genomen.
Ouwe der mich da welen hieze,
deich daz eine durch daz ander lieze,
wie rehte schiere ich danne kür!
her Meie, ir müeset merze sin, e ich min frouwen
da verlür. 30
16 (L. 46 32).
Aller werdekeit ein füegaerinne,
daz Sit ir zewäre, frouwe Mäze.
er saelic man, der iuwer lere hat!
Der endarf sich iuwer niender inne
16 1 ff. Dieser ton unterscheidet sich von dem vorher-
gehenden nur in der drittletzten zeile.
44 16 5 — 17 19
weder ze hove schämen noch an der sträze. 5
durch daz so siioche ich, frouwe, iuwern rät,
Daz ir mich ebene werben leret.
wirbe ich nidere, wirbe ich höhe, ich bin verseret.
ich was vil nach ze nidere tot,
nu bin ich aber ze höhe siech: unmäze enlät mich
äne not. 10
Niderin minne heizet diu so swachet
daz der lip nach kranker liebe ringet:
diu minne tuot unlobeliche we.
Höhiu minne heizet diu daz machet
daz der muot nach werder liebe üf swinget: 15
diu winket mir nu, daz ich mit ir ge.
Nun weiz ich wes diu Mäze beitet.
kumet diu herzeliebe, so bin ich verleitet:
min ougen hänt ein wip ersehen,
swie minneclich ir rede si, mir mae wol schade von
ir geschehen. 20
17 (L. 109 1).
Ganzer fröuden wart mir nie so wol ze muote:
mirst geboten, daz ich singen muoz.
Saelic si diu mir daz wol verste ze guote!
mich mant singen ir vil werder gruoz.
Diu min iemer hat gewalt, 5
diu mac mir wol trüren wenden
unde senden fröude manicvalt.
Git daz got daz mir noch wol an ir gelinget,
seht, so waere ich iemer mere frö,
Diu mir beide herze und lip zu fröuden twinget. 10
mich betwanc nie me kein wip also.
Ez was mir gar unbekant
daz diu Minne twingen solde
swie si wolde, unz ichz an ir bevant.
Süeze Minne, sit nach diner süezen lere 15
mich ein wip also betwungen hat,
Bite sie dazs ir wiplich güete gegen mir kere:
so mac miner sorge werden rät.
Durch ir lichten ougen schin
17 20 — 19 4 45
wart ich also wol enpfangen, 20
gar zerg;angeii was daz trüren min.
Mich fröut iemer daz ich also guotem wibe
dienen sei üf minneclichen danc.
Mit dem tröste ich dicke trüren mir vertrlbe,
unde wirt min nngemtiete kranc. 25
Endet sich min ungemach,
80 weiz ich von wärheit danne
daz nie manne an liebe baz geschach.
Minne, wunder kan din gtiete liebe machen,
und din twingen swenden fi-önden vil. 30
Wan du lerest leide üz spilnden ougen lachen,
swä du meren wilt din wunderspil:
Du kanst fröudenrichen muot
80 verworrenliche verkeren,
daz din seren sanfte unsanfte tuet. 35
18 (L. 110 13).
Wol mich der stunde, daz ich sie erkande,
diu mir den lip und den muot hat betwungen,
Sit deich die sinne so gar an sie wände,
des si mich hat mir ir güete verdrungen.
Daz ich gescheiden von ir niht enkan, 5
daz hat ir schoene und ir güete gemachet,
und ir roter munt der s6 lieplichen lachet.
Ich hän den muot und die sinne gewendet
an die reinen, die lieben, die guoten.
Daz müez uns beiden wol werden volendet, 10
swes ich getar an ir hulde gemuoten.
Swaz ich fröuden zer werlde ie gewan,
daz hat ir schoene und ir güete gemachet,
und ir röter munt, der so lieplichen lachet.
19 (L. 118 24).
Ich bin nu so rehte frö,
daz ich vil schiere wunder tuon beginne.
Lihte ez sich gefüeget so
daz ich erwirbe miner frouwen minne.
46 19 5-20 17
Seht so stigent mir die sinne 5
höher danne der sunnen schin. genäde, ein küniginne!
Ich ensach die guoten nie
so dicke, daz ich daz . . verbsere,
Mirne spilten dougen ie.
der kalte winter was mir gar unmjBre. 10
Ander liute dühte er swaere:
mir was die wile als ez enmitten in dem meien wjere.
Disen wunneclichen sanc
hän ich gesungen miner frouwen ze eren.
Des sei si mir wizzen danc: 15
durch sie so wil ich iemer fröude meren.
Wol mac si min herze seren:
waz danne, ob si mir leide tuot? si mag ez wol verkßren.
Daz enkunde nieman mir
geraten daz ich schiede von dem wäne. 20
Kert ich minen muot von ir,
wä funde ich denne ein also wol getane,
Diu so wsere valsches äne?
sist schoener und baz gelobet denne Elene und Dijäne,
20 (L. 92 9).
Ein niuwer sumer, ein niuwe zit,
ein guot gedinge, ein lieber wän,
diu liebent mir en widerstiit,
daz ich noch tröst ze fröuden hän.
Noch fröuwet mich ein anderz baz 5
dan aller vogeline sanc:
swä man noch wibes güete maz,
da wart ir ie der habedanc.
Daz meine ich an die frouwen min:
da muoz noch mere tröstes sin. 10
sist schoener danne ein schoene wip:
diu schoene machet lieber lip.
Ich weiz wol daz diu liebe mac
ein schoene wip gemachen wol:
iedoch swelch wip ie tugende pflac, 15
daz ist diu der man wünschen sei.
Diu liebe stet der schoene bi
20 18 — 21 6 47
baz danne gesteine dem golde tuot:
nu jehet waz danne bezzer si,
hänt dise beide rehten muot. 20
Sie hcehent mannes werdekeit:
swer ouch die süezen arebeit
durch sie ze rehte kan getragen,
der mac von herzeliebe sagen.
Der blic gefrönt ein herze gar, 25
den minnecliche ein wip an siht:
wie weit ir danne daz der var,
dem ander liep von in geschiht?
Der ist eht maneger fröuden rieh,
so jenes fröude gar zergät. 30
waz ist den fröuden ouch gellch,
da liebez herze in triuwen stät,
In schoene, in kiusche, in reinen siten?
swelch saelic man daz hat erstriten,
ob er daz vor den fremden lobet, 35
so wizzet daz er niht entobet.
Waz sol ein man der niht engert
gewerbes umb ein reine wip?
si läze in iemer ungewert,
ez tinret doch wol sinen lip. 40
Er tuo durch einer wiUen so
daz er den andern wol behage:
so tuot in ouch diu eine fro,
ob im diu ander gar versage.
Dar an gedenke ein saelic man: 45
da lit vil sselde und eren an.
swer guotes wibes minne hat,
der schämt sich aller missetät.
21 (L. 93 20).
Waz hat diu werlt ze gebenne
liebers danne ein wip,
daz ein sende herze baz gefrönwen müge?
Waz stiaret baz ze lebenne
danne ir werder lip? 5
ich enweiz niht daz ze fröuden hoher tüge,
48 21 7 — 22 12
Denne swä ein wip von herzen meinet
den der ir wol lebt ze lobe.
da ist ganzer tröst mit frönden underleinet:
disen dingen hat diu werlt niht dinges obe. 10
Min frouwe ist zwir beslozzen,
der ich liebe trage,
dort verklüset, hie verhöret da ich bin.
Des einen hat verdrozzen
mich nu manege tage: lf>
so git mir daz ander senelichen sin.
Solt ich pflegen der zweier slüzzel huote,
dort ir libes, hie ir tugent,
disiu Wirtschaft na^me mich üz sendem muote,
und nsem iemer von ir schoene niuwe jugent. 20
Wsenet Huote scheiden
von der lieben mich,
die ich mit stseten triuwen her gemeinet hän?
Solhe liebe leiden,
des verzihe sich: 25
ich diene iemer üf den minnecllchen wän.
Mac diu Huote mich ir libes pfenden,
da habe ich ein troesten bl:
sin kan niemer von ir liebe mich gewenden.
twinget si daz eine, so ist daz ander fri. 30
22 (L. 112 17).
Ir vil minneclichen ougenblicke
rtierent mich alhie, swann ich sie sihe,
In min herze, ouwe sold ich sie dicke
sehen, der ich mich für eigen gihe!
Eigenlieben diene ich ir: 5
daz sol si -vil wol gelouben mir.
Ich trage in minem herzen eine swsere
von ir der ich läzen niht enmac,
Bl der ich vil gerne tougen waere
beide naht und ouch den liebten tac. 10
Des enmac nu niht gesin,
ez enweUe diu liebe frouwe min.
22 13 — 23 30 49
Sol ich miner triuwe alsus entgelten,
so ensol niemer man getrüwen ir.
Si vertrüege michels baz ein schelten 15
danne ein loben, daz geloubet mir.
We war umbe tuot si daz,
der min herze treit vil kleinen haz?
23 (L. 99 6).
Snmer nnde winter beide sint
guotes mannes trost, der trostes gert:
Er ist rehter fröude gar ein kint,
der ir niht von wibe wirt gewert.
Da von sol man wizzen daz, 5
daz man elliu wip sol eren, und iedoch die besten baz.
Sit daz nieman äne fröude touc,
so wolte ouch ich vil gerne fröude hän
Von der mir min herze nie gelouc,
ezn sagte mir ir güete ie sunder wän. 10
Swenn ez diu ougen sante dar,
seht, so brähtens im diu msere, daz ez fuor in sprängen
In weiz niht wol wiez dar umbe si: [gar.
sin gesach min ouge lange nie :
Sint ir mines herzen ougen bi, 15
so daz ich äne ougen sihe sie?
Da ist doch ein wunder an geschehen:
wer gap im daz sunder ougen, deiz sie zaller zit mac
Welt ir wizzen waz diu ougen sin [sehen?
da mite ich sie sihe durch elliu laut? 20
Ez sint die gedanke des herzen min:
da mite sihe ich durch müre und ouch durch want.
Nu hüeten swie sie dunke guot :
80 sehent sie doch mit vollen ougen herze wille und
al der muot.
Wirde ich iemer ein so sselic man, 25
daz si mich an ougen sehen sol ?
Siht si mich in ir gedanken an,
so vergütet si mir mine wol.
Minen willen gelte mir,
sende mir ir guotcn willen: minen den habe iemer ir. 30
Waltb V. ü. Vog'elweide. 5. uufl. 4
50 24 1 — 32
24 (L. 50 19).
Bin ich dir unmaere,
des enweiz ich niht : ich minne dich.
Einez ist mir swsere,
du sihst bi mir hin und über mich.
Daz solt du vermiden. 5
ine mac niht erliden
solhe liebe an grozen schaden :
hilf mir tragen, ich hän ze vil geladen.
Sol daz sin din huote,
daz din ouge an mich so selten siht? 10
Tuost du mir daz ze guote,
söne wize ich dir dar umbe niht.
So mit mir daz houbet,
daz sl dir erloubet,
und sich nider an minen fuoz, 15
so du baz enmügest: daz si din gruoz.
Swanne ichs alle schouwe,
die mir suln von schulden wol behagen,
So bist duz min frouwe:
daz mac ich wol äne rtiemen sagen. 20
Edel unde riche
sint sie sumeliche
dar zuo tragent sie hohen muot:
lihte sint sie bezzer, du bist guot.
Frouwe des versinne 25
dich ob ich dir zihte maere si.
Eines friundes minne
diu ist niht, da ensi ein ander bi.
Minne entouc niht eine,
sl sol sin gemeine, 30
so gemeine daz si ge
durch zwei herze und durch dekeinez me.
24 16. Hierauf folgt in E folgende Strophe: Sie heginnent
alle miner frauwen (lies frouwe, niiner) fuezze nemen war
mitten in dem schatte so sich frauwe auch under vrilen dar
ümme die merkere la dir sin umm,ere den griffe ich wol naher
baz daz versueclie alrerst so denrie daz.
25 1 — 38 51
25 (L. 51 13).
Müget ir schouwen waz dem meien
Wunders ist beschert?
Seht an pfaffen, seht an leien,
wie daz allez vert.
Groz ist sin gewalt: 5
ine weiz obe er zouber kunne:
swar er vert in siner wunne,
dän ist nieman alt.
Uns wil schiere wol gelingen,
wir suln sin gemeit, 10
Tanzen lachen unde singen
äne dörperheit.
We wer waere unfrö?
Sit din vogelin also schöne
schallent mit ir besten döne, 15
tuon wir ouch also!
Wol dir, meie, wie du scheidest
allez äne haz!
Wie wol du die bonme kleidest,
und die beide baz! 20
Diu hat varwe me.
'du bist kurzer, ich bin langer,'
also stritents üf dem anger,
bluomen unde kle.
Roter munt, wie du dich swachest! 25
lä din lachen sin.
Scham dich daz du mich an lachest
nach dem schaden min.
Ist daz wol getan?
ouwe so verlorner stunde, 30
sol von minneclichem munde
solch unminne ergän!
Daz mich, frouwe, an fröuden irret,
daz ist iuwer lip.
An iu einer ez mir wirret, 35
ungensedic wip.
Wä nemt ir den muot?
ir Sit doch genäden riche:
52 25 39 — 26 25
tuot ir mir ungnaedecliche,
so Sit ir niht guot. 40
Scheidet, frouwe, mich von sorgen,
liebet mir die zit:
Oder ich muoz an fröuden borgen,
daz ir sselic sit!
Müget ir umbe sehen? 45
sich fröut al diu werlt gemeine:
möhte mir von iu ein kleine
fröudelin geschehen!
26 (L. 52 23).
Min frouwe ist ein ungenaedic wip,
daz si wider mich als übele tuot.
Ja bräht ich doch einen jungen lip
in ir dienest unde hohen muot.
Ouwe do was mir so wol: 5
wiest daz nu verdorben!
waz hän ich erworben?
anders niht wan kumber den ich dol.
Ouwe miner wunneclichen tage!
waz ich der an ir versümet hän! 10
Daz ist iemer mines herzen klage,
süln diu lieben jär also zergän.
Manege sorge und arebeit
die klage ich vil kleine:
raine zit aleine, 15
hab ich die verlorn, daz ist mir leit.
In ^esach nie houbet baz gezogen:
in ir herze künde ich nie gesehen,
le dar under bin ich gar betrogen:
daz ist an den triuwen mir geschehen. 20
Möhte ich ir die Sternen gar,
mänen unde sunnen
zeigen hän gewunnen,
daz waer ir, so ich iemer wol gevar.
Ich gesach nie sus getane site, 25
26 25. Statt dieser und der folgendeu stropbe bat E:
26 26 — 27 12 53
dazs ir besten friunden wsere gram.
Swer ir vient ist, dem wil si mite
rünen; daz guot ende nie genam.
Ich weiz wol wiez ende ergät:
vint und friunt gemeine, 30
der gestets aleine,
so si mich und jene unrehte hat,
Miner frouwen darf niht wesen leit,
daz ich rite und frage in frömediu laut
Von den wlben die mit werdekeit 35
lebent (der ist vil manegin mir erkant)
Und die schcene sint da zuo:
doch ist ir deheine,
weder groz noch kleine,
der versagen mir iemer we getuo. 40
27 (L. 53 25).
Si wunderwol gemachet wip,
daz mir noch werde ir habedanc!
Ich setze ir minneclichen lip
vil werde in minen hohen sanc.
Gern ich in allen dienen sol: 5
doch hän ich mir dise üz erkorn.
ein ander weiz die sinen wol:
die lobe er äne minen zom;
hab ime wis unde wort
mit mir gemeine: lobe ich hie, so lobe er dort. 10
Ir houbet ist so wunnenrich,
als ez min himel welle sin.
Si hat mir bescJieiden vil manigen tac wide versumet mir vil
schone leben als ich sie {ichs Lachm.) nu niht mer geliden mac
so wil ich ir auch eine {ein ende Haupt) gehen tuot si mir
gnade [da nachgetragen] so diene ich ir mit eren sol aber ich
mich Teeren von ir gar so tantze ich aber anderswar. Maniger
claget sin frautve spreclie nein so clage ich daz mine spricht ia
aller worte kan si nur (niu-an Lachm.) ein daz hoer ich vil
selten anderswa ichn weiz ob sie spotte min sie versaget mir
nimmer sie gelobet mir immer gern unde ia daz muoz un-
selic sin. 27 1 ff. Vgl. Pfeiffer, Germania II, 470.
54 27 13 — 50
Wem solde ez anders sin gelich?
ez hat joch himelischen schin.
Da liuhtent zwene Sternen abe: 15
da müeze ich mich noch inne ersehen,
daz si mirs also nähen habe!
so mac ein wunder wol geschehen:
ich junge, und tuot si daz,
und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz. 20
Got häte ir wengel höhen fliz:
er streich so tiure varwe dar,
So reine rot, so reine wiz,
hie roeseloht, dort liljenvar.
Ob ichz vor Sünden tar gesagen, 25
so Sffihe ichs iemer gerner an
dan himel oder himelwagen.
ouwe waz lob ich tumber man?
mach ich sie mir ze her,
vil lihte wirt mins mundes lop mins herzen ser. 30
Si hat ein küssen, daz ist rot:
gewunne ich daz für minen munt.
So stüende ich üf üz dirre not
und waere ouch iemer me gesunt.
Dem si daz an sin wengel legt, 35
der wont da gerne nähe bi:
ez smecket, so manz iender regt,
alsam ez allez balsme sl.
das sol si lihen mir:
swie dicke so siz wider wil, so gibe ichz ir. 40
Ir kel, ir hende, ietweder fuoz,
daz ist ze wünsche wol getan.
Ob ich da enzwischen loben muoz,
so wffine ich me beschouwet hän.
Ich hete ungerne 'decke bloz!' 45
gernefet, do ich sie nacket sach.
si sach min niht, do si mich schoz,
daz mich noch sticht als ez do stach,
ich lobe die reinen stat
da diu vil minnecliche üz einem bade trat. 50
28 1-3S ^^
28 (L. 85 34).
Frouwe, enlät iuch niht verdriezen
miner rede, ob si gefüege si.
Höhte ichs wider iuch geniezen,
so wser ich den besten gerne bi.
Wizzet daz ir schoene Sit: 5
hat ir, als ich mich verwsene,
güete bi der wolgetsene,
waz danne an iu einer eren lit!
'Ich wil iu ze redenne gunnen
(sprechet swaz ir weit), ob ich niht tobe. 10
Daz hat ir mir an gewunnen
mit dem iuwern minneclichen lobe,
lehn weiz obe ich schcene bin,
gerne hete ich wibes güete.
leret mich wiech die behüete: 15
schcener lip entouc niht äne sin.'
Frouwe, daz wil ich iuch leren,
wie ein wip der werlte leben sol:
Guote liute sult ir eren,
minnecliche an sehen und grüezen wol; 20
Eime sult ir iuwern lip
geben für eigen, nemet den sinen.
frouwe, woltet ir den minen,
den gjßb ich umb ein so schcene wip.
'Beide schouwen unde grüezen, 25
swaz ich mich dar an versümet hän,
Daz wil ich vil gerne büezen.
ir hat hoveliche an mir getan.
Tnot durch minen willen me:
Sit niht wan mtn redegeselle. 30
in weiz nieman dem ich welle
nemen den lip: ez tsete im lihte we.'
Frouwe, lät michz also wägen
(ich bin dicke komen üz groezer not)
Unde läts iuch niht betragen: 35
stirbe aber ich, so bin ich sanfte tot,
'Herre, ich wil noch langer leben,
lihte ist iu der lip unmsere;
56 28 39 - 29 35
waz bedörfte ich solher swsere,
solt ich minen lip umb iuwern geben V 40
29 (L. 115 30).
Mich nimt iemer wnnder waz ein wip
an mir habe ersehen,
Dazs ir zouber leit an ralnen lip.
waz ist ir geschehen?
Si hat doch ouch ougen: 5
wie kumt dazs als übel gesiht?
ich bin aller manne schoenst niht;
daz ist äne lougen.
Habe ir ieman iht von mir gelogen,
so beschouwe mich baz. 10
Sist an miner schoene gar betrogen,
wils anders niht wan daz.
Wie stät mir min houbet!
dazn ist niht ze wol getan.
sie betriuget lihte ein tumber wän, 15
ob siz niht geloubet.
Da si wont, da wonent wol tüsent man
die vil schoener sint.
Wan daz ich ein lützel fuoge kan,
80 ist min schoene ein wint. 20
Fuoge hän ich kleine:
doch ist si gemeine wol,
.... 80 daz si vil liuten sol
iemer sin gemeine.
Wil si fuoge für die schoene neraen, 25
so ist si wol gemuot.
Kan si daz, s6 muoz ir wol gezemen
swaz si mir getuot.
So wil ich mich neigen,
und tuon allez daz si wil. 30
waz bedarf si denne zoubers vil?
ich bin doch ir eigen.
Lät iu sagen wiez umbe ir zouber stät,
des si wunder treit.
Sist ein wip diu schoene und ere hat, 35
29 86 — 30 22 57
da bi liep und leit.
Dazs iht anders kunne,
daz sol man gar übergeben;
wan daz mir ir wunneclichez leben
machet sorge und wunne. 40
30 (L. 69 1).
Saget mir ieman, waz ist minne?
weiz ich des ein teil, so wist ichs gerne me.
Der sich baz denn ich versinne,
der berihte mich durch waz si tuot so we.
Minne ist minne, tuot si wol: 5
tuot si we, 80 anheizet si niht rehte minne. sus enweiz
ich wie si danne heizen sol.
Obe ich rehte raten kunne
waz diu minne si, so sprechet denne ja.
Minne ist zweier herzen wunne:
teilent sie geliche, sost diu minne da: 10
Sol aber ungeteilet sin,
80 enkans ein herze alleine niht enthalten, ouwe wol-
dest du mir helfen, frouwe min!
Frouwe, ich trage ein teil ze swaere:
wellest du mir helfen, so hilf an der zit.
Si aber ich dir gar unmaere, 15
daz sprich endeliche: so läz ich den strit,
Unde wirde ein ledic man.
du solt aber einez rehte wizzen, daz dich Kitzel ieman
baz dann ich geloben kan.
Kan min frouwe süeze siuren?
waenet si daz ich ir liep gebe umbe leit? 20
Sol ich sie dar umbe tiuren,
daz siz wider kere an mine unwerdekeit?
3018. Hier folgt in EF : Ich mU also singen immer daz
sie denne sprechent er gesanc nie baz des gedankest du mir
nimmer daz verwizze ich dir alrest so (fenlt F) denne daz
tceistu wes sie wünschent dir daz sie selig sie von der man
tms sust (uns so schone E) singet sich frauwe den gemeinen
wünsch hast auch von mir.
58 30 23 — 31 27
So kund ich unrehte spehen.
w6 waz sprich ich örenlöser ougen äneV den diu minne
blendet, wie mac der gesehen?
31 (L. 40 19).
Ich hän ir so wol gesprochen,
daz sie maneger in der werlte lobet:
Hat si daz an mir gerochen,
ouwe danne, so hän ich getobet,
Daz ich die getiuret hän 5
und mit lobe gekrcenet,
diu mich wider hoenet.
frouwe Minne, daz si iu getan.
Frouwe Minne, ich klage iu mere:
rihtet mir und rihtet über mich. 10
Der ie streit umb iuwer ere
wider nnstiete liute, daz was ich.
In den dingen bin ich wunt.
ir hat mich geschozzen,
und gät si genozzen: 15
ir ist sanfte, und ich aber ungesunt.
Frouwe, lät mich des geniezen:
ich weiz wol, ir habet sträle me:
Müget irs in ir herze schiezen,
daz ir werde mir geliche we: 20
Müget ir, edeliu ktinegin,
iuwer wunden teilen
oder die mine heilenV
sol ich eine alsus verdorben sin?
Ich bin iuwer, frouwe Minne: 25
schiezet dar da man iu widerste.
Helfet daz ich sie gewinne.
31 24 Hier folgt iu E, teilweise auch in U erhalten:
Frauwe minne ir siUt mir loyien baz denne einem andern
man unde sült min schonen {ir mir schonen U) baz u-onde
(lies wände) ich ü baz gedienet han (baz als ich iv gedienen
kan U) waz sol {sold Ü) üch der nüwe site daz ir managen
eret Qieret U) der üch hin (f. U) wider uneret da verderbet
ir die besten mite.
31 28 — 32 L'O 59
neinä frouwe, daz sis iht enge!
Lät mich iu daz ende sagen :
und engets uns beiden, 30
wir zwei sin gescheiden.
wer solt iu danne iemer iht geklagenV
32 (L. 65 33).
In einem zwivellichen wän
was ich gesezzen, und gedähte,
Ich wolte von ir dienste gän;
wan daz ein tröst mich wider brähte.
Trost mag ez rehte niht geheizen, onwe des! 5
ez ist vil küme ein kleinez trcestelin,
so kleine, swenne ichz iu gesage, ir spottet min.
doch fröut sich lützel ieman, er enwizze wes.
Mich hat ein halm gemachet fro:
er gibt, ich sül genäde vinden. 10
Ich maz daz selbe kleine strö,
als ich hie vor gesach von kinden.
Nu beeret unde merket ob siz denne tuo.
'si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.'
swie dicke ich also maz, so was ie 'z ende guot. 15
daz troestet mich: da beeret ouch geloube zuo.
Swie liep si mir von herzen si,
so mac ich doch wol erliden
Daz ich ir si zem besten bi:
ich darf ir werben da niht niden, 20
32 1. Vor dieser atrophe steht in F die folgende iu
gleichem tone : Do got geschuff so schöne ein weyp da geschuff
er ir so schöne synne das fuan sie lobet für mangen leyp ir
schone ist auch tumb dorimie wie sol ich die erwerben die so
rehte selig ist mit meiner selde erwirbe ich lützel dann (da
Lachmann) ich wil mich rechte an ir gnade lan {läzen Lachm.)
ia das ist mein ennde rat und auch mein ende list. 32 17. Der
text dieser nur in C überlieferten Strophe scheint verderbt.
Sie ist noch nicht befriedigend erklärt. Vgl. WaUner, PBB
33, 204. Der Vorschlag von Sievers (ib. 35, 191) z. 19 zu lesen
daz ich ie s/ den besten bi verstösst gegen den Sprachgebrauch,
da statt ie vielmehr iemer stehen müsste.
öO 32 21 - 34 8
lehn mac, als ich erkenne, des gelonben niht
dazs ienaan sanfte in zwivel bringen müge.
mirst liep daz die getrogenen wizzen waz sie trüge,
und alze lanc dazs iemer rüemic man gesiht.
33 (L. 70 1).
Daz ich dich so selten grtleze,
frouwe, daz ist äne alle missetät.
Ich wil daz wol zürnen müeze
liep mit liebe, swä ez von friundes herzen gät.
Niene trüre du, wis fro: 5
sanfte zürnen, sere süenen, deist der minnen reht: diu
In gesach nie tage suchen [herzeliebe wil also,
so die mine tuont. ich warte in allez nach.
Wesse ich war sie wolten strichen!
mich nimt iemer wunder wes in si so gäch. 10
... sie mügen zuo deme
komen der ir niht so schone pfliget: so läzen denne
schinen ob si wizzen weme.
Du solt eine rede vermiden,
frouwe; daz gezimt den dinen güeten wol;
Spraechest duz, ich woldez niden, 15
daz die boesen sprechent, so man Ionen sol,
'Hete er saelde, ich taete im guot.'
er ist selbe unsaelic, swer daz gerne sprichet unde
niemer diu geliche tuot.
34 (L. 70 22).
Genäde, frouwe! also bescheidenliche
lä mich dir einer iemer leben,
Ob ich daz breche, daz ich fürder striche,
wan einez soltu mir vergeben:
Daz mahtu mir ze kurzer wile erlouben gerne, 5
die wile unz ich din beiten sol.
ich nenne ez niht, ich meine jenz, du weist ez wol.
ich sage dir wes ich angest hau: da fürhte ich daz
ichz widerlerne.
34 1. 3. Die beiden zeilen haben einen fuss weniger
als die entsprechenden in den übrigen Strophen.
34 9 — 35 10 61
'Gewinne ich iemer liep, daz wil ich haben eine:
min friunt der minnet andriu wip. 10
An allen guoten dingen hän ich wol gemeine,
wan da man teilet friundes lip.
So ich in under wilen gerne bi mir saehe,
so ist er von mir anderswä.
Sit er da also gerne si, so sl onch da. 15
ez tuot so manegem wibe we, daz mir da von niht
wol geschaehe.'
Si sselic wip, si zürnet wider mich ze sßre,
daz ich mich friunde an manege stat.
Si engehiez mich nie geleben nach ir Ißre,
swie jämerliche ich sies gebat. 20
Waz hilf et mich daz ich sie minne vor in allen?
si swiget iemer als ich klage,
wil si daz ich andern wlben widersage,
so läze ir mine rede ein wenic baz gevallen.
'Ich wil dir jehen daz du min dicke sere bsete, 25
und nam ich des vil kleine war.
Do wisse ich wol daz du allenthalben also taste:
des wart ich dir so fremede gar.
Der min ze frinnde ger, wil er mich gewinnen,
der läze alsolhe unstaetekeit. 30
gemeine liep daz dunket mich gemeinez leit:
nu sage, weist du anders iht? da von tar ich dich
niht geminnen.'
35 (L. 72 31).
Lange swigen des hat ich gedäht:
nu muoz ich singen aber als 6.
Dar zuo hänt mich gnote liute bräht:
die mügen mir wol gebieten me.
Ich sei singen unde sagen, 5
und swes sie gern, daz sol ich tuon: so snln sie minen
kumber klagen.
Hoeret wunder, wie mir ist geschehen
von min selbes arebeit:
Mich enwil ein wip niht an gesehen;
die bräht ich in die werdekeit, 10
62 35 11— 36 lü
Daz ir muot so höhe stät.
Jon weiz si niht, swenn ich min singen läze, daz ir lop
Herze, waz si flüeche liden sei, [zergät.
swenn ich nu läze minen sanc!
Alle die nu lobent, daz weiz ich wol, 15
die scheltent danne an minen danc.
Tüsent herzen wurden fro
von ir genäden, dins engeltent, scheide ich mich von ir
Do mich dühte daz si wsere guot, [also,
wer was ir bezzer do dann ich? 20
Dest ein ende: swaz si mir getuot,
so mac si wol verwsenen sich:
Nimet si mich von dirre not,
ir leben hat mines lebennes ere: sterbet si mich, so ist
Sol ich in ir dienste werden alt, [^i tot. 25
die wile junget si niht vil.
So ist min här vil lihte also gestalt,
dazs einen jungen danne wil.
So helfe iu guot, her junger man,
so rechet mich und get ir alten hüt mit sumerlaten an. 30
36 (L. 88 9).
Friuntlichen lac
ein riter vil gemeit
an einer frouwen arme. er kos den morgen lieht.
do er in durch diu wölken so verre schinen sach,
Diu frouwe in leide sprach ' 5
'we geschehe dir, tac,
daz du mich last bi liebe langer bliben niht.
daz sie da heizent minne, deist niewan senede leit.'
'Friundinne min,
du solt diu trüren län. 10
ich wil mich von dir scheiden: daz ist uns beiden guot.
ez hat der morgensterne gemachet hinne lieht.'
'Min friur.t, nu tuo des niht,
Ifi die rede sin,
duz du mir ilit so sere beswserest minen muot. 15
war gähest also balde? ez ist niht wol getan.'
36 17 — bi f*'i
'Frouwe, nu daz si:
ich wil beliben baz.
nu rede in kurzen ziten allez daz du wil,
daz wir unser huote triegen aber als e.' 20
'Min friunt, daz tuot mir we.
e ich dir aber bi
gelige, miner swaere derst leider alze vil.
nu mit mich niht ze lange: vil liep ist mir daz.'
'Daz muoz also geschehen
daz ich es niene mac.
sol ich dich, frouwe, miden eines tages lanc,
so enkumt min herze doch niemer von dir.'
'Min friunt, nu folge mir:
du solt mich schiere sehen. 30
ob du mir sist mit triuwen stsete sunder wanc.
ouwe der ougenweide! nu kius ich den tac'
'Waz helfent bluomen rot,
Sit ich nu hinnen sol?
vil liebiu friundinne, die sint unmsere mir, 35
reht als den vogelinen die winterkalten tage.'
'Friunt, dest ouch min klage
und mir ein wernde not.
Jon weiz ich niht ein ende, wie lange ich din enbir.
nu lige cht eine wile: son getsete du nie so wol.' 40
'Frouwe, es ist zit:
gebiut mir, lä mich varn.
ja tuon ichz durch din ere, daz ich von hinnen ger.
der wahtaere diu tageliet so lüte erhaben hat.'
'Friunt, wie wirt es rät? 45
da läze ich dir den strit.
onwe des urloubes, des ich dich hinnen wer!
von dem ich habe die sele, der müeze dich bewarn.'
Der riter dannen schiet:
do sente sich sin lip, 50
und liez ouch sere weinde die schoenen frouwen guot.
doch galt er ir mit triuwen dazs ime vil nähe lac.
Si sprach 'swer ie gepflac
ze singenne tageliet
64 36 55 - 37 26
mir, der wil wider morgen beswaeren minen muot. 55
nu lige ich liebes eine reht als ein senede wip.'
37 (L. 57 23).
Minne diu hat einen site:
daz si den vermiden wolde!
daz gezaeme ir baz.
Da beswaert si manegen mite,
den si niht beswaeren solde: 5
we wie zimt ir daz?
Ir sint vier unt zwenzec jär
vil lieber danne ir vierzec sin, und stellet sich vil
übel, sihts iender gräwez h&r.
Minne was min frouwe so gar,
deich wol wiste al ir tougen. 10
nu ist mir so geschehen.
Kumt ein junger ieze dar,
so wird ich mit twerhen ougen
schilhend an gesehen.
Armez wip, wes müet si sich? 15
weizgot wan daz si liste pfliget und tören triuget,
sist doch elter vil dann ich.
Minne hat sich an genomen
daz si get mit tören umbe
springende als ein kint.
War sint alle ir witze komen? 20
wes gedenket si vil tumbe?
sist joch gar ze blint.
Dazs ir rüschen nienen lät,
und füere als ein bescheiden wip! si stözet sich, daz
ez mir an min herze gät.
Minne sol daz nemen für guot, 25
under wüen so si ringet,
37 1. E eröffnet dieses lied mit folgender Strophe : Ich
han ir gedienet hö Lachm.J daz (diu Lachm.) do heizet frauwe
mirme daz iz \mac Lachm.] immer clage [wiser man si wiget
unhö und Lachm.] der gauch ist guoter sinne daz mich der
sol vertage der mm tore solte sin da wir zwene werben ümme
ein ding daz dinc tuot fürder nimmer miiez es werden min.
37 27 — 38 27 65
daz ich sitzen ge.
Ich hau also hohen muot
als einer der vil hohe springet:
we waz wil sis me? 30
Anders diene ich swaz ich mac.
si besüoche wä die sehse sin: von mir häts in der
Wochen ie den sibenden tac.
38 (L. 63 32).
'S wie wol der heide ir manicvaltiu varwe stät,
so wil ich doch dem walde jehen
Daz er vil mere wunneclicher dinge hat:
noch ist dem velde baz geschehen.
So wol dir, sumer, sus getaner arebeit! 5
sumer, daz ich iemer lobe dine tage,
trost, s6 troeste ouch mine klage.
ich sage dir waz mir wirret: der mir ist liep, dem
bin ich leit.'
Ich mac der guoten niht vergezzen noch ensol,
diu mir so vil gedanke nimet. 10
Die wile ich singen wil, so vinde ich iemer wol
ein niuwe lop daz ir gezimet.
Nu habe ir diz verguot (so lobe ich danne me):
ez tuot in den ougen wol daz man sie siht:
und daz man ir vil tugende gibt, 15
daz tuot wol in den oren. so wol ir des! so wo mir, we!
Sie frägent unde frägent aber alze vil
von miner frouwen, wer si si.
Daz müet mich so daz ichs in allen nennen wil:
so laut sie mich doch danne fri. 20
Genäde und Ungenäde, dise zwene namen
hat min frouwe beide und sint ungelich:
der eine ist arm, der ander rieh.
der mich des riehen irre, der müeze sich des armen
schämen.
Die schamelosen, liezen sie mich äne not, 25
so enhaete ich weder haz noch nit.
Nu muoz ich von in gän, also diu zuht gebot.
Walth. V. d. Vogelweide. 6. aufl. 5
6« 38 28 — 39 32
ich lA.ze in laster uride atrit.
1)6 zuht gebieten raolite, seht, dö schuof siz so:
tösent werten einem ungefftegen man, 30
unz er schone sich versan;
und muose sich versinnen: so vil was der gefüegen do.
39 (L. 119 17).
Got gebe ir iemer gnoten tac
und läze mich sie noch gesehen,
Diech minne und niht erwerben mac.
mich mtiet daz ich sie beere jehen,
Wie holt si mir entriuwen wsere, 5
und saget mir ein ander maere,
des min herze inneclichen kumber lidet iemer sit:
onwe wie süeze ein arebeit!
ich hän ein senfte unsenftekeit.
'Got hat vil wol ze mir getan, 10
Sit ich mit sorgen minnen sol,
Daz ich mich underwunden hän
dem alle liute aprechent wol.
Im wart von mir in allen gäben
ein küssen und ein umbevähen: 15
seht, do schoz mir in min herze daz mir iemer nähe lit,
unz ich getuon des er mich bat.
ich tsetez, wurde mirs diu stat.'
Ich wsere dicke gerne fro,
wan daz ich niht gesellen hän. 20
Nu sie alle trürent so,
wie möhte ichz eine denne län?
Ich mtiese ir vingerzeigen liden,
ichn wolte fröude durch sie mfden.
sus behalte ich wol ir hulde, daz siez läzen äne nit. 25
wan ich gelache niemer niht
da ez ir dekeiner siht.
Es tuot mir inneclichen we,
als ich gedenke wes man pflac
In der weiite wilent e. 30
ouwe deich niht vergezzen mac
Wie rehte fro die liute wären!
39 33 — 41 17 67
dö künde ein s»lic man gebären,
und spilte im sin herze gein der wunneclichen zit.
sol daz nimmer mer geschehen, 35
80 müet mich daz ichz hän gesehen.
40 (L. 112 3).
Mtieste ich noch geleben daz ich die rosen
mit der minneclichen solde lesen,
So wold ich mich so mit ir erkosen,
daz wir iemer friunde müesten wesen.
Wurde mir ein kus noch zeiner stunde 5
von ir roten munde,
80 waer ich an fi-öuden wol genesen.
Waz sol lieblich sprechen? waz sol singen?
waz sol wibes schcene? waz sol guot?
Sit man nieman siht nach fröuden ringen, 10
Sit man übel äne vorhte tuot,
Sit man trinwe milte zuht und ere
wil verpflegen so sere,
so verzagt an fröuden maneges muot.
41 (L. 110 27).
Wer kan nu ze danke singen?
dirre ist trüric, der ist fro:
Wer kan daz zesamene bringen?
dirre ist sus und der ist so,
Sie verirrent mich 5
und versüment sich:
wess ich waz sie wolten, daz sung ich.
Fröude und sorge erkenne ich beide:
da von singe ich swaz ich sol.
Mir ist liebe, mir ist leide. 10
sumerwunne tuot mir wol;
Swaz ich leides hän,
daz tuot zwivelwän,
wiez mir umb die lieben sül ergän.
Wol iu kleinen vogelinen! 15
iuwer wunneclicher sanc
Der verschallet gar den minen.
68 41 18 — 42 32
al diu werlt diu seit iu danc.
Also danken ir
42 (L. 42 15).
Wil aber iemen wesen frö,
daz wir iemer in den sorgen niht enlebenV
We wie tuont die jungen so,
die von fröuden selten in den lüften sweben?
lehn weiz anders weme ichz wizen sol, 5
wan den riehen wize ichz und den jungen,
die sint unbetwungen:
des stät in trüren übel und stüende in fröude wol.
Wie fro sselde kleiden kan,
daz si mir glt kumber unde hohen muot! 10
So gits einem riehen man
ungemüete: ouwe waz sol dem selben guotV
Min frou Saelde, wie si min vergaz,
daz si mir sin guot ze minem muote
niene schriet, si vil guote! 15
min kumber stüende im dort bi sinen sorgen baz.
Swer verholne swaere trage,
der gedenke an guotiu wip: er wirt erlöst;
Und gedenke an liehte tage.
die gedanke wären ie min bester tröst. 20
Gegen den vinstern tagen lide ich not,
wan daz ich mich rihte nach der beide,
diu sich schämt ir leide:
80 si den walt siht gruonen, so wirts iemer röt.
Frouwe, als ich gedenke an dich, 25
waz din reiner lip erweiter tugende pfliget,
S6 lä stän! du rüerest mich
mitten an daz herze, da diu liebe liget.
Lieb und lieber des enmein ich niht:
du bist [mir] aller liebest, daz ich meine. 30
du bist mir aleine
vor al der werlte, frouwe, swaz so mirgeschiht.
42 30 ff. wiU Braune (PBB 41, 191) mit U(E) lesen:
ez ist allerliehest, daz ich meine. Du bist mir aüeine vor
aUem liehe, frouwe, swaz joch mir geschiht.
43 1 — 44 U 69
43 (L. 117 29).
Nu sing ich als ich e sanc,
'wil aber iemen wesen fro?
Daz die riehen haben undanc,
und die jungen haben also!'
Wist ich waz in würre (daz möhten sie mir gerne 5
so hülfe ich ir schaden klagen. [sagen),
Swä so liep bi liebe lit
gar vor allen sorgen fri,
Ich wil daz diu winterzit
den zwein wol erteilet si. 10
Snmer unde winter, der zweier eren ist so vil,
daz ich beide loben wil.
Hat der winter kurzen tac,
so hat er die langen naht,
Daz sich liep bi liebe mac 15
wol erholn, daz e da vaht.
Waz hän ich geredet? ouwe ja het ich baz geswigen.
sol ich iemer so geligen?
44 (L. 97 34)
Ez waere uns allen einer hande saelden not:
daz man rehter fröude schöne pflsege als e.
Ein missevallen daz ist miner fröuden tot,
daz den jungen fröude tuot so rehte we.
War zuo sol ir junger lip, 5
da mite sie fröude solten minnen?
hei wolten sie ze fröuden sinnen,
junge man, des hülfen noch diu wip!
Nu bin ich iedoch frö und muoz bi fröuden sin
durch die lieben, swiez dar under mir ergät. 10
Min schin ist hie noch: so ist bl ir daz herze min,
daz man mich vil ofte sinnelösen hat.
Hei solten sie zesamene komen,
min lip, min herze, ir beider sinne,
• 43 1 if. Das versmass ist das gleiche wie in 59. Ich habe
beide lieder in ihrer Stellung nur belassen, um die reihenfolge
gegen die erste aufläge nicht zu verändern.
70 44 15 - 45 10
daz sie des wol wurden inne, 15
die mir dicke fröude hänt benomen!
Vor den merkaeren kan nu nieman liep geschehen:
wan ir huote twinget manegen werden lip.
Daz muoz beswsDren mich: swenn ich sie solte sehen,
so muoz ich sie miden, sie vil sa3lic wip. 20
Doch mtieze ich noch die zit geleben,
daz ich sie willic eine vinde,
so daz diu huote uns beiden swinde;
da mite wurde mir liebes vil gegeben.
Vil maneger fraget mich der lieben, wer si sl, 25
der ich diene und allez her gedienet hän.
So des betraget mich, so spriche ich 'ir sint dri,
den ich diene: so hab ich zer vierden wän.'
Doch weiz siz aleine wol,
diu mich hat sus zuo zir geteilet. 30
diu guote wundet unde heilet,
der ich vor in allen dienen sol.
Nu, frouwe Minne, kum sie minneclichen an,
diu mich twinget und also betwungen hat.
Brinc sie des inne, daz werdiu minne twingen kan. 35
waz ob minneclichiu liebe ouch sie bestätV
So möhtes ouch gelouben mir
daz ich sie gar von herzen meine,
nu, Minne, bewaere irz und bescheine,
daz ich iemer gerne diene dir. 40
45 (L. 54 37).
Ich freudehelfeloser man,
war umbe mach ich manegen frö,
Der mir es niht gedanken kan?
ouwe wie tuont die friunde so?
Ja friunt! waz ich von friunden sage! 5
het ich dekeinen, der vernseme ouch mine klage,
nun hän ich friunt, nun hän ich rät:
nu tuo mir swie du wellest, minneclichiu Minne, sft
nieman min genäde hat.
Vil minneclichiu Minne, ich hän
von dir verloren minen sin. 10
45 11 — 40 71
Du wilt gewaltecllchen gän
in minem herzen uz und in.
Wie künde ich äne sin genesen?
du wonest an siner stat, da'r inne solte wesen:
du sendest in du weist wol war, 15
dan mac er leider niht erwerben, frouwe Minne: ouwe
Genäde, frouwe Minne! ich wil [du soltest selbe dar,
dir umbe dise boteschaft
Gefüegen dines willen vil:
wis wider mich nu tugenthaft. 20
Ir herze ist rehter fröuden vol,
mit lüterllcher reinekeit gezieret wol:
erdringest du da dine stat,
so lä mich in, daz wir sie mit ein ander sprechen, mir
missegie, do ichs eine bat.
Gensedeclichiu Minne, lä: 25
war umbe tuost du mir so we?
Du twingest hie, nu twinc ouch da,
versuoche wer dir widerste.
Nu wil ich schouAven, ob du iht tügest.
dun darft niht jehen daz du in ir herze'n mügest: 30
ezn wart nie slöz so manicvalt,
daz vor dir gestüende, diebe meisterinne, tuo üf!
sist wider dich ze halt.
Frö Sselde teilet umbe sich,
und keret mir den rugge zuo.
Da enkan si niht erbarmen sich: 35
in weiz waz ich dar umbe tuo.
Si stet ungerne gegen mir:
louf ich hin umbe, ich bin doch iemer hinder ir:
sin ruochet mich niht an gesehen.
ich wolte daz ir ougen an ir nacke stüenden: so
müest ez an ir danc geschehen. 40
Wer gap dir, Minne, den gewalt,
daz du doch so gewaltic bist?
Du twingest beide junc und alt:
da für kau nieman keinen list.
Nu lob ich got, Sit diniu bant 45
72 45 46 — 46 24
mich snlen twingen, deich so rehte hän erkant
wä dienest werdellchen Ht.
da von enkume ich niemer. gnäde, frou küneginne!
lä mich dir leben mine ztt.
46 (L. 8. 184. 5. 61 33).
Ich wil nu mere üf ir genäde wesen frö,
80 verre als ich . . . immer mac.
lehn weiz ob allen liuten . . sl also:
nach eime guoten kumet mir ein so boeser tac,
Daz ich ze fröuden niht enkan. 5
so get ez an ein scheiden: des pflac ich von kinde
gerner denne ie man.
in ruoche wer min drumbe lachet:
zewäre wünschen unde wsenen daz hat mich dicke
frö gemachet.
Ich wünsche mir so werde daz ich noch gelige
bi ir so nähen deich mich in ir ouge ersehe, 10
Und ich ir also vollecllchen an gesige,
swes ich sie denne frage daz si mirs verjehe.
So spriche ich 'wildus iemer me
beginnen, du vil sselic wip, daz du mir aber . . tuost
so lachet si vil minnecliche. [s6 we?' 15
wie nu? swenn ich mir s6 gedenke, bin ich von
wünschen denne nicht riche?
Min Ungemach daz ich durch sie erliten hän,
swenn ich mit senenden sorgen also sere ranc,
Sol mich daz also kleine wider sie vervän,
hän ich getrüret äne Ion und äne danc, 20
So wil ich mich gehaben baz.
waz ob ir denne lieber ist min fröude dan min trOren?
ich wünsche ouch daz.
und eint ir denne beide unmaere,
80 spilte ich doch des einen gerner dan jenes daz gar
verloren wsere.
46 1 ff. Die ersten drei Strophen und die letzte sind nur
in E überliefert, weshalb eine einigermassen sichere herstellung
des textes nicht möglich ist. In der vierten bereut der dichter
die in der zweiten ausgesprochenen phantasieen, da sie anstoss
erregt hatten.
46 25 — 47 15 73
Mir ist min erre rede enmittenzwei geslagen: 25
daz eine halbe teil ist mir verboten gar:
Daz müezen ander liute singen unde sagen.
ich sol aber iemer miner zühte nemen war
Und wunneclicher mäze pflegen.
nmb einez, daz sie heizent ere, läze ich vil dinges
under wegen: 30
mac ich des niht me geniezen,
stet ez als übel üf der sträze, so wil ich mine tür
besliezen.
Ouwe daz mir s6 maneger missebieten sol!
daz klage ich hiute und iemer rehter hövescheit.
Ir ist doch lützel, den ir schapel ste s6 wol, 35
ichn funde in doch ein hertze werendez (?) leit,
Und wsere et von in anderswä;
wan daz ich gerne bi in bin; daz ist der schade: ich
bin et gerne da.
des muoz ich missebieten liden.
iedoch swer sine zuht behielte, dem stüende ein schapel
wol von siden. 40
47 (L. 44 11. s. 171. 2)
Min frouwe ist underwilent hie;
so guot ist si, als ich des wsene, wol;
Wan ich geschiet von ir noch nie.
ist daz ein minne dandern suochen sol,
So wirt si vil dicke eilende 5
mit gedanken als ich bin.
min lip ist hie, so wont bi ir min sin:
der wil von ir niht, dest ein ende,
nu wolt ich daz er ir nseme guote war
und min dar under niht vefgaeze. was hilfet, tuon ich
dougen zuo? so sehent sie durch min herze dar. 10
Ich lepte wol und äne nit,
wan durch der lügenaere werdekeit.
Daz wirt ein langer wernder strit:
ir liep muoz iemer sin miu herzeleit.
Ez erbarmet mich vil sere, 15
74 47 IG — 48 4
dazs als offenliche gänt
und niemen guoten unverworren länt.
unstaete, schände, Sünde, unere,
die rätent sie swä man sie hoeren wil.
ouwe daz man sie niht vermidet! daz wirt noch maneger
frouwen schade und hat verderbet heiTen vil. 20
Noch dulte ich tougenlichen haz
von einem worte daz ich wilent sprach.
Waz mac ichs, zürnents umbe dazV
ich wil jehen des ich wilent jach.
Ich sanc von der rehten minne, 25
daz si waere Sünden fri.
der valschen der gedähte ich ouch da bi,
und rieten . . mine sinne
daz ich sie hieze unminne. daz tet ich.
nu vehent mich ir undertäne. als helfe iu got, werde ich
vertriben, ir frouwen, so behaltet mich. 30
Mac ieman deste wiser sin,
daz er an siner rede vil liute hat,
Daz ist an mir kleine schin.
ez gät diu werlt wol halbe an minen rät.
Und bin ich iedoch verirret, 35
daz ich lützel hie zuo kan.
Ez mac wol helfen einem andern man,
ich merke wol daz ez mir wirret,
und wil die friunt nu baz erkennen me
die guote maere niht verkerent. wil ieman loser mit mir
reden, ichn mac, mir tuot daz honbet we. 40
48 (L. 73 23).
Die mir in dem winter fröude hänt benomen,
sie heizen wip, sie heizen man,
Disiu sumerzit diu müez in baz bekomen.
ouwe daz ich niht fluochen kan!
47 21. Diese und die folgende atrophe sind nur in E
überliefert, daher die textherstellung misslich. Es findet eine
rückbeziehung auf 3 25 statt.
48 5 — 49 2 75
Leider ich enkan niht mere 5
wan daz übel wort 'unsselic'. neinä! daz waer alze sere.
Zwene herzeliche flüeche kan ich ouch:
die flnochent nach dem willen min.
Hiure müezens beide esel und den gouch
gehoeren e si enbizzen sin. 10
We in denne, den vil armen!
wesse ich obe siez noch gerüwe, ich wolde mich durch
got erbarmen.
Man sol sin gedultic wider ungedult:
daz ist den schamelösen leit.
Swen die boesen hazzent äne sine schult, 15
daz kumt von siner frümekeit.
Troestet mich diu guote alleine,
diu mich wol getrcesten mac, so gsebe ich umbe ir niden
Ich wil al der werlte sweren umb ir lip: [kleine.
den eit sol si wol vernemen: 20
Si mir ieman lieber, maget oder wip,
diu helle müeze mir gezemen.
Hat si nu deheine triuwe,
so getrüwet si dem eide und entstet mins herzen riuwe.
Herren unde friunt, nu helfet an der zit: 25
daz ist ein ende, ez ist also:
In behalde minen minneclichen strit,
ja enwirde ich niemer rehte fro.
Mines herzen tiefiu wunde
diu muoz iemer offen sten, si enküsse mich mit friundes
mines herzen tiefiu wunde [munde. 30
diu muoz iemer offen sten, si enheiles üf und üz von
mines herzen tiefiu wunde [gründe.
diu muoz iemer offen sten, sin werde heil von Hiltegunde.
49 (L. 62 6).
Ob ich mich selben rüemen sol,
80 bin ich des ein hübescher man,
48 34. Hiltegund ist nicht der wirkliche name der ge-
liebten, sondern der dichter gibt ihr den namen mit rücksicht
auf seinen eigenen, indem er auf das Verhältnis zwischen
Walther und Hiltegund in der deutschen heldensage anspielt.
76 49 3-40
Daz ich so mange unfuoge dol,
so wol als ichz gerechen kan.
Ein klösensere, ob erz vertrüege? ich waene, er nein. 5
hset er die State als ich sie hän,
bestüende in danne ein zörnelln,
ez wurde unsanfter widertän.
wie sanfte ichz also läze sin!
daz und ouch me vertrage ich doch durch eteswaz. 10
Frouwe, ir habt mir geseit also,
swer mir beswa^re mlnen muot,
Daz ich den mache wider frö:
er schäme sich lihte und werde gnot.
Diu lere, ob si mit triuwen si, daz schine an iu. 15
ich fröuwe iuch, ir beswajret mich:
des schämt iuch, ob ichz reden getar,
lät iuwer wort niht velschen sich,
und werdet guot: so habt ir war:
vil guot Sit ir, wan daz ich guot von güete wil. 20
Frouwe, ir sIt schcene und sit ouch wert:
den zwein stet wol genäde bi.
Waz schadet iu daz man iuwer gert?
joch sint iedoch gedanke fri.
Wän unde wünsch daz wolde ich allez ledic län: 25
höveschent mine sinne dar,
waz mag ichs, gebents iu minen sanc?
des nement ir lihte niender war:
so hän ichs doch vil höhen danc.
treit iuch min lop ze hove, daz ist min werdekeit. 30
Frouwe, ir habet ein werdez tach
an iuch geslouft, den reinen lip.
Wan ich nie bezzer kleit gesach.
ir Sit ein wol bekleidet wip.
Sin unde sselde sint gesteppet wol dar in. 35
getragene wät ich nie genam:
dise na?m ich als gerne ich lebe,
der keiser wurde ir spileman,
umb also wunnecliche gebe,
da, keiser, spil! nein, herre keiser, anderswä! 40
50 1 — 51 12 77
50 (L. 63 8).
Die verzagten aller guoten dinge
wsenent daz ich mit in si verzaget:
Ich hän tröst daz mir noch fröade bringe
der ich minen knmber hän geklaget.
Obe mir liep von der geschiht, 5
so enruoche ich wes ein boeser gibt.
Nit den wil ich iemer gerne liden.
frouwe, da solt du mir helfen zuo,
Daz sie mich von schulden müezen niden,
so min liep in herzeleide tuo. 10
Schaffe daz ich frö geste:
so ist mir wol, und ist in iemer we.
Fi'iundin unde frouwen in einer wsete
wolte ich an iu einer gerne sehen,
Ob ez mir so rehte sanfte taete 15
alse mir min herze hat verjehen.
Friundin dast ein süezez wort:
doch so tiuret frouwe unz an daz ort.
Frouwe, ich wil mit hohen liuten schallen,
werdent diu zwei wort mit willen mir: 20
So läz ouch dir zwei von mir gevallen,
dazs ein keiser küme gaebe dir.
Friunt und geselle diu sint din:
80 si friundin unde frouwe min.
61 (L. 58 21).
Die zwivelaere sprechent, ez si allez tot,
ezn lebe nu nieman der iht singe.
Nu mtigen sie doch bedenken die gemeinen not,
wie al diu werlt mit sorgen ringe.
Kumpt sanges tac, man beeret singen unde sagen: 5
man kan noch wunder.
ich horte ein kleine vogelin daz selbe klagen:
daz tet sich under:
'ich singe niht, ez welle tagen'.
Die losen scheltent guoten wiben minen sanc. 10
und jehent daz ich^ir übel gedenke.
Sie pflihten alle wider mich und haben danc:
78 51 18 - nO
er si ein zage, der da wenke.
.... swer tiuschen wlben ie gespraeche baz!
wan daz ich scheide 15
die guoten von den boesen. seht, daz ist ir haz.
lobt ich sie beide
geliche wol, wie stüende daz?
Ich bin iu eines dinges holt, haz unde nit,
so man iuch üz ze boten sendet, 20
Daz ir so gerne bi den biderben . . sit,
und daz ir iuwern herren schendet.
Ir spehaere, so ir niemen Staaten müget erspehen,
den ir verkeret,
s6 hebt iuch heim in iuwer hüs; ez mnoz geschehen, 25
daz ir uneret
verlogenen munt und twerhez sehen.
Der also guotes wibes gert als ich da ger,
wie vil der tugende haben solte!
Nun hän ich leider niht da mite ich sie gewer, 30
wan obs ein lützel von mir wolte.
Zwo tugende hän ich, der sie wilent nämen war,
schäm unde triuwe.
die schadent nu beide sere. schaden nu also dar!
ich bin niht niuwe: 35
dem ich da gan, dem gan ich gar.
Ich wände daz si waere missewende fri:
nu sagent sie mir ein ander maere,
Sie jehent daz niht lebendes äne wandel si:
so ist ouch min frouwe wandelbaere. 40
lehn kan aber niht erdenken waz ir misseste,
wan ein vil kleine:
si schadet ir vinden niht, und tuot ir friunden we.
lät si daz eine,
swie vil ich snoche, ichn vindes me. 45
Ich hän iu gar gesaget waz ir missestät:
zwei Wandel hän ich iu genennet.
Nu snlt ir ouch vernemen waz si tagende hat:
der sint ouch zwo, daz irs erkennet.
Ich seit iu gerne tüsent: im ist niht me da, 50
51 51 — 52 33 79
wan schoene und ere,
die hat si beide vollecliche. 'hat si?' ja.
'waz wil si mere?
hiest wol gelobt: lobe anderswä.'
52 (L. 56 14).
Ir sult sprechen willekomen:
der iu msere bringet, daz bin ich.
Allez daz ir habt vernomen,
daz ist gar ein wint: nu fraget mich.
Ich wil aber miete: 5
wirt min Ion iht guot,
ich sage iu vil lihte daz iu sanfte tuot.
seht waz man mir eren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen
solhiu msere daz sie deste baz 10
AI der werlte snln behagen:
äne groze miete tuon ich daz.
Waz wold ich ze lone?
sie sint mir ze her:
so bin ich gefüege, und bite sie nihtes mer 15
wan daz sie mich grtiezen schone.
Ich hän lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
Übel müeze mir geschehen,
künde ich ie min herze bringen dar, 20
Daz im wol gevallen
wolde fremeder site.
nu waz hülfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gät vor in allen.
Von der Elbe unz an den RIn 25
und her wider unz an Ungerlant
So mügen wol die besten sin,
die ich in der werlte hän erkant.
Kan ich rehte schouwen
guot geläz unt lip, 30
sem mir got, so swüere ich wol daz hie diu wip
bezzer sint danne ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen.
80 52 34 - 53 17
rehte als engel sint diu wip getan.
Swer sie schildet, derst betrogen: 35
ich enkan sin anders niht verstän.
Tngent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wunne vil:
lange müeze ich leben dar inne! 40
Der ich vil gedienet hän
und ieraer mere gerne dienen wil,
Diust von mir vil nnerlän:
iedoch so tuot si leides mir so vil.
Si kan mir verseren 45
herze und den muot.
nu vergebez ir got dazs an mir missetuot.
her nach mac si sichs bekeren.
53 (L. 60 34).
Ich wil nu teilen, e ich var,
min varnde guot und eigens vil,
Daz iemen dürfe striten dar,
wan den ichz hie bescheiden wil.
AI min ungelücke wil ich schaffen jenen 5
die sich hazzes und nides gerne wenen,
dar zuo min nnsaelikeit.
mine swaere
haben die lügenaere.
min unsinnen 10
schaff ich den die mit valsche minnen,
den frouwen nach herzeliebe senendiu leit.
Nu bitet, lät mich wider komen.
ich weiz der wibe willen wol:
Ich hän ein maere von in vernomen, 15
da mite ich manege erwerben sol.
Ich wil lip und ere und al min heil verswern:
53 1 ff. Wir werden uns diese beiden Strophen so vor-
getragen denken müssen, dass sich der dichter, nachdem er
mit der ersten fertig ist, zum Weggang wendet, dann aber
wieder umkehrt und von neuem beginnt. Ein lied in dem
gleichen tone siehe unter 95.
53 18 — 54 10 81
wie künde sich deheiniu danne min erwern?
nein ich weizgot, swaz ich sage.
got der solte 20
rihten, obe er wolte,
die so swüeren,
daz in diu ougen üz gefüeren
und sich doch einest stiezen in dem tage.
Mir ist liep daz si mich klage 25
ze mäze als ez ir schone ste;
Ob man ir maere von mir sage,
daz ir da von sl sanfte we.
Si sei iemer mere durch den willen min
nngefüege swaere und fröude läzen sin: 30
daz stet senenden frouwen wol,
als ichz meine.
dar ahtent jene vil kleine,
die sich des flizent
daz sie den munt so sere bizent 35
54 (L. 39 1).
Uns hat der winter geschat über al:
heide unde walt diu sint beidiu nu val,
da manic stimme vil suoze inne hal.
ssehe ich die megde an der sträze den bal
werfen! so kaeme uns der vögele schal. 5
Möhte ich versläfen des winteres zit!
wache ich die wile, s6 hän ich sin nit,
daz sin gewalt ist so breit und so wit.
weizgot er lät doch dem meien den strit:
s6 lise ich bluomen da rife nu lit. 10
54 1. E lässt die folgenden beiden Strophen vorangehen:
Wölt der winter schier zer gan so liez ich alle min sorge die ich
han anders hat er mir niht getan wenne daz er lenget den
liehen wan mir sol ein fravide mitten in dem meyen enstan.
Ich wünsche daz der winter zerge wenne er en hat fratide niht
me wenne kalten ivint und dor zuo regen unde sne daztuotden
äugen unsanfte we selic si gruene laup unde cle. Auf 54 10
folgt dann : Swaz mir nu unrret des wirt allez rat svne mir der
Walter v. d, Vogelweide. 5. aufl. ß
82 55 1 " 32
5o (L. 75 25).
Diu werlt was gelf, rot unde blä,
grüen in dem walde und andei'swä:
die kleinen vögele sungen da.
nu schriet aber diu nebelkrä.
pfligt si iht ander varweV ja: 5
Bist worden bleich und übergrä.
des rimpfet sich vil manic brä.
Ich saz üf eime grüenen le:
da ensprungen bluomen unde kle
zwischen mir und eime se. 10
der ougenweide ist da niht me.
da wir schapel brächen e,
da lit nu rife und ouch der sne.
daz tuet den vogelinen we.
Die toren sprechent 'sniä sni', 15
die armen liute 'ouwe ouwi'.
des bin ich swiere alsam ein bli.
der wintersorge hän ich dri:
swaz der und der andern si,
der wurde ich alse schiere fri, 20
waer uns der sumer nähe bi.
ß danne ich lange lebt also,
den krebz wolt ich e ezzen ro.
sumer, mache uns aber frö.
du ziertest anger unde 16. 25
mit den bluomen spilte ich do,
min herze swebte in sunnen ho:
daz jaget der winter in ein stro.
Ich bin verlegen als fisaü:
min sieht här ist mir worden rü. 30
stiezer sumer, wä bist du?
ja saehe ich gerne veltgebü.
muot bi der erden nu stat noch Tcummet die zit daz er in die
sunnen gat tuot man daz man mir gelobet hat oive wie hohe
denne 'min hertze stat. 55 1. Ueber dies lied vgl. Bechstein,
Germ. XV, 434. Giske, Zschr. f. deutsche Phil. XV, 66. Horne-
mann, Germ. XXIX, 42. 55 32. Vgl. E. Schröder, ZfdA
46, 90 (schwerlich richtig).
55 33 — 57 11 - 83
e daz ich lange in solher drü
beklemmet wsere als ich bin nu,
ich wurde e münech ze Toberlü. 35
56 (L. 114 23).
Der rife tet den kleinen vogelen we,
daz sie niht ensnngen.
Nu hoer ichs aber wunneclich als e,
nu ist diu beide entsprungen.
Da sach ich bluomen striten wider den kle, 5
weder ir lenger waere.
miner frouwen seit ich disiu msere.
Uns hat der winter kalt und ander not
vil getan ze leide.
Ich wände daz ich iemer bluomen rot 10
gessehe an grüener beide.
Ja schatte ez guoten liuten, waere ich tot,
die nach fröuden rungen
und die gerne tanzten unde Sprüngen.
Versümde ich disen wunneclichen tac, 15
80 wser ich verwäzen
Und waere mir ein ewecllcher slac.
dennoch müese ich läzen
AI mine fröude der ich wilent pflac.
got gesegen iuch alle: 20
wünschet noch daz mir ein heil gevalle.
57 (L. 94 11).
Do der sumer komen was
und die bluomen durch daz gras
wunneclichen Sprüngen,
aldä die vögele sungen,
dö kom ich gegangen 5
an einen anger langen,
da ein lüter brunne entspranc:
vor dem walde was sin ganc,
da diu nahtegale sanc.
Bi dem brunnen stuont ein boum: 10
da gesach ich einen troum.
84 57 12 — 58 3
ich was von der sunnen
gegangen zuo dem brunnen,
daz diu linde ma^re
mir ktielen schaten bajre. 15
bl dem brunnen ich gesaz,
miner sorge ich gar vergaz,
schiere entslief ich umbe daz.
Do bedühte mich zehant
wie mir dienten älliu laut, 20
wie min sele wsere
ze himel äne swsere,
und der lip solte
gebären swie er wolte.
däne was mir niht ze we. 25
got der Waldes, swiez erge:
schcener troum enwart nie me.
Gerne sliefe ich iemer da,
wan ein unsseligiu krä
diu hegende schrien. 30
daz alle krä gedien
als ich in des gunne!
si nam mir michel wunne.
von ir schrienne ich erschrac.
wan daz da niht steines lac, 35
so wser ez ir suontac.
Wan ein wunderaltez wip
diu getroste mir den llp.
die begond ich eiden.
nu hat si mir bescheiden 40
waz der troum bediute.
daz merket, lieben liute:
zwene und einer daz sint drl;
dannoch seite si mir da bi
daz min düme ein vinger si. 45
58 (L. 43 9).
Ich hoere iu so vil [der] tugende jehen,
daz iu min dienest iemer ist bereit.
Enhset ich iuwer niht gesehen,
58 4 — 59 4 85
daz schatte mir an miner werdekeit.
Nu wil ich [iemer] deste tiurre sin, 5
und bite iuch, frouwe, daz ir iueh underwindet min.
ich lebete gerne, künde ich leben:
min wille ist goot, nu bin ich tump: nu sult ir mir
'Kund ich die mäze als ich enkan, [die mäze geben,
so wsere ich zer werlte ein sselic wip. 10
Ir tuot als ein wol redender man,
daz ir so hohe tiuret miuen lip.
Ich bin noch tumber danne ir sit.
waz dar umbe? doch wil ich scheiden disen strit.
tuot ir alrerst des ich iuch bite, 15
und saget mir der manne muot: so lere ich iuch der
Wir wellen daz diu staetekeit [wibe site.'
in guoten wiben gar ein kröne si.
Kunnet ir mit zühten sin gemeit,
80 stet diu lilje wol der rosen bi. 20
Nu merket wie der linden ste
der vögele singen, dar under bluomen unde kle:
noch baz stet wiben werder gruoz.
ir minneclicher redender munt der machet daz man'n
küssen muoz.
'Ich sage iu wer uns wol behaget: 25
der beide erkennet übel unde guot
Und ie daz beste von uns saget,
dem sin wir holt, ob erz mit triuwen tuot.
Kan er ze rehte ouch wesen fro
und sin gemüete ze mäze tragen nider und hö, 30
der mac erwerben swes er gert:
welch wip verseit im einen vaden? guot man ist
guoter siden wert.'
59 (L. 118 12).
Wer gesach ie bezzer jär?
wer gesach ie schcener wip?
Daz entroestet niht ein här
einen unsaeligen lip.
59 1. S. zu 43 1.
86 59 5 — 60 27
Wizzet, swera der anegenget an dem morgen fruo, 5
deme get ungelücke zuo.
Ich wil einer helfen klagen,
der ouch froude zseme wol,
Daz in also valschen tagen
schoene tugent Verliesen sol. 10
Hie vor wser ein land gefrönt umb ein so schoene wip:
waz sol der nu schoener llp?
60 (L. 121 33).
Die grisen w ölten michs überkomen,
diu werlt gestüende trüreclicher nie
Und hete an fröuden abe genomen.
doch streit ich zornecliche wider sie,
Sie möhtens wol gedagen, 5
ez wurde niemer war.
mir was ir rede swär.
sus streit ich mit den alten:
die hänt den strit behalten
nn lenger denne ein jär. 10
Min ouge michel wunder siht,
die ez vil wirs verdienen kunnen denn ich,
Daz den so schoene heil geschiht.
ouwe Werlt, wie kumt ez urabe dich!
Ist got solch ebensere? 15
er git dem einen sin,
dem andern gewin:
so waene ich also maere
ein richer töre wsere
so rieh ich armer bin. 20
Hie vor, dös alle wären fro,
do wolte nieman hoeren mine klage:
Nu ist sumelichen so
daz sie mir wol gelouben swaz ich in sage.
Nu müeze got erwenden 25
unser arebeit,
und gebe uns sselekeit,
60 5 gedagen ist eine Verderbnis: es wird ein reim auf
alten verlangt.
60 28 — 6134: 87
daz wir die sorge swenden.
ouwe möht ichz verenden!
ich hän ein sunder leit. 30
61 (L. 90 15).
Ane liep so manic leit,
wer möhte daz erliden iemer me?
Waer ez niht unhövescheit,
80 wolt ich schrien 'se, gelücke, se!'
Gelücke daz enhoeret niht 5
und selten ieman gerne siht,
swer triuwe hat.
ist ez also, wie sol min [danne] iemer werden rät?
We wie jämerlich gewin
tegelich vor minen ougen vert! 10
Deich so gar ertoeret bin
mit miner zuht, und mir daz nieman wert!
Mit den getriuwen alten siten
ist man nu zer werlte versniten,
er unde guot 15
hat nu lützel ieman wan der tibele tuot.
Daz die man als tibele tuont,
dast gar der wibe schult: dest leider so.
Hie vor, do ir muot üf ere stuont,
dö was diu werlt üf ir genäde fro. 20
Hei wie wol man in do sprach,
do man die fuoge an in gesach!
nu siht man wol
daz man ir minne mit unfuoge erwerben sol.
Lät mich zuo den frouwen gän: 25
80 ist daz min aller meiste klage,
So ich ie mere zühte hän,
so ich ie minre werdekeit bejage.
Sie swachent wol gezogenen lip,
ezn 8i ein wol bescheiden wip: 30
der meine ich niht:
diu schämt sich des, swä iemer wibes schäme geschiht.
Keiniu wip und guote man,
swaz der lebe, die müezen sselic sin.
88 61 35 — 62 31
Swaz ich den gedienen kan, 35
daz tuon ich, daz sie gedenken min.
Hie mite so künd ich in daz:
diu werlt enste danne schiere baz,
BÖ wil ich leben
so ich beste mac und minen sanc üf geben. 40
62 (L. 44 35).
Die herren jehent, man sülz den frouwen
wizen daz diu werlt so ste.
sie sehent niht froelich üf als e,
sie wellent alze nider schouwen.
Ich habe ouch die rede gehceret: 5
sie sprechent, daz in ■?.' ude stoeret,
sie sin me dan halbe verzaget
Beidiu libes unde guotes,
niemen helfe in hohes muotes.
wer sol rihten? hiest geklaget. 10
Ein frouwe wil ze schedeliche
schimpfen, ich habe üz gelobet,
si tumbet, obe si niht entobet.
Jon wart ich lobes noch nie s6 riebe.
Törst ich vor den wandelbseren,
so lobte ich die ze lobenne wseren.
des enhaben deheinen muot,
lehn gelobe sie niemer alle,
swiez den losen missevalle,
siene werden alle guot. 20
Ich weiz sie diu daz nit ennidet,
daz man nennet reiniu wlp.
s6 rehte reine sost ir lip,
daz si der guoten lop wol lidet.
Er engap ir niht ze kleine, 25
der sie geschuof, schcene unde reine,
der diu zwei zesamne sloz.
Wie gefnoge er künde sliezen!
er solt iemer bilde giezen,
der daz selbe bilde göz. 30
Sich krenkent frouwen unde pfaifen,
62 32 - 63 26 89
daz sie sich niht scheiden länt.
die den verschampten bi gestänt,
die wellent lihte ouch mit in schaffen.
35
we daz zwen als edele namen
Mit den schamelosen werbent!
sicherliche sie verderbent,
siene wellens sich erschamen. 40
63 (L. 47 36).
Hie vor, do man so rehte minneclichen warp,
do wären mine Sprüche fröuden riche :
Sit daz diu minnecliche minne also verdarp,
Sit sanc ouch ich ein teil unminnecliche.
lemer als ez danne stät, 5
also sol man danne singen,
swenne unfuoge nu zergät,
80 sing aber von höfschen dingen,
noch kumpt fröude und sanges tac:
wol im, ders erbeiten mac! 10
derz gelouben wolte,
so erkande ich wol die fuoge, wenn unde wie man
singen solte.
Zwo fuoge hän ich doch, swie ungefüege ich si,
der hän ich mich von kinde h^ vereinet:
Ich bin den fron bescheidenlicher fröude bi, 15
und lache ungerne swä man bi mir weinet.
Durch die liute bin ich fro,
durch die liute wil ich sorgen:
ist mir anders danne also,
waz dar umbe? ich wil doch borgen. 20
swie sie sint so wil ich sin,
daz sie niht verdrieze min.
manegem ist unmsere
swaz einem andern werre: der si ouch bi den liuten
swaere.
Ich sage iu waz uns den gemeinen schaden tuot: 25
diu wip gelfchent uns ein teil ze sere.
90 63 27 — 60
Daz wir in also liep sfn übel alse guot,
seht, daz geliehen nimet uns fröude und ere.
Schieden uns diu wip als e,
daz sie sich ouch liezen scheiden, 30
daz gefrumte uns iemer me,
mannen unde wiben, beiden,
waz stet übel, waz stet wol,
Sit man uns niht scheiden sol?
edeliu wip, gedenket 35
daz ouch die man waz kunnen : gelichents iuch, ir Sit
gekrenket.
Wip muoz iemer sin der wlbe höchste name,
und tiuret baz dan frouwe, als ichz erkenne.
Swä nn deheiniu si diu sich ir wipheit schäme,
diu merke disen sanc und kiese denne. 40
Under frouwen sint unwip,
under wiben sint sie tiure.
wibes name und wlbes lip
die sint beide vil gehiure.
swiez umb alle frouwen var, 45
wip sint alle frouwen gar.
zwivellop daz hoenet,
als under wllen frouwe: wip dest ein name ders alle
krcenet.
Ich sanc hie vor den frouwen umbe ir blözen gruoz:
den nam ich wider mime lobe ze löne. 50
Swä ich des geltes nu vergebene warten muoz,
da lobe ein ander, den sie grüezen schone.
Swä ich niht verdienen kan
einen gruoz mit mime sänge,
dar ker ich vil herscher man 55
minen nac oder ein min wange.
daz kit 'mir ist umbe dich
rehte als dir ist umbe mich.'
ich wil min lop keren
an wip die kunnen danken: waz hän ich von den
tiberheren? 60
64 1-38 91
64 (L. 4t 13).
Ich bin als unschedeliche frö,
daz man mir wol ze lebenne gan.
Tougenliche stät min herze ho:
waz touc zer werlte ein rüemic man?
We den selben die so manegen schoenen lip 5
habent ze boesen mseren bräht!
wol mich, daz ichs hän gedäht!
ir sult sie miden, guotiu wip.
Ich wil guotes mannes werdekeit
vil gerne höeren unde sagen. 10
Swer mir anders tuot, daz ist mir lelt:
ich wilz ouch allez niht vertragen.
Rüemsere nnde lügensere, swä die sin,
den verbiute ich minen sanc,
und ist äne minen danc, 15
obs also vil geniezen min.
Maneger trüret, dem doch liep geschiht:
ich hän aber iemer hohen muot.
Und enhabe doch herzeliebes niht.
daz ist mir also lihte guot. 20
Herzeliebes, swaz ich des noch ie gesach,
da was herzeleide bi.
liezen mich gedanke fri,
son wiste ich niht umb ungemach.
Als ich mit gedanken irre var, 25
so wil mir maneger sprechen zuo :
So swig ich und läze in reden dar.
waz wil er anders daz ich tuo?
Hete ich ougen oder oren danne da,
So kund ich die rede verstän: 30
swenn ich ir beider niht enhän,
son kan ich nein, son kan ich ja.
Ich bin einer der nie halben tac
mit ganzen fröaden hat vertriben.
Swaz ich fröuden ie da her gepflac, 35
der bin ich eine hie beliben.
Nieman kan hie fröude vinden, si zerge
sam der liehten blnomen schin:
92 64 39 — 65 IG
da von sol daz herze min
niht senen nach valschen fröuden me. 40
65 (L. 111 22).
Ein man verblutet äne pfliht
ein spil, d6s im nieman wol gevolgen mac.
Er gihet, swenne ein wip ersiht
sin ouge, daz si si sin österlicher tac.
Wie waere uns andern liuten so geschehen 5
selten wir im alle siues willen jehen?
ich bin der imez versprechen muoz:
bezzer wsere miner frouwen senfter gruoz.
deist mates buoz.
'Ich bin ein wip da her gewesen 10
so stsßte an eren und ouch also wol gemuot:
Ich trüwe ouch noch vil wol genesen,
daz mir mit solhem steine nieman [keinen] schaden tuot.
Swer küssen hie ze mir gewinnen wil,
der werbe ez mit fuoge und ander spil. 15
ist daz ez im wirt iesä,
65 1. Parodie zweier Strophen Eeinmars. 1 (MF 159, 1)
Ich wirhe umb allez daz ein man ze werltJ teilen fröuden iemer
haben sol. daz ist ein wip der ich enkan nach ir vil
grözen werdekeit gesprechen tvol. lob ich si so man ander
frouwen tuot, dazn nimet eht disiu von mir niht für guot.
doch swer ich des, sist an der stat dazs üz iviplichen
tugenden nie fuoz getrat. daz ist in mat. 2 (MF 159, 37)
Und ist daz mirs min scelde gan deich ab ir wol redendem
munde ein küssen mac versteln, git got daz ich ez bringe dan,
so wil ichz tougeiüiclie tragen und iemer Jieln. und ist daz siz
für gröze swcere hat und vehet mich durch mine missetät.
waz tuon ich danne, unsodic man ? da hebe ichz üf und legez
hin wider da ichz da nam, als ich wol kan. Ausserdem
bezieht sich Walther auf ein anderes lied Eeinmars, in welchem
die zeile vorkommt (MF 170, 19) si ist min österlicher tac.
Er scheint die äusserungen Reinmars nicht genau im gedächtnis
gehabt zu haben, denn die parodie passt nicht recht. Vielleicht
ist in z. 4 zu lesen daz daz si sin österlicher tac. Als er-
widerung ßeinmars auf Walthers angriff ist vielleicht zu fassen
MF 197, 3: Waz unmäze ist daz, ob ich des hän gesworn, daz
si mir lieber si dan elliu wip?
65 17 — 66 30 93
er muoz sin iemer sin min diep, und habe imz da
und anderswä.'
66 (L. 64 30).
Ouwe, hovelichez singen,
daz dich ungefüege dcene
Selten ie ze hove verdringen!
daz die schiere got gehoene!
Ouwe daz din wirde also geliget! 5
des sint alle dine friunde unfro.
daz muoz eht also sin: nu si also:
fro Unfuoge, ir habt gesiget.
Der uns fröude wider brajhte
diu reht und gefüege waere, 10
Hei wie wol man des gedsehte
8wä man von im seite msere!
Ez wser ein vil hovelicher muot,
des ich iemer gerne wünschen sol.
frouwen unde herren zseme es wol. 15
ouwe daz ez nieman tuot!
Die daz rehte singen stoerent,
der ist ungeliche mere
Danne die ez gerne hoerent.
doch volg ich der alten lere: 20
Ich enwil niht werben zuo der mül,
da der stein so riuschend umbe gät
und daz rat so manege unwfse hat.
merket wer da harpfen stil.
Die so frevellichen schallent, 25
der muoz ich vor zorne lachen,
Dazs in selben wol gevallent
mit als ungefüegen Sachen.
Die tuont sam die frösche in eime se,
den ir schrien also wohl behaget, 30
66 1 ff. Unter den ungevüegen dornen, gegen welche sich
dies lied wendet, werden trotz Lachmanns Widerspruch die
tanzweisen Neidhards von Reuental zu verstehen sein, die
eine kunstmässige, zum teil parodierende nachbildung der
bäurischen tanzheder wajen.
94 66 31 67 3
daz diu nahtegal dfi von verzaget,
80 si gerne sunge nie.
Swer Unfuoge swlgen hieze,
waz man noch von fröuden sunge !
Und sie ab den bürgen stieze, 35
daz si da die frön niht twunge.
Wurden ir die grozen höve benomen,
daz wxT allez nach dem willen min.
bi den gebüren lieze ich sie wol sin:
dannen ists ouch her bekomen. 40
67 (L. 8 4).
Ich horte diu wazzer diezen
und sach die vische fliezen;
ich sach swaz in der werlte was,
67 1 ff. Der sprach ist gedichtet, nachdem Philipp voii
Schwaben als kandidat für die deutsche königskrone aufgetreten
war, aber vor seiner krönung. Am 15. februar 1198 erklärte
sich derselbe in Nordhausen zur annähme einer wähl bereit
(Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto der IV, I, 66), am
8. märz ward er zu Mühlhausen gewählt (ib. 69), am 8. September
zu Mainz gekrönt. Genauer setzt Burdach (Walther 217)
den Spruch in die letzten tage des juni, dagegen Wilmanns
(ZfdA 45, 427) noch vor die wähl Philipps. Die armen Jcünege
in z. 23 hat man früher immer auf die gegenkandidaten bezogen,
von denen sich keiner in bezug auf reichtum mit Philipp messen
konnte (vgl. Winkelmann I, 50 und 66 anm. 1). Dabei macht es
allerdings eine Schwierigkeit, dass dieselben (Berthold von
Zähringeu, Bernhard von Sachsen, Otto von Poitou), nach
einander, nicht gleichzeitig aufgestellt sind. Eine andere deutung
ist vorgebracht von Eoe^he, ZfdA 44, 116 und von Burdach,
der dieselbe in der zweiten Untersuchung seines Walther-
buches sehr eingehend zu begründen versucht. Beide nehmen
an, dass unter den armen königen wie in lateinischen quellen
unter reguli die als dem kaiser untergeordnet gedachten
dem reiche benachbarten könige zu verstehen seien. Gegen
diese von vielen beifällig aufgenommene ansieht spricht aber,
dass eine solche hineinziehung des ausländes im vorhergehenden
auf keine weise vorbereitet ist, und namentlich der deutliche
gegensatz zwischen Fhüippe setze en iceisen üf und heiz si£
treten hituler sich, wodurch letzteres als ein zurücktreten von
dem anpruch auf die kröne gekennzeichnet ist, so dass es
sehr begreiflich ist, dass früher niemand auf eine andere auf-
fassung gekommen ist (vgl. auch Symons, Album-Kern 183).
67 4 - 30 95
velt walt loup rnr iinde gras,
swaz kriuchet unde fliuget 5
und bein zer erde biuget.
daz sach ich, unde sage in daz:
der deheinez lebet äne haz.
daz wilt und daz gewürme
die stritent starke stürme, 10
sam tuont die vogel under in;
wan daz sie habent einen sin :
si diuhten sich ze nihte,
si enschüefen starc gerihte.
sie kiesent künege unde reht. 15
sie setzent herren unde kneht.
so we dir, tiuschiu zunge,
wie stet din ordenunge,
daz nu diu mugge ir künec hat,
und daz din ere also zergät! 20
bekerä dich, bekere.
die cirken sint ze here,
die armen künege dringent dich;
Philippe setze en weisen üf, und heiz sie treten hinder
Ich sach mit minen ougen [sich. 25
manne und wibe tougen,
daz ich gehörte und gesach
swaz iemen tet, swaz iemen sprach.
ze Rome horte ich liegen,
zwene künege triegen. 30
Die cirken (cirkel) in 22 sind bisher als die stirnreife der
deutschen fürsten gefasst, so auch noch von Burdach a. a. o.
Dagegen bezieht sie derselbe in den Sitz.-ber. der Berliner
akad. 1902, s. 897 auf die krönen der ausländischen könige,
indem er behauptet, dass die reichsfürsten um diese zeit noch
keine stirnreife getragen hätten. Gegen diese behauptung vgl.
Dieterich, Lit.-bl. 1903, 279.
25 ff. Das gedieht ist einige zeit nach dem banne des
papstesinnocenz III. über Philipp entstanden, der am 29. Juni 1201
durch den kardinal Guido von Präneste zu Köln verkündet
wurde (vgl. 0. Abel in der ZfdA IX, 138 ff). Es gibt eine
kurze Übersicht über den gang des kampfes zwischen Otto
und Philipp, die mit den beiden königen in z. 30 gemeint sind
(anders Abel, der darunter Philipp und Friedrich versteht).
9ö 67 31 — 55
da von huop ßich der meiste strit
der 6 was oder iemer sit,
do sich begunden zweien
pfaffen unde leien.
daz was ein not vor aller not: 35
llp unde sele lac da tot.
die pfaffen striten sere;
doch wart der leien mere.
diu swert leiten sie dernider,
und griffen zuo der stole wider: 40
sie bienen die sie wolten,
und niht den sie selten.
do störte man diu goteshüs.
ich horte verre in einer klüs
vil michel ungebaere : 45
da weinte ein klosenaere,
er klagete gote siniu leit:
'ouwe der bähest ist ze junc: hilf, herre, dlner
Ich saz Üf eime steine, [kristenheit.'
und dahte bein mit beine; 50
dar üf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mine haut gesmogen
daz kinne und ein min wange.
do dähte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben: 55
41. die sie wolten Philipp und seine anhänget, 42. den sie
solten Otto. 46. Der Hösencei-e erscheint noch 75 40 und 79 73 als
Vertreter der schlichten frömmigkeit, die von der geistlichkeit
verlangt, dass sie lediglich auf das geistige wohl der kirche
bedacht sei und sich nicht in weltliche angelegenheiten ein-
mische. Es ist dabei gewiss an keine bestimmte persönlichkeit
zu denken wie von J. Grimm und von Opel in seiner schritt
Mm guoter klösencere (Halle 1860) angenommen ist. Verfehlt
ist auch H. Domanig, Der Klösencere Walthers von der Vogel-
weide, Paderborn 1889 (vgl. Behaghel, Germania XXXV, 199).
S. jetzt auch Schönbach, Erklärung altd. dichter, s. 3. 49 ff. Die
Schilderung der zustände passt nicht bloss auf die zeit kurz
nach dem Tode Heinrichs VI., in die man den spruch gewöhnlich
setzt, sondern eben so gut auf die spätere des kampfes zwischen
Philipp und Otto. In der im anfang geschilderten Stellung ist
Walther in der Pariser und Weingartner handschrift abgebildet.
67 56 — 68 15 97
deheinen rät kond ich gegeben,
wie man drin dinc erwürbe,
der deheinez niht verdürbe.
diu zwei sint ere nnd varnde guot,
der ietwederz dem andern schaden tnot, 60
daz dritte ist gotes hulde, «i
der zweier Überguide,
die wolte ich gerne in einen schrin.
ja leider desn mac niht gesin,
daz guot und wertlich ere 65
und gotes hulde mere
zesamene in ein herze komen.
stig unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der säze,
gewalt vert üf der sträze; 70
fride unde reht sint sere wunt.
diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden
[e gesunt.
68 (L. 18 29).
Diu kröne ist elter danne der ktinec Philippes si;
da müget ir alle schouwen wol ein wunder bi,
wies ime der smit so ebene habe gemachet.
Sin keiserlichez houbet zimt ir also wol,
daz sie ze rehte nieman guoter scheiden sol. 5
ir dewederz da daz ander niht enswachet
Sie lachent beide ein ander an,
daz edel gesteine wider den jungen stiezen man.
die ougenweide sehent die fürsten gerne.
swer nu des riches irre ge, 10
der schouwe wem der weise ob sime nacke ste:
der stein ist aller fürsten leitesterne.
Do Friderich üz Osterriehe also gewarp,
daz er an der sele genas und im der lip erstarp,
dö fuort er mine kranechen trite in derde. 15
68 1 ff. bezieht sich höchst wahrscheinlich auf die erste
krönung Philipps (zweifelhaft ob 15. august oder 8. sept. 1198).
Die Schilderung deutet auf anwesenheit Walthers. 13. Fried-
rich starb am 15. oder 16. april iu Palästina.
Walth. V. d. Vuyelweido. 5. aufl. 7
9B 68 16- 38
Do gieng ich slichend als ein pfäwe swar ich gie,
daz houbet hanht ich nider unz üf miniu knie:
nu rihte ich ez üf nach vollem werde.
Ich bin wol ze finie komen,
mich hat daz riche und ouch diu kröne an sich 20
wol üf, swer tanzen welle nach der gigen! [genoraen.
mir ist miner swsere buoz:
erste wil ich ebene setzen minen fuoz
und wider in ein hohgemtiete stigen.
Ez gienc eins tages als unser herre wart gebom 25
von einer maget dier im ze muoter häte erkorn,
ze Megdeburc der künec Philippes schöne.
Da gienc eins keisers bruoder und eins keisers kint
in einer wät, swic doch die namen drige sint:
er truoc des riches zepter und die kröne. 30
Er trat vil lise, im was niht gäch:
im sleich ein höhgeborniu küneginne nach,
rös äne dorn, ein tübe sunder gallen.
diu zuht was niener anderswä:
die Düringe und die Sahsen dienden also da, 35
daz ez den wisen muoste wol gevallen.
Philippes künec, die nähe spehenden zihent dich,
dun slst niht dankes milte: des bedunket mich
20. daz rtche und oiieh diu h-öne] gemeint ist könig Philipp.
25 ff. bezieht sich auf die Weihnachtsfeier im jähre 1199, vgl.
Winkelmanu I, 148. 29. Die drei namen sind künec, keisers
hruoder, keisers kint. 33. Attribute, die sonst der Jungfrau
Maria gegeben werden, legt der dichter hier der gemahlin
Philipps bei, weil sie in Deutschland den namen Maria führte,
was sich anderweitig erst seit dem Jahre 1208 nachweisen lässt.
Sie war die tochter des byzantinischen kaisers Isaak, und ihr
eigentlicher name war Irene. 87 ff. An freigebigkeit Hess es
Philipp nach den sonstigen Zeugnissen, die wir darüber haben,
nicht fehlen. Wenn es Walther hier und 70 a 1 noch nötig findet,
ihn dazu zu ermahnen, so rauss er starke anspräche gestellt
haben. Er vertritt dabei die allgemeinen anschaunngen der
dichter des mittelalters , für die masslose freigebigkeit zum
idealbilde eines fürsten gehört. Uebrigens ist der rat beide
mal ganz allgemein gehalten, und nirgends angedeutet, dass
Walther für sich selbst oder für einen bestimmten fürsten
grössere freigebigkeit beansprucht.
68 39 — 69 2 99
wie du da mite verliesest michels mere.
Du möhtest gerner danke s geben tüsent pfunt, 40
dan drizec tüsent äne danc. dir ist niht kunt
wie man mit gäbe erwirbet pris und ere.
Denk an den muten Salatin:
der jach daz küneges hende dürkel solten sin:
so wurden sie erforht und ouch geminnet. 45
gedenke an den von Engellant,
wie tiure man den löste durch sine muten haut.
ein schade ist guot, der zwene frumen gewinnet.
Der in den oren siech von ungesühte si,
daz ist min rät, der läz den hof ze Düringen fri: 50
wan kumet er dar, deswär er wirt ertoeret.
Ich hän gedrungen unz ich niht me dringen mac.
ein schar vert üz, diu ander in, naht unde tac.
groz wunder ist daz iemen da gehceret.
Der lantgräve ist so gemuot 55
daz er mit stolzen helden sine habe vertuet,
der iegeslicher wol ein kempfe wsere.
mir ist sin höhiu fuore wol kunt:
und gulte ein fuoder guotes wines tüsent pfunt,
da stüende doch niemer ritters becher laere. 60
69 (L. 20 16. 148).
Ob ieman spreche, der nu lebe,
daz er gessehe ie grcezer gebe,
46. Richard Löwenherz ist gemeint, der für ein lösegeld
von 150000 mark aus der gefangen Schaft Heinrichs VI befreit
wurde. Er war das ideal der spielleute seiner zeit. Roger
von Hoveden sagt von ihm: de regno Francorum cantores et
joculatores mwieribus allexerat, ut de illo canerent inplateis;
etjam dicehatur ubique, quod non erat talis in orhe. 49 ff. Vgl.
Einl. 8. 11. Von einer klage des dichters. dass sein anklopfen
am thüringischen hofe nichts helfe (vgl. Lachmann, anm.) steht
nichts in der Strophe. 52. Ueber das dringen bei hofe vgl.
R. Hildebrand , Germania X , 143. 69 1 ff. Zu diesem tone
vgl. Roethe, ZfdA 57, 130, dessen willkürlichen textänderungeu
ich nicht folgen kann. Die erste Strophe bezieht sich auf ein
grosses fest in Wien, vielleicht den ritterschlag Leopolds VII
(28. mai 1200), wozu der ausdruck den jungen fUrsten am besten
passt; Leopold war damals 24 jähre alt. Ausserdem kann aber
100 69 3 — 30
als wir ze Wiene haben durch ere empfangen?
Man sach den jnngen fürsten geben,
als er niht langer wolte leben: 5
da wart mit guote wunders vil begangen.
Man gap da niht bi drizec pfunden,
wan Silber, als ez waere funden, .
gab man hin und riche wät.
ouch hiez der fürste durch der geraden hulde 10
die malhen von den stellen laeren.
ors, als ob ez lember waeren,
vil maneger dan gefüeret hat.
ezngalt da nieman siner alten schulde:
daz was ein minnecllcher rät. 15
Mir ist verspart der sselden tor;
da sten ich als ein weise vor:
mich hilfet niht swaz ich dar an geklopfe.
Wie möht ein wunder groezer sin?
ez regent bedenthalben min, 20
daz mir des alles niht enwirt ein tropfe.
Des fürsten milte üz Osterriche
fröut dem süezen regen gellche
beidiu Mute unt ouch daz laut.
er ist ein schoene wol gezieret beide, 25
dar abe man bluomcn brichet wunder.
und brauche mir ein blat dar under
sin vil milte richiu haut,
80 möhte ich loben die süezen ougenweide.
hie bi si er an mich gemant. 30
auch die vennählungsfeier Leopolds im november 1203 in be-
tracht kommen, um welche zeit sich Walther nach ausweis der
reiserechnungen Wolfgers sicher in Oestreich aufhielt. Anderer
ansieht sind Simrock und Nagele (Germ XXIV, 162).
11. Vgl. Bech, Germ. 32, 117 und Wallner, ZfdA 39, 429.
Anders H. Fischer, ZfdA 49, 157. 14. Walther spielt
hier wol auf sein eigenes früheres vergehen gegen den herzog
an, vgl. einl. s. 4. 16 ff. Diese und die folgende strophe sind
nicht datierbar. Schwerlich aber sind sie verfasst, bevor
Walther überhaupt von Wien geschieden war, eher bei einem
späteren besuche und zwar beide wol nicht bei dem gleichen.
69 3L — 47 101
Der hof ze Wiene sprach ze mir:
'Walther, ich solte lieben dir,
nii leide ich dir: daz müeze got erbarmen.
Min wirde diu was wilent groz:
do lebte niender min genoz, 35
wan künec Artüses hof: so we mir armen!
Wä nu ritter unde frouwen,
die man bi mir solte schouwen?
seht wie jämerlich ich ste.
min dach ist fül, so risent mine wende. 40
mich enminnet nieman leider.
golt Silber ros und dar zuo kleider
diu gab ich, unde hat ouch m^:
nun hab ich weder schappel noch gebende
noch frouwen zeinem tanze, ouwe!' . 45
Künc Constantin der gap so vil,
als ich ez iu bescheiden wil,
4:6 ff. gehört wahrscheinlich in des jähr 1213. Der pfaff'en
wal z. hl ist die wähl Friedrichs II, die am 5. dec. 1212 zu Frank-
furt stattfand, nachdem sie bereits auf einer Versammlung zu
Nürnberg im sept. 1211 beschlossen war. Hierzu war die an-
regung durch ein manifest des papstes gegeben (vgl. Winkel-
mann II, 255). Friedrich wird von seinen gegnern als pfaffen-
könig (rex presbyterorum) verspottet, und bezeichnet sich selbst
als könig von gottes und des papstes gnaden. Lachmann
bezieht in den späteren ausgaben dei- pfaffen wal auf die wähl
Ottos IV (vgl. auch Burdach, s. 48), an der aber der papst gar nicht
beteiligt war, Wilmanns auf die entscheidung des papstes zu
gunsten Ottos IV im jähre 1201, die aber doch nicht als eine
wähl bezeichnet werden kann. — Haupt vergleicht eine rand-
bemerkuDg in einer Wiener handschrift von einer band des
13. jahrh.: Legitur, quod eo die, quo a Constantino dotata est
ecclesia, audita est vox angelica, dicens 'hodie infusum est
venenum in ecclesia, quia major est dignitate et minor religione'.
Eine im wesentliche übereinstimmende stelle aus der Summa
de vitiis et virtutibus des Wilhelm Peraldus führt Schönbach
(Beitr. s. 22) an. Vgl. ferner Hermann v. Fritzlar (Pfeiffer,
Mystiker I, 48) : dö wart ein stimme gehört über allez Home, die
»prach: hüte ist die galle und die vergiß gegozzen in die lieiligen
kristenheit, und wjzzet, daz diz ist noch ein wurzele und ein,
grundfestene alles kriges zwischen den bebisten und den keisem.
Die Schenkung Constantins wird auch 79 69 als unheilvoll be-
102 69 48 - 73
dem stuol ze Röme, sper kriuz unde kröne.
Zehant der engel lüte schre
'ouwe, ouwe, zem dritten we! 50
c stuont diu kristenheit mit zühten schöne:
Der ist ein gift nu gevallen,
ir honec ist worden zeiner gallen.
daz wirt der "werlt her nach vil leit.'
alle forsten lebent nu mit eren, 55
wan der hoehste ist geswachet:
daz hat der pfaifen wal gemachet.
daz sl dir, süezer got, gekleit.
die pfaffen wellent leien reht verkeren.
der engel hat uns war geseit. 60
Nu wachet! uns get zuo der tac,
gein dem wol äugest haben mac
ein ieglich kristen, Juden unde beiden.
Wir hau der zeichen vil gesehen,
dar an wir sine kunft wol spehen, 65
als uns diu schrift mit wärheit hat bescheiden.
Diu sunne hat ir schin verkeret.
untriuwe ir sämen üz gereret
allenthalben zuo den wegen;
der vater bi dem kinde untriuwe vindet, 70
der bruoder sinem bruoder liuget;
geistlich orden in kappen triuget,
die uns ze himel selten stegen;
zeichnet. Man vgl. die plane auf die kirchengüter, welche (Jem
kaiser Otto IV zugeschrieben wurden (Winkelmann II, 293).
61 ff. Über die datierung vgl Zarncke, PBB VII, 597.
Zarncke bestimmt die Sonnenfinsternis, auf die z. 67 angespielt
wird, nach astronomischen berechnungeu als die vom 27. nov.
1201. Es sind dabei aber nur die Verfinsterungen bis zum
jähre 1207 in betracht gezogen. Die möglichkeit, dass der
Spruch einer späteren zeit angehört, darf nicht ohne weiteres
von der band gewiesen werden. Burdach (s. 48) sucht spezielle
beziehvingen, ohne .dass seineu ausführungen Überzeugungs-
kraft innewohnt. Überhaupt enthält der sprach keine an-
spielung auf bestimmte einzelne Vorgänge, auch keine politische
Parteinahme, z. 75 nimmt die mahnnng von z. 61 wieder auf:
man soll nicht länger zögern, sich auf den jüngsten tag vor-
zubereiten.
69 71 — 107 103
gewalt get üf, reht vor gerihte swindet.
wol üf! hie ist ze vil gelegen. 75
Ich hoere des die wisen jehen,
daz ein gerihte sül geschehen,
daz nie deheinez me wart also strenge.
der riht^ere sprichet sä zehant
•gilt äne borg und äne pfant.' 80
da wirt des mannes rät vil kurz und enge.
Daz hilf mir, frouwe, hie besorgen,
Sit daz dort nieman wil borgen,
durch die hcehsten fröude din,
die dir der heilige engel ze oren brähte, 85
dö er dir ze tragenne künde
da von sich din fröude erzunde
und unser werndez heil sol sin.
der dir der fröude von alrerste gedähte,
des trost si an dem ende min. 90
So we dir, Werlt, wie übel du stest!
waz dii^ge du alzan hegest,
diu von dir sint ze lidenne ungenaeme!
Du bist vil nach gar äne schäm.
got weiz wol, ich bin dir gram: 95
din art ist elliu worden widerzaeme.
Waz eren hast uns her behalten?
nieman siht dich fröuden walten,
als man ir doch wilent pfiac.
we dir, wes habent diu milten herze engolten? 100
für diu lobt man die argen riehen.
Werlt du stest so lasterlichen,
daz ichz niht betiuten mac.
triuwe und wärheit sint vil gar bescholten:
daz ist ouch aller eren slac. 105
Ez troumte, des ist manic jär,
ze Babilöne, daz ist war,
76 ff. ist nur in r überliefert, daher die echtheit nicht
zweifellos. 106. Gemeint ist der träum Nebukadnezars,
Daniel cap. 2.
104 69 108—142
dem künege, ez wurde boeser in den riehen.
Die nu ze vollen boese sint,
gewinnen! die noch boeser kint, 110
ja herre got, wem sol ich diu geliehen?
Der tievel waere mir niht so smaehe,
quaeme er dar da ich in saehe,
sam des boesen boeser barn.
von ddr geburt enkumt uns frum noch ere. 115
die sich selben so verswachent
und ir bösen boeser machent,
an erben müezen sie vervarn.
daz tugendeloser herren werde iht mßre,
daz solt du, herre got, bewarn. 120
Die veter habent ir kint erzogen,
dar ane sie bede sint betrogen:
sie brechent dicke Salomones lere.
Der sprichet, swer den besemen spar,
daz der den sun versüme gar: 125
des sint sie ungebachen und an ere.
Hie vor dö was diu werlt so schoene,
nu ist 8i worden also hoene.
des enwas niht wilent e.
die jungen habent die alten so verdrungen. 130
nu spottet also dar der alten!
ez wirt iu selben noch behalten:
beitet unz iuwer jugent zerge:
swaz ir nu tuot, daz rechent iuwer jungen.
daz weiz ich wol, und weiz noch me. 135
Wer zieret nu der eren sal?
der jungen ritter zuht ist smal:
so pflegent die knehte gar unhtibescher dinge
Mit Worten und mit werken ouch.
swer ztihte hat, der ist ir gouch. 140
nemt war wie gar unfuoge für sich dringe.
Hie vor do berte man die jungen.
123. Sprüche Salomonis 13, 24. 126. Vgl. Lucae ZfdA
30, 351 ; Wallner und Schröder, ib. 39, 184.
69 143 — 180 105
die da pflägen frecher zungen:
nu ist ez ir werdekeit.
sie schallent unde scheltent reine frouwen. 145
we ir hiuten und ir hären,
die niht kunnen fro gebären
sunder wibe herzeleit!
da mac man sünde bi der schände schouwen,
die maneger üf sich selben leit. 150
Swer äne vorhte, herre got,
wil sprechen diniu zehen gebot,
und "brichet diu, daz ist niht rehtiu minne.
Dich heizet vater menege vil:
swer min ze bruoder niht enwil, 155
der spricht diu starken wort üz krankem sinne.
Wir wahsen üz gelichem dinge:
spise frumet uns, diu wirt ringe,
so si durch den munt gevert.
wer kan den herren von dem knehte scheiden, 160
swa er ir geljeine blozez funde,
het er ir joch lebender künde,
so gewürme daz fleisch verzertV
im dienent kristen Juden unde beiden,
der elliu lebendiu wunder nert. 165
Swer houbetsünde unt schände tuot
mit siner wizzende umbe guot,
sol man den für einen wisen nennen?
Swer guot von disen beiden hat,
swerz an im weiz unt sichs verstät, 170
der sol in zeinem toren baz erkennen.
Der wise minnet niht so sere,
alsam die gutes hulde und ere:
sin selbes lip, wip unde kint,
diu lät er e er disiu zwei Verliese. 175
er töre, er dunket mich niht wise,
und ouch der sfn ere prise:
ich waen sie beide toren sint.
er gouch, swer für diu zwei ein anderz kiese!
der ist an rehten witzen blint. 180
10<J 69 181-2U
June man, in swelher ahte du bist,
ich wil dich leren einen list:
du lä dir niht ze we sin nach dem guote,
La dirz ouch niht zunmiere sin.
und volgest du der lere min, 185
so wis gewis, ez frumt dir an dem muote.
Die rede wil ich dir baz bescheiden.
und last du dirz ze sere leiden,
zergät ez so ist din fröude tot:
wilt aber du daz guot ze sere minnen, 190
du mäht Verliesen sele und ere.
da von so volge miner lere,
leg üf die wäge ein rehtez 16t,
und wig ouch dar mit allen dinen sinnen,
also diu mäze uns ie gebot. 195
Waz Wunders in der werlte vert!
wie manic gäbe uns ist beschert
von dem der uns üz nihte hat gemachet!
Dem einen git er schcenen sin,
dem andern guot unt den gewin, 200
daz er sich mit sin selbes guote swachet.
Armen man mit guoten sinnen
sol man für den riehen minnen,
ob er eren niht engert.
ja enist ez niht wan gotes hulde und ere, 205
dar nach diu werlt so sere vihtet:
swer sich ze guote also verpflihtet
daz er der beider wirt entwert,
dern habe ouch hie noch dort niht lönes mere,
wan sl eht guotes hie gewert. 210
Mit saelden müeze ich hiute üf sten,
got herre, in diner huote gen
und riten, swar ich in dem lande köre.
Krist herre, läz an mir werden schin
211 ff. ist eine kunstmässige nachbildung der volkstüm-
lichen gattung der reisesegen, vgl. Denkmäler deutscher poesie
und prosa, herausg. von Müllenhoff und Scherer IV, 8 und
XL VII, 3 nebst den anmerkungen dazu.
69 215 — 70 a 16 107
die grözen kraft der güete din, 215
und pflic min wol durch diner muoter ere.
Als ir der heilig engel pflsege,
unt din, do du in der krippen laege,
junger mensch und alter got,
demüetic vor dem esel und vor dem rinde 220
(und doch mit sseldenricher huote
pflac din Gabriel der guote
wol mit triuwen sunder spot),
als pflig ouch min, daz an mir iht erwinde
daz din vil götelich gebot. 225
70 a (L.14 36).
Philippe, künec here,
sie gebent dir alle heiles wort
und wolden liep nach leide.
Nu hast du guot und ere;
daz ist wol zweier künege hört : 5
die gip der Milte beide.
Diu Milte lonet same diu sät,
diu wunnecliche wider gät
dar nach man sie geworfen hat:
wirf von dir miltecliche. 10
swelch künec der Milte geben kan,
si git im daz er nie gewan.
wie Alexander sich versan!
der gap und gap, und gap sim elliu riche.
Wir suln den kochen raten, 15
Sit ez in also höhe ste.
70 a 15 ff. Auf diesen spruch spielt Wolfram im Willehalm
286, 10 an: her Vogelweid von braten sanc: dirre brüte tcas
die unde lanc: ez hete sin frouwe dran genuoc, der er so holdez
herze ie truoc. Von den meisten heransgebem wird er auf
Philipp bezogen, passt aber besser auf Otto. Die erzählung von
den kochen hat Koberstein auf die eroberung von Konstantinopel
durch die Lateiner bezogen, Zarncke (PBBVII, 592) auf die
der eroberung unmittelbar vorhergehenden ereignisse. Aber
damit ist nicht erklärt, wie Walther zu dem gleichnis von dem
108 70=' 17-42
daz sie sich niht versümen,
Daz sie der ftirsten braten
sniden groezer baz dan e,
doch dicker eines dümen. 20
Ze Kriechen wart ein spiz versniten;
daz tet ein hant mit argen siten :
sin möhte ez niemer hän vermiten:
der brate was ze dünne.
des muose der herre für die tür: 25
die fürsten säzen ander kür.
der nu daz rlche also verlür,
dem stüende baz daz er nie spiz gewünne.
Waz eren hat frö Bone,
daz man so von ir singen sol? 30
si rehtiu vastenkiuwe!
Sist vor und nach der nöne
fül und ist der wibel vol
wan erste in der niuwe.
Ein halm ist kreftec unde guot: 35
waz er uns allen liebes tuet!
er fröut vil manegem sinen muot:
wie danne umb sinen sämen?
von grase wirdet halm ze stro,
er machet manic herze frö, 40
er ist guot nider unde ho.
frou Bone — set liberä nos ä mälo, amen.
braten gekommen ist. Es ist daher wol doch eher ein sagen-
hafter bericht anzunehmen, in dem das, was Walther als parabel
verwendet, als wirkliches factum erzählt war.
29 ff. Lachmann bemerkt hierzu: 'ich glaube, ein tadler,
vielleicht der dichter, den das nächstfolgende gesetz (70 b 15)
derb abfertigt, hatte Walthers lied vom halmmessen (32) ver-
höhnt; etwa in dem sinne, herrn Walthers halm sei keiner
höhnen wert, die man dagegen schon eher besingen könnte,
„was", sagt der dichter, „ist an der bohne zu loben? sie ist
fastenspeise, vor und nach himmelfahrt (nö^ie) faul, und von
anfang voU würmer; dagegen halm, körn und stroh gut und
erfreulich und zu jeder zeit brauchbar: aber vor der bohne
muss man ein paternoster beten, um ihrer los zu werden."'
So wenig befriedigend diese deutung ist, so ist doch bisher
noch nichts besseres aufgestellt.
70'' 1—20 109
70 b (L. 18 1).
Mir hat ein liet von Franken
der stolze Missensere bräht:
daz vert von Lndewige.
lehn kan ims niht gedanken
so wol als er min hat gedäht, 5
wan daz ich tiefe nige.
Kund ich swaz ieman guotes kan,
daz teilte ich mit dem werden man,
der mir so höher eren gan,
got müeze ouch im die sinen iemer meren. 10
zuo flieze im aller saelden fluz,
niht wildes mide sinen schuz,
sins hundes louf, sins homes duz
erhelle im und erschelle im wol nach eren.
Her Wicman, ist daz ere, 15
daz man die meister irren sei
80 meisterlicher sprüche?
Latz iu geschehen niht m^re:
für war ich iu daz rate wol.
waz obe her Walther krüche? 20
70 b weicht in der zehnten zeile von 70* ab, die erste
Strophe allerdings nur in der einen, aber, wie es scheint, besseren
Überlieferung. 70 b 1 ff. Die veranlassung dieses Spruches bleibt
uns unverständlich. Der Missencere ist markgraf Dietrich von
Meissen (vgl. einl. s. 12); dass mit Ludwig der herzog von Baiern
gemeint sei, ist eine durch nichts als die Übereinstimmung
des namens zu begründende annähme. Die gäbe, welche der
Meissner mitgebracht hat, heisst in C liet, in A lieht. Gegen die
letztere von allen anderen berausgebern aufgenommene lesart
ist zu bemerken, dass lieht nicht die jetzt in Norddeutschland
übliche Bedeutung ,,kerze" hat, sondern nur ein brennendes Hebt
bezeichnen kann. Für liet tritt jetzt auch Saran (PBB 27, 202)
ein und vermutet, dass damit die folgende Strophe gemeint sei,
die im Interesse Waltbers von Ludwig oder in dessen auftrage
verfasst sei. Wackernagels deutung (vgl. zu 79 1) ist unan-
nehmbar. Es ist wol der Meissner, nicht Ludwig, dem das
lob gilt. 15. Ueber die person des Wicman (so nennt ihn
A, C hat dafür Volcnant) wissen wir nichts. Die echtheit der
Strophe ist nicht ohne grund angezweifelt. Vgl. die anmerkung
zum vorhergehenden sprach. Ueber den sprach vgl. noch
H. Fischer, ZfdA 49, 154.
110 70 •> 21 — 71 24
Er soltz doch iemer hän vor iu,
also der weize vor der spriu.
singt ir einz, er singet driu,
daz geli'chet sich rehte also ars und mäne.
her Walther singet swaz er wil, 25
des kurzen und des langen vil:
8U8 meret er der werlte spil:
so jaget ir alse ein leithunt nach wäne.
71 (L. 82 11).
Ouwe daz wfsheit unde jugent,
des mannes schcene noch sin tugent
niht erben sol, so ie der lip erstirbet!
Daz mac wol klagen ein wiser man,
der sich des schaden versinnen kan, 5
Reimär, waz guoter kunst an dir verdirbet.
Du solt von schulden iemer des geniezen,
daz dich des tages wolte nie verdriezen,
dun spraechest ie den frouwen wol
des süln sie iemer danken diner zungen. 10
und betest niht wan eine rede gesungen,
'so wol dir, wip, wie reine ein nam!', du betest an ir
lobe also gestriten
daz elliu wip dir iemer me genaden sollen biten.
Deswär, Reimär, du riuwest mich
michels harter danne ich dich, 15
ob du lebtest und ich wser erstorben.
Ich wilz bi minen triuwen sagen,
dich selben wolt ich lützel klagen:
ich klage din edelen kunst, daz sist verdorben.
Du kündest al der werlte fröude meren, 20
so duz ze guoten dingen wollest keren.
mich riuwet din wol redender munt und dm vil stiezer
daz die verdorben sint bi minen ziten. [sanc,
daz du niht eine wile mohtest biten!
71 1 ff. Klagelied um Reinmar, der, wenn wir ihn mit der
uachtigall von Hagenau identificieren dürfen (vgl. einl. s. 4), etwa
zwischen 1205 und 1214 gestorben sein muss. 12. Die citierte
stroplie steht in Minnesangs frühling 165, 28. Die zeile ist zu lang.
7125 — 56 111
80 leiste ich dir geselleschaft: min singen ist niht lanc. 25
dm sele müeze vvol gevarn, und habe din zunge danc.
Swä der hohe nider gät
und ouch der nider an höhen rät
gezucket wirt, da ist der hof verirret.
Wie sol ein unbescheiden man 30
bescheiden des er niht enkan?
sol er mir büezen des mir niht enwirret?
Des Stent die hohen vor den kemenäten:
so suln die nidern umb daz riche raten.
swä den gebrichet an der kunst, seht, da tuont sie 35
wan daz siez umbe werfent an ein triegen: [niht me
daz lerent sie die fürsten unde liegen.
die selben brechent uns diu reht und stoerent unser e.
nu sehet wie diu kröne lige und wie diu kirche ste.
Ich muoz verdienen swachen haz: 40
ich wil die hen'en leren daz,
wies iegeslichen rät wol mügen erkennen.
Der guoten rsete der sint dri:
dri ander boese Stent da bi
zer linken hant. lät iu die sehse nennen. 45
Frnm unde gotes hulde und werltlich ere,
daz sint die guoten: wol im der sie lere!
den möhte ein keiser nemen wol an smen hoehsten rät.
die andern heizent schade sünde und schände.
da erkenne sie bi der sie e niht erkande. 50
man beeret an der rede wol wiez umb daz herze stät.
daz anegenge ist selten guot, daz bcesez ende hat.
Dri sorge habe ich mir genomen :
möht ich der einer zende komcn,
80 wsere wol getan ze minen dingen. 55
ledoch swaz mir da von geschiht,
27 ff. Die Verhältnisse auf welche in diesem Spruche au-
gespielt wird, lassen sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Rieger
(Leben Walthers s. 45 ff.) bezieht ihn auf die regierung könig
Heinrichs und setzt ihn zwischen sommer 1229 und sept. 1230.
112
71 57 — 72 6
in scheid ir von ein ander niht:
mir mag an allen drin noch wol gelingen.
Gotes hulde und miner frouwen minne,
dar umbe sorge ich, wie ich die gewinne: 60
daz dritte hat sich min erwert unrehte manegen tac,
daz ist der wunnecliche hof ze Wiene:
in gehirme niemer unz ich den verdiene,
Sit er so maneger tugende mit so staeter triuwe pflac.
man sach Liupoltes hant da geben, daz si des niht
erschrac. 65
Rit ze hove, Dietrich,
'herre, in mac' waz irret dich?
'in hän niht rosses daz ich dar gerite.'
Ich lihe dir einz, und wilt du daz.
'herre, gerite al deste baz.' 70
nu stant also noch eine wile, bite.
Weder ritest gerner eine guldin katzen,
oder einen wunderlichen Gerhart Atzen?
'semir got, und aeze ez höu, ez war ein frömdez pfert.
im gent diu ougen umbe als einem äffen, 75
er ist als ein guggaldei geschaffen,
den selben Atzen gebet mir her: so bin ich wol gewert.'
nu krümbe diu bein, rit selbe her hein, sit du Atzen
hast gegert.
72 (L. 103 13).
Mir hat her Gerhart Atze ein pfert
erschozzen zisenache.
daz klage ich dem den er bestät:
derst unser beider voget.
Ez was wol drier marke wert. 5
nu hoeret frömde Sache,
66 ff. bezieht sich auf deuselbeu Vorfall wie 72 1 ff. Ger-
hardus et frater ejus Heinricus cognomine Atzo erscheinen als
zeugen in einer Urkunde des landgrafen Hermann vom jähre 1196.
Die seltsame entschuldigung, welche der dichter 72 9 dem Atze
boshafterweise in den mund legt, ist wol dadurch veranlasst,
dass ihm entweder wirklich ein finger von einem rosse ab-
gebissen war, oder dass ihm wenigstens ein finger fehlte.
727-41 113
Sit daz ez an ein gelten gät,
wä mite er mich nu zöget.
Er seit von grözer swaere,
wie min pfert msere 10
dem rosse sippe waere,
daz im den vinger abe
gebizzen hat ze schänden.
ich swer mit beiden banden,
daz sie sich niht erkanden. 15
ist ieman der mir stabe?
Swä guoter hande wnrzen sint
in einem gröenen garten
bekliben, die sol ein wiser man
niht läzen unbehuot. 20
Er sol in spilen vor als ein kint,
mit ougenweide zarten.
da lit gelnst des herzen an,
imd git ouch höhen muot.
Si boese unkrüt dar under, 25
daz breche er üz besunder
(lät erz, daz ist ein wunder),
und merke ob sich ein dorn
mit kündekeit dar breite,
daz er den fnrder leite 30
von siner arebeite:
sist anders gar verlorn.
Uns irret eii^er hande di^t:
der uns die ftirder taete,
so möhte ein wol gezogener man 35
ze hove haben die stat.
Die läzent sin ze Spruche niet:
ir drfizzel derst so draete,
kund er swaz ieman guotes kan,
daz hülfe niht ein blat. 40
Ich und ein ander tore
72 41 ff. nicht recht verständlich und wol verderbt
Walth. V. d. Vogelweide. 5. aufl. 3
1 14 72 42 - 73 21
wir doenen in sin öre,
daz nie kein münch ze köre
so sere me geschrei.
gefüeges mannes doenen 45
daz sol man wol beschcenen:
müet des mannes hcenen, —
hie get diu rede enzwei.
73 (L. 11 6).
Her keiser, sit ir willekomen.
der küneges name ist in benomen:
des schinet iuwer kröne ob allen krönen.
lur hant ist krefte und guotes vol:
ir wellet übel oder wol, 5
so mac si beidiu rechen unde lönen.
Dar züo sag ich iu msere:
die fürsten sint iu undertän,
sie habent mit zühten iuwer kunft arbeitet.
und ie der Missensere 10
derst iemer iuwer äne wän:
von gote wurde ein engel e verleitet.
Got git ze künege swen er wil:
dar umbe wundert mich niht vil:
uns leien wundert umb der pf äffen lere. 15
Sie lerten uns bi kurzen tagen:
daz wellents uns nu widersagen.
nu tuonz durch got und durch ir selber ere,
Und sagen uns bi ir triuwen,
an welher rede wir sin betrogen; 20
volrecken uns die einen wol von gründe,
73 1 ff. Zur begrüssung Ottos IV bei seiner rückkehr aus
Italien im frühjahr 1212 gedichtet, vielleicht auf dem hoftage
zu Frankfurt vorgetragen, wo auch Dietrich von Meissen erschien
und sich dem kaiser am 20. märz durch einen vertrag ver-
pflichtete, nachdem er vorher gegen ihn konspiriert hatte. Er
fiel schon im folgenden jähre wider von Otto ab. 16 bezieht
sich auf die frühere anerkeunung und nachherige Verwerfung
Ottos.
73 22-51 115
die alten ode die niu\7en.
uns dunket einez si gelogen.
zwo Zangen stänt unebne in einem munde.
Her habest, ich mac wol genesen: 25
wan ich wil iu gehörsam wesen.
wir horten iuch der kristenheit gebieten
Wes wir dem keiser solten pflegen,
do ir im gäbet den gotes segen,
daz wir in herren hiezen und vor im knieten. 30
Ouch sult ir niht vergezzen,
ir sprächet 'swer dich segene, der si
gesegnet: swer dir fluoche, der si verfluochet
mit fluoche völmezzen.'
durch got bedenket iuch da bi, 35
ob ir der pfaffen ere iht geruochet.
Do gotes sun hien erde gie,
do versnobten in die Juden ie:
sam tätens eines tages mit dirre frage.
Sie frägeten obe ir friez leben 40
dem riebe iht zinses solte geben.
do brach er in die huote und al ir läge.
Er iesch ein münizisen,
er sprach 'wes bilde ist hinne ergraben?'
'des keisers', sprächen do die merksere. 45
do riet er den unwisen
daz sie den keiser liezen haben
sin keisers reht, und got swaz gotes waere.
Her keiser, ich bin frönebote
und bringe iu boteschaft von gote. 50
ir habt die erde, er hat daz himelriche.
49 ff. Unter dem kaiser, der in dieser und der folgenden
Strophe angeredet wird, hat Uhland, wie ich glaube, mit recht
Friedrich U verstanden , indem er in z. 68 den adler auf das
Wappen des reiches, den löwen auf das der Hohenstaufen
bezieht. Lachmann dagegen und die anderen herausgeber sind
der ansieht, dass Otto gemeint sei, der einen halben adler und
drei halbe löwen im wappen führte (vgl. Winkelmann II, 498).
116 73 52 — 74 10
Er hiez iu klagen (ir alt sin voget):
in sines sunes lande broget
diu heidenschaft in beiden lasterliche.
Ir müget im gerne rihten: 55
sin 8un der ist geheizen Krist,
er hiez iu sagen wie erz verschulden welle.
nu lät in zuo iu pflihten.
er rihtet iu da er voget ist,
klagt ir joch über den tievel üz der helle. 60
Her keiser, swenne ir Tiuschen fride
gemachet staete bi der wide,
so bietent iu die fremeden zungen ere.
Die sult ir nemen an arbeit
und stienen al die kristenheit: 65
daz tiuret iuch, und mtiet die beiden sere.
Ir tragt zwei keisers eilen,
des aren tugent, des lewen kraft:
die sint des herzeichen an dem schilte.
die zwene hergesellen, 70
wan woltens an die heidenschaft!
waz widerstüende ir manheit und ir milteV
74 (L. 105 13).
Der Missensere solde
mir wandeln ob er wolde.
min dienest läz ich allez varn,
Niewan min lop aleine.
deich in mit lobe iht meine, 5
daz kan ich schone wol bewam.
Lobe ich in, so lobe er mich:
des andern alles des wil ich
in minnecliche erläzen.
sin lop daz muoz ouch mir gezemen, 10
69. Schröder (ZfdÄ 45, 439) will lesen: die sint des
Herren zeielien. 74 1 ff. Vgl. einl. s. 12. Der markgraf muss
sich nach z. 7 ff. tadelnd über walther ausgesprochen haben.
74 11-32 117
oder ich Avil minz her wider nemen
ze hove und an der sträzen,
so ich nu genuoge
gewarte siner fuoge.
Ich hän dem Missensere 15
gefüeget manec msere
baz danne er nu gedenke min.
Waz sol diu rede beschcenet?
möht ich in hän gekroenet,
diu kröne waere hiute sin. 20
Het er mir dö gelonet baz,
ich diente im aber eteswaz.
noch kan ich schaden vertriben.
er ist aber so gefüege niht,
daz er mir biete wandeis iht. 25
da läzen wirz beliben.
wan vil verdirbet
des man niht enwirbet.
Nu sol der keiser here
für brechen durch sin ere 30
des lantgräven missetät.
Wand er was doch zewäre
15. Von diensten, die Walther dem Meissner erwiesen hat,
ist ausser der hochtönenden Versicherung von dessen treue,
die er dem kaiser Otto entgegenbrachte (73 10), nichts bekannt.
19. 20. Wol keine anspielung auf eine bestimmte kröne, die für
den Meissner zu erwerben Walther sich bemüht hätte, sondern
nur ein ausdruck dafür, dass er bereit gewesen wäre ihm das
grösste zu verschaffen, wenn es in seinen kräften gestanden hätte.
27. Ein Sprichwort. 29 ff. Diese fürbitte für den landgrafen
Hermann kann nicht gut in eine andere zeit fallen, als in das
jähr 1212, wo derselbe, von den meisten übrigen Parteigenossen,
die mit ihm im jähre zuvor die wähl Friedrichs beschlossen
hatten, im stich gelassen, von Otto hart bedrängt wurde. Auf-
fallend ist nur, dass sonst keine spur davon vorhanden ist,
dass der landgraf die gnade des kaisers nachgesucht hätte.
Im gegenteil gab er in dem schlimmsten momente seinem in
Weissensee eingeschlossenen beere ausdrücklich die Weisung
im widerstände zu verharren, vgl. Winkelmann II, 308.
118 74 33 — 75 14
Bin vient offenbare.
die zagen truogeu stillen rät:
Sie swuoren hie, sie swuoren dort, 35
und pruoften ungetriuwen mort.
von Rome fuor ir scheiden.
ir diufe enmohte sich nicht verheln,
si begouden under zwischen stein
und alle ein ander melden. 40
seht, diep stal diebe,
dro tete liebe.
75 (L. 31 13).
Der stuol ze Rome ist allererst berihtet rehte
als hie vor bi einem zouberaere Gerbrehte.
Der selbe gap ze valle niwan sin eines leben:
80 hat sich dirre und al die kristenheit ze valle geben.
Alle Zungen suln ze gote schrien wäfen 5
und rüefen ime, wie lange er welle släfen.
sie widerwürkent siniu werk und felschent siniu wort,
sin kameraere stilt im sinen himelhort,
sin süensere mordet hie und roubet dort,
sin hirte ist zeinem wolve im worden under sinen 10
Schafen.
Wir klagen alle und wizzen doch niht waz uns wirret^
daz uns der habest unser vater alsus hat verirret.
Nu gät er uns doch harte vaterlichen vor:
wir volgen im nach und komen niemer fuoz üz sinem spor.
34. Mit deu zagen müssen die mitverschworeneu des
landgrafen gemeint sem, die sich dem kaiser bei seiner rück-
kehr aus Italien zum schein unterwarfen, um bei günstiger
gelegenheit wider von ihm abzufallen, wie z. b. Dietrich von
Meissen. Doch sind die folgenden zeilen nicht ganz klar
und am schluss auch die textherstellung sehr wenig sicher.
37. Von Eom aus wurden sie veranlasst, sich unzufrieden mit
Ottos regierung zu erklären (?) 42. Die drohung Ottos
brachte sie zum gehorsam zurück (?) 75 1 — 80. Vgl. einl.
s. 8. 2. Gemeint ist Gerbert , als papst Sylvester II
(999 — 1003), der in folge seiner naturwissenschaftlichen Studien
in den ruf gekommen war, Zauberei zu treiben.
75 15-44 119
Nu merke, werlt, waz mir dar ane missevalle: 15
gitset er, sie gitsent mit im alle;
liuget er, sie liegent alle mit im sine lüge;
und triuget er, sie triegent mit im sine trüge,
nu merket wer mir daz verkeren müge:
BUS wirt der junge Judas mit dem alten dort ze 20
schalle.
Diu kristenheit gelepte nie so gar nach wäne.
die sie da leren sollen, die eint guoter sinne äne.
Es waere ze vil, und taet ein tumber leie daz.
sie sündent äne vorhte: dar umb ist in got gehaz.
Sie Wisent uns zem himel, und varent sie zer helle. 25
sie sprechent, swer ir worten volgen welle
und niht ir werken, der si an allen zwivel dort genesen,
die pfaffen sollen kiuscher dan die leien wesen:
an weihen buochen haut sie daz erlesen,
daz sich so maneger flizet wa er ein schcenez wip 30
vervelle?
Swelch herze sich bi disen ziten niht verkeret,
Sit daz der bähest selbe dort den ungelouben meret.
Da wont ein sselic goist und gotes minne bi.
nu seht ir waz der pf äffen werc und waz ir lere si.
E daz was ir lere bi den werken reine: 35
nu sint sie aber anders so gemeine,
daz wirs unrehte würken sehen, unrehte beeren sagen,
die uns guoter lere bilde solden tragen,
des mügen wir tumbe leien wol verzagen,
ich wsen aber min guoter klösenaere klage und 40
sere weine.
Ir bischofe und ir edeln pfaffen ir sit verleitet.
seht wie iuch der bähest mit des tievels stricken seilet.
Saget ir uns daz er sant Peters slüzzel habe,
so saget war umbe er sine lere von den buochen schabe.
40. Vgl. zu 67 46. 41. 42. Wallner und Schönbach
wollen lesen verteilet . . seilet.
120 7545-ft4
Dax Huui gotcs gtbe dd koole oder yerkonfe, 45
dax wart «■• rerbotM bf der tovfe,
na l£r eis ia tfn awarMK l»aoeli, das ine der htüembr
bit gegebon, and ilz im les et flma rAr:
ir kardenile, ir decket iawem kdr:
alter fitae der ttH iBd» eiaer fbdoi tronfe. 50
AU wie kriateaUeke ■• der bäb«8t lachet,
•weime er tfaea Walkea iot ^ieh hknz aiid gonaeket:'
(Dax er di feit, dea Kdt O' oieaia' kta gediUit)
er gibt *idi kia swte Alaum aader dae kitoe tnftkt,
Dax siex fidbe aftai atenva «ade waatea, 55
ie dar aado' fiOlai wir die kaatea:
iek kias aa arfa^ atoe goaeat, ir gvoi iat aüea aifa:
ir tiaaclwz aObo' rot ia arfan wdadMB adote.
ir fiMÜem etiH kieaer aad triakeft wfa,
aade lit die tiatadbea Taatea.' 60
Sagt aa, ber Sioe» bit iaeb der bibeat ber geaeadet,
dax ir ia ifdMt nd aaa Tfatadhea enaei aade awoidet?
Sweaa iai dia rolle mSae kmat xe Latoia,
ad taot er eiaea aigea hgt, ah er i UA gflUtit:
4& MeA aicbt
ZtifkYI,36; Waüacr, ZüX»,4aO;
lldy 240. 49. SO, Der iaAut wiü wel angca: tb Baal iit
|Wt gCMfgt wlOffcad die kifdie ia IVatiddaad TefBachKarigt
Mt, h\9. Im Jahre 1213 hatte Taaowat ciae Terofiaaag
fritawa, woaach ia jeder kinbe ciae bichee (traaeaa eoaeatai)
■a^gfrtfllt werfca aallte, aai hciMge flir ica heahriAtigtea
krabaagr aafmBfbaifa. Ite iat der «foe ia dicaai aad deai
f^eadea qpwdbe. Walder wir! wegea fieaer rcrii^^ng
der ■Wrbtfa dea fapeCca getaddt Toa Tbwaeaa Toa Zidam
ia aaaeaiWciaebca gM(11163E Vgj trapaifia Ifuwiehat
tpmdt JUirA riittn hdktit wuot, dtu i€T b&bttt woU wtH
fttuüftctn §tui€ vfiflfla 4te wHkftffifT $dirtnt hwt er o^uAt
aEfla rat wtiitf tr mit ruu wvft fttfro^hert wktf Sm ruHe
wm ImOL — «NM trmit iktmt wum 'betöret, ätu rie
habest fAerhraret g&te» wti de» bäbtte» gduH. . . . nodr
et ut mir leü wmb im, er kät erzeiget zmkt und »im an
wentt§er rirter rede fuot.
75 Ü5 - yv 1 2 1
Yst seit uns danne wie daz riche stß verwarren, 65
unz iu erfüllent aber alle pfarren.
ich wa:n des Silbers wenic knmet ze helfe in gotes lant:
grözen hört zerteilet selten pf äffen hant.
her Stoc, ir slt üf schaden her gesant,
daz ir fiz tiuschen linten suochet toerinne unde narren. 70
'Sit willekomen, her wirt,' dem gruoze muoz ich swigen:
'slt willekomen, her gast,' so mnoz ich sprechen oder nigen.
Wirt unde heim sint zwene unschamellche namen:
gast unde hereberge muoz man sich vil dicke schämen.
Noch mtlez ich geleben daz ich den gast ouch grüeze, 75
sft daz er mir dem wirte danken mUeze.
'sit hinaht hie, sit morgen dort,' waz gougelfuore ist daz:
'ich bin heime' oder 'ich wil heim' daz trcestet baz.
gast unde schäch kumt selten äne haz:
herre büezet mir des gaste», daz iu got des 80
Schaches büeze.
Ich bin des railtf;n lantgräven ingesinde.
ez ist min sitc daz man mich iemer bt den tinrsten vinde.
Die andern ftirsten alle sint vil milte, iedoch
so stajteclichen niht, er was ez e und ist ez noch.
Da von kan er baz danne sie dermite gebären: 85
er enwil dekeiner lüne vären.
swer hiure schallet und ist hin ze järe boese als S,
des lop gruonct unde valwet so der kl6.
der Dürng<; bluome schinet durch den snß:
sumer und winter blUet sin lop als in den ersten jären. 90
Ich \Ai\ des Kemdseres gäbe dicke empfangen:
wil fr Hiircli firi vermissen bieten mir alsß diu wangen?
71 ff. Vjjl. »^iIll. M. H. 77. Für ditleHunf^ goydfuore
tritt ein Wallrif;r, l'Hli '.','), 104. 91 ff. Vgl. einl. h. 11. Der
li^rzoff Hcheint «ifili nnfntHiidlich getjen Walther benommen za
lialjcn. Darauf gibt ihm dieHer auf eine feine weiwe zu ver-
.Htehen, (la«H nicht lU-.r hf;rzo(f urHftche habe auf ihn, vielmehr
'T auf den herzoj^ bfiHc, zu nein; er wolle ch aber nicht Übel
nehmen, daMH dieser nein verMpreclien nicht gebalten liabe.
122 75 93—117
Er wscnet lihte daz ich zürue: nein ich, niht.
im ist geschehen daz noch vil manegem muten man
geschiht.
Was mir lihte leide, dö was ime noch leider. 95
dö er häte mir geschaffen kleider,
daz man mir niht engap, dar umbe zürne er anderswä.
ich weiz wol, swer willecHche sprichet ja,
der gaebe ouch gerne, nnd wsere ez danne da.
dirre lorn ist äne alle schulde weizgot unser 100
beider.
lehn weiz wem ich geliehen muoz die hovebellen,
wan den miusen, die sich selbe meldent, tragent sie
schellen.
Des leckers herre der miuse klanc, kumt si üz ir klüs,
so schrien wir vil lihte 'ein schale, ein schale! ein
müs, ein müs!'
Edel Kerndenaere, ich sol dir klagen sere: 105
milter fürste, marteraere umb ere,
ichn weiz wer mir in dinem hove verkeret minen sanc.
läz ichz niht durch dich und ist er niht ze kranc,
ich swinge im also swinden widerswanc.
frage waz ich habe gesungen, und ervar uns werz 110
verkere.
Die wile ich weiz dri hove so lobellcher manne,
so ist min win gelesen und süset wol min pfanne.
Der biderbe patriarke missewende frl,
der ist ir einer, so ist min höfscher tröst zehant da bi,
Liupolt, zwir ein fürste, Stir und Osterriche. 115
niemen lept den ich zuo deme geliche:
Bin lop ist niht ein lobelin: er mac, er hat, er tuot.
■ 101 ff. Dem herzog von Kärnten ist über einen auf ihn
bezüglichen sprach Walthers, vielleicht den voranstehenden,
durch seine hofleute ein entstellter bericht zugekommen.
Walther bittet ihn, sich von dem richtigen tatbestande zu
überzeugen. 103. Wie die maus durch den klang der
schelle, so verrät sich der Schmeichler durch sein ewiges
herr-sagen (?). 111 fl'. Vgl. einl. s. 10. 11.
75 118-143 123
so ist sin veter als der milte Weif gemuot:
des lop was ganz, ez ist nach tode gaot.
mirst vil unnöt daz ich durch handelunge iht 120
veiTe striche.
In nomine dumme ich wil beginnen: sprechet amen
(daz ist gnot für ungelücke und für des tievels sämen),
Daz ich gesingen mtieze in dirre wise also,
swer höveschen sanc und fröude stcere, daz der werde
unfrö.
Ich hän wol und hovelichen her gesungen: 125
mit der hövescheit bin ich nu verdrungen,
daz die unhöveschen nu ze hove gensemer sint dann ich.
daz mich eren solde, daz uneret mich,
herzöge üz Österriche fürste nu sprich :
dun wendest michs alleine, so verkere ich mine 130
znngen.
Nu wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten:
da ich ie mit vorhten bat, da wil ich nu gebieten.
Ich sihe wol daz man herren guot und wibes gruoz
gewalteclich und ungezogenlich erwerben muoz.
Singe ich minen höveschen sanc, so klagent siez 135
deswär ich gewinne ouch lihte knollen : [Stollen.
Sit sie die schalkheit wellen, ich gemache in vollen
ze Österriche lernt ich singen unde sagen: [kragen,
da wil ich mich allererst beklagen:
vind ich an Liupolt höveschen tröst, so ist mir 140
min muot entswollen.
Do Liupolt sparte üf gotes vart, üf künftige ere,
sie behielten alle samt, sie volgeten siner lere,
Sie znhten üf, alsam sie niht getörsten geben.
118. der mute Weif, Weif VI von Baiem (f 1291), der
durch eine verschwenderische hofhaltung zu iUemmingen
seine besitztümer vergeudete. 121 ff. Wer die gegner der
Walther'schen sangesweiae sind, wer insbesondere der z. 135
genannte Stolle ist lässt sich nicht ermitteln. 141 ff. Vgl.
einl. s. 10.
124 75 144 — 170
daz was billich : man sol iemer nach dem hove leben.
Daz sin an der milte niht überhcehen wolten, 145
wol in des! sie täten als sie solten.
die beide üz Österriche beten ie gehoveten muot.
sie behielten dnrch sin ere: daz was guot:
nn geben durch sin ere, als er nu tuot.
sin leben nach dem hove nu, so ist jeniu zuht 150
beschulten.
Herzoge üz österriche, lä mich bi den Muten,
wünsche mir ze velde, niht ze walde: ichn kan niht
Sie sehent mich bi in gerne, also tuon ich sie. [rinten:
du wünschest underwilent biderbem man dun weist
joch wie.
Wunsches du mir von in, so tuost du mir leide. 155
vil saelic si der walt, dar zuo diu beide!
diu müeze dir vil wol gezemen: wie hast du nu getan,
Sit ich dir an din gemach gewtinschet hän,
und du mir an min ungemach? lä stän:
wis du von dan, lä mich bl in: so leben wir 160
saufte beide.
Ich hän gemerket von der Seine unz an die Muore,
von dem Pfade unz an die Traben erkenne ich al ir fuore :
Diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot.
sol ichz also gewinnen, so ganc släfen, höher muot.
Guot was ie gena?me, iedoch so gie diu ere 165
vor dem guote : nu ist daz guot so here,
daz ez gewaltecliche vor ir zuo den frouwen gät,
mit den fürsten zuo den künegen an ir rät.
so we dir guot! wie roemesch riebe stät!
du enbist niht guot: du habest dich an die schände 170
ein teil ze sere.
151 ff. Vgl. einl. s. 10. Der herzog hat Walther in den
wald gewünscht, womit sich für den mittelalterlichen menschen
die Vorstellung der harten arbeit des reutens verknüpft.
Walther wünscht dagegen den herzog auf die beide, wo er
zwar auch die gesellschaft der menschen entbehren muss, es
aber bequem hat.
75 171 — 76 18 125
An wibe lobe stet wol daz man sie heize schoene:
manne stet ez übel, ez ist ze wich und ofte hcene.
Küene und milte, und daz er da zuo staete si,
80 ist vil gar gelobt: den zwein stet wol daz dritte bi.
Wilz iu niht versmähen, so wil ichz iuch leren, 175
wie wir loben suln und niht uneren:
ir müezet in die liute sehen, weit ir erkennen wol.
nieman üzen nach der varwe loben sol.
vil manic more ist innen tugende vol:
we wie wi'z der biderben herze sint, der sie wil 180
umbe keren!
76 (L. 26 3),
Ich hän hern Otten triuwe, er welle mich noch riehen:
wie nam aber er min dienest ie so trügelichen?
oder waz bestet ze lonne des den künic FriderichenV
Min vorderunge ist üf in kleiner danne ein bone;
ezn 81 so vil, ob er der alten Sprüche wsere fro: 5
ein vater lerte wilent sinen sun also
'sun, diene manne bcesten, daz dir manne beste lone.'
Her Otte, ich binz der sun, ir sit der boeste man,
wand ich so rehte boesen herren nie gewan:
her künec, sit irz der beste, sit iu got des lonnes 10
gan.
Ich wolt hern Otten milte nach der lenge mezzen:
do häte ich mich an der mäze ein teil vergezzen:
waer er so milte so lanc, er hete tugende vil besezzen.
Vil schiere maz ich aber den lip nach einer ere:
do wart er vil gar ze kurz als ein verschroten werc, 15
miltes muotes minre vil dan ein getwerc,
und ist doch von den jären daz er niht enwahset mere.
Do ich dem künege brähte daz mez, wie er üf schoz!
172. Das in AC übereinstimmend überlieferte wich hat
man mit einem dialektwort identifiziert, das „üppig", aber
auch „abgeschmackt" bedeutet. Wol begründete bedenken
dagegen erhebt Wallner, ZfdA 40, 340. Lachmann vermutete
weich. 76 1 ff. Vgl. einl. s. 8. 11 ff. Vgl. die Schilderungen
Ottos und Friedrichs bei Winkelmann I, 75. II, 91.
126 76 19 — 40
sin junger Itp wart beide michel unde groz.
nu seht waz er noch wahse: erst ieze über in wol 20
risen gnoz.
Herzoge üz Osterriche, ez ist in wol ergangen
lind also schöne daz uns muoz nach iu belangen.
Sit gewis, swenn ir uns komet, ir werdet hohe en-
pfangen,
Ir Sit wol wert daz wir die gloggen gegen iu liuten,
dringen unde schouwen als ein wunder komen sl. 25
ir komet uns beide Sünden unde schänden fri:
des snln wir man iuch loben, und die frouwen suln
iuch triuten.
Diz lichte lop volfüeget heime uns üf daz ort:
Sit uns hie biderbe für daz ungefüege wort,
daz iemen spreche, ir soldet sin beliben mit eren 30
dort.
Von Rome voget, von Pulle künec, lät iuch erbarmen
daz man mich bi richer kunst lät alsus armen.
gerne wolde ich, möhte ez sin, bi eigem fiure erwärmen.
Zäi wiech danne sunge von den vogelinen,
von der beide und von den bluomen, als ich wilent 35
sanc!
swelch schoene wip mir denne gaebe ir habedanc,
der liez ich liljen unde rosen üz ir wengel schinen.
Sus rite ich fruo und kume niht heim: 'gast, we dir, we!'
so mac der wirt wol singen von dem grüenen kle.
die not bedenket, milter künec, daz iuwer not zerge. 40
31 ff. Vgl. einl. s. 9. Diese Strophe ist von Ulrich von
Singenberg parodiert (bei Wackernagel s. 211) : Ber tverlte
voget, des himels künec, ich lobe iuch gerne, daz ir mich
hänt erläzen des, daz ich niht lerne wie dirre und der an
fremder stat ze minem sänge scherne. Min meister klaget so
sere von der Vogelweide, in twinge daz, in twinge jenz, daz
mich noch nie gettcanc. den länt si bi so richer kirnst an
habe ze kranc, daz ich mich küme v.f ir genäde von dem
minen scheide. Sus rite ich späte und kume doch Jieim, mirst
niht ze we: da singe ich von der heide und von dem grüenen
Ue. daz stcetent ir mir, milter got, daz ez mir iht zerge!
76il — 70 127
Ich hän mia lehen, al diu werlt, ich hän min lehen.
nu enfürhte ich niht den hornunc an die zehen
und wil alle boese herren dester minre flehen.
Der edel künec, der milte künec hat mich beraten,
daz ich den sumer luft und in dem winter hitze hän. 40
mine nähgebüren dunke ich verre baz getan:
sie sehent mich niht mer an in butzen wiz als sie
wilent täten.
Ich bin ze lange arm gewesen an minen danc.
ich was so volle scheltens daz min äten stanc:
daz hat der künec gemachet reine, und dar zuo 50
minen sanc.
Der künec min harre lech mir gelt ze drizec marken:
des enkan ich niht gesliezen in den arken,
noch geschiffen üf daz mer in kielen noch in barken.
Der name ist groz, der nuz ist aber in solher mäze,
daz ich in niht begrifen mac, gehoeren noch gesehen: 55
wes sol ich danne in arken oder in barken jehen?
nu rate ein ieglich friunt, ob ich ez halte oder ob ichz
Der pf äffen disputieren ist mir gar ein wiht: [läze.
sie prüevent in den arken niht, da ensi ouch iht:
nu prüeven hin, nu prüeven her, son habe ich 60
drinne niht.
Ir fürsten, die des küneges gerne waeren äne,
die volgen mime rate: ichn rate in niht nach wäne.
weit ir, ich schicke in tüsent mile und dannoch me für
Träne.
Der helt wil Kristes reise varn: swer in des irret,
der hat wider got und al die kristenheit getan. 65
ir vinde, ir sult in sine sträze varen län:
waz ob er hie heime iu niemer mere niht gewirret?
Belibe er dort, des got niht gebe, so lachet ir:
kom er uns friunden wider hein, so lachen wir.
der maere warten beidenthalp, und habet den rät 70
von mir.
51 ff. Vgl. einl. s. 9. 61 ff. Vgl. einl. s. 13.
128 76 71 — 103
Vil höhgelobter got, wie selten ich dich prise,
und ich doch von dir beidiu wort hän unde wise!
wie getar ich so gefrevein under dime rIseV
lehn tuon diu rehten werc, ichn hän die wären minne
gein minem ebenkristen, herre vater, noch gein dir: 75
ir keinem wart ich nie so holt so ich bin mir.
got vater unde Sün, din geist berihte mine sinne.
Wie solt ich den geminnen der mir iibele tuotV
ich muoz dem iemer holder sin der mir ist guot.
vergip mir anders mine schulde, wan ich hän noch 80
den mnot.
Er schale, in swelhem namen er sl, der dankes triege
sinen herren unde im rate daz er liege!
erlamen müez ime sin bein, swenn erz ze deheime rate
Si aber er so here daz er da zuo sitze, [biege!
so wünsche ich daz ime sin ungetriuwe zunge erlame 85
die selben machent uns die biderben äne schäme,
sol liegen witze sin, so pflegent die schemelicher witze.
Wan mügens in raten daz si läzen in ir kragen
so valsch geheize oder nach geheize niht versagen?
sie selten geben e dem lobe der kalc waer abe getragen. 90
Ich hän gesehen in der werlte ein michel wunder:
wserz üf dem mer, ez diuhte ein seltssene kunder;
dez min fröude erschrocken ist, min trüren worden munder.
Daz glichet einem bcesen man. swer nu des lachen
strichet an der triuwen stein, der vindet kunterfeit. 95
er bizet da sin grinen niht hat widerseit.
[sin valscheit tuot vil manegem dicke leit.]
zwo Zungen habent kalt und warm, die ligent in sime
In sime süezen honege lit ein giftic nagel. [rächen,
sin wolkenlosez lachen bringet scharpfen hagel. 100
swä man daz spürt, ez kert sin haut und wirt ein
swalwen zagel.
Got weiz wol, daz mfn lop waer iemer hovestaete,
da man eteswenne hovelichen taete
101. Noch nicht befriedigend erklärt, vgl. Bezzenberger
Zfdph VI, 34. Wackerneil, ZfdA 26, 295. Wallner ib. 40, 335.
PBB 33, 12.
76 101-77 10 129
mit Worten oder mit werken, mit gewizzenem geraete.
Mir grüset, so mich lachent an die lechelsere, 105
den diu zunge honget und daz herze gallen hat.
friundes lachen sol sin äne missetät,
lüter als der äbentröt, der kündet liebin maere.
Nu tuo mir lacheliche, oder lache aber anderswä.
swes munt mich triegen wil, der habe sin lachen da: 110
von dem nsem ich ein wärez nein für zwei gelogenio ja.
Sit got ein rehter rihtsere heizet an den buochen,
daz er solte üz siner milte des geruochen
daz er die gar getriuwen üz den valschen hieze suochen !
Joch meine ich hie: sie werdent dort vil gar ge- 115
sundert:
doch saehe ich an ir eteslichem gerne ein schänden mal.
der sich dem man wint üz der hant reht als ein äl,
onwe daz got niht zorneclichen sere an deme wundert!
Swer sant mir var von hüse, der var ouch mit mir hein.
des mannes muot sol veste sin alsam ein stein, 120
üf trinwe sieht und eben als ein vil wol gemähter zein.
77 (L. 104 23).
Man Seite mir ie von Tegerse,
wie wol daz hüs mit eren ste:
darnmbe kerte ich mer dan eine mlle von der sträze.
Ich bin ein wunderlicher man,
daz ich mit selben niht entstän 5
und mich so vil an frömde liute läze.
Ich schilte sie niht, wan got genäde uns beiden,
ich nam da wazzer:
also nazzer
muost ich von des münches tische scheiden. 10
77 1. Vgl. einl. s. 12. 13. 3. Die Schlusszeilen der stellen
sind nicht gleich, also in der Überlieferung entstellt. 8. Es ist
das wasser zum waschen der bände nach der mahlzeit gemeiut.
Walther will also sagen , dass er sonst nichts geschenkt be-
kommen hat. Dass er zum essen keinen wein bekommen habe,
ist nirgends angedeutet. Schon aus diesem gründe wäre die
seltsame deutuug und Zeitbestimmung Burdachs (s. 76) haltlos,
wenn sie sich nicht auch sonst als unrichtig erwiesen hätte.
Walth. V. d. Vogt'lweide. 6. aufl. 9
130 78 1-32
78 (L. 78 24).
Ich bin dem Bogensere holt
gar äne gäbe und äne solt:
er ist milte, swie klein ich sin geniuze.
BÖ nieze in aber ein Polän oder ein Riaze:
daz ist allez äne minen haz. 5
in bra3hte ein meister baz ze maere
danne tüsent snarrenzaere,
tset er den hovewerden baz.
Den diemant den edelen stein
gap mir der schoensten ritter ein: 10
äne bete wart mir diu gäbe sine.
j6 lob ich niht die schcene nach dem' schine:
milter man ist schcene und wol gezogen.
man sol die inre tugent üz keren:
so ist daz üzer lop nach eren, 15
sam des von Katzenellenbogen.
Der anegenge nie gewan
und anegenge machen kan,
der kan wol ende machen und an ende.
Bit daz allez stet in siner hende, 20
wer wsere danne lobes so wol wert?
der si der erste in miner wise:
sin lop get voi^ allem prise:
daz lop ist sselic, des er gert.
Nu loben wir die süezen maget, 25
der ir sun niemer niht versaget,
si ist des mnoter, der von helle uns loste:
daz ist uns ein tröst vor allem tröste,
daz man da ze himel ir willen tuot.
nu dar, die alten mit den jungen, 30
daz ir werde lop gesungen.
Bist guot ze lobenne, si ist guot.
78 1. Vgl. einl. s. 12. 17 ff. Dies lied wird in eine
zeit gehören, wo der von Friedrich gelobte Kreuzzng den
dichter lebhaft beschäftigte. Eine genauere datiening ist
nicht möglich.
78 33 — 61 131
Ich solt iuch engel grüezen ouch,
wan daz ich bin niht gar ein gouch:
waz habet ir der beiden noch zerstceret? 35
Sit iuch nieman siht noch nieman beeret,
saget, waz habet ir noch dar zuo getan?
möht ich got stille als ir gerechen,
mit wem solt ich mich besprechen?
ich wolte iuch herren ruowen län. 40
Her Michael, her Gabriel,
her tiuvels vient Raphahel,
ir pfleget wisheit sterke und arzenle,
dar zuo habet ir engelkcere drie,
die mit willen leistent iur gebot: 45
weit ir min lop, so sit bescheiden
und schadet allererst den beiden:
lopt ich iuch e, daz wsere ir spot.
Swelch herre nieman niht versaget,
der ist an gebender kunst verschraget! 50
der muoz iemer nötic sin oder triegen,
zehen versagen sint bezzer danne ein liegen.
geheize minre unde grüeze baz, '
well er ze rehte umb ere sorgen,
swes er niht mtige üz geborgen 55
noch selbe enhabe, versage doch daz.
Man hohgemäc, an friunden kranc,
daz ist ein swacher habedanc:
baz hilfet . . friuntschaft äne sippe.
lä einen sin geborn von küneges rippe: 60
er enhabe friunt, waz hilfet daz?
42. tiuvels vient heisst Eaphael wol mit hinblick auf
Tobias, cap. 8, wo erzählt wird, wie er den teufel bewältigt,
der die sieben männer der Sara getötet hat. 43. Der name
Gabriel wird gedeutet als „stärke gottes" Eaphael als „heiluug
gottes", Michael als „wer ist wie gott?". Vgl. Laurin 239
sente Michahel der icise. Ein alter hymnus (Mone 1, 814)
schreibt dem von Michael geleiteten engelchore besondere
Weisheit zu.
9*
1 32 78 62 - 9G
mSgschaft ist ein selbwahsen 6re:
so muoz man friunde verdienen sere.
mäc hilfst wol, friunt verre baz.
Swer sich ze friunde gewinnen lät 65
\md ouch da bi die tagende hat
daz er sich äne wanken lät behalten,
des friundes mac man gerne schone walten?
ich hau eteswenue friunt erkom
so sinewel an siner staete, 70
swie gerne ich in behalten haete,
daz ich in muoste hän verlorn.
Swer mir ist slipfic als eiu Is
und mich üf hebt in balles wis,
sinewell ich dem in sinen banden, 75
daz sol zunstffite nieraan an mir anden,
Sit ich dem getriuwen friunde bin
einloetic unde wol gevieret.
swes muot mir ist so vech gezieret,
nu sus nu so, dem walge ich hin. 80
Sich wolte ein ses gesibent hän
üf einen höhvertigen wän:
siis strebte ez sere nach der tibermäze.
swer der mäze brechen wil ir sträze,
dem gevellet lihte ein enger pfat. 85
hohvertic ses, nu stant gedriet!
dir was zem sese ein velt gefriet:
nu smiuc dich an der drien stat.
Unmäze, nim dich beidiu an,
manlichiu wip, wipliche man: 90
pfafllche ritter, ritterliche pfaffen,
mit den solt du dinen willen schaffen:
ich wil dir sie gar ze stiure geben,
und alte juncherren für eigen:
ich wil dir junge altherren zeigen, 95
daz sie dir twerhes helfen leben.
78 97-128 133
Wer sieht den lewen? wer sieht den risen?
wer überwindet jenen und disen?
daz tuot jener der sich selben twinget
und alliu siniu lit in huote bringet, 100
üz der wilde in stseter zühte habe.
geligeniu zuht und schäme vor gesten
mtigen wol eine wile erglesten:
der schin nimt dräte üf und abe.
Wolveile unwirdet manegen lip. 105
ir werden man, ir reiniu wip
niht ensit durch kranke miete veile.
ez muoz sere sten an iuwerm heile,
weit ir iuch vergeben vinden län.
zundanke wolveile unwirdet sere: 110
da bi s6 swachet iuwer ere,
und zluhet doch üf smsehen wän.
Swelch man wirt äne muot ze rieh,
wil er ze sere striuzen sich
üf sine richeit, so wirt er ze here. 115
ze rieh und zarm diu leschent beide sere
an sumelichen liuten rehten muot.
swä übric richeit zühte slucket
und übrie armuot sinne zucket,
da dunket mich enwederz guot. 120
Diu minne ist weder man noch wip,
si hat noch sele noch den lip,
si gelichet sich dekeinem bilde.
ir name ist kunt, si selbe ist aber wilde,
unde enkan doch nieman äne sie 125
der gotes hulden niht gewinnen
si kam in valschez herze nie.
108 ff. Es ist besser, sich umsonst zu einem dienste bereit
finden zu lassen, als wider seine neigung um eines geringen
lohnes willen. Dabei leidet man an seiner ehre schaden, und
es läuft doch bloss auf eine elende hoffnung hinaus.
134 78 129 — 79 10
Ez ist in unsern kurzen tagen
nach minne valsches vil geslagen: 130
swer aber ir insigel rehte erkande,
dem setze ich mine wärheit des ze pfände,
wolt er ir geleite volgen mite,
daz in unfuoge niht erslüege.
minn ist ze himel so gefüege, 135
daz ich sie dar geleites bite.
79 (L. 10 1. 84 U).
Von Röme keiser here, ir hat also getan
ze minen dingen, daz ich iu muoz danken län:
in kan iu selbe niht gedanken als ich willen hän.
Ir hat iuwer kerzen kündeclichen mir gesendet.
diu hat unser här vil gar besenget an den brän, 5
Unde hat ouch uns der ougen vil erblendet:
doch hänt sie mir des wizen alle vil gewendet.
BUS min frume und iuwer ere ir schilhen hat geschendet.
Sie frägent mich vil dicke, waz ich habe gesehen,
swenn ich von hove rite, und waz da si geschehen. 10
79 1 ff. Vgl. einl. s. 13. Die Tcerze in z. 4 ist vielleicht
nur ein bildlicher ausdruck für das vom kaiser gesandte
geschenk. Es fehlt aber au einer befriedigenden erklärung
dafür, wie der dichter dazu gekommen sein könnte, das bild
anzuwenden. Wackernagel (Baseler bischofs- und dienstmannen-
recht s. 26) nimmt kerze im eigentlichen sinne und leitet eine
erklärung ab aus der Verpflichtung der Basler bischöfe, zu licht-
mess ihren in der frauenkirche anwesenden dienstraannen kerzen
zu geben. Er nimmt an, dass auch für den kaiser eine ähn-
liche Verpflichtung gegeu seine dienstmannen bestanden habe,
unter die Walther durch seine belehnung aufgenommen sei, und
dass die Übersendung an einen nichtanwesenden für eine be-
sondere auszeichnung gegolten habe. Das sind aber annahmen,
die zu wenig fest begründet und kaum wahrscheinlich sind.
Vgl. dazu noch Prosch, Zfdph XV, 358. Koch weniger
zulässig scheint es 70 b 1 auf ähnliche weise zu erklären. Eine
eigenartige deutung mit mehreren vorschlagen zur textände-
rung, aber, wie mir scheint, ohne ausreichende Überzeugungs-
kraft, bietet jetzt Saran, PBB 27, 199. 9. Hoftage zu Nürn-
berg, bei denen Leopold von Oesterreich anwesend war, fanden
statt im märz 1200, im februar 1209, im mai 1212, im Januar
79 11-32 135
ich liuge ungerne, und wil der wärheit halber niht
verjehen.
Ze Nüerenberc was guot gerihte, daz sage ich ze maere.
umbe ir milte fraget varndez volc: daz kan wol spehen.
Die Seiten mir, ir malhen schieden danne Isere:
unser heimschen färsten sint so hovebaere, 15
daz Liupolt ein müeste geben, wan daz er ein gast
da waere.
Von Kölne werder bischof, sit von schulden fro.
ir hat dem riebe wol gedienet und also
daz iuwer lop da enzwischen stiget und sweibet hö.
Si iuwer werdekeit dekeinen bcesen zagen swjsre, 20
ftirsten meister, daz si iu als ein unnütze dro.
Getriuwer küneges pflegaere, ir sit hoher maere,
keisers eren trost baz danne ie kanzelaere,
drier künege und einlif tüsent megede kameraere.
Ich drabe da her vil rehte drier slahte sanc, 25
den hohen und den nideren und den mittelswanc,
daz mir die rederichen iegesliches sagen danc.
Wie könd ich der drier einen nu ze danke gesingen?
der höhe der ist mir ze starc, der nider gar ze kranc,
Der mittel gar ze spaehe an disen twerhen dingen. 30
nu hilf mir, edeler küneges rät, da enzwischen dringen,
daz wir als e ein ungehazzet liet zesamene bringen.
1217, ende okt. und anfang nov. 1219, im juni 1224, im nov.
1225. Da aber aus z. 13 heArorzugehen scheint, dass Walther
selbst nicht auf freigebigkeit der füi-sten reflektierte, so wird
der Spruch nach seiner belehnung faUen. Man setzt ihn
jetzt allgemein in das jähr 122-1 ohne völlig zureichenden
grund.
15. 16. Diese zeilen sind trotz allen auseinandersetzungen
darüber (vgl. ausser den ausgaben GennaniaV, 6 ; XX, 262 ; Menzel
801; Blätter f. d. bair. gymn. XI, 214; Burdach s. 22) noch nicht
befriedigend erklärt. 17 ff. Vgl. einl. s. 13. 14. Köln rühmt
sich die gebeine der heiligen drei könige zu verwahren, sowie
die der 11000 Jungfrauen, die nach der sage dem kaiser Karl im
kämpfe gegen die Saracenen beistanden. 25 ff. Es ist un-
möglich, sich von den drei hier von Walther unterschiedenen
arten des gesanges eine genauere Vorstellung zu machen.
136 79 33-64
Swes leben ich lobe, des tot den wil ich iemer klagen.
80 WC im der den werden fürsten habe erslagen
von Kölne! ouwe des daz in diu erde mac getragen! 35
Ine kan im nä.ch siner schulde keine marter vinden:
im waere alze senfte ein eichin wit umb einen kragen,
In wil sin ouch niht brennen noch zerliden noch schinden
noch mit dem rade zerbrechen noch ouch dar üf binden:
ich warte allez ob diu helle in lebende welle slinden. 40
Swer an des edeln lantgräven rate si,
durch sine hübscheit, er si dienstman oder fri,
der mane in umb min leren so daz ich in spür da bi.
Min junger herre ist railte erkant, man seit mir er si stsete,
dar zno wol gezogen: daz sint gelobter tugende dri. 45
Ob er die vierden tugent willeclichen taste,
so gienge er ebene und daz er selten missetraete;
waere unsümic. sümunge schat dem snite und schat
der saete.
Rieh, herre, dich und dine mnoter, der mägede kint,
an den die iuwers erbelandes vinde sint. 50
lä dir den kristen zuo den beiden beide sin als den wint:
Du weist wol daz die heiden dich niht irrent alters eine.
die sint wider dich doch öffentliche unreine, 55
dise unreiner, diez mit in so stille habent gemeine.
Bote, sage dem keiser sines armen mannes rät,
daz ich deheinen bezzern weiz als ez nu stät:
ob in guotes unde liute nieman erbeiten lät.
So var er balde und kome uns schiere, läze sich 60
niht teeren:
irre ouch etellchen der got und in geirret hat;
Die rehten pfaffen warne, daz sie niht gehoeren
den unrehten, die daz riche waenent stoeren;
scheide sie von in, oder scheides alle von den koeren.
41 ff. Vgl. einl. s. 14. 49 ff. Vgl. das Verzeichnis der
Abweichungen von Lachmanns text.
79 65 — 80 7 137
Solt ich den pf äffen raten an den triuwen min, 65
s6 spraeche ir hant den armen zuo 'se daz ist din';
ir zunge sunge nnde lieze manegem man daz sin;
Gedsehten daz ouch sie durch got e wären almuosena^re :
do gap in erste geltes teil der känic Constantin.
Het er gewest daz da von übel künftic waere, 70
so het er wol underkomen des riches swaere;
wan daz sie do wären kiusche und übermttete laere.
Min alter klosensere, von dem ich so sanc,
do uns der erre habest also sere twanc,
der fürhtet aber der goteshüse, ir meister werden kranc. 75
Er seit, ob sie die guoten bannen und den Übeln singen,
man swenke in engegene den vil swinden widerswanc.
An pfrüenden und an kirchen müge in misselingen;
der si vil die dar üf iezuo haben gedingen
dazs ir guot verdienen umb daz riche in lichten 80
ringen.
Mehtiger got, du bist so lanc und bist so breit,
gedaehte wir da nach, daz wir unser arebeit
vlürn. dir sint beide ungemezzen mäht und ewekeit.
Ich weiz bl mir wol daz ein ander ouch dar umbe trabtet:
80 ist ez, als ez ie was, unsem sinnen unbereit. 85
Du bist ze groz, du bist ze kleine: ez ist ungahtet.
tumber gouch, der dran betaget oder benahtet!
wil er wizzen daz nie wart gepredjet noch gepfahtetV
80 (L. 13 5).
Ouwe waz eren sich eilendet von tiuschen landen!
witze und manheit, dar zuo silber und daz golt,
Swer diu beidiu hat, belibet der mit schänden,
wie den vergät des himelischen keisers solt!
Dem sint die engel noch die frouwen holt. 5
armman zuo der werlte und wider got,
wie der fürhten mac Lr beider spot!
69. Vgl. zu 69 46. 73. Vgl. zu 67 46. 80 1 ff. Vgl.
einl. 8. 15. Die zweite und vierte zeile sind in den beiden
ersten Strophen um eine hebung kürzer als in den beiden letzten,
Lachm. trennt die einzelnen Strophen von einander.
138 80 8 — 812
Ouwe ez kumt ein wint, daz wizzet sicherliche,
da von wir beeren beide singen unde sagen:
Der sol mit grimme ervaren älliu künicriche. 10
daz hoere icli wall.-ere unde pilgerine klagen:
Boume, turne ligent vor im zerslagen:
starken liuten wset er diu houbet abe.
nu suln wir fliehen hin ze gotes grabe.
Ouwe wir mtiezegen liute, wie sin wir versezzen 15
zwischen zwein fröuden nider an die jämerlichen stat!
Aller arebeite heten wir vergezzen,
dö uns der kurze sumer sin gesinde wesen bat.
Der brähte uns varnde bluomen unde blat:
do tronc uns der kurze vogelsanc. 20
wol im der ie nach statten fröuden ranc!
Ouwe der wise die wir mit den grillen sungen,
do wir uns selten warnen gegen des kalten winters zit!
Daz wir vil turaben mit der ämeizen niht rungen,
diu nu vil werdecliche bi ir arebeiten lit! 25
Daz was ie der werlte strit,
tören schulten ie der wisen rät.
man siht wol dort wer hie gelogen hat.
81 (L. 124 1).
Ouwe war sint verswunden alliu miniu järV
ist mir min leben getroumet, oder ist ez wärV
12. Lachraann bemerkt, der dichter deute vielleicht auf deu
grossen stürm im dec. 1227; aber es ist von einem erst bevor-
stehenden , prophezeiten stürm die rede. Anzunehmen , dass
Walther gleichzeitig auf den bann Gregors deute, ist trotz der
bestimmtheit, mit der dies Lachmann behauptet, durch nichts in-
diciert. 26. Es fehlt eine hebung. 81. 1 ff. Vgl. Zarncke, PBB
II, 574. Man hat mit unrecht die Situation so aufgefasst, als ob
Walther, nach längerer Abwesenheit in die heimat zurückgekehrt,
dieselbe ganz verändert finde. Er wird sich vielmehr plötzlich
der grossen Veränderungen bewusst, die seit seiner Jugend um
ihn her vor sich gegangen sind. Über das gedieht hat auch Bur-
dach gehandelt in einem vortrage vor der Berl. akd. d. wissensch.,
im auszug mitgeteilt in den Sitzungsberichten 1903, I, s. 612
(fast durchweg verfehlt). Ergebnislos scheinen mir die ausein-
andersetzungen Wallners, PBB 34, 188. Über die strophenform
handelt zuletzt Plenio, ib. 42, 255, schwerlich richtig.
813—37 139
daz ich ie wände daz iht wsere, was daz iht?
dar nach hän ich gesläfen und enweiz es niht.
nu bin ich erwachet, und ist mir unbekant 5
daz mir hie vor was kündic als min ander hant.
liut unde lant, da ich von kinde bin erzogen,
die sint mir frömde worden reht als ez si gelogen.
die mine gespilen wären, die sint trsege und alt,
bereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt: 10
wan daz daz wazzer fliuzet als ez wilent floz,
für war ich wände min ungelücke wurde groz.
mich grüezet maneger träge, der mich bekande e woL
diu werlt ist allenthalben ungenäden vol.
als ich gedenke an manegen wunneclichen tac, 15
die mir sint enpfallen gar als in daz mer ein slac,
iemer mere ouwe.
Onwe wie jsemerliche junge liute tuont!
den vil unriuwecliche ir gemüete stuont,
die kunnen niuwan sorgen: we wie tuont sie söV 20
swar ich zer werlte kere, da ist nieman fro:
tanzen, singen, daz zergät mit sorgen gar:
nie kristenman gesach so jsemerlichiu jär,
nu merket wie den frouwen ir gebende stät:
die stolzen ritter tragent dörpelliche wät. 25
uns sint unsenfte brieve her von Rome komen,
uns ist erloubet trüren und fröude gar benomen.
daz müet mich inneclichen (wir lebten ie vil wol),
daz ich nu für min lachen weinen kiesen sol.
die wilden vögele betrüebet unser klage: 30
waz Wunders ist, ob ich davon verzage?
waz spriche ich tumber man durch minen bcesen zornV
swer dirre wunne volget, der hat jene dort verlorn,
iemer mere ouwe.
Ouwe wie uns mit süezen dingen ist vergeben! 35
ich sihe die [bittern] gallen mitten in dem honege sweben.
diu werlt ist üzen schcene, wiz, grüen unde rot,
26. Gewöhnlich auf die bannung Friedrichs bezogen.
Burdach denkt wohl richtiger an die encyclica vom 1. Oktober
1227 an die bischöfe und die vom 8. Oktober an die fürsten.
31. Es fehlt eine hebung.
MO 8138—82 15
und innän swarzer varwe, vinster sam der tot.
swen si nu habe verleit, der schouwe sinen tröst:
er wirt mit swacher buoze grozer sünde erlost. 40
dar an gedenket, ritter: ez ist iuwer dinc.
ir traget die liebten helme nnd manegen Herten rinc,
dar zuo die vesten schilde und diu gewihten swert.
wolte got, wa;r ich der sigentinfte wert!
80 wolte ich nötic man verdienen riehen solt. 45
joch meine ich niht die huoben noch der herren golt:
ich wolte selbe kröne ewecllchen tragen:
die möhte ein soldensere mit sime sper bejagen,
möht ich die lieben reise gevaren über se,
80 wolte ich denne singen 'wol', und niemer mere 50
'ouwe'.
82 (L. 76 22).
Vil süeze waere minne,
berihte kranke sinne,
got, durch dfn anbeginne
bewar die kristenheit.
Din kunft ist frönebsere 5
über al der werlte swaere.
der weisen barmenaere,
hilf rechen disiu leit.
Loesaer üz den Sünden,
wir gern zen swebenden ünden. 10
uns mac din geist enzünden,
wirt riuwic herze erkant.
din bluot hat uns begozzen,
den himel üf geslozzen.
nu loeset unverdrozzen 15
82. Zu diesem und dem folgenden liede vgl. Block, Bei-
träge zur kritik und erklärung zweier kreuzlieder Walthers v. d.
V. (Programm des realgymnasiums zu Stralsund, ostern 1901).
1. minne wird got angeredet nach 1. Joh.4,8. 16 deus Caritas est.
Speziell wird sonst der heilige geist so bezeichnet. 3. an-
beginne ist hier nicht recht verständlich. Die auf f assung „mensch-
werdung" ist bedenklich. 13. Vgl. 94 47. Christus ist hier als
osterlamm gefasst, mit dessen blute nach alttestamentlicher sitte
das Volk bespritzt ward.
82 16 — 54 141
daz herebemde lant.
verzinset llp und eigen.
got sol uns helfe erzeigen
üf den der manegen veigen
der sele hat gepfant. 20
Diz kurze leben verswindet,
der tot uns stindic vindet:
swer sich ze gote gesindet,
der mac der helle engän.
Bi swsere ist gnade funden: 25
nu heilent Kristes wunden,
sin lant wirt schiere enbunden:
dest sicher sunder wän.
Kungln ob allen frouwen,
lä wernde helfe schouwen. 30
din kint wart dort verhouwen,
sin menscheit sich ergap.
sin geist müez uns gefristen,
daz wir die diot verlisten.
der touf sie seit unkristen: 35
wan fürhtent sie den stap
der ouch die Juden villet?
ir schrien lüte erhillet,
manc lop dem kriuze erschillet.
erlcEsen wir das grap! 40
Diu menscheit muoz verderben,
suln wir den Ion erwerben,
got wolde durch uns sterben,
sin drö ist üf gespart.
Sin kriuze vil geheret 45
hat maneges heil gemeret.
öwer sich von zwivel keret,
der hat den geist bewart.
Sündic lip vergezzen,
dir sint diu jär gemezzeu: 50
der tot hat uns besezzen
die veigen äne wer.
nu hellet hin geliche.
da wir daz hinaelriche
142 82 55-83 2
erwerben sicherliche 55
bi dulteclicher zer.
got wil mit beides banden
dort rechen sinen anden.
sieb schar von manegen landen
des beilegeistes her. 60
Got, dine helfe uns sende:
mit diner zesewen bende
bewar uns an dem ende,
so uns der geist verlät,
Vor bellebeizen wallen, 65
daz wir dar in iht vallen.
ez ist wol kunt uns allen,
wie jämerlicli ez stät,
Daz bere laut vil reine,
gar belfelös und eine. 70
lerusalem, nu weine:
wie din vergezzen ist!
der beiden tiberbere
bat dich verschelket sere.
durch diner namen ere 75
lä dich erbarmen, Krist,
mit welber not sie ringen,
die dort den borgen dingen,
dazs uns also betwingen,
daz wende in kurzer frist. 80
83 (L. 14 38).
Allererst lebe ich mir werde,
Sit min sündic onge siht
78. Unverständlich. 83 Iff. Vgl. einl. s. 15. Wilmanns
will nur die in A überlieferten Strophen 1—21.29 — 42. 50—56.
71-77 als echt gelten lassen, Mettin (PBB XVIII, 209) nur
1—14. 71—77, schwerlich mit recht. Block (vgl. zu 82)
scheidet 57 — 70 aus- N bietet sämtliche Strophen meines
textes, aber zum teil in unrichtiger reihenfolge. Ausserdem
an vierter stelle eine, die in E an zweiter steht, diese lautet:
Me danne tusent hundert {hundert tosent 0) wwnder die von
{Hie in 0) disme lande sint die kan ich ihte mer {Da von
ich nicht 0) bemnder unde gehahten dewne {Kangesagen als 0)
83 3-33 143
Daz hßre lant und ouch die erde
der man vil der eren gibt.
Mirst geschehen des ich ie bat: 5
ich bin komen an die stat
da got mennischlichen trat.
Schceniu lant rieh unde here,
swaz ich der noch hän gesehen,
So bist duz ir aller ere. 10
waz ist Wunders hie geschehen!
Daz ein maget ein kint gebar
here über aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?
Hie liez er sich reine toufen, 15
daz der mensche reine si.
Do liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen Avurden fri.
Anders waeren wir verlorn.
wol dir, sper kriuz unde dorn! 20
we dir, beiden! deist dir zorn.
Do er sich wolte über uns erbarmen,
hie leit er den grimmen tot.
Er vil riebe über uns vil armen,
daz wir kcemen üz der not. 25
Daz in do des niht verdroz,
dast ein wunder alze groz,
aller wunder übergnoz.
Hinnen fuor der sun zer helle
von dem grabe, da'r inne lac. 30
Des was ie der vater geselle
und der geist, den nieman mac
Sunder scheiden: est al ein.
ein deine (f. 0) leint wenne ein teil von unser e stvem des nüd
genuoge der ge zuo den iüden die sagent im (es 0) me. F bietet
eine vereinsselte Strophe gleichen tones, aber von ganz anderem
Inhalt : Vrawe mein durch ewer gute nue vernemet meine clage
das ir durch ewer hochgemut^ nick enzurnet was ich sage vil
leichte das ein tummer man misse redet als er wol kan daran
solt jr euch nicht leeren an.
144 83 34-G6
sieht und ebener danne ein zein,
alB er Abrahame erschein. 35
Do er den tievel do geschande,
daz nie keiser baz gestreit,
Do fuor er her wider ze lande,
dö huop sich der Juden leit,
Daz er herre ir huote brach, 40
und daz man in sit lebendic sach,
den ir hant sluoc unde stach.
Dar nach was er in dem lande
vierzic tage: do fuor er dar
Dannen in sin vater sande. 45
sinen geist, der uns bewar,
Den sant er hin wider zehant.
heilic ist daz selbe laut:
sin name der ist vor gote erkant.
In diz lant hat er gesprochen 50
einen angestlfchen tac,
Da diu witwe wirt gerochen
und der weise klagen mac
Und der arme den gewalt
der da wirt mit ime gestalt. 55
wol im dort, der hie vergalt!
Unser lantrehtaere tihten
fristet da niemannes klage;
Wan er wil zestnnden rihten,
so ez ist an dem lesten tage: 60
Und swer deheine schulde hie lät
nnverebenet, wie der stät
dort da er pfant noch bürgen hat!
Ir enlät iuch niht verdriezen
daz ich noch gesprochen hän. 65
So wil ich die rede besliezen
34. Vgl. 1. Mos. 18. Der dort gegebene bericht wird als
ein beweis für die dreieinigkeit aufgefasst, weil die drei männer
von Abraham zuerst im pl., dann im sing, angeredet werden:
domini mei, nunc inveni gratiam in oculis Ulis, ne quaeso
praetereas a servo tuo. 50. Das jüngste gericht findet nach
dem mittelalterlichen glauben im tale Josaphat statt auf grund
von Joel cap. 3.
83 67 — 84 13 145
kurzlich, und iuch wizzen län:
Swaz got mit der werlte ie
begie,
daz huop sich unde endet hie. 70
Kristen Juden und die heiden
jehent daz diz ir erbe si:
Got müez ez ze rehte scheiden
durch die sine namen dri.
AI diu werlt diu stritet her: 75
wir sin an der rehten ger:
reht ist daz er uns gewer.
84 (L. 101 23).
Selbwahsen kint, du bist ze krump,
Sit nieman dich gerihten mac.
du bist dem besemen leider alze groz,
den swerten alze kleine.
nu släf unde habe gemach. 5
Ich hän mich selben des ze tump,
daz ich dich ie so hohe wac.
ich bare din ungefüege in friundes schöz,
min leit baut ich ze beine,
mlnen rugge ich nach dir brach. 10
Nu 81 din schuole meisterlos an miner stat: ich kan
dir niht.
kan ez ein ander baz, deist mir liep, swaz liebes dir
da von geschiht.
doch weiz ich wol, swä sin gewalt ein ende hat, da
stet sin kunst noch sunder obedach.
84 1. Diesen spruch bezieht Daffis auf den jungen könig
Heinrich und basiert darauf namentlich seine ansieht, dass
Walther dessen erzieher gewesen sei, vgl. einl. s. 14. anm. Anders
Wackernagel zu Simrocks Übersetzung II, 185 und Karajan, Zwei
gedichte Walthers 13 ff. Lachmann setzt die Strophe in das jähr
1205, und Wilraanns bezieht sie in der ersten aufl. auf Philipp,
während er in der zweiten sich der beziehung auf Heinrich zu-
neigt. Keine dieser Vermutungen ist zureichend begründet.
13. Da findet seine kunst keinen abschluss, bleibt wirkungslos (?).
Die erklärung und auch die herstellung des textes ist unsicher.
Vgl. Pfeiffer, Germ. VI, 365.
Walth. V. d. Vogrelweide. 5. aufl. 10
146 8414 — 85 2
Ich was durch wunder tiz gevarn:
dö vant ich wunderlichiu dinc. 15
ich vant die sttiele leider Isere stän,
da wisheit adel und alter
gewaltecliche säzen e.
Hilf frouwe maget, hilf, megede barn,
den drin noch wider in den rinc, 20
lä sie niht lange ir sedeles irre gän.
ir kumber manicvalter
der tuot mir von herzen we.
Ez hat der tumbe riche nu ir drfer stuol, ir drier gruoz.
onwe daz man dem einen an ir drier stat nu nfgen 25
maoz
des hinket reht und trüret zuht und siechet schäme,
diz ist min klage: noch klagte ich gerne m6.
Diu Minne lät sich nennen da
dar si doch niemer komen wil:
si ist dem toren in dem munde zam,
und in dem herzen wilde. 30
hüetet ir iuch reinen wip.
Vor kinden berget iuwer ja:
80 enwirt ez niht ein kindes spil.
Minne unde kintheit sint ein ander gram.
vil dicke in schoenem bilde 35
siht man leider valschen llp.
Ir sult e spehen, war umbe, wie, wenn unde wä reht
unde weme
ir iuwer minneclichez ja so teilet mite daz ez gezeme.
sich, Minne, sich, swer also spehe, der si din kint, so
wIp 80 man: die andern du vertrip.
85 (L. 85 25).
Ich sach hie vor eteswenne den tac,
daz unser lop was gemein allen zungen.
14 ff. Diese klage ist nachgeahmt vom Stricker, Kleine
gedichte ed. Hahn 12 117 ff. 85 1 ff. Von Rieger auf die
regierung Heinrichs bezogen, vgl. zu 71 27.
85 3 — 87 8 147
Swä nns dehein lant iender nähe gelac,
daz gerte snone oder ez was betwangen.
Richer got, wie wir nach eren do rnngen! 5
do rieten die alten, und täten die jungen.
nu krump die rlhtaere sint, —
(diz bispel ist ze merkenne blint)
swaz nu da von geschehe, meister, daz vint.
86 (L. 104 33).
Daz milter man gar wärhaft si,
geschiht daz, da ist wunder bi.
der groze wille der da ist,
wie mac der werden verendet?
Deswär da hoeret witze zuo 5
und wachen gegen dem morgen fruo
und anders manec schoener list,
daz ez iht werde erwendet.
Der also tuot,
der sol den muot 10
an riuwe selten keren:
mit Witzen sol erz allez wegen,
und läze got der sselden pflegen.
s6 sol man Stegen
nach lange wernden eren. 15
87 (L. 87 1).
Nieman kan mit gerten
kindes zuht beherten:
den man zeren bringen mac,
dem ist ein wort als ein slac.
Dem ist ein wort als ein slac, 5
den man zeren bringen mac:
kindes zuht beherten
nieman kan mit gerten.
7—9. Der text ist verderbt und das versmass nicht in
Ordnung.
10*
148 87 9 — 88 4
Hüetet iuwer znngen:
daz zimt wol den jungen. • 10
stoz den rigel für die tür,
lä kein boese wort dar fär.
La kein boese wort dar für,
stoz den rigel für die tür:
daz zimt wol den jungen. 15
hüetet iuwer znngen.
Hüetet iuwer ougen
offenbare und tougen.
lät sie guote site spehen
und die bcesen tibersehen. 20
Und die boesen übersehen
lät sie, guote site spehen.
offenbare und tongen
hüetet iuwer ougen.
Hüetet iuwer oren, 25
oder ir sit tören.
lät ir bcesiu wort dar in,
daz gnneret iu den sin.
Daz guneret iu den sin,
lät ir boesiu wort dar in. 30
oder ir sit toren,
hüetet iuwer oren.
Hüetet wol der drier
leider alze frier.
Zungen ougen oren sint 35
dicke schalchaft, zeren blint.
Dicke schalchaft, zeren blint
znngen ougen oren sint.
leider alze frier
hüetet wol der drier. 40
88 (L. 102 29).
Mirst diu ere unmsere,
da von ich ze järe wurde unwert.
Und ich klagende wsere
'we mir armen hiure! diz was vert.
88 5 — 89 19 149
Also hän ich mangen kränz verborn 5
und bluomen vil verkom.
jö braeche ich rosen wunder, wan der dorn.
Swer sich so behaltet
daz im nieman niht gesprechen mac,
Wunuecliche er altet. 10
im enwirret niht ein halber tac.
Des ist fro, swenn er ze tanze gät,
swes herze üf ere stät.
we im, des sin geselle unere hat!
Man sol iemer fragen 15
von dem man, wiez umb sin herze ste.
Swen des wil betragen,
der enruochet wie diu zit zerge.
Maneger schinet vor den frömden guot,
und hat doch valschen muot. 20
wol im ze hove, der heime rehte tuot!
89 (L. 59 37).
Wie sol man gewarten dir,
Werlt, wilt also winden dich?
Wsenest dich entwinden mir?
nein: ich kan ouch winden mich. 5
Du wilt sere gäben,
und ist vil unnähen
daz ich dir noch sül versmähen.
Du hast lieber dinge vil,
der mir einez werden sol.
Werlt, wiech daz verdienen wil; 10
doch solt du gedenken wol
obe ich ie getrsete
fuoz von miner staete,
Sit du mich dir dienen bsete.
Werlt, du ensolt niht umbe daz 15
zürnen, ob ich lones man. «
Grüeze mich ein wenic baz,
sich mich minneclichen an.
Du mäht mich wol pfenden
150 89 20 — 90 7
und min heil erwenden: 20
daz stet, frouwe, in dinen henden.
lehn weiz wie din wille ste
wider mich: der mine ist guot
Wider dich. Waz wil dus me,
Werlt, von mir, wan hohen muot? 25
Wilt du bezzer wunne,
danne man dir gunne
fröude und der gehelfen kunne?
Werlt, tuo me des ich dich bite:
volge wiser Hute tugent. 30
Da verderbest dich da mite,
wil du minnen toren jugent. •
Bite die alten ere
daz sie wider kere
und aber din gesinde lere. 35
90 (L. 1 16 33. 117 7).
Bi den liuten nieman hat
hovelichem trost denn ich:
So mich sende not bestät,
80 schine ich geil und trceste selben mich.
Also hau ich dicke mich betrogen 5
und durch die werlt manege fröude erlogen:
daz liegen was aber lobelich.
85. E fügt noch zwei Strophen hinzu : Werlt wie lange sol
ich gern du weist wol wes utide wa du muost miner fraude
enpem mir enwerde huoz alda get heim hie ist gesungen
wirde ich hie verdrungen so heslüzze ich mine zungen. Ich
han ir (dir Lachm.j gedienet so werlt daz ich mis niht schäme
stoie du mich mit lone macJies fro dir geschiht vil lihte alsame
ich wölte oc ein vil deine weistu waz ich meine wider liebe
liep daz eine. 90 Iff. Die Strophen dieses tones stehen hier
in der handschriftlichen reihenfolge. Lachmann und die übrigen
herausgeber stellen die zweite strophe mit der vierten und
fünften zu einem liede zusammen. Veranlassung dazu waren
metrische unglei«hmässigkeiten, die aber wol durch die Über-
lieferung verschuldet sind. Z. 2 und 16 haben jetzt eine hebung
zu wenig. In den beiden letzten Strophen bat die vorletzte zeile
eine hebung mehr als in den vorangehenden, wenn sie nicht
mit zweisilbigem auftakt zu lesen ist.
90 8 — 914 151
Leider ich muoz mich entwenen
Maneger wunne der min ouge an sach:
War nach sol sich einer senen, 10
der niht geloubet waz hie vor geschach?
Der weiz lützel waz daz si, gemeit.
deist senender muot mit gerender arebeit.
unsselic si daz ungemach!
Maneger wsenet der mich siht, 15
min herze si an fröuden ho.
Hoher fröude hän ich niht,
und wirt mir niemer wider, wan also:
Werdent tiusche liute wider gnot,
und troestet si mich, diu mir leide tuot, 20
80 wirde ich aber wider fro.
Ich hän ir gedienet vil,
der Werlte, und wolte ir gerne dienen me,
Wan dazs übel danken wil,
und wsenet daz ich mich des niht verste. 25
Ich versten michs wol an eime site:
des ich aller serest ger, so ich des bite,
80 glt siz einem toren e.
lehn weiz wiechz erwerben mac.
des man da pfligt, daz widerstuont mir ie: 30
Wirbe aber ich so man e pflac,
daz schadet mir lihte: sus enweiz ich wie.
Doch verwaen ich mich der fuoge da,
daz der ungefüegen werben anderswä
genaemer si dan wider sie. 35
91 (L. 100 24).
Fro Werlt, ir sult dem wirte sagen
daz ich im gar vergolten habe;
Min gröziu gülte ist abe geslagen;
daz er mich von dem brieve schabe.
91 1. Der wirt ist der teufel, der als inhaber der weit ge-
dacht wird, dem man zu bezahlen hat, was man darin geniesst.
152 91 o — 92 4
Swer ime iht sol, der mac wol sorgen. 5
e ich im lange schuldic wäre, ich wolt e zeinem Juden
er swiget unz an einen tac: [borgen,
so wil er danne ein wette hän, so jener niht ver-
' Walther, du zürnest äne not: [gelten mac.
du solt bl mir beliben hie. 10
Gedenke waz ich dir eren bot,
waz ich dir dines willen lie,
Als du mich dicke sere ba^te.
mir was vil innecliche leit daz duz so selten taete.
bedenke dich: diu leben ist guot: 15
so du mir rehte widersagest, so wirst du niemer wol
Fro Werlt, ich hän ze vil gesogen; [gemuot.'
ich wil entwonen, des ist zit.
Din zart hat mich vil nach betrogen,
wand er vil süezer fröuden git. 20
Do ich dich gesach reht under ougen,
dö was din schouwen wunderlich al sunder lougen:
doch was der schänden alse vil,
do ich din binden wart gewar, daz ich dich iemer
'Sit ich dich niht erwenden mac, [schelten wil. 25
so tuo doch ein dinc des ich ger:
Gedenke an manegen liebten tac,
und sich doch underwilent her,
Niuwan so dich der zit betrage.'
daz taet ich wunderlichen gerne, wan deich fürhte 30
vor der sich nieman kan bewarn. [dine läge,
got gebe iu, frouwe, guote naht: ich wil ze her-
berge vam.
92 (L. 66 21).
Ir reinen wip, ir werden man,
ez stet also daz man mir muoz
er unde minnecllchen gruoz
noch volleclicher bieten an.
14. Diese zeile ist um eine hebung zu kurz, z. 22 um zwei.
21 ff. Diese Vorstellung von der weit begegnet auch sonst,
besonders in der erzählung Konrads von Würzburg Der tcerZfeZön.
92 1 ff. Vgl. einl. s. 4'.
92 5 — 36 153
Des habet ir von schulden grcezev reht dan e: 5
weit ir vernemen, ich sage in wes:
wol vierzec jär hab ich gesungen oder me
von minnen und als iemen sol.
Do was ichs mit dem andern geil:
nu enwirt mirs niht, ez wirt in gar. 10
min minnesanc der diene iu dar,
und iuwer hulde si min teil.
Lät mich an eime stabe gän
und werben umbe werdekeit
mit unverzageter arebeit, 15
als ich von kinde habe getan:
So bin ich doch, swie nider ich si, der werden ein,
genuoc in miner mäze ho.
daz müet die nideren. ob mich daz iht swache? nein,
die biderben hänt mich deste baz. 20
Diu wernde wirde diust so guot,
daz man irz höchste lop sol geben,
ezn wart nie lobelicher leben,
swer so dem ende rehte tuot.
Werlt, ich hän dtnen Ion ersehen: 25
swaz du mir gist, daz nimest du mir.
wir scheiden alle bloz von dir.
schäm dich, sol mir also geschehen.
Ich hän lip unde sele (des was gar ze vil)
gewäget tüsentstunt durch dich. 30
nu bin ich alt und hast mit mir din' gampelspil:
und zürne ich daz, so kichest du.
Nu lache uns eine wile noch:
din jämertac wil schiere komen,
und nimet dir swaz du uns hast benomen, 35
und brennet dich dar umbe iedoch.
13. -Gesetzt auch ich ginge zu fuss am wanderstabe
(wie ein bettler)." Walther war in Wirklichkeit auch in seiner
dürftigsten zeit immer zu pferde, vgl. 76, 38. 25 ff. Die
drei Strophen gehören vielleicht zu einem liede zusammen.
154 92 37 — 93 2
Min sele müeze wol gevarn!
ich hän zer werlte manegen lip
gemachet frö, man unde wip:
künd ich dar under mich bewarn! 40
Lobe ich des libes minne, deist der sele leit:
si gibt, ez sl ein lüge, ich tobe.
der wären minne gibt si ganzer staetekeit,
wie gnot si si, wies iemer wer.
Lip, lä die minne diu dich lät, 45
und habe die staeten minne wert:
mich dunket, der du hast gegert,
diu sl niht visch unz an den grät.
Ich bäte ein scboene bilde erkorn;
ouwe daz ich ez ie gesach 50
oder ie so vil zuoz ime gesprach!
ez hat schcen unde rede verlorn.
Da wonte ein wunder inne: daz fuor ine weiz war:
da von gesweic daz bilde iesä.
sin liljerosevarwe wart so karkelvar, 55
daz ez verlos smac unde schin.
Min bilde, ob ich bekerkelt bin
in dir, so lä mich üz also
daz wir ein ander vinden frö:
wan ich muoz aber wider in. 60
93 (L. 122 24).
Ein meister las, troum unde Spiegelglas,
daz sie zem winde bi der staete sin gezalt.
49. Das gebilde ist der eigene leib. 93 1 ff. Die
echtheit dieses liedes ist angezweifelt. In dessen ist die
künstlichkeit der form auch anderen gedichten aus Walthers
späterer lebenszeit eigen, und aus derselben erklärt sich
manches gesuchte im ausdruck. las in z. 1 bedeutet soviel als
„dichtete", „sagte in seinem gedickte", indem die nicht sangbaren
gedichte gewöhnlich durch vorlesen verbreitet wurden, und
der dichter selbst der erste Vorleser zu sein pflegte. Das
zitat bezieht sich vielleicht auf "Wolframs Parzival 1, 20 ff. : sin
93.3 — 36 155
Loup unde gras, daz ie min fröude was,
swiech nu erwinde, ez dunket mich also gestalt.
Dar zuo die bluomen manicvalt, 5
diu beide rot, der grüene walt.
der vögele sanc ein trüric ende hat;
dar zuo diu linde süeze und linde.
80 we dir, Werlt, wie dirz gebende stät!
Ein tumber wän den ich zer werlte hän, 10
derst wandelbaere, wand er bcesez ende git:
Ich solt in län (wan ich mich wol verstau),
daz er iht gebsere miner sele grozen nit.
Min armez leben in sorgen lit:
der buoze waere michel zit. 15
nu fürhte ich siecher man den grimmen tot,
daz er mit swsere an mir gebaere.
vor vorhten bleichent mir diu wangen rot.
Wie sol ein man der niuwan Sünden kan,
.... gedingen oder gewinnen höhen muot? 20
Sit ich gewan den muot daz ich began
zer werlte dingen merken übel unde guot,
Do greif ich, als ein töre tuot,
zer winstern haut reht in die gluot,
und merte ie dem tievel sinen schal. 25
des muoz ich ringen mit geringen:
nu ringe und senfte ouch Jesus minen val.
Heiliger Krist, Sit du gewaltic bist
der werlte gemeine, die nach dir gebildet sint,
Gip mir den list daz ich in kurzer frist 30
alsam gemeine dich sam diniu erweiten kint.
Ich was mit sehenden ougen blint
und aller guoten dinge ein kint,
swiech mine missetät der werlte hal.
mache mich reine, e min unreine 35
sele versinke in daz verlorne tal.
anderhalp ame glase gelicJiet (ziuu, auf der rückseite des glases
geglättet, d. h. ein spiegel) und des Minden troum, die gebent
antlützes roum (Schattenbild), doch mac mit stcete niht gestn
dirre trüebe lihie schin. 4. Unverständlich. 23. Vgl. Lieb-
echt, Germania I, 475.
156 94 1 — 29
94 (L. 3 1)
Got, diner Trinitäte,
die beslozzen häte
din ftirgedanc mit rate,
der jehen wir: mit driunge
diu drie ist ein einunge. 5
Ein got der hohe here
(sin ie selbwesende ere
verendet niemer mere),
der sende iins sine lere.
ans hat verleitet sere 10
die sinne üf manege Sünde
der fürste üz helle abgründe.
Sin rät und broedes fleisches gir
die hänt geverret, herre, uns dir.
Sit disiu zwei dir sint ze halt 15
und du der beider hast gewalt,
So tuo daz dinem namen ze lobe,
und hilf uns daz wir mit dir obe
geligen, und daz din kraft uns gebe
BÖ starke staete widerstrebe, 20
Da von din name si geret
und ouch din lop gemeret.
da von wirt er guneret, »
der uns da sünde leret
Und der uns üf unkiusche jaget, 25
sin kraft von diner kraft verzaget,
des si dir iemer lop gesaget,
und ouch der reinen süezen maget,
von der uns ist der sun betaget,
94 1 ff. Dies gedieht ist der einzige leich Walthers, d. h.
ein der form der lateinischen Sequenzen nachgebildetes lied,
aus ungleichen Strophen bestehend, aber doch nicht ohne eine
gewisse symmetrische gruppierung. lieber den bau dieses leiches
handelt Bartsch, Germania VI, 187 ff. Die richtigkeit seiner auf-
fassung scheint mir aber nicht gesichert. Vgl. femer Schade,
Wissenschaftl. monatsbl. III, 29. Eine berichtigung der Lach-
mannschen lesarten gibt Zarncke, PBB VII, 599. Sachliche
anmerkungen bietet Fasching, Germ. XXII, 436. XXIII, 34.
94 30—51 157
der ir ze kinde wol behaget. 30
Maget und muoter, schouwe der kristenheite not,
du blüende gerte Arönes, üf gender morgenröt,
Ezechieles porte, diu nie wart üf getan,
durch die der künec herliche wart üz und in gelän.
also diu sunne schinet durch ganz geworhtez glas, 35
also gebar diu reine Krist, diu maget und muoter was.
Ein bosch der bran, da nie niht an besenget noch
verbrennet wart:
breit unde ganz beleip sin glänz vor fiures flamme
unverschart.
daz ist diu reine maget alleine, diu mit maget-
Kindes muoter worden ist [lieber art 40
an aller manne mitewist,
wider menneschlichen list
den wären Krist
gebar, der uns bedähte.
Wol ir, daz si den ie getruoc, , 45
der unsem tot ze tode sluoc!
mit sinem bluote er ab uns twuoc
den ungefuoc
den Even schulde uns brähte.
Salomones hohes trones bist du, frouwe, ein selde
here und ouch gebietserinne. 50
balsamite, margarite, ob allen megeden bist du,
maget, ein maget, ein küneginne.
81 ff. Die hier zum preise der Jungfrau verwendeten epitheta
und vergleichungen sind alle traditionell, schon vor Walther
in der mitteralterlichen poesie angewendet. Darüber handelt
W. Grimm in der vorrede zu seiner ausgäbe der goldenen
schmiede von Konrad von Würzburg, vollständiger A. Salzer, Die
Sinnbilder und beiworte Mariens (programme des gymnasiums
zu Seitenstetten), Linz 1886—1893. 32. Vgl. 4. Mos. 17, 8 und
Hoheslied 6, 9. 33. Vgl. Hesekiel 44, 2. 35. Häufiges bild
für die unverletzte Jungfräulichkeit, vgl. Grimm a. a. o. XXXI, 12.
37. Vgl. 2. Mos. 3, 2. 47. Vgl. zu 82 13. 50. Vgl.
Georg von Eeinbot von Dume 2706: höhiu pfcdz und fröne
hern Salomones tröne. Sonst wird Maria selbst Salomos thron
genannt, vgl. 1. (3.) Kön. 10, 18. 51. Vgl. Grimm XLHI, 2.
XLI, 15.
158 94 52 — 87
gotes amme, ez was din wamme ein palas kleine,
da daz reine lamp aleine lac beslozzen inne.
Dem lamme ist gar
gelich gevar
der megede schar: 55
die nement sin war
und kerent swar ez keret.
Daz lamp ist Krist,
der war got ist,
da von du bist 60
nu alle frist
gehoehet und geheret.
Nu bite in daz er uns gewer
durch dich des unser dürfte ger.
du sende uns trost von himel her: 65
des wirt din lop gemeret.
Du maget vil unbewollen,
der Gedeönes wollen
gelichest da bevollen,
die got begoz mit sime himeltouwe. 70
Ein wort ob allen w orten
entsloz diner oren porten,
des süeze an allen orten
dich bat gesüezet, süeze himelfrouwe.
Daz üz dem worte erwahsen si, 75
daz ist von kindes sinnen fri.
ez wuohs ze worte und wart ein man.
da merket alle ein wunder an:
ein got der ie gewesende wart
ein man nach menneschlicher art. 80
swaz er noch Wunders ie begie,
daz hat er überwundert hie.
des selben wunderaeres hüs
was einer reinen megede klüs
wol vierzic wochen und niht me 85
an alle stinde und äne we.
Nu biten wir die muoter und euch der muoter bam,
52. Vgl. Grimm XXXVI, 30. 53. Vgl. Apoc. 14, 4. 68. Vgl.
Richter 6, 37. 8.
94 88 — 124 159
gi reine und er vil guoter, daz sie uns tuon bewam.
wan äne sie kan niemen hie noch dort genesen;
nnd widerredet daz lernen, der muoz ein töre wesen. 90
Wie mac des iemer werden rät,
der umbe sine missetät
niht herzelicher riuwe hat,
Sit got enheine sünde lät,
Die niht geriuwent zaller stunt 95
hin abe unz üf des herzen grünt?
dem wisen ist daz allez kunt,
daz niemer sele wirt gesunt,
diu mit der Sünden swert ist wunt,
sin habe von gründe heiles funt. 100
Nu ist uns riuwe tiure:
sie sende unz got ze stiure
bi sinem minnefiure.
sin geist der vil gehiure
Der kan wol herten herzen geben 105
wäre riuwe und lihtez leben:
da wider solte niemen streben.
Swä er die riuwe gerne weiz,
da machet er die riuwe heiz:
ein wildez herze er also zamt, 110
daz ez sich aller Sünden schämt.
Nu sende uns, vater unde sun, den rehten geist her abe,
daz er mit siner süezen fiuhte ein dürrez herze erlabe,
unkristenlicher dinge ist al diu kristenheit so vol.
swä Kristentuom ze siechhüs lit, da tuot man im niht
wol. 115
In dürstet sere nach der lere als er von Rome
was gewon:
der im die schancte und in da trancte als e, da
Swaz im da leides ie gewar, [wurde er vamde von.
daz kam von simonie gar,
und ist er da so friunde bar, 120
daz em getar
niht sinen schaden gerüegen.
Kristentuom und kristenheit,
der disin zwei zesamne sneit,
160 94 125 — 162
geliche lanc, geliche breit, 125
liep unde leit,
der wolte ouch daz wir trüegen
In Kriste kristenlicliez leben.
Sit er uns hat üf ein gegeben,
80 suln wir uns niht scheiden. 130
Swelch kristen kristentuomes gibt
an Worten und an werken niht,
der ist wol halp ein beiden.
Nu ist uns ir beider not:
daz eine ist an daz ander tot: 135
nu stiure uns got an beiden,
Und gebe uns rät,
Sit er uns hat
sin bantgetät
geheizen offenbare. 140
Nu senfte uns, frouwe, sinen zorn,
barmherzic muoter üz erkorn,
du frier rose sunder dorn,
du sunnevarwiu kläre.
Dich lobet der höhen engel schar: 145
doch brähten sie din lop nie dar
daz ez volendet wurde gar,
Swä ez ie wurde gesungen
in stimmen oder von zungen
üz allen ordenungen 150
ze himel und üf der erde,
ich mane dich, gotes werde,
Wir biten umb unser sünde dich,
daz du uns sist gensediclich.
So daz din bete erklinge 155
vor der barmunge urspringe.
so hän wir des gedinge,
din schulde werde ringe.
Da mite wir sere sin beladen,
hilf uns daz wir sie abe gebaden 160
Mit staete wernder riuwe umb unser missetät,
die äne got und äne dich nieman ze gebenne hat.
143. Vgl. Grimm XXXVI, 34; vgl. auch 68 38.
95 1 — 36 161
Zweifelhaftes uud unechtes.
05 {L. s. 183).
Sit mir din niht m§r werden mac,
wan daz ich küme dich ges§,
So wünsche ich dir heiles naht und tac,
und bin doch iemer an der fle,
Daz dich got vor'valscher diet bewar 5
und leite dich an aller engel schar,
ouch bite ich, swä du mich ersest,
daz du tougeu
ein lützel mit den ougen
zuo mir neiges 10
und mir eine kleine liebe erzeiges:
so enruoche ich, ob du mich mit worten vest.
*Man mac wol offenbare sehen
din scheiden an den ougen min:
Nu sprich, wie waere mir geschehen, 15
het ich getan den willen din?
So euwurde ich niemer rehte vro.
du enkumest wider, ich wirde iedoch also.
du bist mir ein fremder man.
we warumbe ' 20
klage so sere ich tumbe
durch daz eine,
daz wir ie warn mit rede gemeine?
doch wizze got deich dir wol ze lebenne gan.'
Ich hau vil kleine an dir bejaget 25
wan under wilen einen gruoz.
Du hast mir aber so wol versaget
daz ich dir iemer dienen muoz.
Ob ich an dir niht erworben hän,
wol mich! son hat ein ander ouch getan. 30
also kaust du wesen gemeit.
fot dir löue
az du mich Melde schone,
wis gesunde.
we daz ich dich also funde; 35
nu, frouwe, gedenke an alle stsetekeit.
95 1 ff. In E und F überliefert, in gleichem tone wie 53,
nur dass die fünfte zeUe eine hebung weniger hat, was aber
vielleicht auf rechuung der Überlieferung kommt. Bedenken
gegen Walthers Verfasserschaft erregen nur die reime gese : fle,
ersest : vent , von denen man aber doch nicht behaupten kann,
dass sie ihm durchaus nicht zuzutrauen- sind. Beachtenswert
ist es, dass es sich hier um einen abschied handelt wie in 53 1 ff.
und wahrscheinlich auch ft3 25 ff. Auch kommt diese art Zwie-
gespräch in der lyrik nach Walther fast gar nicht mehr vor.
Walth. V. d.Votfelweide. 5. Aufl. H
162 961 — 9813
96 (L. s. XIII).
Ja lige ich mit gedauken der alrebesten bi.
mirst leit daz ich sie ie gesach, sol sie mir fremede sin.
ichn mac ir uiut verge^zeu deheine zit: sist guot;
und ist behuot:
des trüret mir der muot. 5
ir sult mir alle helfen klagen diu leit diu man mir an ir tuot.
97 (L. s. XIII).
Herzeliebez frouwelin,
tuo an mir din ere!
da von solt du sselic sin
hiute und immer mere.
frouwe, du solt machen 5
mich und manegen frö,
daz wir dich an lachen.
wol dir, und tuost also!
frouwe, du solt tragen
pfeller unde siden, 10
daz sie gar verzagen,
jene die uns da niden:
und suln als schöne zieren dich,
daz du noch solt geweren mich.
98 (L. XV 1).
Ja waz wirt der kleinen vogeline?
der kalte sne '
der tuot in we.
Daz sint nu die meiste swaere mine,
mir enfüege got 5
sülchen spot
Daz diu schoene gnade an mir spsete
diu mir nsehest minen arm vemaete.
Ouwe daz ich also rehte verre
von ir hin 10
fevaren bin!
6 fürhte ich sere daz ez mir gewerre,
dazs ein ander siht,
961 ff. In A überliefert. Strophenform und stil ist sehr
altertümlich. Das gedieht mtisste zu den frühsten versuchen
Walthers gehören, wenn es ihm zukäme. 971 ff. In E über-
liefert, deutet auf ein ähnliches Verhältnis wie 12. 98 Iff. Dies
und die beiden folgenden lieder sind in E überliefert. Das
versmass scheint zerrüttet, da die zweite zeile der Stollen
bald zwei, bald drei hebungen hat. Die letzte Strophe wird
von Lachmann abgetrennt.
9814 — 99 27 163
und ich nilit.
Wolte got, und waerens alle tören, 15
die ir so vil gerilnen zuo den oren!
Wil si wider si so lange striten
als wider mich,
daz lob ich:
S6 getuot siz noch in langen ziten. 20
e denne ez erge,
ich kam e.
Wan des einen fürht ich harte sere:
kan ich vil, so kan si lihte mere.
Tumbe liute nement mich besunder, 25
und frägent mich da bi,
wer si si.
Rieten siz. daz wjere ein michel wunder;
wan daz nie geschach
des ich da jach. 30
Müget ir beeren gemelichiu msere?
gerne weste ich selbe wer si wfere.
99 (L. XVI 1).
Ich hän die zit wol gesehen an der linden:
sist worden val:
Ouwe j6 lit al ir loup vor den winden
verre imme tal.
Des müezen beide 5
walt unde beide
werden ze leide.
Swaz grüenes was, daz blichet besunder
Loup unde gras, schcene bluomen dar under 10
Noch klag ich mere,
daz die vogel here
trürent ze sere.
Als ez nu stät, so ist ez ze sorgen 15
sere gewant.
Der Winter hat michel ere verborgen,
die ich hän genant.
Daz klaget ich vil kleine,
wolt ein wip aleine. 20
ouwe si vil reine I
Swer wip wil sehen beide schcene unde wise,
1er sol fragen dar:
^ö muoz er jehen daz nie sunne ze prise
stüende so gar. 25
Hört ir ie baz grüezen
mit Worten so süezen,
11*
164 99 28 — 100 30
ich wil lüge büezen.
Da mac ein man wol Verliesen die sinne
von grözer not. 30
Lachet sin an, so ist ir munt und ir kinne
wiz unde rot.
Seht, disiu schulde
machet deich dulde
not umb ir hulde. 35
Sich, saelic wip, daz ich so lange mide
dich, daz tuot mir we.
Din süezer lip ist unsenfte als ein side,
swarz als ein sue.
Nach sülchen güeten 40
mac min herze wüeten:
wie sei i'z behüeten?
100 (L. xvn 1).
Järlanc sint die tage trüebe,
lützel ist daz sich ze fröuden üebe.
Des sint löuber unde gras
verdorben, dar zuo bluomen unde kl6,
Daz der ougen wunne was. 5
den vögeln tuot der kalte rife we.
Sumer, du hast manege güete,
du gist al der werlde höchgemüete.
Winter, hast du tröstes iht,
80 troeste mich, daz ich gelobe dich. 10
Leider, du hast tröstes niht,
wan einen: des selben des gelüstet mich.
Winter du hast lange nehte.
der ist sselic, dem sie kumen rehte.
Der mit fröuden leben sol 15
bi dem sint si niht ze laue:
Dem entsete niht s6 wol
der blüende meige noch sin vogelsanc.
Ligents an angest uude warme
si an sinem munde, er an ir arme, 20
So ist in liep der kurze tac.
der langen naht sint sie. ich waene, frö:
Lit man noch als man dö lac,
dö i's pflac, so ist ez noch also.
Wol bedorfte ich guoter sinne: 25
mich entrcestet weder zit noch minne.
Wä von ist mir daz geschehen,
wan daz ich mich durch friunt versümet hän?
Wellen sie daz übersehen,
daz stet in übel, und hän ich wol getan. 30
1011 — 10213 165
101 (L. XVII 31).
Wie hän ich nnsaelic man
zallen spileu sus getan gevelle,
Daz ich niht gedienen kan
daz mir ieman rehte Ionen welle?
mac ich dienen anderswä, 5
da min dienest mich vervä,
als ich bite, daz man spreche ja?
Wsere ich hi ir tüsent jär,
so enkönde ich aller rede mere,
Wan daz ich ir gerne war 10
sage und liep hän ir lip und ir ere.
Des biut ich ir minen eit:
wil sis groezer Sicherheit,
mac si sprechen ja, ich bin bereit.
Eines dinges prise ich sie, 15
daz si ist so rehte wol versunnen,
Daz si gerne midet die
die so vil unnützer rede kunnen.
Wol mich dazs erkennen kan
einen lachenden man! 20
daz sint «iinc der ich ir vil wol gan.
Könde ich des geniezen iht
dazs an mir gensedecliche tsete,
Son könd ich verderben niht:
sus ist al min fröude gar unstsete. 25
Seht an disen grisen roc:
ich gewinne alsülchen loc
und ein gräwez kinne als ein hoc.
102 (L. 47 16).
Ich minne, sinne lange zit.
versinne Minne sich,
wie si schöne lone miner tage,
So löne schöne: dest min strit.
vil kleine meine mich, 5
niene meine kleine mine klage
Unde rihte
solch unbilde,
daz ein ledic wip,
mich verderbet . 10
gar äne schulde,
zir gesihte
werde ich wilde,
101 1 ff. In E und F. 102 1 ff. In BC Walther, in A
Reinmar zugeschrieben. Der anhang der Heidelberger Frei-
dankhandschrift enthält eine Strophe in dem gleichen tone.
166 10214 — 103 32
mich enbabe ir lip
fröude enterbet. 15
noch ger ich hulde.
waere msere staeter man,
so solte, wolte si, mich an
eteswenne denne ouch sehen,
so ich gnuoge fuoge künde spehen. 20
103 (L. 71 19. MF. 152 25).
'Ich hoere im maneger eren jehen,
der mir ein teil gedienet hat.
Der im in sin herze kau gesehen,
an des genäde suoch ich rät,
Daz er mirz rehte erscheine. 5
nu fürht aber ich daz erz mit valsche meine,
taet er mir noch den willen schin,
hset ich iht liebers danne den lip, des müeser herre siu. "
Wie kumt daz ich so wol verstän
ir rede, und si der miner niht, 10
Und ich doch groze swaere hau,
wan daz man mich frö drunder siht?
Ein ander man ez iieze:
nu volg aber ich, swie ich es niht genieze.
swaz ich dar umbe swsere trage,
da enspriche ich niemer übel zuo, wau so vil daz ichz klage.
Ich lebte ie nach der Hute sage,
wan daz sie niht geliche jehent.
Als ich ein hohez herze trage
und sie mich wol gemuoten sehent, 20
Daz hazzet einer sere,
der ander gihet, mir si fröude ein ere.
nun weiz ich weme ich volgen sol;
bete ich wisheit unde siu, so taete ich gerne wol.
Ist daz mich dienest helfen sol, 25
als ez doch mauegen hat getan.
So gewinnet mir ir hulde wol
ein wille den ich hiute hän.
Der riet mir deich ir bsete,
und zurude aber siz, daz ich ez dennoch taete. 30
nu wil ichz tuon, swaz mir geschiht.
ein reine wise saelic wip läz ich so übte niht.
1031 ff. Teils Walther, teils Reinmar zugeschrieben.
Die bessere gewähr ist für den letzteren, von dem noch eine
reihe anderer Strophen des gleichen tones erhalten sind, vgl.
PBB II, 552.
1041 — 106 2 167
104 (L. s. 166).
Ein wlp mit wibes güete.
diu rehte in wibes sinne treit ein wiplich hohgemüete.
diu wibet sich so schöne daz ir wipheit sselde birt.
AVol ir diu sich so wibet,
daz si in rehter wibes tugent bi wibes zuht belibet. 5
der weiz ich eine, diu des niemer fuoz verstozen wirt.
Diu reine minnecliche tuot
so rehte an allen dingen, da von ir staete wibes ere sint
und ouch ir lip [behuot
vor valsche gar. si ist so guot, 10
daz ich sie nseme, und seit ich wein üz al der weite ein wip.
Nu hoeret, lät iuch wisen,
wie sich ein sselic frouwe sol für ander frouwen prisen,
so daz ir lop bekeret nach der besten volge si:
Si sol die höhfart miden, 15
da mite ein saelic frouwe mac ir wibes zuht versniden,
und sol doch rehtes hohes muotes niemer werden fri.
Si minne zuht und höhen mnot,
si staete an allen dingen, bescheidenliche fro und doch
diemüetec lip [dar under guot, 20
da bi den allen rehte tuot,
rein unde erbermic herze habe, und si nach wünsche ein wip.
105 (L. 111 12).
Selpvar ein wip,
an wize, an roete ganzlicher stsete,
ungemälet, daz si niht gebuggerämet waere,
Ich lobe ir lip,
swie ich sie doch nie niht gebsete. 5
ja hoere ich gerne von ir guotiu mare,
Diu ir val här üf gebunden hat.
bi ir mauegiu hin ze kirchen gät.
diu ir swarzen nac vil höhe blecken lät.
ich waene daz gebende uugeliche stät. 10
106 (L. 26 13 ff.).
Durhsüezet und geblüemet sint die reinen frouwen :
ez wart nie niht so wunnecliches an ze schouweu
1041 ff. In a unter Waltherschen liedem. 105 1 ff. In C
unter Walther, in A unter Niune, wol nur ein fragment mit
entstelltem texte. 106 1 ff. In gleichem tone wie 76, aber
durch die Überlieferung nicht hinlänglich als Walthers eigen-
tum gesichert und inhaltliche oder formelle bedenken erregend.
Die beiden ersten Strophen sind in C, die dritte, vierte und
fünfte in B überliefert, die sechste in C unter Walther, in A
unter dem truchsesseu von St. Gallen, die siebente nur in A
168 106 3 — 40
in lüften noch üf erden noch in allen grüenen ouwen.
Liljen unde rosen bluomen, swä die liuhten
in meien touwen durh daz gras, und kleiner vögele sanc, 5
daz ist gein solher wunnebernden fröude kranc,
swä man ein schoene frouwen siht. daz kan trüeben mnot
Und leschet allez trüren an der selben stunt, [erfiuhten
80 lieblich lachet in liebe ir süezer röter munt
und sträle uz spilnden ougen schiezen in mannes herzen 10
grünt.
Vil stieziu frouwe hohgelopt mit reiner güete,
din kiuscher lip git wunneberndez höhgemüete,
din munt ist roeter danne ein liehtiu rose in touwes fltiete,
Got hat gehoehet und geheret reine frouwen,
daz man in wol sol sprechen unde dienen zaller zit. 15
der werlde hört mit wnniieclichen fröuden lit
an in, ir lop ist lüter unde klär, man sol si schouwen.
Für trüren und für ungemüete ist niht so guot,
als an ze sehen ein schoene frouwen wol gemuot,
swenne si üz herzen gründe ir friunde ein lieblich 20
lachen tuot.
Die wisen rätent, swer ze himelriche welle,
daz er vil wol bewarte und ouch bestelle
den wec, daz iemen drüße habe der in her wider velle.
Ein aehtaere heizet mort, der schat der sträze sere:
da bi vert einer in starken bennen, derst geheizen brant : 25
so sprechents einem wuocher, der hat gar geschant
die selben sträze. dannoch ist der wegewerender mere:
Nit unde haz die haut sich üf den wec geleit,
und diu verschampte unmäze gitekeit.
dannoch so rennet maneger für, des ich niht hän geseit. 30
Ich trunke gerne da man bi der mäze schenket,
und da der übermäze niemen iht gedenket,
Sit si den man an libe an guot und an den eren krenket.
Si schat ouch an der sele, beere ich jehen die wisen:
des möht ein ieglich man von sinem wirte wol enbem. 35
liez er sich voUecliche bi der mäze wern,
so möhte ime gelücke heil und sselde und ere üf risen.
Diu mäze wart den liuten dar umb üf geleit,
daz man si ebene mezze, ist mir geseit:
DU hab er danc, ders ebene mezze und der si ebene treit. 40
unter dem selben, die achte und die neunte nur in 0. Die
in B ül)erlieferten Strophen zeigen kleine abweichungen im
versmass, die allerdings vielleicht auf recbnung der Über-
lieferung kommen. Die in 0 überlieferten sind kaum echt;
zu der dürftigkeit des inhalts kommt der anstössige reim
in z. 79 und die seltsame betonung in z. 80.
106 41 — 8i 169
Er hat niht wol getrunken, der sich übertrinket.
wie zimet daz biderbem man. daz ime diu zxmge hinket
von wine? ich wgene er houbetsünde und schände zuo im
Im zaeme baz, möht er gebrüchen sine füeze, [winket.
daz er äne helfe bi den liuten möhte stän. 45
swie sanfte man in triiege, er möhte lieber gän.
sus trinke ein iegeslicher man. daz er den durst gebüeze:
Daz tuot er äne houbetsünde und äne spot.
swelch mau getrinket daz er sich noch got
erkennet, so hat er gebrochen ime sin hoch gebot. 50
Swer sich des stfeten frinndes durch übermuot heberet,
und er den sinen durch des fremeden ere uneret,
der möhte ersehen, wurd er von sinem hcehern ouch geseret,
Daz diu gehalsen friuntschaft sich vil übte entrande,
swenn er sich libes unde guotes solde umb in bewegen. 55
ich hän vereischet, die der wenke hänt gepflegen,
daz si der kumber wider üf die erborneu friunde wände:
Daz sol von gotes leben dicke noch geschehen,
ouch hörte ich ie mit volge des die liute jehen:
'gewissen frinnt, versuochtiu swert sol man ze noete 60
ersehen. *
Ich wil niht me den ongen volgen noch den sinnen.
diu rieten mir an zwei, daz ich diu solde minnen :
diu wären äne valsch geworht beid uzen unde och innen.
Da wart ein wenec in geleit. daz was niht stsete;
des vielten sich ir egge, dö si solten hän gesniten. 65
und wsere eht niht wan daz alleine drinne vermiten,
so warens allenthalben alse ganz an ir getsete,
Daz sich ein iegeslicher möhte läzen dran.
ouwe daz ich der trüge ie künde an in gewan!
wie übele ich nu mir des schaden und in des lasters gan I 70
Swä nu ze hove dienet der herre sime knehte
und swä der valke vor dem raben stet ze rehte,
da spürt man offenliche unart, unadel und ungeslehte.
Du werdiu ritterschaft, din diuc stet jämerliche.
swä der zester vor dem Schilde hin ze hove vert, 75
vrou Ere, da sint iuwer snellen sprünge erwert.
wol üf mit mir und vare wir da heim in Österriche,
Da vinde wir den (der 0) fürsten wert, der ist iu holt.
wolt ir mich dar (da 0) ze hove leiten, also ir sult.
So wirt gehoehet wol din name von mir, werder Liupolt. 80
Swelch man sich gerne vrien wil von boeser sache,
dem rät ich daz er sine tngent wol bewache
und flie ouch die da sint gesezzen (die g. syu 0) nnder schänden
Weizgot, tuot er des niht so mac im misselingen [dache.
170 106 85 — 107 32
au eren nnde an werdekeit. swelch mau gerne §re lii'it, 85
der sol sich machen fri von aller misset ät
Er ist zer werlde ein saelec man, den so sin mnot
getiuret hat, daz er daz beste gerne tuot
und sich der schänden hat bewegen, der mac wol heizen 90
guot.
107 (L. 36 11).
Ir fürsteu tngendet iuwer sinne mit reiner güete,
Sit gegen friunden scnfte, gein vinden traget höhgemüete:
Sterket reht, und danket gote der grözeu eren,
daz manic mensche sin lip sin guot muoz iu ze dienste k^ren.
Sit milte, fridebaere, lät iuch in wirde schouwen: 5
so lobent iuch die reinen süezen frouwen.
schäme, triuwe, erbermde, zuht, die sult ir gerne tragen:
minnet got, und rihtet swaz die armen klagen,
gloubt niht daz iu die lügenasre sagen,
und volget guotem rate: so müget ir in himele bouweu. 10
Mar ja klär, vil hohgeloptiu frouwe süeze,
hilf mir durch dines kindes ere deich min sünde gebüeze.
Du flüetic fluot barmunge tugende und aller güete,
der süeze gotes geist üz dinem edeln herzen blüete:
Er ist diu kint, din vater unde diu schepfaere. 15
wol uns des daz du in ie gebaere!
den hoehe tiefe breite lenge umbgrifen mohte nie,
din kleiner lip mit süezer kiusche in umbevie.
kein wunder mohte dem geliehen ie:
der engel küuiginne, du triieg in an alle swaere. 20
An dem fritage wurde wir vor der helle gefriet
von dem der sich drivalteclichen eine hat gedriet.
Der engel Gabriel Marjä die botschaft kündet,
da von himel und erde mit grözen fröuden wart enzündet.
Er sprach zuo ir ave, daz minnecliche grüezen: 25
durch ir oren enpfienc si den vil süezen,
der ie an anegenge was und muoz an ende sin.
des si dir lop und ere geseit, ....
Marjä künigin.
du gsebe in uns ze trost, der al der werlt mac swaere büezeu. 30
Sündaere du solt an die grozen not gedenken,
die got durch uns leit, und solt din herze in riuwe senken.
1071 ff. Dieser und der folgende ton sind Variationen
von 75, 109 eine erweiterung von 107. Ueberliefert sind diese
Sprüche in C, 109 auch in B nach anderer quelle. Ihre unecht-
heit ist fast zweifellos.
107 33 — 10910 171
Sin lip wart mit scharpfen dornen gar verseret:
dennoch wart mannicvalt sin marter an dem kriiize gemeret:
Man sluoc im drie negel dur hende und ouch diir füeze. 35
jämerlichen weint Marjä diu süeze,
dö si ir kinde daz bluot üz beiden siten fliezen sach.
trüreclichen Jesus von dem kriuze sprach
'muoter, ja ist iuwer ungemach
min ander tot. Jöhan, du seit der lieben swgere büezen.' 40
Der blinde sprach zuo sinem knehte 'du seit setzen
daz sper au sin herze: ja wil ich die marter letzen.'
Daz sper gein al der werlte herren wart geneiget.
Marjä vor dem kriuze trürecliche klage erzeiget:
Si verlos ir varwe, ir kraft, in bitterUchen noeten, 4:5
do si jsemerlich ir [liebez] kint sach t«ten
und Longlnus ein sper im in sin reine siten stach,
si seic unmehtic nider, [daz] si [niht] hörte noch ensprach.
in dem jämer Kriste sin herze brach:
das kriuze begunde sich mit sinem süezen bluote roeten. 50
108 (L. 37 24).
Yil tumbiu Werlt, ziuch dinen zoum, wart umbe dich.
wilt du län loufen dinen muot. sin sprunc der vellet dich.
Derst manicvalt in dinem herzen umbe hört;
er vröut dich hie und ist ein wemdez leit der sele dort.
La rehten sin den boesen muot von dir vertriben: 5
du müine got. so mäht du frö beliben:
wirp umbe lop mit rehter fuoge, und wellest du genesen:
den boesen rseten solt du gar unheimlich wesen:
geloube swaz dir die pfaffen guotes lesen:
wilt diiz dann allez überglUden. so sprich wol den wiben. 10
109 (L. 37 34).
Genuoge herren sint gelich den gougelseren,
die beheudecliche kunnen triegeu unde vaeren.
Der sprichet 'sich her, waz ist under disem huote?'
nu zucke in uf. da stet ein wilder valke in sinem muote.
Zuck üf den huot, so stet ein stolzer pfäwe drunder. 5
nu zucke in üf, da stet ein merwunder.
swie dicke daz geschiht, so ist ez ze jungest niwan ein krä.
friunt, ich erkenne ouch daz, hähä hähä hähä.
hab diu valschen gougelbühsen da:
waer ich dir ebenstarc, ich slüeges an daz houbet diu. 10
41. Der blinde ist der nachher genannte Longinus, nach
der sage ein hauptmann, der Christi seite mit der lanze durch-
stach und, indem das blut auf seine äugen tropfte, sehend ward.
172 10911 — 11010
din asche stiubet in diu ono^en min.
ich wil niht mfer din bläsgeselle sin,
dun wellest min baz hüeten vor so trtigelichem kunder.
110 (L. 38 10).
Er ist ein wol gefrinnder man, also diu weit nu stat,
der under zwenzic mägen einen guoten friunt getriuwen hat:
der hete man hie vor wol under fünfen funden dri.
So we dir, Welt, du hast sn manegen wandelbernden site:
er armet an der sele, der dir volget unz an sin ende mite, 5
unt der dir aller diner fuore stät mit willen bi.
Wir klagen alle daz die alten sterbent unde erstorben sint:
wir möhten balde klagen von schulden ein ander not,
daz triuwe zuht und ere ist in der weite tot.
die liute läzent erben, dise dri sint äne kint. 10
110 1 ff. In q unter Walthers namen. In gleichem tone
sind zwei sprüche die A unter reimar der videler bietet.
Yerzeichniss der abweichungen von
Lachmanus texte.
Im folgenden ist die vor dem Gleichheitszeichen stehende
lesart die unseres textes, die hinter dem gleichheitszeichen
stehende die des Lachmannschen textes nach der fünften aus-
gäbe. Hinter jeder lesart sind die handscbriften angegeben,
auf welchen sie beruht. Wo keine handschrift augegeben ist,
beruht die lesart auf conjectur. Orthographische und dialek-
tische abweichungen sind nicht berücksichtigt, abweichungen
der interpunktion nur dann angegeben, wenn sie wesentlich
verschiedenes Verständnis bedingen. Wo die von mir ge-
billigte lesart der handschriftlichen Überlieferung entnommen
ist, ist nicht angemerkt, welcher herausgeber sie zuerst in den
text aufgenommen hat. Dagegen ist bei den aufgenommenen
conjectuien ihr Urheber genannt, hoffentlich überall richtig.
Wo La(chmann) vor dem sfleichheitszeichen genannt ist, findet
sich der besserungsvorschlag in seinen anmerkungen. Kraus
bezieht sich auf die in der siebenten aufläge von Lachmanns
ausgäbe vorgenommenen änderungen des textes.
1 2i s6 rehter C = selber. 30 und der wille C = der
wile. 2 l mir C = von mir. ditze = diz (dis C, vielleicht
disiu). 4 die er (dier Boclmer) = der si (der C). 23 daz =
daz ez C. 2ö got = ,got.. 3 9 böte AE = fehlt MF. 0.
min = minen ACE. 33 deich ir = daz ich CE {beide aber
haben ir in der folgenden zeile vor sin). 4 lU so euhulfe ez
ÜELa. = daz enhulfe (das enhnlff in F) Kraus. 12 ist küme
CLa. (kume ist E) = enwert niht Kratis (er wirt jP). 13 Wold
FUKraus = Wil CE. mere! Kraus = mere,. 14 ja FU
Kraus = so CE. 16 müeze (muze U) Kraus = muoz CEF.
volgen CEUKraus = verjehen F. 20 tougen UKraus =
twingent CEF. 21 Twingent UKraus = beide den (den
CEF), unde UKraus = und den CEF (Pauli -3). 24 ge-
fristen CEU = fristen F. oach im La. (im CEF) = im mir
UKraus. 28 mime (mineme U) = in mime CEF. 5 9 deichs
alle = daz ichs [alle] (alle AC). 13 der in AC fehlen^Je fuss
von La. ergänzt durch ere. 22. 3 endelös von schulden AC
= mich erlöst von sorgen. 30 nu endarf A = sus darf C.
ob äne sorge lebet daz = lebt äne sorge dez herze (obe
174
äne sorge lebet daz herze [de h^zen A]ÄC). 6 10 sin = si
C. 16 nu La. = vil C. 7 40 frouwe Pf = fehlt C. 8 2 iht
CLa. = niht Paul i-3. 4 wart C = wirt. nie weder C
= neweder. 29 alrßrst C = von erst p. 9 23 Sost eht Wa.
(so stet CE) = sost. 33 an F = bi CE. 44 ersehen F =
gesehen CE. 10 16 nach CE = noch. 23 vergezzeu. Wa.
= vergezzen,. 24 gesezzen ? Wa. = gesezzen. .
11 1 nie C = ie. 2 ichn = ich C. 12 wan ia. = aber C.
12 8 nider AE = nidere C. 12 die da ACE = die Paul i-*.
20 ich AE = ichz (/"(pM m C). 23 na-me Ci's = nim A.
13 ia. ordnet die stroplieti dieses to)ies xoiükürlich zu, zwei
liedein: 1—8. 17—24 und 33—40. 9—16. 25—32. 13 13 niht
E = so AC. beide, = beide . . 15 diu vogelin E = die
vögele (die deine vögele AC). singent: = singent,. 16 sule
E = suln AC. 22 doch E = äö AC. 24 wart E = wirt
AC. 28 den boumen A = dem bourae C. 14 13 enpfangen,
= enpfangen (ohne interpunktion). 15 6 genozen AN == ge-
liehen BCE. 11 frouwe schoene BCE = schoene frowe J-F
(vrouwe N). 24 werde C (werden A) = schoene BCF.
16 13 minne AE = liebe BCF. 14 heizet diu daz BCE
(du da B) = reizet unde ^4. 17 12 Ez C = e. 19 schin
Kraus := schin,. Str. ^9ff. ist von La. vor Ib'OesteUt. 31 Wan
du Pf. = du C. leide (herzeleit Wa., leit Pf.) = liebe C.
18 5 gescheiden von ir La. = von ir gescheiden C. 19 3 Lihte
F = swenne CE. 4 minne. := minne,. 5 Seht so La. = so
CEF. 7 nie CE (fehlt hier F) = hie. 8 dicke CE = dicke
nie F. daz CE = des iht (des ye F). 12 ez F = ich CE.
16 durch sie so wil ich iemer F (nur meine statt iemer) =
wan ich wil iemer durch sie CE. 18 sie mag ez J' = daz
kan si CE. 24 schoener CE = schcene F. 20 28 in C = ir.
21 6 ich enweiz = in weiz C. 7 denne swä La. = swenne
C. 22 8 von ir der ich (von ir die ich Pf.) = der ich von
ir C (nur mir für ir). 11 gesin, = gesin:. 12 enwelle C =
enwil. 23 18 deiz Wa. = daz ez C. 24 8 hän BE = bin C.
10 au mich s (au minz E) = mich C. 11 mir Es = fehlt C.
25 des E (dich des s) = du C (nu B). 28 diu ist niht (ist
nicht s, die entouget niht B, entauc niht F) = diust niht
guot C. 25 14 diu vogelin AC = die vögele. 15 schallent
mit A = singent in C. 2b ff. von La. als ein besonderes Ited
abgetrennt. 26 Die reihenfolge der drei ersten Strophen nach
E; U hatte wahrscheinlich die gleiche, da in dem erhaltenen
fragment die zweite auf die erste folgt; La. stellt mit C die
zweite hinter die dritte und trennt sie mit der vierten und
fünften als ein besonderes lied ab (Kraus hat diese trennung
nicht). 2 daz si wider mich als übele tuot EU = dazs an mir
als harte missetuot C. 3 Ja U (io E) = nü C. 4 dienest
= dienst, unde E (vü vil U) = und dar zuo C. 9 vmnnec-
lichen EU = wünneclicher C. 12 süln diu lieben jär (tage
E) also EU = sol diu liebe an mir alsus C. 13 Manege
175
sorge JEU = lide ich not C. 36 lebent (der — erkaut) =
lebent. der — erkant;. 27 Die reihenfolge der stropJien nach
DN, wonut auch C stimtnt, nur dass sie Uff. nach 11 ff.
setzt; La. ord)iet nach A: 1. 21. 3t. 41. 11 wid nimmt 41. 11
als parallelsirophen zu 21. 31. 27 14 joch Pf. = ouch CN
(doch A, wol V). 24 hie — dort AN = da — da C (so —
30 D). 29 sie mir AX = mir si C (mirz D). 31 küssen
ACBN = küssin. 33 üz A = von ÜN (abweicheml D).
35 Dem A = swä C (so DA')- sin .4 = ir CDN. 36 der
wont da ^ ^ da wsere ich CD (wer ich ir danne N). nähe
AC = nähen DX. 38 allez balsme A = vollez balsmen CDX.
47 min AX = mich CD. 48 stach. = stach,. 49 ich lobe
die reinen A (vü seüich si diu X, do wart ich so vro der
stunde unt der D) = swann ich der lieben C. 50 da diu
vil minnecliche üz einem AX (da di reine tueze uz einem D)
= gedenke, das üz einem reinen C. 28 33. 4. wägen (ich —
not) Wa. = wägen: ich — not:. 34 groezer Wa. = grozer.
29 5 doch ouch = ouch ir (ouch CE). 10 baz CE = [baz].
11 betrogen. = betrogen:. 12 wils anders niht wan daz
Benecke = si wil anders niht CE. 13 Wie Benecke = wan
wie CE. 22 gemeine CE = genseme. 30 18 rehte vor wizzen
AEF = vor lützel C.
31 27 sie AU = sie CE. 32 5 rehte niht La. = niht CF.
15 ich BC = ichz F. also maz C-F = tete BC^. 'z = daz.
33 2 daz ist äne alle (an aUen argen C ^ gar an alle U) =
daz ist an alle miue C^E. 5 Xiene (Nit en C^E) trüre du,
wis frö: C^EU = trüren unde wesen fro, C. 6 minnen
C^EU = minne CK 11 . . sie mügen CELa. = si mugen
von mir komen UKraus. 12 komen der . . pfligst CELa. =
der . . pfligt als ich Kraus nach U. wizzen = wizen. 14 daz
gezimt den dinen güeten (güeten fehlt C^) C^EU = des ge-
triuwe ich dinen zühten C^. 15 Sprsechest C^EU = tsetest
C*. niden, = niden;. duz = düs. 16 daz die bcesen C^EU
= als die argen CK so C'^EU — da CK 34 1 also AC =
tuo also, bescheidenliche = bescheidenliche:. 2 leben, =
leben:. 3 Obe AC = obe ab. 5 kurzer wile AC = kurze-
wüe. 8 widerlerne Wa. = Avider lerne. 15 sit AC =: sit
abe. also gerne Wa. = gerne AC. 18 mich Munde Wa. =
triunde AC. 28 des La. = da von AC. 35 15 die .4 = dies
(die si CE). 17 herzen AE = herze C. 36 3 lieht. Wa. =
lieht,. 4 sach, Wa. = sach. . 17 Frouwe AC = Frowe min.
daz si Pf. = sich C (feJdt A). 21 we. = we,. 22 e ich dir aber
bi A (e "ich dir" aber bi C) = e bi dir aber ich. 23 gelige,
= gelige. . 26 mac. = mac,. 27 lanc, = lanc:. 40 getaete
AC = t*t. 41 es = ez. 56 eine A = äne C. 37 8 sin C
= sint E. 31 swaz C, swes E = swä. 38 1 Swie BC = Wie
E. stät, = stät!, 13 verguot BC = für guot E. (so — m§):
Wa. =: so — me. 22 und BC = . die a. 39 4 hcere CE
= hörte. 6 saget CE = sagte. 16 seht La. — fehlt CE.
176
42 Die reihen folge nach Wa. ; von La. in zwei lieder ge-
ordnet: 17. 25 und 1. 9; die reihenfolge in BC: 17. 1. 25. 9;
in EU: 1. 9. 25. 17. 42 17 swaere EU = sorge BC. 21 lide
EU = hän BC. 23 ir Wa. = vor JS6'£C/. 43 6 ich ^ =
ich in. 17 geredet A = gesprochen CE. geswigen. = ge-
swigen,. 18 geligen? = breiigen.. 44 7 sinnen, = sinnen!.
8 noch C = iu. wip! = wip. . 11 bi vor ir C = vor daz
am anfang der folgenden Zeile. 12 vil Wa. = fehlt C.
14 sinne, = sinne!. 16 benomen! = benomen. . 24 wurde
mir C = mir wurde. 45 18 künde A (niocht F) — sol C
(mac E). 16 niht erwerben AF = eine erwerben niht (alterseine
niht erwerben C, niht erwerben eine E). frouwe = fro.
19 Gevüegen A = noch fliegen C {fehlt E). 32 tuo = tuon
A (rüne E, slüs C, fehlt F). 35 da BC (du E) = ja (nu A).
sich BCF = ich (mich A, dich E). 48 von enkume = vone
kume C (von kum A). dir AC = der. 46 5 daz Bf. = so E.
8 daz hat Wa. = hat E. 9 mir so La. = so E. 10 deich mich
Wa. = daz ich ii^. ersehe Ff. = sehe i\ 16 so Wa. =
iiu so E. 24 doch TFo. = denne E. daz M^'ijt. = daz do E.
25 enmittenzwei Wa. = enmitten zwei. 37 et La. = er E.
38 in ia. = ir E. 47 3 Wan ich geschiet von ir noch nie E
{aber noch nie von ir) ^= von ir geschiet ich mich noch nie BC.
9 daz er ir naerae E == er tsete ir B'\ 10 under E = umbe BC.
19 rätent sie i'J ;= rätents iemer £C. man sie = mans. 21 haz
La. = schaden E. 23 zürneuts Wa. = zürnen E. 24 des =
daz E. 27 der gedähte La. = gedaht E. 35 iedoch La. =
doch E. 39 me Wa. — ie mer me E. 48 9 esel = 'esel'.
den gouch A = 'der gouch' C (t,'auch E). 19 uinb C = M A.
26 also: = also.. 27 In behalde E = ich enbiute iu C (ich
enbüten dir A). strit, Wa. = strit. . 49 Strophencrdnung
nach Wa.; bei La steht 21 vor 11 nach BC und 1 ist von
den übrigen abgetrennt. 49 9 wie Wa. — swie BC. sin!
Wa. == sin,. 19 war Wa. = war (war Kraus). 20 wan daz
jB = da von C. güete = guote. 39 gebe. Wa. = gebe,.
40 da, keiser. spil! Wa. = da keiser spil. . 50 10 so Wa.
= so daz BC. 14 iu BC = dir.
51 21 gerne BC = ungerne. 25 hüs; — geschehen = hüs
(— geschehen). 39 Sie jehent (sprecheut E) daz BCE — daz A.
lebendes La. = lebendiges ABCE. 43 vinden BE = vinde A
(vient C). 46 waz BC = daz E. 48. 9 hat: der — zwo = bat
(der — zwo). 53 15 ein F = eine BC. msere = me BC (rede
F). in 5 = ir CF. 54 2 diu (die E) = fehlt BC. beidiu
= beide BCE. 9 doch B = ouch C {fehlt E). 55 19 und
der andern (under andern Ä) = unt der aufjer (und ouch der
ander C). 25 ziertest = zierest AC. 29 Esaü C — ein sü
A. 32 gerne C = gerner A. 56 3 hoer ichs UKraus =■ hört
ichs Iju. Paul ^-3 (hoert es C, beert irs E). 5 den UKraus
= den grüenen CE. seit CELa. == send UKraus. 12 Ja
Z7 (io E) = Joch C. 17 mir ein eweclicher (ewelicher) U =
177
an fröide ein angeslicher ÜE (jedoch miner fröide). 18 dennoch
CEü= da nach. 19 al = alle. 57 5 dö CU = dar A. 10 Bi
dem brunnen AUKraus = Uf dem anger C. 11 gesach ich
einen AUKraus = getroumde mir ein C. 12. 13 ich was von
der snnnen gegangen ziio dem brunnen (do kom ich von der
sunnen gegangen zuo dem brunnen A, ich was von sunnen
untwichen zv dem brünen U) Kraus = ich was zuo dem
brunnen gegangen von der sunnen C. 15 Mir CU = den A.
17 sorge C (sorgen U) = swsere A. 23 und U = und wie A,
und doch C. 25 niht ze AUKraus = niender C. 36 suontac
ALa. = suonestac UKraus (endes tac C). -12 merket CU =
hoeret A. 58 1 Ich BCDEs = Frouwe ich Fa. [der] {fehlt
BCs) = der DEFa. 5 [iemer] = iemer BCDEFas. 9 enkan
E = niene kan BC (niht in «, net in s, n-cht F). 15 Tuot ir
BCE = nü tuot Fs (tuont a). alrerst BCEF = von erst a
(irst s). 17 Wir BCFs (Sie S) = Wir man wir a. 19 Kunnet ir
BC (kunnen zi s, kau si E) = kumt iu (kumen. und die F,
sit ir a). 24 man'n (man in EF, man hem s) = m?n BCa. 25 uns
BCEFs — uns wiben a. 26 der BCEFs = wan der (nieman
wan der a). beide £'Fs = fehlt BCa. 27 saget, = saget. .
30 und sin gemüete ze mäzen tragen Pf. = und tragen geuiüete
ze mäze (und sin gemuete setzen E, der dine in zu massen
hie und do und trage dein gemüte F, und da bi kan tragin beidu
a, unde gedenchen ym zu maesen s, das er gedenket ze ma.sse
BC). und = unde. 59 1 Wer = 'Wer. 6 zuo = zuo'. 9 Daz
E = dazs (dasz C). 60 1 wollen CE = haut. 4 zomecliche
(zorniclichen E) = zornliche C. 5 wol gedagen CE = vol
gealten. 10 nu Wa. = nü wol CE. 12 vil vor wirs CE =
vor denn. 17 gewin CE = den gewin. 20 ich Wa. — als ich C
(so ich E) 24 ich in CE = ich. 30 ein CE = eine.
61 11 Deich Wa. = daz ich. ertoeret = ertoret. 63 \if.
Die reihenfolge der Strophen nach e; La. stellt str. Iff. nach
IS ff. 63 16 swä C = so e. 26 sere. Wa. = sgre,. 27 guot,
Wa. = guot:. 64 31 swenne ich ir beider niht enhän C =
swenne ich niht ir beider hän (sit ich des nu niht en hau E).
65 4 daz si si (si si C) = ir si mat. *6 solten C = solt.
13 solhem (selkem C) = fehlt, [keinen] := keinen 6'. 15 werbe
= werbe ab (C hat aber hinter swer in z. 14). ander C = äne.
66 4 die La. = dich C. 67 1 diu BC = ein A. 4 gras,
= gras. . 6 hinget. = hinget,. 8 deheinez BC (dekeinez A)
= keinez. 13 diuhten = dühten (en duhten A, endiuhten
Patdi—3, BC abweichend). 18 ordenunge, = ordenunge!.
20 zergät ! = zergat. . 22 cirken A = cirkel C (kilchen B).
34 pfaffen BC = die pfaffen A. 39 leiten BC = diu leiten A.
58 deheinez (deheinoz A, deheines BC) = keines. 60 der
ietwederz dem andern BC (ietwederz dem andern Ulrich
V. Lichtenstein 587 31) = daz dicke ein ander A. 68 6 da
daz C = daz (abweichend B). 7 lachent C = linhtent B.
14 daz er B der. 15 mine kranechen trite Haupt (raine
Waith. y. d.Vog-elweide. 5. Aufl. 12
178
kraneches trite La.) = miner krenechen trit B. 47 man den
loste durch sine muten C = er wart erlost von siner gebenden B.
60 doch B = ouch. 69 72 orden CD == leben B. 86 künde,
kunte r = gunde. 91 So we C = Owg D. 92 alzan = alz
an (alsan C, allez an D). 126 sie ungebachen und C = die
ungebätten gar D. 134 nu C = in L>. 154 menege D =
maneger C 165 lebendiu C = lebenden D. 192 so volge B
= volge CD. 194 ouch CD = et (es B). 195 also D, reht
alse B = als ez C. 197 uns ist C (von La. und Kraus nicht
angegeben) ist uns D (?). 201 guote C = muote D. 214 an
CD = [an]. 70» 7 Diu Milte lönet same BC = der mute
lön ist so A (aber muten). 23 wird von La. in klammer ge-
setzt 26 ander La. = au der AC. 70'' 1 liet CO = lieht A.
10 ouch im die sinen iemer C = im ere A. 24 daz gelichet
sich A — dazz sich gelichet (ir sit gelich C). also = als C.
(alse A).
71 11 und betest = hetst anders (und hettist anders a).
12 du betest an ir lobe also gestriten a, nur lob alse = da
betest also gestriten an ir lop. 13 iemer me (iemer a) = fehlt.
83 des C = wes. kemenäten. = kemenäten?. 63 gehirme C
= hirme. 72 10 pfert C = pferit. 73 29 den gotes BC
= gotes. 30 herren hiezen BC == hiezen herre. 32. 33 der
81 BC — si. 41 riche BC = künege A. 44 hinne BC = hie A.
48 keisers BC = küneges A. 65 .süenen A = süeneut 0.
69 des AC = dez. 74 3 varn, = varn :. 4 aleiue. = aleine,.
12 sträzen, = sträzen. . 13 ich C = ist A. 14 gewarte A,
warte C = gewartet. 27 wan La. = waz AC. 30 für brechen
AC = fürbrechen. 38 diufe = düf AC. 75 3 niwan (nibt
wan C, nieman wan B) = wan. 4 hat C (fehlt B) = wil.
14 im nach B = ime. 27 an allen B = äne. 40 ich waen
AC = wseu. 41 ir sit AC =■ sit. 42 seitet Wa. = beitet
(seret C, seren A). 50 der stet AC = derst. 52 gemachet:
= gemacbet! 53 bei La. ohne klammer. 54 Alman = Almän.
62 swendet = pfendet (pfende, m swendet corrigiert C).
80 herre BC = uü A. 100 äne alle .46' = äne. 103 herre
der Wa. = her AC- (abweichend B). 106 martersere AC =
und marterer B. 129 fürste AC = Liupolt B. 145 niht C
= iht. 151 Herzoge A = Liupolt C. 152 nibt A = und
niht C. 155 mir A = mich C. 157 nn A = sus C. 158 sit
A = daz C. dir A = dich C. 159 mir A = mich C. 174 ist
A = ist er C. 179 möre Wa. = töre AC. 180 we wie AC
= wie. 76 3 lonne Wa. = lone AR (lonenne C). 7 boesten
= boe.stem C (hoste jK, beste A). 10 lonnes = lönes ACB.
13 so C = als. 17 daz C = wol daz. enwahset v. d. Hagen
= wahset C. 28 volfüeget C = wol füeget A. 30 spreche
= sprseche. 33 eigem A = eigenem C. 38 Sus rite ich fruo
und kume niht heim B. (vgl. die parodie Ulrichs v. Sing.) =
kume ich späte und rite fruo AC, Gast komet spate vnde
rytet vro OB. 41 diu = die (7. 46 mine = min (ming C),
179
57 halte C = behalte 0. prüeven hin. prüeven her 0 =
prüeven hin. prüeven dar La. prüeven her C'. 71 hohgelobter
BBt = wol gelobter AC. prise, = prise!. 72 und ich doch
B{t), went ich (doch hinter von dir) B = sit ich AC. wise!
= wise,. 7ö gein — gein Bt = ze — ze AC. 76 ir keinem
wart ich nie so holt so ich bin B (ir wart mir keiner me so
liep als ich bin t) = so holt enwart ich ir dekeinem nie so
(so fehlt A) AC. 77 got B = frön Krist .4C (abtceicliend t).
79 ich muoz dem iemer holder Bt (Ich mvz e ienen han lieber
vil 0) = mir muoz der iemer lieber AC. 80 wan ich hän
noch B (wann ich gewyn gar kum t) = ich wil noch haben
AC. 81 namen AO = leben C. 82 sinen herren unde im
rate A = unde sinen herren lere CO. 83 müez ime sin bein,
swenn erz ze deheime A = müezen im diu bein, als ers
zem C (er sich zuo dem), Verlamen mtzen syne beyn, swen
er sich tzvm 0. 85 ime sin A = sin CO. erlame A = müeze
erlamen CO. 86 schäme A = schämen CO. 87 schemelicher
A = tugendelöser CO. 89 so valsch geheize — geheize A
= ir valsche gelübde — gelübde CO. 96. 97 stehen nicht
in 0, 97 nur in C. 102 daz min Bt = min CO.
10-1 Worten oder mit werken, mit gewizzenem gersete B {nur
alder mit gewissenen rsete), worten und mit werken ixnd mit
gerete t = gebferde, mit gewisser rede, mit raete CO {doch
gerete). 105 grüset BOto = griuiet C. 108 Ivlter B = süeze
CO (schone o, recht t, dann als ein liehter). liebiu B = lüter
CO (schone t, guote o). 117 wiut = windet Bt. 120 sin Bt
= Wesen, alsam v. d. Hag. = als B {abweichend t). 77 3 dar
umbe C = dar. 5 entstän C = enkan verstau. 78 3 ich sin
C == ichs. 59 hilfet C = gehilfet. 72 muoste v. d. Rag. =
müeste. 80 dem Wa. = den (de C). 99 selben = selber C.
110 wolveile C = veile. Str. 12i ff. utid 129 /f. sind bei La.
gesondert. 79 15 sint C = sin. 27 rederichen La. = rede-
riche C. iegesliches Wa. = iegesliche C. 28 einen La. =
eime C. 49 der megede BC = megde. 51 beide sin als BC
(alse B) = sin also. 5S *** = an diner räche gegen in,
herre vater, niht erwint C {fehlt in B). 54 ''** = wan si
meinent dich mit ganzen triuwen kleine C {felüt in B). Die
reihenfolge der Zeilen ist in C: 51. 55. 53. 54. 52. 56. Dieselbe
tcird verteidigt unter vornähme einiger änderungen von
Koethe, ZfdA 41. 300. 59 nieman BC = ieman. 81 breit,
= breit:. 83 vlürn. dir sint beide BC (verlürn) = niht
verlüm! dirst. 80 1 von BC = [von]. 2 und = unde.
4 wie BC = we wie. 13 er diu C = erz. 16 zwein BC
= [zwein].
81 8 worden C = [worden], als Bartsch = als ob C.
10 bereitet C =^ vereitet. 13 bekande C = kande. 18 tuont!
Wa. = tuont,. 19 vil unriuwecliche Pf. = nü vil riuwecliche
C. stuont, Wa. = stuont!. 23 jsemerlichiu jär C = jaemer-
liche schar. 27 trüren C = trtre. 28 inneclichen v. d. Hag.
12*
180
= inneclichen s§re C. 30 vögele (vogel C) = vogel die.
31 ist C = ist d& bi. 33 verlorn. = verlorn {ohne punkt,
mit komma Kraus). 47 selbe ü = saelden. 82 46 heil A
= teil C. 54 d& >1 = daz C. 60 des heilegeistes Wa. = den
heilegestez (den beilegestes C, den heiligeist A). 83 25 koemen
Barisch = komen. 61 schulde BCE = schult. 66 besliezen
Pf. =. entsliezen CEO. 67 kurzlich (kürtzelich J5) = kurz-
wilen C. 70 unde Bf. = dort und CE. 84 1 krump, =
krump:. 2 mac. = mac ohne punkt. 3 du = (du. 4 kleine. =
kleine),. 12 baz C = fehlt. 13 noch sunder Bartsch (gar
s. Bf.) = nach Sünden ü. obedach C = äne dach. 29 dem
tören a = den toren C. 31 ir iuch, reinen C = iuwer, guoten
a. 37 gezeme C = iu zeme a. 85 3 gelac La. = lac C.
86 4 werden -dC = wesen. 11 riuwe (ruwe AC) = ruowe.
87 22 spehen. = spehen ohne punkt. 23 tougen = tougen: .
30 in Haupt = in,. 31 toren, Haupt = tören. . 88 12 Des
Wa. = der ü. 90 6 und = unde. 13 deist = daz ist CE.
20 und = unde. 25 des vor niht Wa. = vor daz (fehlt CE).
91 1 ir sult ACW = du solt 3 groziu gülte Bf. (grozer
gelt A, groze ge. . W) = grceste gülte C. 14 duz C = du
daz ie. 32 iu (uch C) = dir. 92 21 Diu wernde Wa. (du
werde BC) = der werden A. 22 irz C (ir das B) = inz (in
daz A). 32 und zürne ich daz CE (. . zur . . ich W) = ist
mir daz zorn A. 48 diun CW = diu AB. 49 schoene BCW
= schoenez A. 50 ouwe AW = und owe BC. ich ez =
ichz. 93 4 swiech (swie ich CE) = swiez. 12 län = l&n,.
(wan — verstän) Wa. =, wan — verstau,. 13 gebaere CE =
bsere. 24 winstern Wa. = vinstern CE. 31 diniu (dine GE)
= din. 33 dinge ein kint CE = sinne ein rint. 35 mache
GE = mach e. unreine Wa. = gebeine (fehlt CE). 36 sele
versinke C = versenke sich (sei sich versenke E). 94 6 höre
Wa. = here,. 7. 8 (sin — ere — mere) Wa. =, sin — ere, —
mßre. 13 brceder Singei\ bloedes kl = boeses C. 39 ist kl
= was C. 58. 9 ist Krist, der war got ist C (warer) = ist
der wäre Krist (ist Krist kl), nach 62 hat La. des bistü
frowe geret C (fehlt M). 70 got kl = got selbe C. himel-
touwe kl = touwe G. 72 entslöz Bf. (entslozen kl) = beslöz
C. 73 des Bf = daz Ck. 129 ein M = eine C. 134 nn ist
uns ir beider kl (unser b.) = daz ist unser meiste G. 148 Swä
Bf. (swaz M) = D& (das G). 153 sünde kl = schulde G.
162 nleman vor ze kl = nieman vor äne G.
95 ist zuerst kritisch hergestellt von Wackernagel (s. 182
anm.). Die abweichungen von dessen texte sind folgende: 4 doch
E = och (fehlt F). 12 so enruoche F = ]o enruoche E.
17 so enwurde E = so wurd F. niemer EF — nimmere.
18 eukumest E = enksemest (kernest F). 21 klage (clagen
F) = clag ich E. 23 ie warn mit rede E (waren gut mit
reden ie J") = mit rede ie wären. 24 got F = fehlt E.
2d oh E = Sit (seint F). 35 daz E = oh F. 36 alle F =
181
rnine (alle mine iJ). 96 6 mir an ir (an ir A) = mir. 97 8 und
E = [lind]. 98 26 mich da bi i; = bi. 99 7 werden E
= werben. 100 11 tröstes = liebes (fehlt E). 12 einen E
= ein. 101 2 sus getan gevelle E = so getan ungevelle
(solich ungeveUe F). 102 3 tage, = tage. . 4 So 4 = nü
BC. strit. = strit:. 8 solch A = groz BC. 13 werde BC
= wird (wirt A). 103 11 groze swaere hän = grozer swaere
niht enhän AC (abweidiend E). 22 frönde AC^E = diu fröide
MF. CK 24 bete AC = wan bete MF. E. so taete ich AC
= ich taete MF. E. 105 2 an wize, an rcete = äne wiz rot
AC. 8 ze J. = zer C. 106 7 ein schoene frouwen siht C =
siht schoene frowen. 9 lachet C = lache. 10 schiezen C =
schieze. 20 swenne C = so. 22 er 5 = er e. 29 und =
unde. 32 da OLa. = feJüt B. übermäze 0 = unmäze BLa.
39 mezze B = mezze und trage (trüge 0). 49 man B = man
80 (also vil 0). 56 ich A = wir C. 57 erbornen A = er-
bome C. 58 von A = nach C. 59 mit volge des die liute
il = die liute des mit volge C. 60 ncete ersehen A (not)
= noeten sehen C. 62 beid üzen unde och innen. Wa. =
beidiu üzen, unde och innen (oh)ie punki). 70 nu mir =
mich A. schaden A = schaden schäme. 107 1 iuwer sinne
C = iwem sin. 2 gein vinden traget C = tragt gein vinden.
4 sin lip sin C = lip und sin. 5 luch in wirde C = in wirde
iuch. 24 mit grözen fröuden wart C = wart mit grözen
fröiden. 26 oren C = ore. 49 sin C = dez. 108 1 Vil
tumbiu B = Tnmbiu C. dich = , sich C (sprich B). 3 umbe
hört B ^= unbekort C. 4 vröut dich B = schadet dir C.
wemdez leit B = langer haz C. 5 rehten sin B = guoten
muot C. 6 du minne B = minne C. 7 rehter fuoge, und B
= reinem guote C. 8 boesen rseten B = boesen C. gar B
= iemer gerne C. 9 swaz dir J5 = swaz C. 10 duz dann B
= du daz C. 109 7 niwan (niht dan C) = wan. 110 5 an
sin q = anz. 8 ein ander (enander q) = ander.
182
Vergleichuug der reihenfolge der töne bei Lachmann
mit der in unserer ausgäbe.
XIII 1 = 96 53 25 = 27 97 3-t = 44
XIII 11 = 97 54 37 = 45 99 6 = 23
XV 1 = 98 56 14 = 52 100 3 = 11
XVI 1 = 99 57 23 = 37 100 24 = 91
XVII 1 = 100 58 21 = 51 101 23 = 84
XVII 31 = 101 59 37 = 89 102 29 = 88
3 1 = 94 60 34 = 53 103 13 = 72
8 4 = 67 61 33 = 46 104 23 = 77
10 1 = 79 62 6 = 49 104 33 = 86
11 6 = 73 63 8 == 50 105 13 = 74
13 5 = 80 63 32 = 38 106 17 == fehlt
13 33 = 8 64 31 = 66 107 17 = „
14 38 = 83 65 83 = 32 108 6 = „
16 36 = 70 66 21 = 92 109 1 = 17
18 29 = 68 69 1 = 30 110 13 = 18
20 16 = 69 70 1 = 33 110 27 = 41
26 3 = 76. 106 70 22 = 34 111 12 = 105
31 13 = 75 71 19 = 103 111 22 = 65
36 11 = 107 71 35 -= 5 112 3 = 40
37 24 = 108 72 31 = 35 112 17 = 22
37 34 = 109 73 23 = 48 112 35 = 2
38 10 = 110 74 20 = 30 113 31 = 4
39 1 = 54 75 25 = 55 114 23 = 56
39 11 = 14 76 22 = 82 115 6 = 10
40 19 = 31 78 24 = 78 115 30 = 29
41 13 = 64 82 11 = 71 116 33 = 90
42 15 = 42 84 14 = 79 117 7 = 90
43 9 = 58 85 25 -= 85 117 29 = 43
44 11 = 47 85 34 = 28 118 12 = 59
44 35 = 62 87 1 = 87 118 24 = 19
45 37 = 15 88 9 = 36 119 17 = 39
46 32 = 16 90 15 = 61 120 16 = 3
47 16 = 102 91 17 = 1 120 25 = 9
47 36 = 63 92 9 = 20 121 33 = 60
49 25 = 12 93 20 = 21 122 24 = 93
50 19 = 24 94 11 = 57 124 1 = 81
51 13 = 25 95 17 = 6 166 21 = 104
52 23 = 26 96 29 = 7 183 1 = 95
Verzeichnis der liederanf änge. •)
Diu Minne lät sich nennen da 84 27
diu werlt was gelf, rot unde blä 55
friuntlichen lac 36
ich bin einer der nie halben tac 64 33
ich sach hie vor eteswenne den tac 85
got gebe ir iemer guoten tac 39 1
nu wachet! uns get zuo der tac 69 61
roter munt, wie du dich swachest 25 25
ahi wie kristenliche nu der bähest lachet 75 51
mir ist liep daz si mich klage 53 25
maneger fraget waz ich klage 8
ich lebte ie nach der liute sage 103 17
swer verholne sorge trage 42 17
ouwe miner wunneclicher tage 26 9
swes leben ich lobe, des tot den wil ich iemer klagen 79 33
mir ist min erre rede enmittenzwei geslagen 46 25
fro Werlt, ir sult dem wirte sagen 91
ez ist in unsern kurzen tagen 78 129
swelch herre nieman niht versaget 78 49
lange swigen des hat ich gedäht 35
uns hat der winter geschat über al 54
wer zieret nu der eren sal 69 136
ez wsere uns allen 44
wer gap dir, Minne, den gewalt 45 41
min erste rede dies ie vernam 3 17
wip muoz iemer sin der wibe hoehste name 63 37
in nomine dumme ich wil beginnen : sprechet amen 75 121
Unmäze, nim dich beidiu an 78 89
sich wolte ein ses gesibent hän 78 81
der ich vil gedienet hän 52 41
wie fro Saelde kleiden kan 42 9
wie hän ich unsaellc man 101
') Ich habe nicht bloss die liederanfänge meiner ausgäbe
aufgenommen, sondern auch alle diejenigen Strophen berück-
sichtigt, die in einer von den anderen ausgaben als anfange
eines selbständigen liedes gefasst sind.
184
wie kumet daz ich so manegem man 9 10
ir reinen wip, ir werden man 92 1
ich freudehelfeloser man 45 1
von Röme keiser here, ir hat also getan 79 1
der anegenge nie gewan 78 17
in einem zwivellichen wän 32
mich hat ein wunneclicher wän 5
man höhgemäc, an friunden kranc 78 57
nn sing ich als ich ß sanc 43
ich drabe da her vil rehte drier slahte sanc 79 25
die losen scheltent guoten wiben minen sanc 51 10
min alter klösensere, von dem ich so sanc 79 73
wol mich der stunde, daz ich sie erkande 18
ouwe waz eren sich eilendet von tiuschen landen 80
ir fürsten, die des küueges gerne waeren äne 76 61
diu kristenheit gelepte nie so gar nach wäne 75 21
ich hän des Kerndseres gäbe dicke enpfangen 75 91
herzöge üz österriche, ez ist iu wol ergangen 76 21
mir hat ein liet von Franken 70'' 1
die wile ich weiz dri hove so lohelicher manne 75 111
nemt, frouwe, disen kränz 13
ez troumte, des ist manic jär 69 106
wer gesach ie hezzer jär 59
ouwe war sint verswunden alliu miniu jär 81
ich wil nu teilen, e ich var 53 1
frouwe, vernemt durch got mir ditze msere 2
mirst diu ere unmsere 88
bin ich dir unmaere 24
ich hän dem Missensere 74 15
fenuoge herren sint gelich den gougelaeren 109
er künec min herre lech mir gelt ze drizec marken 76 51
von Röme voget, von Fülle künec, lät iuch erbarmen 76 31
min sele müeze wol gevarn 92 37
J"ch was durch wunder üz gevarn 84 14
16 Friderich üz Österriche also gewarp 68 13
hie vor, dö man so rehte minneclichen warp 63 1
ein meister las 93
do der sumer komen was 57
swä der hohe nider gät 71 27
bi den liuten nieman hat 90 1
swer sich ze friunde gewinnen lät 78 65
böte, sage dem keiser sines armen mannes rät 79 57
swie wol der beide ir manicvaltiu varwe stät 38 1
er ist ein wol gefriunder man, also diu weit nu stät 110
got, diner Trinitäte 94
got weiz wol, daz min lop waer iemer hovestsete 76 102
wir suln den kochen raten 70* 15
genuoge kunnen deste baz 9 37
Werlt, du ensolt niht umbe daz 89 15
185
ich muoz verdienen swachen haz 71 40
noch dulte ich tougenlichen haz 47 21
man seile mir ie von Tegerse 77
der rife tet den kleinen vogeJen we 56
ob ieman spreche, der nu lebe 69 1
waz hat diu werlt ze gebenne 21
mir ist von ir geschehen 13 33
ich hoere iu so vil der tugende jehen 58
ich hoere im maneger eren jehen 103 1
ich hoere des die wisen jehen 69 76
ich bän min lehen, al diu werlt, ich hän min lehen 76 41
sie frägent mich vil dicke, waz ich habe gesehen 79 9
Werlt, ich hän dinen Ion ersehen 92 25
der stuol ze Körne ist allererst berihtet rehte 75 1
müget ir schouwen waz dem meien 25
den diemant den edelen stein 78 9
ich saz üf eime steine 67 49
äne Uep so manic leit 61
miner frouwen darf niht wesen leit 26 33
mehtiger got, du bist so lanc und bist so breit 79 81
ir bischofe und ir edeln pfaffen ir sit verleitet 75 41
die wisen rätent, swer ze himelriche welle 106 21
ichn weiz wem ich geliehen muoz die hovebeUen 75 101
mit saelden müeze ich Mute üf sten 69 211
sagt an, her Stoc, hat iuch der bähest her gesendet 75 61
leider ich muoz mich entwenen 90 8
ich trunke gerne da man bi der mäze schenket 106 31
der also guotes wibes gert als ich da ger 51 28
allererst lebe ich mir werde 83
do Liupolt sparte nf gotes vart, üf künftige ere 75 141
Philippe, künec here 70' 1
nu sol der keiser here 74 29
her Wicman, ist daz ere 70'' 15
swer sich des staeten friundes durch übermuot beheret 106 51
»welch herze sich bi disen ziten niht verkeret 75 31
mir hat her Gerhart Atze ein pfert 72 1
waz Wunders in der werlte vert 69 196
nieman kan mit gerten 87
her bähest, ich mac wol genesen 73 25
80 we dir, Werlt, wie übel du stest 69 91
ich wolt hern Otten mute nach der lenge mezzen 76 11
ouwe wir müezegen liute, wie sin wir versezzen 80 15
ja Uge ich mit gedanken der alrebesten bl 96
ich wände daz sie wsere missewende fri 51 37
swer gibt daz minne sünde si 3 25
swer an des edeln lantgräven rate si 79 41
der in den ören siech von ungesühte si 68 49
zwo fuoge hän ich doch, swie ungefüege ich si 63 13
swie Uep si mir von herzen si 32 17
186
diu kröne ist elter danne der künec Philippes si 68 1
daz milter man gar wärhaft si 86
ich gesprach nie wol von gnoten wiben 11
vil tumbiu Werlt, ziuch dinen zonm, wart umbe dich 108
Philippes künec, die nähe spehenden zihent dich 68 37
dßswär, Reimär, du riuwes mich 71 14
swelch man wirt äne muot ze rieh 78 113
rit ze hove, Dietrich 71 66
fro Saelde teilet umbe sich 45 33
ein frouwe wil ze schedeliche 62 11
genäde, frouwe! also bescheidenliche 34
ouwß ez kumt ein wint, daz wizzet sicherliche 80 8
in gesach nie tage slichen 33 7
ich hän hern Otten triuwe, er welle mich noch riehen 76 1
ir vil rainneclichen ougenblicke 22
her keiser, swenne ir Tiuschen fride 73 61
du solt eine rede vermiden 33 13
do gotes sun hien erde gie 73 37
min frouwe ist underwilent hie 47 1
er schale, in swelhem uaraen er si, der dankes triege 76 81
uns irret einer hande diet 72 33
au dem fritage wurde wir vor der helle gefriet 107 21
nu wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten 75 131
ich horte diu wazzer diezen 67 1
frouwe enlät iuch niht verdriezen 28
frouwe, enlät iuch des so niht verdriezen 2 9
'sit wiÜekomen, her wirf, dem gruoze muoz ich swfgen 75 71
maneger trüret, dem doch liep geschiht 64 17
ein man verbiutet äne pfliht 65
min ouge michel wunder siht 60 11
sie frägent unde frägeut aber alze vil 38 17
künc Constantin der gap so vil 69 46
ich hän ir gedienet vil 90 22
got git ze künege swen er wil 73 13
mir tuot einer slahte wille 4
herzeliebez frouwelin 12
herzeliebez frouwelin 97
solt ich den pf äffen raten an den triuwen min 79 65
mac ieman deste wiser sin 47 31
ich bin des muten lantgräven Ingesinde 75 81
under der linden 14
ja waz wirt der kleinen vogeline 98
die verzagten aller guoten dinge 50
wer kan nu ze danke singen 41
waz sol lieblich sprechen ? waz sol singen 40 8
ouwe, hovelichez singen 66
so die bluomen üz dem grase dringent 15
er hat niht wol getrunken, der sich übertrinket 106 41
vil süeze wsere minne 82
187
saget mir ieman, waz ist minne 30
aller werdekeit ein füegaeriiine 16
rieh, herre, dich und dine muoter, der megede kint 79 49
stimer unde winter beide sint 23
3wä guoter bände würzen sint 72 17
wolveile unwirdet mangen lip 78 105
min frouwe ist ein ungenaedic wip 26
diu minne ist weder man noch wip 78 121
selpvar ein wip 105
mich nimt iemer wunder waz ein wip 29
si wunderwol gemachet wip 27
wie sol man gewarten dir 89
der hof ze Wiene sprach ze mir 69 31
wir klagen alle und wizzen doch niht waz uns wirret 75 11
swer mir ist slipfic als ein is 78 73
vil hohgelobter got, wie selten ich dich prise 76 71
wer sieht den lewen ? wer sieht den risen 78 97
junc man, in swelher ahte du bist 69 181
ich bin iu eines dinges holt, haz unde nit 51 19
ich lepte wol und äne nit 47 11
ich minne, sinne lange zit 102
ich hän die zit 99
ein niuwer sumer, ein niuwe zit 20
waz ich doch gegen der schoenen zit 6
Minne diu hat einen site 37
Herzoge üz Österriche, lä mich bi den liuten 75 151
ich bin als unschedeliche frö 64
ich waere dicke gerne frö 39 19
ich bin nu so rehte fro 19
von Kölne werder bischof, sit von schulden fro 79 17
hie vor, dös alle wären frö 60 21
ich wil nu mere üf ir genäde wesen frö 46 1
wil aber iemen wesen frö 42
ich hän ir so wol gesprochen 31
die veter habent ir kint erzogen 69 121
ist daz mich dienest helfen sol 103 25
sit deich ir eigenlichen sol 3 33
ob ich mich selben rüemen sol 49
ouwe daz mir so maneger missebieten sol 46 33
der Missenaere solde 74 1
ich bin dem Bogenaere holt 78 1
ir sult sprechen willekomen 52
her keiser, sit ir willekomen 73 1
die grisen wolteu michs überkomen 60
nu bitet, lät mich wider komen 53 13
die mir in dem winter fröude hänt benomen 48
dri sorge habe ich mir geuomen 71 53
waz eren hat frö Böne 70" 29
an wibe lobe stet wol daz man sie heize schcene 75 171
iB8
mir ist verspart der saelden tor 69 16
herre got, gesegene mich vor sorgen 10
ez gienc eins tages als unser herre wart geborn 68 25
ich häte ein schoene bilde erkorn 92 49
müeste ich noch geleben daz ich die rosen 40
swer äne vorhte, nerre got 69 151
stsete ist ein angest und ein not 7
die zwivelsere sprechent, ez si allez tot 51 1
her keiser, ich bin frönebote 73 49
ich sach mit minen ougen 67 25
die herren jehent, man sülz den frouwen 62 1
durhsüezet und geblüemet sint die reinen frouwen 106 1
min frouwe ist zwir beslozzen 21 11
järlanc sint die tage trüebe 100
ir fürsten, tugendet iuwer sinne mit reiner gtiete 107 1
vil süeziu frouwe hohgelopt mit reiner güete 106 11
ein wip mit wibes güete 104
daz ich dich so selten grüeze 33
Marjä klär, vil hohgeloptiu frouwe süeze 107 11
ouwe daz wisheit unde jugent 71 1
selbwahsen kint, du bist ze krump 84 1
ich hän gesehen in der werlte ein michel wunder 76 91
ouwe der wise die wir mit den grillen sungen 80 22
Sit got ein rehter rihtaere heizet an den buochen 76 112
ich hän gemerket von der Seine unz an die Muore 75 161
dir hat enboten, frouwe guot 3 1
weder ist ez übel, oder ist ez guot 9
swer houbetsünde unt schände tuot 69 166
ganzer fröuden wart mir nie so wol ze muote 17
junger man, wis hohes muotes 1
ich sanc hie vor den frouwen umbe ir blozen gruoz 63 49.
Wörterbuch, i)
ä interj., zur Verstärkung des
nachdrucks angehängt an
imperative (bekerä, sniä)
oder imperativische Parti-
keln (neinä).
ab prüp. von.
abe adv. ab.
aber abermals; aber.
abgründe stn. abgrund.
ahi interj. hah.
ahte stf. läge, stand.
aebtaere stm. geächteter.
al adj. all, ganz; auch adv.;
aldä, alhie kaum verschieden
von da, hie.
aleine mit gen. verlassen von.
allererst, alrerst zuerst, erst
recht; von alrerste zuerst.
allez eigentl. acc. sg. n. immer-
fort.
Alman bezeichnung des Deut-
schen im munde des Ita-
lieners.
almuosensere almosenempfän-
ger.
alsam ebenso; rel. ebenso wie;
als ob.
also, abgeschwächt alse, als
adv. so, ebenso, unter der
bedingung; rel. wie, wenn.
alsolch gerade solch.
alsus so.
alten swv. alt werden.
alter stm. altar.
alters eine ganz allein.
alumbe ringsherum.
alzan = aUez an immerfort.
ande sv^m. kränkung.
anden strafen.
ander adj. der zweite; in einem
vergleiche pleonastisch: als
min ander hant ivie meine
hand.
anders adverbialer gen. im
übrigen, sonst.
äne, an ohne, ausser; mit vor-
angestelltem gen. ledig, er-
mangelnd.
anegenge stn. anfang.
anegengen siw. einen aneganc,
d. h. eine heil oder unheil be-
deutetide begegnung machen.
ange adv. zu enge sorgfältig.
augestlich schrecklich.
arc arg, karg.
arebeit stf. mühe, leid; das
durch mühe errungene.
arke f. kästen.
armen swv. arm sein.
armman unglücklicher mann.
ars stm. der hintere.
art stf. beschaffenJieit.
arzenie stf. heilkwnde.
bäbest papst.
balde adv. eilig.
balsamite balsampflanze.
balsme swm. baisam.
balt kühn, dreist.
ban stm., pl. benne bann.
') Man suche v immer unter f.
190
baniere stf. hanner.
bannen stv. prät. bien in den
bann tun.
bar mit gen. entblösst von.
barmensere erharmer.
barmunge stf. erbarmen.
barn stn. kind.
baz adv.besser, ivohler,pleonas-
tisch nach com.: groezer baz.
bede = beide.
bedenken mit acc. sorgen für.
be vollen adv. völlig.
begän, begen stv., prät. beg'ie
unterne'imen, ausüben; sich
begen leben.
begonde, begunde prät. von
beginnen.
begrifen greifen.
behalten bewahren, aufbe-
wahren, zurückhaltend im
geben sein ; den strit b. den
sieg behaupten; sich b. sich
halten, aufführen.
behereu siov. rcfl. mit gen. sich
jemandem gegenüber über-
heben.
heberten erzwingen.
behüeten behüten, vei'hüten,
sich hüten vor.
beide — nnde sowohl — cdsauch.
beidenthalp, bedenthalben auf
beiden Seiten.
beiten swv. mit gen. warten.
bejagen erwei-ben.
bekennen kennen.
bekeren wenden, einrichten.
bekerkeln einlcerkern (?).
bekliben stv. fest wachsen,
ivurzel fassen.
belangen unpers. verlangen.
beliben, bliben stv. bleiben,
zurückbleiben.
benahten die nacht hinbringen.
beraten stv. versorgen.
bereiten zurecht machen.
berihten in Ordnung bringen,
unterweisen.
bem stv. tragen, bringen,
schaffen.
bern swv. schlagen.
bescheiden stv. auseinander-
setzen; zuweisen, bestimmen.
bescheiden, part dazu, sich
zu benehmen wissend.
bescheidenlich adj. gebührlich.
bescheidenliche adv. auf fest-
gesetzte weise; also b. unter
solcher bedingung.
bescb einen stw. offenbar ma-
chen.
bescheiten stv. schelten; part.
bescholten mit makel be-
haftet.
heschoenen verschönern, wohl
aufnahmen (?).
beseme swm. besen.
besitzen belagern, bildl. 82 51.
besliezen einschliessen , zu-
schliessen.
besorgen mit acc. sorge tragen
ettcas abzuwenden.
bestän, besten angreifen, er-
greifen; zukommen, zuge-
hören (mit acc).
beste adv. ; so — beste so gut
als.
bestellen besetzen.
besonder adv. besonders, ein-
zeln.
besuochen nachsuchen.
beswseren schwer maclien, be-
kümmern.
betagen zu tage kommen ; den
tag hinbringen.
bete stf. bitte.
betiuten deutlich beschreiben.
betoeren zum toren machen,
äffen.
betragen unpers. m. acc. der
person u. gen. der sache, zu
lange dauern, lästig werden.
betriegen stv. betrügen; part.
betrogen verblendet.
bettestat lagerstätte.
bewseren beweisen.
bewarn schützen; verhüten.
bewarten mit einer wache be-
setzen.
191
bewegen stv., sich eines dinges
auf eticas verzichten.
bezzer 35 20 nützlicher.
bezzerunge wendung zum
bessern.
bi präp. bei, an ; bi drizec pfän-
den gegen dreissig pfund;
adv. in der nähe.
biderbe nützlich, tüchtig, vor-
bien prät. von bannen, [nehm.
bieten: an b. ^ erbieten, er-
weisen.
bilde stn. bild, gebilde, vorbild.
binden, ze beine gering an-
schlagen; wol gebunden mit
gutem gebende.
bispel stn. lehrhafte rede.
biten stv. bitten, mit gen. um
etwas; mit dat. für einen.
biten stv. warten.
blä blau.
blat, niht ein b. nicht das ge-
ringste.
blecken sichtbar werden.
blichen stv. blass, farblos
blint blirul, dunkel, [iverden.
blöz substantiviert in decke
b. decice das blosse (?).
blüemen (mit blumen) schmü-
cken.
bluot stf., gen. blüete blute.
Bogenaere Bogner, graf von
KatzenelUnbogen.
bore stm. borg: äne b. so dass
nicht (iceiter) geborgt zcird.
borgen auf borg nehmen oder
geben; üz b. etitleihen; vgl.
Zamcke, PBB VII, 602.
bosch busch.
bcese geizig 7"» 87.
bösen swv. schlecht sein.
boteschaft tätigkeit als böte.
bouwen = büwen wohnen.
brä stf. braue.
brechen durchbrechen, sich
durch etwas nicht einengen
lassen; für b. bei seite schie-
ben, als nicht vorhanden
betrachten.
breiten ausbreiten.
brief aufzeichnung (schuld-
buch).
brinnen stv., prät. bran bren-
nen (intr.).
broede hinfällig.
brogen sich übermütig be-
'nehmen.
brunne swm. quelle.
büezen wider gut machen, ab-
hülfe wovon verschaffen (mit
gen.).
buggerämen in buggeräm (ein
aus Ziegenhaaren gewebter
Stoff) kleiden (?).
buoz, des ist b. dafür ist ab-
hülfe geschaffen.
butze swm. schreckbild.
cirke swm. reif, fürstenkrone.
da (da) da ; rel. wo, da . . an
daran, woran; da . . inne
darin, worin etc. Es dient
auch zur einleitung einer
antwort, z. b. 36 46.
dagen swv. schweigen.
dahte prät. von decken.
dan, danne, denne als nach
comparativen.
dan, dannen von dannen, rel.
von wo.
danc da7ik, preis ; dankes frei-
willig ; äne danc Widerwillen.
dandern = die andern.
danne, denne dann; = dan.
dannoch, dennoch ferner noch,
noch.
dar dahin, wohin, dazu; also
dar immer zu.
dar = da in dar abe, dar
an etc.
dast = daz ist.
dazt = daz du.
dehein, dekein irgend ein (ul-
lus), kein.
deich = daz ich.
deis, deist = daz ist.
deiz = daz ez.
192
dekein = dehein.
denne = danne.
der, diu, daz pron. dem. und
rel., art.; gen. des deswegen;
diu (instrumentalis) geliche
derartig.
der m dermite, dernider =
dar, da.
derde = die erde.
d§st = daz ist.
deste desto.
deswär = daz ist war fürwahr.
deweder irgend eitler (mit
negation kei^ier) von zweien.
dicke oft.
dienen dienen, verdienen.
dienest stm. oder stn. dienst;
min d. sagen eine empfeh-
lung von mir bestellen; sin
d. enbieten eine empfehlung
sagen lassen.
dienstmann ministeriale.
diep, min d. der mich hestohlen
hat.
diet stf. volk, leute; die lieiden.
diezeu stv. rauschen.
dinc Sache, angelegenheit.
dingen verhandeln.
dirre, disiu, diz oder ditze
dieser.
disputieren 76, 58 abschätzen
(?); vgl. Schönbach, ZfdA
39, 347.
diufe stf. diebstaM.
dö (do) da, damals, als.
doln dulden.
dön ton ; doenen tönen.
dörperheit bäurisches beneh-
men.
dörperlich bäurisch.
dougen = diu ougen.
draben traben.
drsete adj., dräte adv. schnell.
drie stf. die drei, dreiheit.
drien drei faltig, zur drei ma-
cJien.
dringen stv. dringen, drängen.
driunge Verdreifachung.
dro stf. drohung.
drü stf. schlinge, klemme.
drüzzel stm. schnauze.
dulteclich mit leiden verknüpft.
dumme entstellt aus lat. domini.
durch, dur wegen, um — urillen.
durchsüezen mit lieblichkeit
durchdringen.
Dürinc, Dürenc stm. Thüringer.
dürfen nötig haben, brauchen.
dürfte stf. bedürftigkeit.
dürkel durchlöcliert.
duz stm. schall.
§ stf. Satzung; insbesondere
kirchliche Satzung im gegen-
Satz zu der weltlichen (reht) ;
religion.
g adv. frülier, elier, lieber; be-
vor, ehe; dafür auch e danne,
e daz; als präp. in 6 daz
vordem.
ebensere gleichmacJier.
ebene adv. gleichmässig , an-
gemessen.
ebenkristen mitchrist.
eht, et adv. nur, eben, nun
einmal.
eichiu adj. von eichenholz.
eiden in eid nehmen.
eigen adj. eigen, leibeigen; stn.
eigentum, spec. grwndbesitz;
für e. zu eigen.
eigenlichen adv. vrie ein leib-
eigener.
ein ein, allein ; sin eines leben
das leben von ihm allein;
eine sw.nom. oder adv. allein,
auch mit gen., z. b. liebes
eine ohne den geliebten; üf
ein zusammen; als artikel
auch in vergleichungen und
anreden, wo im nhd. kein
artikel steht.
einest einmal.
einlif elf.
einloetic aus einer gleichmäs-
sigen masse gebildet (?).
eischen stv. fordern.
eilen stn. kraft.
193
elleude in fremdem lande
weilend.
eilenden, sich in die fremde
gehen.
elliu nom. sg. f. und nom. acc.
pl. n. von al.
en 1. = ne ; 2. = in ; 3. = den.
enbern stv. mit gen. entbehren,
frei bleiben wovon.
enbieten stv. mssen lassen.
enbizen friihstücJcen; enbizzen
sin gefrühstückt haben.
ende enle; eines dingesz'ende
kommen mit etwas zum ab-
schluss kommen; dest ein
ende das steht fest; ein e.
geben eineyi endgültigen aus-
Spruch tun; Jon weiz ich
niht ein ende ich weiss es
nicht bestimmt.
endeliche adv. entschieden.
endelist letzte Mugheit.
enderät endgültiger entschluss.
enfremeden fern halten.
engelten stv. mit gen. nachteil
wovon haben; wes hänt sie
engolten trodurch haben sie
es verschtddet?
enhein kein.
enmitten mitten; enmittenzwei
in der mitte entzwei.
enpfähen stv. empfangen.
enpfallen entfallen.
enpflegen mit gen. sich be-
nehmen gegen.
en(t)springen entspringen, blü'
ten treiben.
enthalten fassen.
entrennen zertrennen.
entriuwen fünvahr.
entsliezen aufsclüiessen.
entsten wahrnehmen, ver-
stehen; sich e. Verständnis,
urteil haben.
entswellen die aufschwdlung
verlieren, besänftigt werden.
entwenen entwöhnen.
entwern, einen eines dinges
versagen.
entwich stm. das entweichen.
entwonen sich enttcöhnen.
enweder keiner von zweien.
enwiht = ein wiht ein unbe-
deutendes ding, so viel als
nichts, e. machen zu nichte
machen.
er pron. er, derjenige; dat.
auch reflexiv; pleonastisch
das prädicat vorweg neh-
mend : ich binz der sun etc.
erbarmen mit acc. leid tun,
jammern.
erbeiten mit gen. warten auf.
erben sich vererben.
erbermde stf. barmherzigkeit.
erbermic barmherzig.
erblenden blenden.
erborn angeboren.
erdenken durch nachdenken
finden.
erdringen durch drängen ge-
winnen.
ere stf. ehre, häufig im plur.:
e. hän geehrt icerden, mit
gen. ivodurch. tuo din e. tu
was dir zur ehre gereicht.
ervarn durchfahren.
erfiuhten anfeuchten, erfri-
schen.
erfüllen anfüllen.
erfürhten, part. erforht fürch-
ten.
ergän geschehen, ergehen, ab-
laufen.
ergeben hingeben.
erglesten erglänzen.
ergraben eingraben.
erheben stv. anheben.
erhellen stv. erschallen.
erholn, sich etwas versäumtes
einbnngen.
erkennen kennen, kennen ler-
nen; mute erkant als frei-
gebig bekannt.
erkiesen stv., pari, erkorn er-
wählen.
erkosen, sich sich satt plaudern.
erlaben erfrischen.
Walth. T. d. Vogelweide. 5. Autl.
13
194
erlAzen, einen eines (Unges
einem eticus erlassen.
erlesen herauslesen.
eiiiden erleiden, sich gefallen
lassen.
ermen arm machen.
erre adj. comp. früJiere.
erschamen, sich in schäm ge-
raten.
erscheinen swv. zeigen.
erschelleu siv. erschallen.
erschrecken stv. auffahren,
zurückbeben (mit gen ).
erste adv. zuerst.
erteilen zuteilen.
ertoeren ztim toren machen, für
einen toren halten, betäuben.
erweit part. auserwählt.
erwenden zur umkehr bringen,
abwenden.
erwerben ausrichten mit seiner
bemühung 45 16.
erwinden umkehren, aufhören,
nachlassen.
erzüuden entzünden.
est = ez ist.
eteslich mancher.
eteswaz etwas.
eteswenne manchmal.
val adj. fahl, blond.
val fa,ll, ze valle geben «Vis
verderben stürzen.
valsch stm. falschlieit, falsche
münze, makel.
valwen fahl werden.
vären mit gen. trachten nach.
vaeren auflauern, überlisten.
varn fahren, überhaupt sich
bewegen, kommen; sich be-
nehmen, befinden; varn läzen
preisgehen, keinen wert wo-
rauf legen; part. vamde
rasch vergänglich, im stände
sich zu bewegen, tvoMauf;
V. guot bewegliche habe;
varndez volc spielleute.
varwe färbe, äusseres an-
seilen.
vaste adr. sehr, dicht.
vastenkiuwe fastenfrass.
vech bunt.
vehen, ven hassen, feindselig
behandeln.
vehten sich abmülien.
veige zum verderben bestimmt.
vellen zu falle bringen.
velschen, sich sich falsch er-
weisen.
veltgebü behautes feld.
verbern stv. ferti bleiben von,
vermeiden, unterlassen.
verbieten, ein spil den gegner
im spiel überbieten.
verderben swv. zu gründe
richten.
verdienen dienen um etwas,
was man erlangen will oder
schon erlangt hat, durch
dienst erwerben.
verdriezen , mich verdriuzet
eines dinges mir toird etwas
zu viel, dauert zu lange.
verdringen verdrängen, drätv-
gen zu (?).
vereinen, sich mit gen. seinen
sinn ivorauf richten.
vereischen erfahren.
verenden 1. ein ende finden;
2. zu ende bringen.
vervähen, vervän mit acc.
helfen, nützen.
vervarn vergehen.
vervellen zu falle bringen.
vergän mit acc. bei einem vor-
beigehen.
vergeben gestatten 34 4; ver-
giften, mit dat.
vergebene adv. umsonst.
vergelten bezahlen.
vergezzen 7nit gen. vei-gessen;
sich V. sich versehen; part.
vergezzen gedankenlos.
verguot = für guot.
verheret durch Vornehmheit
unnahbar gemacht.
verhouwen niederhauen; ver-
wunden.
195
verirren in dw irre führen,
m Verwirrung bringen.
verjehen mit gen. aussagen,
zugestehen.
verkeren ins gegenteil ver-
wandeln ; verdrehen.
verkiesen stv. verschmähen.
verklüsen einsperren wie in
eine Mause.
verlegen zu lange gelegen
habend, durch trägheit in
seinem äusseren vernach-
lässigt.
verleiten in die irre führen.
Verliesen, fliesen stv. verlieren,
vergeblich anwenden.
verUsten überlisten.
vermiden unterlassen, fern
bleiben von.
vermissen entbehren ; durch
ein V. weil es ihm fehlt (an
mittein zum geben).
vemaejen einnäfien, einschnü-
ren.
verpflegen aufhören zu treiben.
verpflihten, sich ze sich an
etwas hängen.
verre adv. fern, in die ferne,
aus der ferne; viel, sehr.
verren entfernen, entfremden.
verschallen übertönen.
verschampt die schamhaftig-
keit verloren habend.
verschelken knechten.
verschraget verschränkt, in
einer schiefen unrichtige^i
Stellung befindlich (?).
verschroten part. falsch ge-
schnitten.
verschulden verdienten, ver-
gelten.
versiunen, sich zu verstand
kommen, verständig sein;
überlegen; sich auf etwas
verstehen; part. versunnen
verständig.
versitzen, versezzen sin sich
auf einen falschen platz
gesetzt haben.
versmäheu verächtlich erscliei-
nen.
versnideu zerschneiden ; ver-
louiiden (Midi.).
versprechen mit acc. gegen
etwas sprechen.
verstän, ze guote v. zum guten
auslegen: sich v. verständig
sein ; mit gen. gewahr weeden.
versümen vernachlässigen, un-
nütz hinbringen; sich v.
nachlässig sein; seine zeit
unnütz hinbringen.
versuochen erproben.
verswachen geringer, schlechter
maclien.
verswern durch meineid preis-
geben.
vert im vorigen jähre.
vertragen sich gefallen lassen,
gelten lassen.
verwsenen, sich erwarten (mit
gen.).
verwarren = verworren part.
zu verwerren in Unordnung
bringen.
verwäzen part. verflucht, un-
glückselig.
verwizen stv. vorwerfen.
verzaget mit gen. verzweifelt
an; zurückhaltend, knause-
rig mit.
verzihen, sich mit gen. ver-
zichten auf.
verzinsen als zins hingeben.
vielt prät. von valten.
vient, vint feiitd.
vieren behauen, glätten (= lat.
quadrare).
vil subst. mit gen.'^niel; adv.
sehr.
Villen geissein.
vingerlin stn. fingerring.
vingerzeigen mit dem finger
zeigen.
fiuhte stf. feuchtigkeit.
fle = flehe stf. das flelwn.
fliesen = Verliesen.
fliz Sorgfalt.
13*
196
flizen, si(;h sich befleissigen.
flüetic flutig, überströmend.
voget richter, schirmlierr.
volenden zu e)ide bringen.
volfüegen zur Vollendung
bringen.
volge beistimmung.
volgen, mite v. folgen, gesell-
schaft leisten.
volle swm. fülle; ze vollen voll-
ständiq.
vollecliche adv. reichlich.
volmezzen reichlich gemessen.
volrecken vollstä)tdig ausein-
andersetzen.
von von, in folge von, vor,
durch.
vor, hie v. früher.
vorhte stf., auch im plur.
furcht.
fremede fern, fremd, zurück-
haltoid (34 28), seltsam.
freudehelfelös adj. dem nie-
mand zur freude verhilft.
frevellichen ndv. vermessen.
fri läzen fern bleiben von.
fride stm. Waffenruhe, rechts-
sicherheit.
fridebsere friedfertig.
friedel geliebter.
inen frei macJien.
fristen verschieben, schützen.
friunden zum geliebten maclien.
friundin, -inne geliebte.
friunt freund, geliebter, geliebte.
friuntlichen adv. nach art eines
geliebten.
frö sin mit pen. einverstanden
sein, bilhgen.
frö = freu proklittsche form
zu frouwe.
frömde = fremde.
frone, fron indeclinahles adj.
heilig.
fronebsere heilig, herrlich.
fronebote gerichtsbote.
frouwe, frou, frö lierrin (ad-
lige) datne; here f. anrufung
der Maria.
frouwelin diminut. dazu, als
anrede an ein mädchen
niederen Standes, der der
titel frouwe von rechtstvegen
nicht zukommt.
frum(e) swm. vorteil.
frümekeit trefflichkeit.
frunien nützen.
füegaerinne bewirkerin.
fliegen zu wege bringen, zu
teil werden lassen.
fuoge schickliches benehmen,
geschicklichkeit.
fuore lebensweise.
fuoz, niemer f. nie einen fuss
breit.
für adv. u. präp. vor, für, an-
statt, über — hinaus, mehr
als, gegen ; für sich vorwärts.
fürder adv. bei seile, weg.
fürgedanc stm. vorausgehende
Überlegung.
furrieren füttern.
gäch, mir ist g. ich habe es
eilig.
gäben, in allen g. in aller eile.
gäben swv. eilen.
gampelspil possenspiel.
gan ich gönne; zu gunnen.
gän, gen gehen; abe g. ge-
brechen; an g. angreifen;
üf g. überhand nehmen; zuo
g. sich nähern.
ganz unverletzt, vollständig.
ganzlich das selbe.
gar adv. ganz.
ge- Partikel, bildet teils mit
einem nom. oder verb. eine
feste composition von eigen-
tmnlicJier bedeutung , teils
hat es vor dem verb. eine
Pestimmte syntaktische func-
tion, ohtie sonst die loort-
bedeutung zu verändern. Im ^
letzteren falle suche man
unter dem einfachen worte.
So gibt es dem prät. in tem-
poralsätzen die bedeutung
197
des aorists und steht da, too
im lat. das plusquamp. ge-
setzt wird. Ferner steht es
neben ie und den damit zu-
sammengesetzten Wörtern,
bei dem infin. nach hiUfs-
zeitwörtern, in verallgemei-
nernden relativsätzen.
gebären sich benehmen, um-
gelien, dafür gebseren 93
17 (?).
gebe stf. gäbe.
geben swv. mit dat. beschenken.
gebende stn. kopfschmucJc.
gebieten, gebiut mir verab-
schiede mich.
gebüre. sum. bauer.
gedanc stm. gedanke.
gedenken nach mit seinen ge-
danken etioas zu erfassen
suchen.
gedien = gedihen sio. in einen
zustand geraten.
gedinge swm. u. stn. hoffnung.
gedingen hoffen.
gedultic verträglich.
gevallen zufallen.
gevar adj. eine gewisse färbe
habend.
gevelle stn. das fallen der
Würfel, ausfall.
gef riunt mit freunden versehen.
gefüege, adv. gefuoge schick-
lich, wolerzogen.
gegen, gein präp. mit dat.
gegen, entgegen, gegenüber.
gehaben, sich sich benehmen.
gehaz adj. feindlich.
geheize stn. verspreclien.
geheizen versprechen.
gehirmen ruJien.
gehiure lieblich.
gehovet höfisch.
geil fröhlich.
gein = gegen.
geläz stm. oder stn. gestalt,
aussehen.
geleben erleben.
gelf glänzend.
gelich gleich; adv. geliche
gleichmässig , eyitsprechend.
geliehen vergleichen, gleich
stellen; gleich kommen.
geligen darnieder liegen; obe
g. die Oberhand behalten.
gelt stm. oder stn. Vergeltung;
einkommen.
gelten kosten; bezahlen, ver-
gelten.
gelust wolgefallen.
gemach riüie, bequemlichkeit.
gemeine gemeinsam , überein-
stimmend ; ez g. hän gemein-
same Sache machen.
gemeit fröhlich, stattlich.
gemelich spasshaft.
gemüete stn. gesinnung, Stim-
mung.
gemuot gesinnt, gestimmt.
g(e)näde gnade, huld; insbe-
sondere gunst der geliebten
dame; eines g. hän einem
seine gunst getcähren; öfters
ist g. bittender ausruf, so-
viel als „gewähret mir
gnade".
genäden gnädig sein.
genseileclich gnädig.
genaeme genehm, angenehm.
genesen am leben bleiben, ein-
halten werden, sein Seelen-
heil finden.
genieten, sich mit gen. sich
stark mit etwas abgeben.
geniezen mit gen. vorteil wo-
von haben; genozzen vorteil
gewonnen habend.
genöz, gnöz stm. jemand der
einem gleich ist (mit gen.).
genozen gleichstellen, da zuo
dem.
genuoc subst. indecl. genug;
adj. viel; adv. gennoc und
genuoge.
ger stf. verlangen.
gersete sin. rat.
gerihte stn. gericht, rechts-
ordnung, regiening.
198
gerinc stm. bemühen.
gern mit gen. heyehren, ver-
langen; die gernden die
gaben heischenden spielleute.
gerne gern, bereitwillig; comp.
geruer.
geselle genösse, freund.
gesiht stf. anblicJc ; zir gesihte
von ihren äugen.
gesinde sin. gesamtheit der
untergebenen.
gestalt part. von stellen.
gestän stehen bleiben, bleiben.
gesunde = gesunt
geswigen stv. vei'strimmcn.
getät beschaff enJieit.
getriuwen, getrüwen trauen,
zutrauen, sich getrauen.
getwerc stn. zwerg.
gewalt, stm. gewalt, gewalt-
tätigkeit.
gewaltecliche(n) adv. gewaltig,
getcaltsam.
gewaltic sin mit gen. in seiner
gewalt haben.
gewerp stm. Werbung, bemüh-
ung.
gewinnen erlangen, bekommen.
gewizzen verständig.
gewon adj. gewohnt.
geworht part. von wtirken.
gihe, gibt zit, jehen.
gitekeit habsucht.
gitsen habsüchtig sein.
glesin gläsern.
gouch kukuk; narr.
gougelaere gaukler.
gougelbühse zauberbüchse.
gougelfuore lehensweise, die
etvig wechselt xoie die künste
eines gauklers.
gra grau.
grät stm. gräte.
grimme schrecMich.
grinen stv. knurren.
gröz dick, gross.
güete trefflichkeit, auch implur.
gnggaldei kuckuck (?).
gtilte stf. schuld.
guneren beschimpfen.
gunnen mit gen. gönnen.
guot adj. gut, nützlich; für
g. hau womit vorlieb nehmen.
guot stn. etwas gutes, besitz.
habe stf. Hafen.
habedanc stm. dank, lob.
haben, hän haben, halten, be-
handeln; intr. halten (vom
reiter).
hal prät. von hellen uml von
heln.
halbe adv. zur hälfte.
halsen stv. umarmen; pari.
gehaiseu zärtlich.
halten behalten.
handelunge bewirtung.
hanhte prät. von Jienken.
hant, einer bände einerlei;
guoter bände von guter art.
hautgetät stf. geschöpf.
bar, nibt ein här nicht das ge-
ringste.
harpfen harfe spielen.
harte adv. zu herte sehr.
heben, sich sich aufmaclien,
anfangen.
hei interj. hah.
beiden stm. lieide.
beilegeist heiliger geist.
heiles wort beglückwünschung.
heim Jieimwesen; heim, hein
nach hause; beirae zu hause.
beimescb einheimisch.
helfe hülfe.
helfen mit acc. oder dat., mit
gen. wozu verlielfen.
bellemor höllenmohr, teufel.
bellen stv. schallen; eilen (?)
82 53.
heln stv. verhehlen.
henken hängen lassen.
her lier; bisher; da her bis-
Jier.
hör und h§re erhaben, lieilig,
vornehm, übermütig.
herebernde herrlich, lieilig.
h§ren swv. hör machen.
199
hergeselle kampfgenosse.
herliche adv. in herrlicher
tceise.
harsch sich vornehm beneh-
mend.
herte hart.
herzeichen feldzeicJien.
herzeleide stf., herzeleit stn.
herzeleid.
herzeliebe stf. herzensfreude,
Iterzliche neigung.
herzeUep stn. Iierzensfreude,
geliebte.
hien erde = hie en e. hier
auf erden.
himelfrouwe herrin des him-
mels.
himelhort himmelsschatz.
hin von hier; hin umbe auf
die andere Seite; hin ze järe
MÄers jähr.
hlnaht hente nacht.
hinder sich zurück.
hinne = hie inne hierin.
hiure in diesem jähre.
hoch, hö adj. hoch, lierrlich,
gehoben, fröhlich.
hovebsere in höfischer siite be-
wandert.
hovebeUe swm. hofbeller, höf-
ling.
hovelich , adv. hoveliche(n)
ho f gemäss.
hövescheit höfisches benehmen.
höveschen den hof machen.
hovestsete dem hofe treu.
hovewert des hofes teert.
höhe, hö adv. zu hoch ; sit ez
in also höhe ste da es ihnen
so teuer zu stehen kommen
kann.
hohgemäc adj. von vornehmer
verivandt Schaft.
höhgemüete gehobene, fröh-
liclie Stimmung.
höhgemuot adj. in fröhlicher
Stimmung.
hoene schmählich.
honegen voll honig sein.
hoenen in schände bringen.
homnnc februar, bildl. fräst-
beulen.
hört schätz.
houbetsünde todsiinde.
hübesch = hövesch.
hulde huld, geneigtlieit; mit
hulden mit erlaubnis.
huobe hufe, stück land.
huote hut, aufsieht, auflaue-
rung, vorsieht.
ie je; immer.
iedoch jedoch, dennoch.
ieglich, iegeslich jeglich.
ieman, iemen jemand ; in ab-
sichtssätzen auch=niemand.
iemer j> {nie nach ich wände);
immer; iemer mere immer-
fort.
iender irgendwo.
iesä sogleich.
iesch prät. von eischen.
ietweder jeder von zweien.
ieze, iezuo jetzt.
iht irgoid etwas; adverbial:
irgend, etwa; in absichts-
sätzen = niht.
i'm = ich im.
in 1. in, ein; 2. ihn, ihnen;
3. = ich ne.
ine = ich ne.
Ingesinde stn. gesamtheit der
hofleute; ich bin i. ich ge-
höre zum i.
inme = in dem(e).
inuän innen.
inne innen, in inne bringen
m. gen. belehren über.
innecfich, adv. innecliche(n)
lierzlich.
insigel Siegel, Stempel.
irre mit gen. unsiclier in be-
zug auf.
irren 7nit gen. stören worin.
ja ja, fürwahr.
jämerliche adv. mit jammer.
jarlanc in dieser zeit des Jahres.
jehen siv., 1. sg. ind. gihe
200
behaupten, zugestelwn {mit
dat. der person utid gen. der
Sache); sich j. für sich be-
ken7ien als.
j6 fürwahr, ähnlich joch.
junc, ze jungest zuletzt.
juncherre junger lierr.
jungen jung werden.
kalc kalk, iüncJie.
kamertere Schatzmeister.
kapfen schauen.
kappe mantel.
karkelvar kärkerfarben (?).
kein irgend ein, kein.
kemenäte heizbares zimmer,
vertrauliches gemach, im
gegensatze zu dem allge-
meinen empfangsaal.
kempfe kämjyfei-.
kiel scjdff' von bestimmter art.
kiesen stv. wahrnehmen, wäh-
len.
kint, von kinde von kind auf.
kit, daz k. das heisst.
kiusche adj. enthaltsam, rein.
kiusche stf. enthaltsamkeit,
reinheit.
klagen mit acc. beklagen.
kleine subst. und adv. wenig.
klosensere klausyier.
klüs Mause.
knoUe swtn. anschwellung ; ich
gewinne knollen ich werde
grob.
krä stf. krälie.
kraft kraft, fülle.
krage swm. hals.
kranc schwach, gering.
kraneche stvm. kranich; kra-
nechen trit stolzer tritt.
krenken scMväcJien, a-nied-
rigen.
Krieche swm. GrriecJie; ze
Kriechen in Gi'iechenlatul.
kripfe swf. krippe.
kristen krist.
kumber bedrängnis, leid.
künde stf. bekanntschaft.
kündeclicheu adv. offen, vor
aller äugen.
kündekeit list.
kunder stn. seltsames geschöpf.
kündic bekannt.
kunft ankunft, herannahen.
künftic kommend.
kunneu wissen, verstellen, kön-
nen; k. ze sich auf etwas
verstellen; einem k. mit
einem fertig werden können.
kunterfeit stn. das nachge-
machte, unechte.
kür stf. waM ; säzen ander k.
setzten sich zu einer andern
loahl (?).
kür conj. prät. von kiesen.
kurzewile kurzweil, Unterhal-
tung.
kurzlich adv. kurz.
küssen stn. kissen, im Wort-
spiel mit küssen küssen.
lacheliche adv. dem lachen
entsprechend.
läge stf. hinterhalt.
län = läzen.
lanc: eines tages lanc die
länge eines tages.
lantrehtsere jemand, der sich
mit dem landrecht abgibt,
danach richtet.
Isere leer, mit gen. von.
lajren leeren; 1. von wegnehmen
von (69,11?).
lasier schände.
lasterliche(u) in schimpflicher
weise.
läzen, län lassen, verlassen,
fahren lassen, vergeben; sich
1. sich verlassen; einem den
strit 1. ihm das feld räumen;
lät mich gän nehmt an (ge-
setzt), ich ginge.
le stm. hügel.
leben stn. leben, stand, Stel-
lung.
lecker Schmarotzer, Schmeich-
ler.
201
ledic frei.
lehen lehen, Verleihung.
leide adv. schmerzlich; 1. sin
weh sein; 1. tuon weh tun.
leiden 1. unangetiehm weixle^i
oder sein; 2. unangetiehm
maclien.
leisten befolgen.
leit adj. leid, verhasst.
leit = leget; leite = legete.
leste superl. letzte.
letzen m. acc. ein ende maclien.
liebe stf. freude, liebe; in K
bedeutet liebe das liebsein
wie schoene das schönsein.
liebe adv. angenehm ; mir wir-
det 1. ich komme in ange-
nehme Stimmung.
lieben 1. angenehm werden
oder sein; 2. angenehm
maclien.
liegen lügen; verweigern: nie
gelouc, ezn sagte nie ver-
weigerte zu sagen.
lieht licht, glänzend.
liep stn. freude, angenehmes;
geliebte{r).
ligen liegen, niedersinken; 1. an
woratif beruhen, womit ver-
knüpft sein ; obe 1. obsiegen.
lihen, ^wät lech leihen, zu
lehen geben; part. geligen
erborgt, nur üusserlich an-
genommen.
lihte ad. wertlos.
lihte adv. leicht, vielleicht.
lihtgemuot oberflächlich.
liljeuvar lilienfarben.
lip leib, leben, person.
üst stm. wissen, kunst, list.
liuten dat. pl. von lüt laut.
16 = loch stm. hain.
loc stm. locke.
lös leichtfertig, frech.
IfBsen loskaufen.
lougen stn. läugnung; äne,
snnder 1. unläugbar.
lune laune, Unbeständigkeit.
lützel substantivisch und ad-
verbial tvenig; öfters litotes
= nichts, nicht; lützel ie-
man = niemand.
mäc stm. verwandter.
maget Jungfrau.
malhe swf. sack, tasche.
man mann, lehnsmann.
mäne swm. mond.
manec manch, viel.
msere adj. Jierrlich, wert.
msere stn. nachricht, ruf;
höher m. sin in grossem an-
sehn stellen.
margarite perle.
mat subst. das mattmacJien im
Schachspiel; einem m. tuon
einen matt machen.
mäze stf. mass, verhältniss;
ze mäze in gehöriger weise.
me = mer.
megetlich jungfräulich.
meinen meinen, im sinne haben,
seine neigung worauf richten
(mit acc); mit lobe m. =
loben; m. an beziehen auf.
meiste superl. grösste.
melden verraten.
menen treiben.
menneschlichen adv. als
mensch.
menscheit menschliches wesen.
mere, mer, me substantivischei'
und adverbialer comp. mehr;
weiter, ferner.
merksere aufpasser.
merken aufpassen, beachten.
mez styi. mass.
mezzen messen, zumessen, ab-
wägen.
michel gross ; michels um vieles.
miden meiden, fern bleiben
wovon.
miete lohn.
milte adj. freigebig; stf. frei-
gebigkeit; miltecllche adv.
freigebig.
minneclich,« /r.minnecUche(n)
auf liebe bezüglich, in einer
202
der liebe entsprechenden
weise; lieblich.
minner, rainre adj. Meiner;
subst. u. adv. iveniger.
inissebieten , mit dat. gering-
schätzig behandeln.
missegau übel ergehn.
raissestän übel anstehn.
missetät vei-gehen, makel.
missetreten fehl treten.
missetuon unrecht handeln.
missevarn vei'kehrt handeln.
misseweude stf. makel.
mitewist stf. beiwohnung.
mittel adj. in der mitte be-
findlich.
mittelswanc mittlerer schwung
{des rosses).
mitten, ie mitten mittlerweile.
raüen = müejen quälen, be-
trüben.
müezen in die läge kommen
etwas zu tun, müssen, sollen,
mögen.
mügen können, vermögen;
gerne m. guten grund wozu
haben; müget ir schouwen
so viel als „schaut doch";
waz mac ich (des) tcas kann
ich dafür ; daz ich es niene
mac nichts dafür kann.
münizisen frügstempel.
muose prät. von müezen.
muot Seele, sinn, Stimmung,
absieht ; mir wirdet ze muote
eines dinges ich entschliesse
mich tcozu.
muoten an begehren von.
nac stm. nacken.
nach adv. beinalie; »tacÄ (dar
nach nachdem) ; jyräp. nach,
gemäss.
nähe(n) adv. nahe; n. spehen
genau zuseJien ; n. ligen am
herzen liegen.
naehest jüngst, vor kurzem.
nähgebür nachbar.
name name, stand, person.
ne, en, angelehnt n nicht; in
abhängigen conjunctivsätzen
1. es sei denn, dass ; 2. dass
nicht = lat. quin.
nebelkrä stf. nebelkrähe.
neina nicht doch, auch als er-
munternder zuruf gebraucht,
ohne dass etwas zu ver-
neinen ist.
nemen, sich an n. mit acc.
sich mit etwas befassen.
nem am leben erhalten.
niden stv. hassen, beneiden,
zürnen wegen.
nider adj. niedrig.
niender, niener nirge^ids; in
keiner hinsieht.
niene nicht.
niet ■= niht.
nigen stv. sich neigen.
niht nichts, nicht ; niht Steines
kein stein.
nit hass, neid, zorn; nit hän
m. gen. zürnen wegen.
niuwan, niewan nichts als, nur.
niuwe adj. neu, neumodisch.
niuwe stf. neuJieit, frische.
noch und auch nicht, noch;
ein weder kann vorhergeJien,
ist aber häufig zu er-
gänzen.
nöue (neunte stunde) himmel-
fahrtstag.
not, äne n. läzen unhelieUigt
lassen.
nötic in not befindlich.
nu jetzt, nun, nun aber;
da nun.
nuz stm. ertrag.
ob 1. präp. über; 2. conj. tcenn,
ob.
obe 1. adv. oben, über, mit
dat. über etwas hinaus; 2.
conj. = ob.
obedach obere bedeckung, ab-
sehluss.
och = ouch.
oder, ode, od oder.
203
ordenunge Ordnung, ahieilung
(engelchor).
organieren die hegleitwig spie-
len (?).
ors stn. ross.
ort stn. spitze, ende; unz üf
(an) daz ort bis zu ende,
roüständig.
ouge, under ougen in's gesteht,
im g.
ongenblic blick der äugen.
ougenweide stf. was man mit
den äugen erblickt.
onwe, ouwi ach (drückt
schmerz, Sehnsucht und er-
staunen aus).
palast sfmn.hauptgebättde einer
bürg, welches den saai ent-
hält.
pfaffe swm. geistlicher (nicht
cerächilich).
pfaflich adj. nach art der
geistlichen.
pfahten gesetzlich feststellen.
pfarre sicf. pfarrei.
Pfät stm. Po.
pfäwe sicm. pfau.
pfeller ein Seidenstoff.
pfenden berauben.
pflegsere rormund.
pflegen s/r. mit gen. sich wo-
mit abgeben, wofür sorgen,
etwas treiben, leisten, be-
sitzen.
pfliht anteil; äne p. ohne dass
jemand daran anteil nimmt.
pflihten sich verbinden; zno
mit.
porte pforte.
predjen predigen.
prtiefen untersuchen; anstif-
ten.
Pülle Äpulien.
r&t, des wirdet rät dafür wird
abhülfe geschaffen; min w.
r. mir tcird geholfen, ich
werde gerettet.
redegeselle freund, geliebter,
der sich an der Unterhaltung
mit der geliebten genügen
lässt.
rederich verständig.
regen in bewegung setzen.
reht stn. recht, was einem zu-
kommt; ze rehte in richtiger
weise, von recht stcegen;
durch r. von rechtswegen.
rehte ston. das selbe; nach
dem rehten richtig, gerade.
rehte adv. recht, gerade, wahr-
haft.
reine trefflich.
reise zug, auch kriegszug.
rennen sprengen (vom reiter).
reren fallen lassen.
rich(e) adj. reich, vornehm.
riche stn. reich, herrschaft,
reichsoberha upt.
riehen reich machen.
rihtaere richter, leiter.
rihten gerade machen, richten;
einem r. ihm recht ver-
schaffen.
rimphen stv. sich zusammen-
ziehen.
rinc panzerring; kreis von
mensclien, insbesondere ge-
richtsversammlmig.
ringe leicht, klein.
ringen stv. kämpfen, sich ab-
mühen.
ringen swv. leicht machen.
ris stn. stab, zepter.
risen stv. fallen; einem üf r.
auf einen fallen.
riuschen, rüschen tauschen.
r inten ausroden.
riuwe schmerz, reue.
riuwen stv. schmerzen, leid
tun.
Riuze Russe.
roeseloht rosig.
rüegen mit acc. vor gerichi
worüber klagen.
rüemsere pralüer.
rüemic prahlerisch.
204
rüereu berühren, treffen.
rügge stm. rücken.
rftnen, einem mite r. mit einem
vertraulich flüstern.
ruochen mit gen. sich kümmern,
geruhen; nu enruoche ich
kümmere mich nicht darum,
es ist mir einerlei.
ruowe rufie.
s angelehnt = es oder si.
sselde stf. glück, heil.
sseldenrich segensreich.
saelekeit glück.
sselic beglückt ; sselic si Segens-
ivunsch, mit dem man sich
von etwas abwendet, womit
man nichts zu schaffen
haben will.
sam(e) ebenso ; tvie, als ob.
sanfte adv. sanft, angenehm,
wohl.
sant = samt mit.
säze stf. hinterhalt.
schaben abkratzen.
schäch Schach (der zuruf beim
spiel).
schaffen ststov. ausführen, ein-
richten, festsetzen, bestim-
men, vermachen; mit in
schaffen mit ihnen gemein-
same Sache machen; part.
geschaffen beschaffen, ge-
staltet.
schal freudiger lärm einer hof-
haltung; ze schalle werden
zum gespött werden.
schale knecht, gemeiner, bos-
hafter mensch.
schalchaft gemein, bösivillig.
schalkheit gemeines benehmen.
schallen lärmen, jubeln; ein
grosses haus machen (75 87).
schani(e) schäm, schamhaftig-
keit: wibes seh. etwas, des-
sentwegen sich ein weib zu
schämen hat.
schämen schämen.
schapel stn. blumenkranz.
scheiden scJieiden, untei-scJiei-
den, entscheiden.
schellen einen schall machen.
seh em eil eil schändlich.
Schemen spotten.
schiere bald.
schiezen intr. sich rasch be-
wegen.
schilhen schielen.
schimpfen scJierzen.
schin adj. offenbar; seh. tuon
zeigen, seh. werden sich
zeigen. ^
schin stm. glänz, äusseres an-
sehn.
schinen glänzen, sich zeigen.
schöne adv. zu schoene.
schouwen substant..infin. aus-
sehen.
schrin stm. oder stn. schrein.
schroten, prät. schriet schnei-
den, zuschneiden, bildl. zu-
teilen.
schulde, schult schuld; von
schulden mit gutem gründe,
mit recht.
se interj. siehe, da {hast du).
sedel stm. sitz.
seit, Seite = saget, sagete.
selten umstricken (?).
selbwahsen von selbst ge-
wachsen.
selbwesende d^irch sich selbst
existierend.
selde stf. wohnsitz.
selpvar eigene färbe habend,
ungeschminkt.
selten, häufig litotes = nie.
seltssene seltsam.
sem mir (semir = sam mir)
got so wahr mir gott helfe.
senelich betrübt ; senelicher
kumber liebeskummer.
senen intr. und refl. schmerz,
besonders liebesschmerz em-
pfinden; part: senede, sende;
sende leit liebesleid, s. suht
liebeskrankheit.
seufte adj. sanft, angenehm.
205
seuf ten besänftigen, erleichtern .
ser stn. schmerz.
seien verletzen.
ses die sechs auf dem Würfel.
set, pluralbilduyig zu se.
setzen einsetzen; für s. sich
vorstellen, erwarten.
sibenen zur sieben machen.
Sicherheit gewähr, bürgscliaft.
siechen krank sein.
siechhüs krankenhaus.
sigen stv., prät. seic sinken.
sigenunft sieg.
sin, häufig im lil. geist, ver-
stand; einen sin (67 12) eine
verständige Überlegung.
sinewel kugelrund.
sinewellen icie eine kugel rollen.
sinnelos nicht bei sinnen.
sinnen ze auf etwas denken.
sippe adj. vertcandt.
Sippe stf. verwatultschaft.
Sit später, seitdem; sit daz
oder blo ss sit rel. na chdem,da .
Site stm., öfters im plur. sitte,
he}iehmen.
sitzen sich setzen; gesezzen
sin sitzen.
siuren bitter machen.
slahte stf. art; einer s. von
einer gewissen art.
sieht sclüicht, glatt.
suchen leise gelien.
slinden stv. verschlingen.
slipfic glatt.
sloufen aiizielien.
slucken rerscldingen.
smac geruch, duft.
smsehe widerwärtig, verächt-
lich.
smal schmal, gering.
smecken duften.
snüegen stv., pari, gesmogen
schmiegen.
snarrenzaere geigenkratzer (?).
snit schnitt, ernte.
so so, wie, wenn, dann; somit,
darum, atuJerseits, dagegen;
s6-ie — 8Ö-ie je-desto.
sorgen betrübt sein.
spaehe kunstvoll.
spam schonen; ü.f s. auf-
schieben.
spehen prüfend betrachten, ge-
wahr werden.
spil spiel, ergötzung; daz
bezzer s. das bessere teil.
spüde = spilnde pari.
spil(e)n sich lebJutft bewegen,
hüpfen, funkeln.
spiz spiessbraten.
spor stn. fusstapfen.
sprechen, mit dat. einem eticas
nachsagen, einen nennen;
einem zuo s. zu einem spre-
chen; einen tac s. festsetzen.
sprach aussjjruch, icort; läzent
sin ze spräche niet lassen
ihn nicht zu worte kommen.
Stäben den eid abnehmen {man
wurde dabei mit dem Stabe
des richters berührt).
stän, sten stehen, sich befinden,
sich ausnehmen; s. an ab-
hängen von ; bi s. neben et-
was stellen; lä stän lialt
inne.
starc gewaltig, gewichtig.
stat stf. stelle; an miner s.
soweit es auf mich ankommt.
stat(e) stf. gelegenheit.
stsete adj. beständig; siibst.
beständigkeit; adv. staetec-
lichen.
stseten beständig machen,
sichern.
Stegen den weg bereiten.
steUe f. gestell zum aufbe-
wahren von gegenständen
(69 11 ?).
stellen anstellen ; pari, gestalt
gestaltet, beschaffen.
sterben swv. töten.
stille heimlich.
Stire Steiermark.
stiure stf. Unterstützung.
stiuren unterstützen.
stole stf. priestergewand.
206
stoereu in Unordnung bringen,
zerstören.
«tolz stattlich.
sträle stf. pfeil.
strit streit, eifrige hemühung;
sunder s. sicherlich; den s.
behalten das feld behaupten ;
einem den s. läzen sich für
überwunden erklären, das
feld räumen.
striuzen spreizen.
strö Strohhalm, Strohlager.
stunde, ze stunden ahhald;
uuder stunden ab wui zu;
zeiner stunde einmal.
stunt = stunde in adverbialen
atisdrücken: zaller s. immer;
an der selben s. alsbald.
Sturm kämpf.
süenaere friedensstifter.
süenen zum frieden bringen.
süeze adj. süss, lieblich; sub-
stant. süssigkeit.
süezen süss macJien.
suht krankJieit.
suhl schuldig sein, sollen,
werden.
sumelich manch.
sumerlate stf. einjähriger
sehössling, rute.
sumunge säumniss.
Sünden sündigen.
sunder adj. besonder; adv. be-
sonders; präp. ohne.
sundern siov. sondern.
sunnevar sonnenfarbig.
suochen, an einen einen er-
suchen um.
suone frieden.
suontac tag des jüngsten ge-
richts.
sus so.
swä [so] wo immer.
swacn gering, loertlos.
swachen 1. verringert icer den;
2. schivächen , beeinträch-
iigen, an der ehre schä-
dtaen.
swalwe swf. schwalbe.
swaune, sweuue wenn (tem-
poral).
swar ivohin immer.
swär, swaere schwei; drückend,
unangenehm.
swsere stf. kummer.
Sweben schweben, schtoimmen.
sweiben schweben.
swelch, -hes tvas für einer,
welcfier.
swenden schwinden machen.
swenken schwingen.
swer, swaz [so] wer, was
auch immer; wenn jemand;
swaz kumbers wieviel kum-
mer.
swer(e)n schwören.
swie wie auch immer, wie sehr
auch, wiewol.
swinde kräftig.
swingen (sich) schictngen.
tac, bi kurzen tagen vor kurzer
zeit.
tach bedeckung.
tageliet morgenlied des Wäch-
ters, im plur., weil liet die
einzehie stroplie bedeutet.
tandaradei bedeutungsloser re-
frain.
tar 1. sg. zu türren.
teil, miner fröuden teil was
mir an freuden zugeteilt ist;
ein teil etwas.
tiure adj. kostbar, teert, selten;
adv. um holien preis; comp.
tiurre.
tiuren wertvoll machen, ver-
Jierrlichen.
tiu(t)sch deutsch.
toben rasen, nicht bei ver-
stände sein.
Toberlü Dobrilugk, ehemaliges
Cisterzienserkloster , jetzt
Stadt im regierungsbezirk
Frankfurt a. 0.
teeren zum besten haben.
toeresch töricht.
torste prät. von türren.
207
touc 1. sg. zu tilgen.
touf stm. taufe, christliche
religion.
toagen adj. und adv. heimlich,
stn. gsiieimnis.
tougen liehe adv. im geJieimen.
Trabe Trave.
träge adv. zu traege säumig.
trabten überlegen.
Träne Trani.
treit 3. sg. ind. von tragen,
triuten lieb haben, liebkosen.
triuwe stf., häufig im pl. treue,
gegebenes ivort, an den triu-
wen min, bi minen triuwen
in treuer gesinnung, auf-
richtig.
tröst Zuversicht, hoffnung.
troesten ermutigen, hoffnung
machen.
trüge stf. betrug.
trügelich, adv. trügelichen be-
trügerisch.
tugen taugen, wert sein.
tagenden w?'<tugentaMSS<a<(<?n.
tugent tüchtigkeit, treffliche
eigenschuft oder icirkung,
feines benehmeti.
tagen thaft liebenstvürdig , ge-
fällig.
tumben sich unbesonnen be-
nehmen.
tump unerfahren, unbesonnen,
töricht.
taon tun, haiuieln, maclien; wo
es ein vorlier gehendes verb.
vertritt, ebenso construiert
wie dieses (sie sebent mich
. . also tuon ich sie) ; ander
t. ducken, verstecken ; getan
beschaffen, wol g. schön.
turn turyn.
türren, ich tar, prät. torste
wagen.
tüsentstunt tausendmal.
twahen stv. waschen, praet.
twuoc.
twerch quer, schief; gen.
twerhes adv.
twingen zwingen, in seiner
geivalt haben, bekümmern.
übergeben aufgeben.
übergnöz stm. was alles atidere
in seiner art übertrifft.
übergrä übermässig grau.
Überguide stf. was etwas an-
deres an wert übertrifft.
Übergülden mit acc. einen
hölieren loert verleihen.
Überher übermässig vornehm.
überhere Übergewalt.
überhoehen übertreffen.
überkomen überzeugen.
übermäze stf. was über das
gebührende mass hinausgeht.
übermüete stf. Übermut.
übersehen nicht beachten.
überstriten besiegen.
übertrinken, sich sich im trin-
ken übernehmen.
überwundern durch tounder
überbieten.
übric zu gross.
üeben, sich sich bemühen.
üf adv. und präp. auf, auf
— hin, gegen, hin nach; üf
und abe zu und ab ; uf und
üz ganz und gar; üf ein
zusammen.
üffe adv. auf; ü. tragen auf
dem köpfe tragen.
umbevähen umarmen.
umbgrifen umfassen.
unbehuot ohne aufsieht.
unbereit unzugänglich, fem.
unbescheiden nicht bescheid
wissend.
unbetwungen nicht von kum-
mer bedrückt.
unbewoUen unbefleckt.
unbeworren unbehelligt.
unbilde stn. unerhörte erschei-
nung.
undanc, habeu. seivencünscht;
ze undanke tvider willen.
ünde stf. woge.
under adv. u. präp. unter,
208
zwtscfien; dar ander dabei,
inzwischen.
underkomen sieh vor selten
gegen.
underleinen stützen.
underwilen(t) zuweilen.
underwinden, sich sich an-
nehmen.
unebene unangemessen.
iineren scMndeji , gering-
schätzig behandeln.
unerläu nicht fahren gelassen.
uuverebenet unausgegliclien.
un verschart unverletzt.
unverworren ungestört.
unverzaget unverdrossen.
unfuoge Unschicklichkeit.
ungahtet mit gedanken nicht
erfasst.
ungebachen ungebacken, iin-
ausgebildet (?).
uugebsere stf. gejammer.
ungedienet ohne gedient zu
haben.
ungedult Unverträglichkeit.
ungefüege adj. unschicklich,
von unschicklichem beneh-
men.
ungefüege stf. Unschicklichkeit.
ungefuoc stm. ungebühr.
uugehazzet nicht angefeindet.
ungelonet, des wirt u. das
bleibt unbelohnt.
ungeloube falscher glaube,
irrlehre.
ungemälet ungeschminkt.
ungemeine nicht allen gemein-
sam.
ungemüete üble Stimmung.
ungenäde ungnade, elend.
ungenseme loiderwärtig.
ungeslehte wnedle Herkunft.
ungesühte stn. gicht.
ungewert keine gewährung er-
langend.
ungezogenliche auf unfeine art.
unheimlich nicht vertraidich.
unhövescheit unfeines beneh-
men.
uukiusche stf. unkeuschheit.
unkristen stm. nichtchrist.
unmsere gleichgültig, zuwider.
unmäze stf. masslosigkeit, Un-
ziemlichkeit (78 89i^
unmäze adj. masslos.
unnäheu adv. fern.
unnot, mir ist u. ich habe nicht
nötig.
unrehte adv. unrichtig, mit
unrecht.
unsselic vom Unglück verfolgt,
verwünscht.
unsanfte adv. unangenehm; u.
tuon weh tun.
unschamelich adj. dessen man
sich nicht zu schämen
braucht.
unsenfte adj. unangenehm.
Unsinnen subst. infin. törichtes
. benehmen.
unstsete adj. unbeständig ; stf.
Unbeständigkeit.
unsümic nicht saumselig.
unwerdekeit mangel ami ach-
tung.
unwert gering geachtet.
unwirden mit acc. die achtung
benehmen.
unwise üble melodie.
unwitze stf. unterstand.
unz bis.
urloup erlaubnis (zu gehen),
Verabschiedung.
ursprinc quell.
üzer adj. äussere.
wä wo ; wä nemt ir woher;
wä nu wo sind nun.
wäfeu interj. wehe.
waejen, wsen wehen.
wal, gen. walles das wallen,
wallende flüssigkeit.
Walch stm. Wälscher.
walden, walten mit gen. in
seiner gewalt haben, sich
icomit abgeben, es fügen.
walgen sich wälzen, rollen.
wallsere pilger.
209
wamme stf. hauch.
wan 1. ausser, nur, als (nach
negatioiien) , sondern; wan
daz nur dass, icenn nicht;
wan der dorn wäre nicht,
der dorn; niht wan nichts
als nur ; 2. = wände ; 3.
warum nicht, dass doch.
wan meinunff, hoffnung; aue
w. , sunder w. sicherlich;
nach wäne aufs Ungewisse.
wauc, plur. wenke das wanken,
abkehr von etwas.
wände, wand, wan deym, weil.
Wandel itm. oJer n. makel,
fehler, Schadenersatz.
wandelbsere mit felüern Ge-
haftet.
wandelieren variieren, man-
nigfaltig machen.
wandeln Schadenersatz leisten.
wpenen meinen, glauben, hoffen.
war nemen, w. tuon mit gen.
achten auf.
war ade. tcolitn; wo in w. nach,
w. zuo.
war stn. wahrJieit; w. haben
recht haben.
wärhaft sein wort haltend.
wärheit Wahrhaftigkeit, ge-
gebenes wort ; von w. wahr-
haftig.
warnen, sich sich versorgen.
warten schauen; warten {mit
gen.); auch mit dat. = auf-
lauern; wart nmbe dich
schau dich um, nimm dich
in acht.
wasten verwüsten.
wät stf. gewand.
we wehe, ach (für jede art
von gemütsbewegung).
^vec, ander wegen län bleiben
lassen; ze weg'e auf dem
wege, fort.
weder welcher von zweien ; im
ersten gliede einer doppel-
frage = lat. utrum.
wegen stv. wägen, erwägen;
Walth. V. d. Vogrelweide. 5.
höhe w. hoch anscldagen,
grossen wert legen auf.
wegewerende den weg ver-
sperrend.
weise swm. waise; so hiess
der kostbare edelstein in
der deutschen königskrone,
weil er nicht seinesgleichen
hat.
wellen wollen; meinen, be-
haupten ; waz wolde ich dar
gesezzen was hatte es für
einen zweck, dass ich mich
dahin setzte.
wenden hinwenden, zuwenden;
abwenden, ein ende womit
machen ; einen eines dinges
einen icovon abbringen.
wenen sich mit gen. sich ab-
geben mit.
wengel stn. wänglein.
wenken ausweicJien, nicht
stand halten.
wer, waz wer; irgendwer ; gen.
wes iceshalb; waz mit gen.
ivas für; waz ob wie wenn,
vielleicht; waz danne, w.
darumbe was tut es.
wer stf. Verteidigung.
werben sich bemühen, handeln.
werc tcerk, {schneider-)arbeit.
werde in würdiger weise.
werdecliche(n) in ehrenvoller
weise; w. ligen würdig an-
gebracht sein.
werdekeit ehre.
werden werden, zu teil werden;
vvider w. zurückkommen, von
neuein zu teil werden; ze
leide w. in leid geraten;
waz wirt der vogeline tcas
soll aus den vöglein werden.
werfen, umbe w. herumwerfen,
verändern.
werlt weit; zer wcrlte ver-
stärkt bei ie ; al diu werlt vgc.
wem währen, dauern.
wem gewähren, einen eines
dinges.
Aufl.
U
210
wem wehren.
werren stv. mit dat. stören,
bekümmern.
wesen sein.
wesse prät. von wissen,
wette stn. pfand , bezalüung
einer schuld.
wibel stm. kornwitrm.
wiben, sich ein, tceiöliches
wesen annehmen.
wich 75 172, s. anm.
wider adv. gegen, dawider;
zurück, von neuem; präp.
mit acc. und dat. gegen,
gegenüber, im vergleich zu.
widerlernen verlernen.
widersagen das gegenteil von
etwas sagen {mit acc.) ; fehde
ankündigen.
widerstän zuicider sein.
widerstrebe toiderstand.
widerstrit Wettstreit; en w.
um die wette.
widerswanc gegenschlag.
widertuon zurückgeben, ver-
gelten,
yviderwürken zunichte machen.
widerzseme widerwärtig.
wiht geringfügiges ding, nichts.
wilde adj. nicht gezähmt, nicht
vertraut, fremd.
wilde stf. ungezähmtheit , un-
stäfes boieJimen.
Avile, die wile tcährenddem;
under wilen bisweilen.
wilent eJiedem.
wiut, ein w. etwas nichtiges.
wint = windet,
wipheit Weiblichkeit.
wirde würde, ehre.
wirden wert machen.
Avirs adv. comp, schlechter.
Wirtschaft hausJwrrnschaft.
wise weise, melodie; kürzere
form wis: in baUes wis nach
art eines balles.
wit stf. Strang aus geflochtenen
reisern; bi der wide bei
strafe des Stranges.
witze stf., öfters im plur. cer-
staml.
wiz, daz wize = das weisse
im äuge.
wizen stf. vorwürfe machen,
einem die schuld wovon (acc.)
gehen.
wizzende stf. wissen.
wolgetsene Schönheit
Avolveile leicht käuflich; w.
unwirdet l. k. zu sein
schäiulet.
wort und wise text und me-
lodie.
wunder lownder, etwas ausser-
ordentliches, mit gen. qrosse
menge wovon ; mich uimt w.
eines dinges mich ergreift
Verwunderung worüber.
wundersere wutidertäter.
wunderlich uimdervoll, selt-
sam.
Avunderlichen adv. ausser-
ordentlich.
wundern tcunder tun.
wunderwol ausserordentlich
gut.
wünnebernde, wunneclich
wonnevoll.
wünsch Vollkommenheit ; ze
wünsche in vollkommener
weise.
wünschen sich ideale bilden,
phantasieren.
würken, part. geworht handeln,
bereiten.
würz stf. kraut.
zage swm. feigling.
zagel stm. schwänz.
zäi interj. hah.
zam vertraut.
zamen zahm, fügsam macJien.
zart stm. liebkosung.
zarten liebkosen.
zehant sogleich.
zein stm. metaUstab.
zeln ze anrechnen als ; gleich-
stellen ivomit.
211
zemea stv. geziemen, wol an-
stehen, gebühren.
zer stf. zehrung.
zerliden zerstückeln.
zerstceren in vericirrung
bringen.
zesewer adj. flect. rechter
(dexter).
aester 107, 75 vielleicht für
sester , bezeichnung eines
masses aus lat. sextarins.
zeslunden sofort.
zewäre fürwahr.
ziehen ziehen, erzielten; den
zonm z. straff anziehen, utn
den lauf zu hemmen; baz ge-
zogen besser gezeichnet, ge-
bildet ; z. nihinauslaufen auf.
zit, an der z. rechtzeitig.
zogen hinhalten.
zorn, mir ist z. mich versetzt
in zorn.
zucken gewaltsam oder rasch
ziehen, icegreissen; sie ruh-
ten iif sie rissen in die höhe
(ihre habe, damit niemand
etwas davon bekäme).
zuht erziehung, wolgezogen-
heit, anstand.
zunge spräche, nation.
zweien entzweien.
zwifel zw ei fei, ungewissJieit;
verztveifhing.
zwivelsere verzweifler , i)essi-
mist.
zwivellich verzweiflungsvoll ;
zwivellicher wän Verzweif-
lung.
zwivellop zweideutiges lob.
zwivelwän ungewissheit.
zvnx adv. zweifach.
zwisch zweifach, in under
zwischen unter einander.
Druck von Karras, Kröber & Nietschmann, Halle (Saale).
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